Archiv der Kategorie: Wer hat Angst vor RotGelbBlau?

Filmszenen I ” ..wie lange?..” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 2b Schluß. Porträt Müller ( Heino Ferch ) 1990


Bildquelle und ale Bildrechte bei Videophon GmbH München

” ..wie lange?..” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 2b Schluß. Porträt Müller ( Heino Ferch ) Regie: Heiko Schier, Buch: Heiko Schier 1990


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Er hört ihre Worte, kleine Pause, guckt. Dann wirft er den Kopf .

Gut.

Sagt er

Ich warte. Deutet sofort mit dem Kopf auf den Sozius seiner Vespa. Steig auf.

Francis Du bist verrückt.

Nein! sagt er und gibt seiner Vespa wieder einen heftigen Vorwärtsstoß. Beide im Profil, sie steht ganz locker, er hält noch immer seine Vespa.

Ich liebe Dich.

sagt er und versucht sie anzusaugen. Sie gibt dem scheinbar nach, beugt sich vor, antwortet mit aufreizendem Lächeln:

Ich werde Dich nie lieben.

Die Luft flickert (was? Nein, nicht fickert – flickert) , überall Funken, alles sprüht, glitzert, man könnte mit dem Strom zwischen den beiden ein Radio betreiben.

Mindestens einen Moment lang.

Ende des Films.

————–

Kommentar:

Wäre das Thema Liebes- und Beziehungsdrama ein fünfzehn Jahre großer Palast mit einer langen Enfilade von Räumen, -Tür nach Tür, Raum nach Raum, -wären wir in RotGelbBlau im ersten Saal und würden mit Winterschläfer, Spiel um Dein Leben, Grüne Wüste, Marlene, Todfeinde, Nachts im Park, Der Anwalt und sein Gast und zuletzt Hölle im Kopf Saal um Saal, Szenerie nach Szenerie durchschreiten, bis wir im Heute angekommen sind.

Wir stehen vor der letzten Tür.

Legen neugierig die Hand auf die vergoldete Klinke.

Unser Blick schweift hoch zur Supraporte.

Was steht da?

Kommentar geschrieben im November 2005.

Filmszenen I ” ..wie lange?..” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 2a Schluß. Porträt Müller ( Heino Ferch ) 1990


” ..wie lange?..” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 2a Schluß. Porträt Müller ( Heino Ferch ) Regie: Heiko Schier, Buch: Heiko Schier 1990


Bildquelle und ale Bildrechte bei Videophon GmbH München

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Vespa: die zweite.

Francis steht im dunkelblauen Business-Kostüm und mit Handtasche an der Uferbalustrade. Wir blicken mit ihr über den glitzernden Fluß auf die Stadtsilhouette am jenseitigen Ufer.

Von hinten tritt jetzt Banuscher an sie heran, im schwarzen Schniegelanzug.

Er sagt: Es tut mir leid.

Francis: Lieber Gott, schick ihn weg.

Banuscher schnippt seine allfällige Zigarette weg, sieht nach Francis.

Sie geht weg, Stechschritt, straffes Tempo.

Er sagt ihr hinterher: Ich will Dich malen.

Dieser Satz hält sie ruckartig an.

Sie dreht sich um, geht zu ihm zurück und knallt ihm ordentlich eine.
Sein Kopf fliegt zur Seite.

Sie dreht sich sofort wieder in ihre Richtung, läuft die Uferstraße entlang.

Da rattata-töfftöfftöfft Müller auf seiner Vespa heran, Jeansjacke und –hose in sorglos hell- und himmelblau, bleibt neben ihr stehen.

Francis schreit ihn an: Du auch noch!!

Stiefelt wütend weiter. Er guckt ihr nach.

Sie fährt herum:

Haut doch endlich ab!!!! Verschwindet aus meinem Leben!!! schreit sie und rennt weiter.

