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Filmszenen I …die Sterne hab´ ich mit der Hand gefangen… in: Vom Suchen und Finden der Liebe. Heino Ferch – Hermes. Regie: Helmut Dietl, 2004-2005

Teaser Film Vom Suchen und Finden der Liebe. Heino Ferch - Hermes Aphroditus

„…die Sterne hab´ ich mit der Hand gefangen, und bis zur Neige jedes Glas geleert…in: Vom Suchen und Finden der Liebe.
Heino Ferch – Hermes Aphroditus.
Buch: Helmut Dietl und Patrick Süskind, Regie: Helmut Dietl. 2004-2005

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Wir erinnern uns, Hermes, der Liebesgott, der Unglückliche, der, – selbst Liebesspender- , immerzu für sich auf der Suche nach Erfüllung bleiben musste, ist nicht nur er selbst, Hermes Aphroditus, der Goldgeflügelte, der Lethespender.

Die Morphings zeigten uns: er ist auch Venus Morgenstern, er ist auch Mimi Nachtigall.

So ist diese Schluss-Szene, die uns die Zeit weit nach dem Ende einer großen Liebe zeigt, auch eine Szene mit Hermes Aphroditus (Heino Ferch.)

Die Szene

Berlin Mitte, Nacht. Mimi überquert den Opern-Platz.

Voice Over Sprecher:

…gelang es Mimi schließlich, eine auf drei Stunden befristete einmalige Aufenthaltsgenehmigung für Berlin Mitte zu erwirken. Allerdings unter der strengen Auflage, die Besuchszeit ausschließlich zum Zwecke eines letzten klärenden Gesprächs zu nutzen.

Schnitt. Im Opernhaus:

Mimi Nachtigall, jetzt schon silberhaarig, betritt den bis auf den letzten Platz ausverkauften Theatersaal, auf dessen Bühne Venus Morgenstern an diesem Abend ein Konzert geben wird.

Der Vorhang hebt sich.

Venus´ zarte Gestalt erscheint im Gegenlicht, ihr Haar leuchtet wie eine Aureole um ihren Kopf. Der Suchscheinwerfer erfasst sie, ihr Gesicht nah: sie ist dramatisch gealtert, vielleicht ist sie siebzig Jahre alt.

Viel, viel Zeit ist auf der Erde vergangen, seit Mimi sie verlassen hat.

Mimi nimmt im Publikum Platz. Die Mehrzahl der Zuhörer ist weisshaarig, Venus´ Publikum ist mit ihr gealtert.

Applaus, die Introtakte einer Ballade klingen auf, Venus beginnt zu singen:

Alle dunklen Strassen bin ich schon gegangen, hab´ jedes Meer im Sturm schon überquert,

Mimi nah. Er ist sehr sehr ernst, ja – betroffen. Sein Sternchen ist eine alte Frau geworden.

Die Sterne hab´ ich mit der Hand gefangen,
und bis zur Neige jedes Glas geleert…

In weissen Nächten hab´ ich ruhelos gesucht..

Und hab´ mich doch dabei verflucht,

denn was ich wirklich suchte,
das konnte ich nicht finden.

Mimi wieder nah. Tränen stehen in seinen Augen.

Er schließt die Augen, eine Träne rinnt über seine Wange, er versucht, sich zu fassen.

Es geht nicht.

Venus:

Wo sind Deine Lieder?
Sing sie noch einmal!


Sing mir Deine Liebeslieder

Sing sie noch einmal…

Mimi kann die Erkenntnis, dass sein Sternchen in Sehnsucht nach der vergangenen großen Liebe gealtert ist, nicht ertragen. Er verlässt den Saal, kaum in der Lage, seine Fassung aufrecht zu erhalten.

Schnitt.

Nach dem Konzert. Auf dem Platz vor dem Opernhaus. Es ist Winter. Einzelne Schneeflocken treiben vorbei.

