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Filmszenen I “..ich finde, ihr passt wunderbar zusammen…” in: Nachts im Park, Teil 3. Heino Ferch – Dr. Hennings, , 2001-02

DVD Cover Kinofilm Nachts im Park. Heino Ferch - Dr. Steffen Hennings

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“..ich finde, ihr passt wunderbar zusammen.” in: Nachts im Park, Porträt Hennings Teil 3. Heino Ferch – Dr. Hennings, Heike Makatsch – Dr. Lumis. Regie: Uwe Janson, Buch: Jens Urban, 2001-02

Szene In der Fabrikhalle.

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Hennings und Rosenblum sitzen nachts in einer verlassenen verschmutzten Fabrikhalle an einem improvisierten Lagerfeuer.

Hennings erzählt endlich, wie er seine Frau verloren hat. Es war eine völlig unerhebliche Winzigkeit, einen Augenblick lang war er unaufmerksam, einen Moment nur.

Er hatte einen Lidschlag zu lang von der Fahrbahn weg und, angezogen von ihrem erotischen Appeal, zu ihr hingesehen. Der Bremsweg war trotz Vollbremsung zu lang, der schwere Mercedes der Hennings´fuhr mit voller Wucht auf einen vorausfahrenden Lastwagen auf. Die Frau überlebte den Aufprall nicht.

Hennings: Sie war sofort tot.

Er selbst blieb körperlich völlig unverletzt.

Schuldgefühle werden nicht thematisiert. Hennings nimmt den Verlust seiner Frau als Schicksalsschlag.

Die Szene ist mit Rückblenden gemischt, die uns den Unglücksfall zeigen.

Wir sehen Hennings, nach dem Aufprall. Er richtet sich, abgefangen vom Airbag, wieder auf und sieht mit entsetzt fragend hoffendem Blick nach seiner Gefährtin. Die tote Frau liegt wie schlafend im Sitz, schön, scheinbar unversehrt, unberührt.

Ihr Körper ist noch da, sie selbst ist weggegangen- für immer.

Während Hennings erzählt, wirkt er verquollen, aufgeschwemmt, die Augen sind zugeschwollen.
Die Konfrontation mit den Rückblenden zeigt einen willensstarken zielbewußten attraktiven dynamischen Mann damals und einen gebremsten, aufgelösten Menschen hier.

Der Mann am Lagerfeuer wirkt, als wäre seine innere Welt ein Konglomerat von ungeordneten Bruchstücken. Die Umgebung der alten verschmutzten Fabrikhalle, in der Reste herumliegen, verstärkt den Eindruck.

Hennings zitiert sentimental ein kleines Gedicht, das mit seiner Frau in Zusammenhang stand, er wirkt dabei wie in einen Erinnerungskokon eingesponnen.

Der Eindruck, den wir bis jetzt von ihm hatten, dass er wie auf Schienen ferngesteuert läuft, verwischt.

Er macht eine kleine Bewegung mit dem Kopf, die er mit einem ungelenken Lächeln der Erinnerung begleitet. Die Bewegung wirkt lieb, verletzlich, ein bisschen ungeschickt, hilflos, schießt uns ins Herz. Er tut uns leid.

—–

Rückblende. Im Auto.

——

Wieder in der Fabrik. Hennings hatte weiter erzählt, ist jetzt fertig. Close up auf sein Gesicht.

Der Bildschirm zeigt zur Hälfte nur Dunkelheit. In der anderen Hälfte schwebt das Gesicht von Hennings, umgeben von Schwärze. Er ist allein in dieser Lichtlosigkeit. Die leere schwarze Bildschirmhälfte wirkt, als würde hier jemand fehlen.

Seine Miene hat sich beruhigt, der Blick nach unten ins Nichts ist eine Mischung aus Erinnerung, Trauer und Verödung.

In diesem Gesicht bewegt sich eigentlich fast nichts, es könnte auch gar nichts aussagen, wären da nicht diese zarten Spuren von Trauer auf den Wangen, zwischen den Brauen, um die Mundwinkel.

Das ist ein Mann, der weiss, dass die Dinge sind, wie sie sind, der sie angenommen hat, aber innerlich in einem kalten Betonraum steht, wo früher blühende Gärten waren.

Schnitt.

Totale. Die beiden Männer sitzen am Boden im Schmutz der Halle, leere Bierflaschen stehen herum. (Sponsor: Heinecken. Product Placement den ganzen Film hindurch.)

Die Mördersuchgeschichte geht weiter.

Szene Der Besuch.

Hennings besucht Frau Doktor Lumis. Sie reden über seinen Ausrutscher.

Was kann ich tun, dass Sie mir verzeihen?

Frau Doktor Lumis glättet die Wogen durch ihren Humor. Die Sache hat sich erledigt. Direkte Kommunikation ersetzt ab sofort schüchterne Beobachtung aus der Ferne. Man trinkt Bruderschaft, Hennings ist immer noch so schüchtern und verkrampft, dass er sich steif wie ein Priesterseminarist zum Bruderschaftskuss überwinden muss.

Frau Doktor versorgt den Mann.

Sie gibt ihm zu trinken, Freundlichkeit, Freundschaft, eine bequeme Couch, eine sichere und warme Umgebung und eine kuschelige Decke, als er nach dem zweiten Glas Wein völlig erschöpft von allem, was er bisher mitgemacht hat, augenblicklich einschläft.