Müller bleibt auf seinem Töfftöff sitzen, sieht ihr nach, dann sucht er – Verständnis heischend – Blickkontakt zu Banuscher.

Schnitt.

An der Balustrade. Banuscher steht da und raucht.

Mit einem Ruck steht Müller vor ihm. Mit dem Rücken zu uns.

Plötzlich Gary Cooper Stimmung: High Noon.

(Song (-imaginiert-)….Rattatam-rattatam..
Do not forsake me, oh my darling (…)-
I do not know what fate awaits me,
I only know I must be brave
And I must face a man who hates me,
a lying coward, a grieving coward….)

Banuscher merkt, dass Müller ihn aggressiv fixiert. Sowas kennt er von ihm nicht.

Banuscher lächelt süffisant: Glaub´ mir Müller, sich wegen einer Frau schlagen lohnt nicht.

Er zündet sich die Zigarette an und wendet sich cool ab.

Close up Müller.

Müller, angefressen: Warum eigentlich nicht?

Huch – auf einmal hat er suppentassengroße schwarze Augen. Auch ein Lieblingshund kann beißen.

Schnitt.

Wir begleiten Francis, die langsam und ausgepowert dahingeht, dahinwankt.

Da, auf einmal, zack!- Müller schießt von links ins Bild, schiebt die Vespa, läuft wieder neben ihr her, wie damals.

Francis starrt beim Vorwärtsschwanken geradeaus, nutzt ihn sofort als Plauderwand, als kathartischen Resonanzboden, wie immer. Sie sieht ihn nicht an. Deshalb bemerkt sie nicht, was wir sehen.
Müller hat eine Platzwunde an der Lippe.

Francis: Hat zu Dir schon mal n´ Hase gesprochen?

Müller antwortet sofort, obwohl er noch leicht außer Atem ist:

Nein, nur ein Mops.

Lächelt sie an: Was hat er denn gesagt?

Francis: Geh´ nach Hause, die haben Dich reingelegt.

Bleibt stehen, schaut immer noch geradeaus. Eigentlich ist alles Deine Schuld!

Müller: Wieso meine Schuld?

Durch Dich hatten wir diese Ostausstellung, dann kam der Erfolg, ohne Dich wären wir heute noch zusammen.

Müller fällt ihr ins Wort: Ich war dagegen! Ich hab´s für Dich getan.

Francis: Sag´ ich doch, alles Deine Schuld.

Müller Du wolltest mir nicht glauben.

Francis Nein.

Müller: Und… glaubst Du mir jetzt ?

Sie sieht ihn an.

Du blutest ja.

Greift ihm an den Mund, um das Blut abzuwischen. Prüft die Verletzung. Ihre Hand liegt auf seiner Wange, die Berührung ist halb medizinisch, halb tröstend.

Er steht immer noch da mit den Händen am Lenker der Vespa, dreht den Kopf ganz zu ihr hin, in ihre prüfende Hand hinein.

Francis Was hast Du hier überhaupt verloren?

Müller lächelt süffisant, beugt sich ein wenig zu ihr.

Mit mir muß man immer rechnen ! [ha!]

Sie geht weiter, er lächelt ihr nach. Es sieht aus, als zöge sie ihn an einem unsichtbaren Faden hinter sich her.

Sie geht wieder weiter. Ich lieb Dich nich. Starr, trotzig.

Er, sofort: Wie lange?

Sie wendet sich ihm zu, er beugt sich ein wenig über den Lenker, sieht aus wie ein fluffiger junger Hund, ein erwartungsfroher Welpe.

Wie lange wirst Du mich nicht lieben,.. zwei Tage, ..drei Jahre …oder überhaupt nich?

Francis: Das ´s doch egal! Geht weiter.

Müller: Nein.

Schiebt seine Vespa wieder an, gibt ihr einen Drive nach vorne, holt auf.

Es is wichtich.

Also.

Hat sie überholt, guckt ihr ins Gesicht.