Das Publikum verläuft sich, viele Leute in Wintermänteln verlassen das Opernhaus und gehen vorbei.

Ganz hinten, zuletzt, eine schöne schlanke Dame im Zobel mit einem riesigen Strauß weisser Lilien – Beerdigungsblumen.

Mimi Nachtigall sieht sie, geht auf sie zu, direkt an ihr vorbei. Nach einigen Schritten bleibt sie stehen, wendet sich um:

Ein sehr forschender Blick von ihr zu ihm, dann:

…sie haben ,… eine gewisse….entfernte…Ähnlichkeit… mit jemandem, den ich mal sehr gut kannte….

Mimi, aufgeregt, berührt: …Sie auch….

Venus: …jemand, den ich mal sehr geliebt habe…

…vor langer langer Zeit…

Mimi: der müsste dann jez..ah.. so ungefähr in ihrem Alter sein.

Venus: Eher etwas älter. Er war etwas älter als ich.

Aber… so seh ich ihn gar nicht, wenn ich an ihn denke…

Wenn ich an ihn denke, dann…..seh ich ihn so…..wie er war….…als ich ihm zu ersten Mal begegnet bin. …..je länger so eine Sache her ist, erinnert man sich nur noch an das Schöne….und…..das Schreckliche vergisst man.

…möchte gar nicht daran denken, wie der sich immer benommen hat.

..Am Schluß war der dann sogar richtig ausfallend und beleidigend!

Mimi ist immer noch sehr bewegt, traurig: Während des ganzen Gesprächs glitzern Tränen in seinen Augen.

Vielleicht hat er´s nicht so gemeint.

Venus: Doch doch. Sie kommt näher:

Wissen Sie, was der zu mir gesagt hat?

Mimi, ängstlich:

Nein…was?

Venus:

Ich mag´s gar nicht wiederholen.

Mimi:

Sagen Sie´s ruhig.

Venus:

…jedenfalls hab´ich ihm darauf gesagt, wenn das so is´, dann ……fahr zur Hölle, Du….ARSCH…. ….und das hatter dann auch getan. ..leider.

Wind kommt auf, trifft Venus, bewegt ihr Haar.

Aber es war gut so.

Mimi wiederholt fragend: Gut so?

Venus:

Unsere Liebe war ja so groß. Größer hätte sie gar nicht mehr werden können. Höchstens kleiner.

Mimi blickt zu Boden. Nachdenklich:

Vielleicht.

Venus:

Ich will mich doch lieber an etwas …Großes .. erinnern.

…etwas…Einmaliges…

Mimi lächelt durch Tränen.

Er ergänzt: … Unvergleichliches…Magisches…Poetisches…

Venus:

Romantisches.

Mimi:

Unmögliches.

Mimí Nachtigal und Venus Morgenstern (Moritz Bleibtreu und Alexandra Maria Lara)

Bildquelle und Bildrechte bei Constantin Filmverleih

Venus nähert sich Mimi. Langsam. Schritt nach Schritt.

Sie scheint den Mann vor ihr nicht mehr für einen Fremden zu halten, sie scheint zu ahnen, zu wissen: Der Mann ist nicht wie Mimi, er ist Mimi.

Jetzt steht sie vor ihm.

Gute Nacht. Sagt sie. Leise.

Und ergänzt:

Mimi.

Die Blüten des großen Lilienstrausses rascheln leise, als sie sich vorbeugt und ihre Lippen kurz an Mimis Wange legt. Mimi schließt die Augen.

Heute und Damals sind ein Moment, derselbe.

Er flüstert ihr zu:

Gute Nacht Sternchen!

Freundlich, freundschaftlich. Er lächelt noch einmal das Lächeln, das er früher, damals, immer für sein Sternchen gelächelt hatte.

Venus dreht sich zu uns um. Trauer sehen wir, Traurigkeit, alten Schmerz, endgültige Einsamkeit, Stillstand, zu viel Vergangenheit, zu wenig Zukunft. Ihr Blick geht zu Boden, nicht nach vorne.