Wie lang?

Wartet fröhlich, froh, hundertprozentig sicher, dass er geliebt werden wird, unverbrüchlich.

Francis: Ich weiß es nich.


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Filmszenen I “…wovon träumst Du?” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 1a Porträt Müller ( Heino Ferch )1990

“…wovon träumst Du?” in: Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Teil 1a Porträt Müller ( Heino Ferch ) Regie: Heiko Schier, Buch: Heiko Schier 1990

Bildquelle und ale Bildrechte bei Videophon GmbH München

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Cover VHS Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Heino Ferch - Müller

„Es wächst doch jetzt alles wieder zusammen, auch die Kunst.“

Produktion 1990, Heino Ferch ist 27 zarte Lenze jung.


Situation:


Junge Maler aus Ost- und Westdeutschland in Berlin ganz kurz nach dem Mauerfall –also 1990.

Der Film war zu seiner Zeit ein Kultfim, wie später z.B. Lola rennt.

Die gezeigten Gemälde sind alle von Rainer Fetting, der damals zum Kern der Avantgarde „Junge Wilde“ gehörte.


Die Malerei der Jungen Wilden brachte in den Neunzigern ein Aufatmen in die festgefahrene Malerei-Szene.


Fetting gehört heute zur allerersten Garde deutscher Maler des 20./21. Jh.s. Seinen Karriere-Durchbruch hatte er zwei Jahre nach diesem Film, 1992.

Die jungen Akademieabsolventen Müller (Heino Ferch) und Banuscher Foto Banuscher (Max Tidof ) malen und leben in einer umfunktionierten großen Garage. Francis Foto Francis ist Banuschers Modell und Geliebte, eine junge Frau, die fest an Banuschers Genialität glaubt und durch Fließbandarbeit bei Osram für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgt. Solange, bis Banuscher reich und berühmt ist, meint sie. Dann wird er dran sein mit Lebensunterhalt.


Banuscher wird nichts von alledem tun. Sofort nach seinem ersten Galeristenvertrag und seiner ersten Solo-Ausstellung, die ein paar Tausend Mark gebracht hat, wirft er Francis weg.


Er will „ganz neu“ anfangen.


Müller, -er kommt aus dem Osten-, arbeitet als Daytimejob, (bis auch er berühmt und reich ist) – als Assi für den arrivierten Maler Stargard Foto Stargard. Seine vorherigen Daytime-Jobs waren Schlachthaus und Straßenbau gewesen, also gaaanz unten. Müller hat Stargard jeden Wunsch von den Augen abzulesen und tut dies mit perfekter Devotion.


Museumsdirektoren geben sich in Stargards Atelier die Klinke in die Hand, um einen der fast unbezahlbaren Stargards für ihre Sammlung zu erwerben.

Exposition. (wie isser denn so, unser Müller?) Szene in Stargards Luxusatelier:


Ein Ankäufer, den Stargard absichtlich allein mit Müller warten lässt, sagt zu Müller:


Sie haben eine privilegierte Position, junger Mann. Sie sind der erste, der seine Bilder sieht.

Pause, dann, neugierig:


Wie sind sie denn so? Seine letzten?


Müller sitzt in `Arbeitskleidung`, das heißt, in Malerhose und Unterhemd, aktmodellmäßig dekorativ hingegossen auf einem Stuhl und reagiert nicht.

Der Ankäufer ärgerlich:


Ich rede mit Ihnen!


Müller räkelt sich gelangweilt. Dann, endlich, gibt er dem Herrn Museumsdirektor die Ehre einer Antwort:


Meine privilegierte Position, ….Doktor Lisser,…. untersagt mir leider, mit Kunden zu reden.

Süffisant pseudoverbindlich freches Grinsen.


Unverschämt. Man möchte ihm eins in seine überhebliche Fresse hauen.


Die Überheblichkeit ist Auftrag. Sie erhöht Stargards Wichtigkeit.