Mimi, der sich in heissem Schmerz getötet hatte, ist nicht der Verlierer.

Die Flammen von Liebe und Verlust sind heute für ihn tief herabgebrannt. Ein wenig rote Glut leuchtet noch in dieser „dunklen Straße“ , wie Venus gerade noch gesungen hatte.

Verloren hat das „Große Spiel der Liebe“ Venus, die scheinbar Überlebende.

2004-2005 Heino Ferch (im Alter von 41) – Hermes Aphroditus, Moritz Bleibtreu – Mimi Nachtigal, Alexandra Maria Lara – Venus Morgenstern.

- – -

..und was erwartet und am kommenden Montag?

Ist Frau Ignaz Herrn Schliemann doch noch nachgeschwommen? Na klar. Doch – sehen Sie selbst:

Frau Ignaz sucht Schliemann und findet ihn im Zelt


Da wir – entgegen der säuerlich unkenden Tagespresse – mit dem Film keine Genreprobleme haben und die Augen nicht vor den komödiantischen, märchenhaften und im besten Sinn Karl-May-Festpielhaften Anklängen

im Film und in der Filmfigur Schliemann verschließen, gibt´s bei uns jetzt auch mal Comic Strip.

(wir haben in unsererer Jugend doch tatsächlich von den 75 Karl-May Bänden 45 gelesen. Wir sind mit ihm durchs wilde Kurdistan gereist und mit ihm auf Hatatitlah geritten. — Lust auf ein Kapitel Winnetou I ? Audio.mp3 (Lesezeit 51 Min) zum kostenlosen Download auf www.vorleser.net ,  hervorragend gelesen von Wolfgang Gerber.

..übrigens wurden an diesen Wasserfällen hier im Bilde- wenn wir uns nicht sehr irren, tatsächlich die Winnetou-Folge “Der Schatz im Silbersee” gedreht. – Wobei wir bei der silbernen Schale im Teich der Schliemanns in Ankershagen wären. Der Kreis schließt sich….)

Stay tuned!

- – -

in eigener Sache: ach Du liebe Zeit!

wir begrüssen auf unserer Website Besucher der Redaktion “Die Zeit
..und die HdM Stuttgart.

17.6.2007

Filmszenen I “..ich habe eine Andere…” Teil 1b Kommentare. Hermes – Heino Ferch. in : Vom Suchen und Finden der Liebe 2004

Bildquelle und alle Bildrechte bei Constantin Film AG, München

“..ich habe eine Andere…”: Teil 1b Kommentare. Porträt Hermes Aphroditus ( Heino Ferch ) in : Vom Suchen und Finden der Liebe. Regie: Helmut Dietl. Buch: Patrick Süßkind und Helmut Dietl. 2004

Homepage des Films

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Kommentar 1:

Über Vom Suchen und Finden ist ein Film der Emblemata. Das heißt, Bedeutungen begegnen uns – neben der offensichtlich präsentierten Story Line – in symbolisch verschlüsselten Bildern und Symbolgruppen, die ihre eigene Sprache assoziativer Bedeutungskomplexe sprechen…. Hier nur ein punktuelles Blitzlicht:

Hermes Aphroditus

Interessant ist der hohe Stilisierungsgrad der Figur Hermes Aphroditus. Wie er spricht, was er sagt, wie er es sagt, ist retro bühnenhaft und somit emotional abstrahiert.

Das ganz und gar golddurchwirkte Kostüm schafft Anonymisierung, ebenso das ‚hübsche’ aufgemalte Gesicht, durch das sehr irritierend immer wieder Bitternis und Trauer hindurchscheint.

(Die Stärke der Trauer ist ganz besonders extrem zu sehen in den Morphings, in denen das junge ein wenig traurige Gesicht von Venus oder Mimi in die untröstlich atemlos traurigen Züge des Hermes Aphroditus mutiert, der Ausdruck von Trauer sich um ein Vielfaches potenziert. Die höhere Anzahl an Lebensjahren des Hermes Aphroditus scheint eine Maßgabe für die Stärke des Ausdrucks von Trauer, hier hat die Zeit den Brunnen der Tränen weiter angefüllt. )

Immer wieder bricht die Figur Erwartungsklischees, ozilliert zwischen tuntigen Bewegungen, die ja gefallen wollen und einer beinernen Härte, -wie er Mimi aufs Bett wirft, soll leidenschaftlich sein, ist aber auch klare Ansage, dass Mimi keine Wahl haben wird;

wie er Mimi mit ausgestrecktem Arm zurückstößt, als der Hermes drängend nach Venus fragt – hat eine fast grausame Härte, die natürlich Echo darauf ist, dass Mimi sich nicht gewinnen läßt, aber darüber hinaus von einer spröden, lang angestauten Frustration erzählt, die uns irritiert.

Die Stilisierung wirkt umso stärker, da Mimi, wenn er im Dialog mit Hermes ist, bei einem ‚normalen’ Alltags-Gefühlsausdruck bleibt, dessen Stil auf naturalistische Wahrhaftigkeit des emotionalen Ausdrucks hin angelegt ist. So prallt Stilisierung und Normalität aufeinander und hebt Hermes ab, dorthin, wo er hingehört, in eine Traum-Märchen-Götterwelt.

Hermes Aphroditus ist groß, wuchtig, mächtig, beeindruckend, Mimi wirkt gegen ihn zerbrechlich. Trotzdem hält Hermes , sobald er steht, seine Arme in einer Geste vor den Leib, die unsicher, suchend und wie ein Selbstschutz wirkt, er versteckt sich geradezu in der Draperie seiner goldenen Flügel, erstaunlich.

Diese Haltung könnte einfach nur tuntig sein, – oder..von der emotionalen Unsicherheit des Halbgottes erzählen. In sich schon ein Wunder.

Ganz frei präsentiert sehen wir Hermes´ Körper nur einmal, in dem Moment, da er sich mit dem Objekt seiner Begierde, Mimi, vom Brunnenrand springend hinab in sein eigenes Reich begibt, dorthin, wo seine emotional-erotischen Hoffnungen liegen. In diesem Moment bekommen wir in Autopsie einen Blick auf das, was der Halbgott körperlich anbieten wird.

Bild Hermes Aphroditus und Mimi



Warum sind Götter Götter? Kann er sich nicht selbst helfen?

Der Schauspieler Heino Ferch zum Thema:

er [Hermes Aphroditus] kann einem Menschen, dem er sich in Liebe hingibt, alles bieten, kann es [aber] nicht erzwingen. Das ist es, was er erfahren muss.

Für die Interpretation des Hermes Aphroditus aus unserem Themenblickwinkel hier auf Filmszenen sind viele viele viele Faktoren von Bedeutung. u.a.:

ad 1: Hermes Aphroditus ist nicht nur er selbst. Er ist auch Venus Morgenstern. (siehe morphing des Hermes Aphroditus, als er Mimi zeigt, dass Mimi nicht mit Sternchen im Bett war, sondern mit Hermes Aphroditus im Leib der Venus Morgenstern. Dieses Morphing hat m.E. nicht nur eine episch-erzählende Bedeutung für die storyline, sondern auch – ganz altmodisch -eine symbolische Bedeutung, die durch Assoziation erzeugt wird. Bilder werden gezeigt, die miteinander in Bedeutungszusammenhang treten. )

ad 2: Hermes Aphroditus ist nicht nur er selbst. Er ist auch Mimi Nachtigal. (siehe morphing aus der Gestalt des Mimi in seine eigene Gestalt zurück, unwillkürlich, sogar unwillentlich, als Venus Morgenstern durch ihre Trauer und Verzweiflung “…ach, ich habe ihn verloren… ” Hermes Aphroditus´ Herz plötzlich anrührt.
Nach dem Morphing geschieht es dem Gott, dass er weinen muss, unwillentlich, er wischt sich, verwundert über die Anrührung seines Herzens, eine Träne von der Wange.)