————-

Es ist Sommer. Die jungen Leute tragen Klamotten, die sie mehr ent- als bekleiden, die Männer körperenge Trägershirts mit Ausschnitt bis unters Brustbein, nackte Schultern und Oberarme, Müller in weiß, ein Hauch von kurzämeligem Hemd mit halbmetertiefem V-Ausschnitt… die Mädchen Minis und durchsichtige Blusen, Badeanzüge oder einfach nur Unterwäsche oder – beim Modellsitzen oder Vögeln – gar nichts.


Francis sucht einen Weg, die Aufmerksamkeit der Sammler und Galeristen auf Banuscher zu ziehen, sie organisiert eine Gemeinschaftsausstellung von Banuscher und Müller.


Bei der Vorbesichtigung der Ausstellungsräume treffen sie auf eine junge Malerin aus der Ex-DDR: Clarissa. (Die junge Malerin ist niemand anderes als – Claudia Michelsen, noch so unbekannt, dass sie nicht mal in der Besetzungs-Liste erscheint.)


Szene im Strandkorb.


Francis sitzt in einem Strandkorb, Müller davor am Boden.


Müller: Diese Woche entscheiden sie über mein Stipendium [für New York, dem Brennpunkt avantagardistischer Malerei. Anm. d. Red.], ich kann vielleicht sogar jemand mitnehmen.

Francis Wen willst´ n Du mitnehmen?

Müller Vielleicht ´ne Frau.

Francis Haste eine?

Müller Nee……. Hälst Du das für ausgeschlossen?

Francis Man soll die Hoffnung nie aufgeben, hier laufen doch genuch rum..

Müller „- – -“

Müller schiebt sich auf die Sitzfläche des Korbs, legt sich genüßlich zurück, die Arme über dem Kopf verschränkt, schlägt ein Bein über, – von Francis weg.


Müller wirkt fast immer sorgenfrei, fröhlich fast, ausgeglichen, Ironie hilft ihm, Anwürfe abzupuffern, nichts kratzt ihn wirklich.

Ganz, ganz hinten allerdings fühlt man manchmal ein pudriges Flackern, eine leise Neugier, die mit offenem Mund beobachtet, ohne sich gehen zu lassen, ohne sich dazu verleiten zu lassen, vorzupreschen, sich eine Blöße zu geben.


Er ist entschlossen, eine stützende Säule zu sein, oder er ist so von Natur. Er wirkt zugewandt gutmütig, lässt sich oft am Kopf und Nacken knuddeln, stübern oder streicheln, wie man ein Haustier knuddelt.

Müller Wovon träumst Du, wenn Du bei Osram aufhörst?

Francis Weiss nich.

Müller Wovon träumst Du?

Francis Ach, Müller, mein Traum sitzt da vorn und redet dummes Zeug.


Der Traum, ihr Macker Banuscher, reißt gerade Clarissa auf. Kein großes Problem bei Banuschers Aussehen. Ein bißchen cooles Getue und die Festung fällt.


Francis muß laut werden, um den Aufriß zu unterbrechen, „DDR-Zicke“ schreit sie Clarissa an. Abgang Banuscher, Francis und Müller.


Szene Vernissage-Nachfeier bei Stargard.


Stargard (betrunken): Müller war eine faule Sau, der is heute noch eine faule Sau.


Stargard knuddelt seinen Assi am Kopf und schmatzt ihn auf die Stirn. Müller genießt bei Stargard Welpenschutz.


Banuscher will ganz nach oben. Ich wette: Müller schafft es [hört hört, wie wahr, wie wahr!] Banuscher schafft es nicht. Zu ehrgeizig….


Banuscher bekommt seinen ersten Vertrag mit einem Galeristen.


Er Warum glauben Sie an mich


Galerist Ich bin jetzt ihr Galerist, ich muß doch an Sie glauben.


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