ad 3 : Konsequenz aus 1 und 2 ist, dass alles, was Venus und Mimi tun und denken, auch Hermes Aphroditus unmittelbar betrifft, projiziert in diese Beiden.

ad 4: Hermes Aphroditus wird aus menschlich dimensionierter Sicht als schwuler Zwitter, als Transe, gesehen.

Das ist unterhaltsame Oberfläche und gehört zur Abteilung Komödie.

Darunter ist – Zitat Heino Ferch: ”Hermes ein tieftrauriger Mensch” [das tönt wie Donnerhall ]-, ”ein Gott, (…) für den (..) die größte Sehnsucht ist, die (…) ewige Liebe zu finden.” – ”er kann einem Menschen, dem er sich in Liebe hingibt, alles bieten, kann es [aber] nicht erzwingen.

Das ist es, was er erfahren muss.(….) Deshalb ist er eine zutiefst traurige und auch lächerliche Figur. ”

”..er versucht [es] bis zur Lächerlichkeit, (…) er ist lächerlich und rührend. [Uff!]

ad 5: Hermes Aphroditus, der Gott, der über den menschlichen Dimensionen steht, kennt für Mimi das Mittel zur Auflösung seiner Qualen.

Er besitzt ein Heilmittel. Es ist die Lethe. Wasser.
Wasser des Vergessens.

Er schenkt Mimi dieses Wasser, läßt ihn dieses Heilmittel trinken.
Du musst einfach viel Wasser trinken, Mimilein. Viel, viel Lethewasser aus dem Fluß des Vergessens,
und Hermes kennt auch den anderen Weg aus dieser Pein:

…oder… dich einfach wieder neu verlieben….

Was heißt das? Hermes Aphroditus kennt alle Qualen einer Liebe (Mimi und Venus), die sich durch den Alltag auseinandergelebt hat, bei der die beiden Beteiligen jedoch nicht voneinander lassen können (er ist ja auch – siehe ad 1 und 2), aber: ER KENNT AUCH EINE LÖSUNG.

Es ist: Das Vergessen und die Neue Liebe.

Musik des Films: Klasse. Die Musik ist nicht nur zur Emotionalisierung der Szenen verwendet, sondern leitmotivisch, wie in einer Wagneroper. Hermes´ hat eine ihm zugeordnete Musik, ein Schicksalsmotiv aus äh aus (hier verließen sie sie..es geht doch nichts über eine solide Halbbildung) äh Tosca? Es ertönt, als Hermes Aphroditus zum ersten Mal auftritt und es ertönt wieder, als er in Gestalt der Venus körperliche Liebe von Mimi Nachtigal erzwingt und noch einmal, als er in Mimi Nachtigals Gestalt Venus Morgenstern am Ufer des Styx zurückweist (s…ich habe eine andere….).

Dieses musikalische Motiv hat auch Text, der (der fleißige Opernbesucher hat ihn natürlich gegenwärtig) mit in die Interpretation der Figur des Hermes einzufließen hat.

Die schöne, nicht veränderte Einspielung der Che faro?.. Arie,

und


Quando men vo, quando men vo soletta per la via, la gente sosta e mira e la bellezza mia, quando ricerca in me.. ed asaporo allor´la bramosia sottil che dagli occhi traspira….così l´efluvio del´desio…die Arie der Mimi als Abspann, direkt nachdem wir gesehen haben, dass Venus ihre Schönheit durch Alter verloren hat, super,

Meet me tonight in dreamland under the silvery moon (mit der großartigen Stimme einer 50er Jahre Diva- Judy Garland, der Somewhere over the rainbow-Interpretin) als Hermes mit Mimi tanzt, geil ,

die dramatischen Tosca-und Butterfly-Motive – suppi.

Kommentar 2 : Schlüsselszene

Es ist – scheinbar – unmöglich, EINE Schlüsselszene in diesem Film festzumachen. Schlüsselszene ist in diesem Fall der komplette Film, alles, was Mimi und Venus betrifft, man müsste den gesamten Dialogtext der Figuren Mimi, Venus und Hermes Aphroditus hier wiedergeben.

(…Hermes, Mimi und Venus sind nicht nur für den Erfinder dieser durch und durch emblematischen Geschichte Dietl Facetten eines alter ego. )

Ausweg aus diesem Schlüsselszenendilemma ist vorerst der im obigen Text gezeigte. Die obige Szene ist sozusagen eine Anti-Schlüsselszene, allerdings nur bis zur hier gezeigten Stelle. Sie ist das, was ablaufen müsste, damit der liebeskranke Mimi gesunden könnte und der liebeskranken Venus die Chance geben könnte, auch zu gesunden.

Die Prognose des FIlms für Venus ist, dass sie sich nicht weiterbewegen wird, sie ist im Alter wieder allein, hat ihr Herzensbiografie nicht mit einem anderen Mann weitergeschrieben, den Anderen wieder aufgegeben.

Die Prognose für Mimi ist, dass er sich mit zärtlich-nostalgischer, aber innerlich erwacht-distanzierter Zuneigung (die Distanzierung ist geboren aus der Wahrnehmung des Alterns, des Gealtertseins seiner großen Liebe) an Venus erinnern wird. Er ist in eine andere, neue Welt gegangen (Zitat Hermes: [an einen] Ort der Ruhe, des Friedens und der Harmonie), er ist – der Sieger.

”Es ist schwer, Veränderungen anzunehmen, aber auch befreiend.”svb

Kommentar 3: Genre

m.E. ist dieser Film nicht problemlos in das Genrefach Komödie einzuordnen, es ist eine Tragikkomödie, eine Parabel, ein Märchen, eine Aneinanderreihung emblematischer Bilder, fellinesk, keinesfalls eine Slapstick-Komödie.

Wer mit dieser Erwartung an den Film herangeht, kann nur enttäuscht werden. Ich verstehe auch nicht die Hauptkritik, die immer wiederholt wurde, dass der Film scheinbar keine Richtung hat. Er erzählt in Venus und Mimi und in Theo und Helena über zwei Formen der Liebe.

Und er erzählt davon, dass das Altern, das Gealtertsein die glühende Leidenschaft zu einer zart freundschaftlich sentimentalen Erinnerung mutieren läßt. Mimi darf diese Erfahrung machen, als er seinen Dreistundenausgang nach Berlin-Mitte wahrnimmt.

Der Film spricht sehr stringent in Symbolen. Alles ist wichtig.

Ich weiß nicht, ob dem Regisseur das sehr gefallen würde,- aber die Konstruktion des Films, das Ineinanderwirken von Menschlichem und Göttlichem, gewürzt mit witzigen, sehr menschelnden Dialogen, hinterlegt von einer “Großen Wahrheit”, das erinnert mich alles sehr an Wiener Volkstheater, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, sozusagen Wiener Volkstheater des 21. Jh.s. Das soll nicht pejorativ sein, ich liebe Ferdinand Raimund, wie z.B, es ist, glaube ich, in: Der Bauer als Millionär, Jugend und Alter (der in dieser Szene göttliche Otto Schenk, Salzburger Festspiele anno xy) einander gegenüberstehen, großartig. – Wenn der Film nicht gefallen hat, dann hat er ein Publikumsproblem, kein Qualitätsproblem. Ähnlich wie der schlöndorffsche “Unhold” . Der Film ist großartig, aber das Publikum war zu diesem Zeitpunkt nicht empfänglich für den Inhalt.

Kommentar 4: Vorbild der Morphings

Hingewiesen sei auf ein berühmtes Vorbild der Morphings: Ein Gott nimmt die Gestalt des Partners eines Paares an, um sich mit ihm zu vereinigen:

Heinrich von Kleist: Amphitryon.Jupiter hat die Abwesenheit des Feldherrn Amphitryon genutzt, um in dessen Gestalt mit Amphitryons jungvermählter Ehefrau Alkmene zu schlafen. Die Heimkehr des wirklichen Ehemanns und die gegenseitige Verwirrung darüber ,was eigentlich vorgefallen ist, stürzen beide Eheleut ein einen Identitätskonflikt. Aber auch  der Gott muss erkennen, dass Alkmene ihm nur solange den Vorzug gegeüber ihrem Mann einräumt, als er ihr in dessen Gestalt und insofern  als vollkommene Version des wirklichen Amphitryon erscheint. ” in: Schede, Hans Georg: Der Zerbrochne Krug. Interpretationshilfe Deutsch. Stark, Freising, 2007,  S. 11.

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Filmszenen I “..ich habe eine Andere…” Teil 1a. Hermes – Heino Ferch in : Vom Suchen und Finden der Liebe. 2004

Teaser Film Vom Suchen und Finden der Liebe


“..ich habe eine Andere…” Teil 1a. ( Hermes Aphroditus – Heino Ferch ) in : Vom Suchen und Finden der Liebe. Director of Photography: Jürgen Jürges . Regie: Helmut Dietl. Buch: Patrick Süßkind und Helmut Dietl. 2004

Bildquelle und alle Bildrechte bei Constantin Film AG,, München

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Fotostrecke : Vom Suchen und Finden der Liebe

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“…..ich habe eine Andere..”

Venus ist durch den Brunnen im Garten der Villa Helena in die Unterwelt gekommen.

Wir sehen sie als kleine weisse Gestalt über die unendliche graue Wüstenei wandeln, ganz in Unschuldsweiss gekleidet – eine schwarzgraue Bergkette dräut dunkel am fernen Horizont – .

Blick auf ein nebelumwogtes graues Flussufer: Der Styx, über den die Seelen der Verstorbenen durch Charon, den Flößer, hinüber in die Unterwelt, den Hades, gebracht werden.

Venus ruft zögerlich ihren Geliebten :

Mimi…

dann immer lauter. Ihre zerbrechliche weisse Gestalt steht vor dem bleigrauen Wasser des Flusses, sie ruft in den dichten weissen Nebel hinein: Mimi! Mimi!

Schnitt .

Im Palast des Hermes Aphroditus.

Hermes hört Venus´ Rufe. Er versichert sich, dass Mimi weiterschlafen wird. Wir sehen, dass er sich zu handeln entschließt.

Schnitt.

Jenseitiges Ufer des Styx.

Venus steht auf dem Fährfloß, Charon, ein uralter weisshaariger Mönch mit schwarzer Kutte und Kapuze, hat Venus herübergerudert. Das Floß legt an.

Von links tritt Mimi ins Bild, mit seinem schwarzgrauen griechischen wallenden Gewand bekleidet. Mimi in schwarz, Venus in weiss, Yin und Yang.

Wir sehen, dass Mimi nicht seine eigenen Sandalen trägt. Seine Füße stecken in den hochhackigen goldbeflügelten Sandalen von Hermes Aphroditus. Wir begreifen, dass nicht Mimi es ist, der Venus begrüßt, sondern Hermes Aphroditus in Gestalt des Mimi.

Venus erfreut und erleichtert: Mimi!

MimiHermes blickt ihr unbewegt mit verdüsterter Mine entgegen. Venus springt vom Floß, breitet die Arme aus und eilt auf ihren Geliebten zu. Der kühle Ton des Mimi bremst sie.

MimiHermes: Was willst du hier?

Sie bleibt erschrocken stehen.

Was..was ich will? Ich bin gekommen, Dich zu holen…

Close up Mimi. Sein Gesicht ist völlig unbewegt, seelisch starr, todernst.

Freust Du Dich nicht?

Er sagt leise, ganz leise und mit einem Hauch von Dramatik:

Du kommst zu spät.

Nein…

Doch.

…nein…

Jetzt muss Venus hören, was sie nicht fassen kann. Mimi:


Ich habe eine Andere.

Eine …Andere?

Venus ist verzweifelt entsetzt, scheint nicht begreifen zu können, was sie hört.

Auf Mimis Gesicht erscheint ein kleines triumphierendes Lächeln:

…mit der ich sehr glücklich bin. Sehr, sehr glücklich.

…Nein, …nein!

Venus will zu Mimi hineilen, wird von einer herrischen Geste am ausgestreckten Arm zurückgestoßen, derselben Geste, mit der Hermes Aphroditus vorher schon einmal Mimi zurückgestoßen hat.

Bitte schrei hier nicht herum! Dies ist ein Ort des Friedens, der Ruhe und der Harmonie.

Venus weicht zurück, HermesMimi verschränkt die Hände, steht ganz in sich ruhend da.

Venus:

Du… Du kannst mich doch nicht so schnell vergessen…haben…



Mimis Gesicht ist verschlossen, aber ruhig, emotionslos. Als er spricht, bewegt sich nichts in seiner Mimik, nur der Mund spricht Worte:

Doch. Um die Wahrheit zu sagen; ich kenne Dich gar nicht mehr.

Und ich will Dich auch nicht mehr sehen und nichts mehr von Dir wissen.

Er hebt mit der für Hermes typischen Geste die Hand zum Abschied, zu einem kleinen Winken:

Adieu.

Venus ist völlig entsetzt über Mimis Verhalten. Mit gebrochener Stimme fragt sie:

Warum bist zu plötzlich so anders, Mimi?

Ich bin nicht anders, Sternchen. Ich bin nur… verliebt.

Er hebt eine Augenbraue, wartet, dann strahlt ein (Moritz Bleibtreu-(!goof!!)) Lächeln auf, das Venus gegenüber nichts weniger als grausam ist, seine Augen werden klein, berechnend.

Venus fragt drängend, ärgerlich, mit Tränen in den Augen:

In wen?

Mimi, lyrisch, mit dem kleinen Kopfrucken, das für Hermes typisch ist:

In die Frau meiner Träume… in den Traum von einer Frau.

Mimis Augen werden groß und schwarz, tief, begeistert betroffen

Sie ist… wunderbar! Unbeschreiblich. (…):

Venus Züge sind zu einer Maske von fast unerträglicher halt- und grenzenloser Trauer mutiert. Wir sehen sie da stehen, stehen rechts hinter HermesMimis Rücken.

Ihr Kopf sinkt kraftlos herab, sie zögert. Als sie sich wieder aufrichtet, ihr Blick nach Mimi tastet, sagt sie:

Dann wünsch´ich Dir viel Glück, Mimi.

Die Szene ist hier nicht zu Ende. Venus Morgenstern wird jetzt die Arie beginnen,.. ach ich habe ihn verloren..all mein Glück ist nun dahin…wär o wär ich nie geboren… Hier ist ein Höhepunkt des Films. Trotzdem brechen wir unsere Erzählung vorher ab.

2004-2005 HermesMimi – Moritz Bleibtreu, Venus Morgenstern – Alexandra Maria Lara

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Notiz: Der Erkennungs-/Aufmerksamkeitspfiff von Hermes für Mimi (c sechst nach oben zum a Terz nach unten zum f  s.a. -> Erkennungspfiff-Leitmotiv in “The Court Jester” mit Danny Kaye in der Titelrolle