Er schläft so schnell ein, dass es fast wirkt, als falle er in Ohnmacht. Jetzt und hier kann er es sich leisten, weil Frau Doktor für ihn sorgt.

Als er schlafend daliegt, fühlt sie sich versucht, ihn zu streicheln, läßt es aber respektvoll sein, da er selbst im Moment aufgrund trunkener Bewußtlosigkeit keine Willensäußerung dazu geben kann. Ein angenehmer Zug von ihr, sie ist ein feiner Kerl.

Ende der Entwicklung Figur Hennings:

Wieder im Garten Dr. Lumis, Nachts im Park:

Nachdem der wahre Lustmörder gefunden wurde, es war Kriminalkommissar Dressler höchstpersönlich, -peinlich peinlich-, stehen wir wieder zusammen mit den Doctores Hennings und Rosenblum im Garten von Dr. Lumis.

Rosenblum ermuntert Hennings, hineinzugehen. Drin wartet Frau Doktor bereits mit einem Candle Light Dinner.

Hennings steht da im grauen Kurzmantel, den Mantelkragen hochgeschlagen, die Hände in den Taschen vergraben.

Rosenblum: Ich finde, ihr paßt wunderbar zusammen.

Hennings dreht sich zu Rosenblum:

..ja…

Er wirft ihm einen Blick zu, den üblichen Schmetterlinge-im-Bauch-Blick, den wir alle zu gut kennen, wenn wir uns zum ersten Mal mit einem neuen Objekt unserer Begierde verabreden.

Hennings stiefelt los, langsam mit steifen Schritten. Braucht er einen Tritt in den Hintern oder schafft er es allein?

Es fängt an zu regnen, das gibt Hennings das nötige Tempo, durch die Terrassentür ins Haus zu kommen.

Wir bleiben bei Rosenblum im Garten und sehen den beiden zu.

Frau Doktor hat Hennings erwartet. Sie gibt ihm ein Glas Sekt, dreht sich weg, um sich selbst ein Glas zu nehmen.

Er bleibt steif und schüchtern stehen.

Allerliebst. So mögen wir´s, das weckt unseren Jagdinstinkt. Den von Frau Doktor auch. Sie wendet sich Hennings wieder zu, zieht ihn am Revers zu sich hin, gibt ihm einen Kuss und legt den Arm um seinen Nacken.

Er benimmt sich noch ein wenig ungelenk und steif. Frau Doktor wird ihn in den nächsten zwei Stunden schon entsprechend verarzten.

Happy End: Das Alte ist tot, neue Hoffnung keimt… 2000-2001-2002.

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Filmszenen I Blicke. in: Nachts im Park, Porträt Hennings Teil 2. Heino Ferch – Dr. Hennings, 2001-02

DVD Cover Kinofilm Nachts im Park. Heino Ferch - Dr. Steffen Hennings

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Blicke. in: Nachts im Park, Porträt Hennings Teil 2. Heino Ferch – Dr. Hennings, Heike Makatsch – Dr. Lumis. Regie: Uwe Janson, Buch: Jens Urban, 2001-02

Looks – Blicke.

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Behandlungszimmer im Krankenhaus, in dem Dr. Hennings gearbeitet hat.

Die Szene ist eine Dreierszene – mit den Doctores Steffen Hennings, Katharina Lumis und Bernhard Rosenblum.

Dr. Lumis monologisiert während der ganzen Szene fließend, ruhig, mit sachlicher Stimme. Dr. Rosenblum, der beim Anblick von Blut das Bewußtsein verliert, hat sich ein Handtuch über die Augen gedeckt, während Lumis die Halswunde von Dr. Hennings versorgt. Das heißt, nur akustisch ist die Szene eine Dreierszene, visuell sind Lumis und Hennings unter sich.

Very Close Up auf Hennings´ Gesicht. Wir sehen ihn im Profil, Augen bis Kinn. Dazu unscharf, weil sehr nah, die mit sterilen Handschuhen bekleideten Hände von Dr. Lumis.

Schnitt.

Die beiden im Close up von vorn. Dr. Hennings sieht nach vorne,zu uns. Wir begreifen, dass beide vor einem Spiegel sitzen. Wir sind quasi der Spiegel, in den die beiden blicken.

Hennings sieht zwar geradeaus, das muss er auch, damit die Halswunde versorgt werden kann, der Spiegel ermöglicht ihm trotzdem, das obskure Objekt seiner Begierde, Dr. Lumis, anzublicken.

Close Up auf Hennings Halswunde. Es ist ein schockierend schlimm aussehender Streifschuss, der die Halshaut vollständig durchtrennt hat. Frau Dr. Lumis ist mit dem Vernähen der Wunde fast fertig, ein kleinerer Teil klafft noch zentimeterweit auf.

Dr. Hennings sitzt bewegungslos, er wirkt traurig, gleichzeitig aber auch gedämpft, fatalistisch hinnehmend.
Ich glaube, er hört gar nicht, was die Frau redet, er hat zu denken – irgendwas über Sehnsucht und Verlust.
Eigentlich sehen nur seine Augen traurig aus, die aber dann richtig schwarzfeucht, häufchenelendhaft. Es ist ein schwarzer, leise vor sich hinbettelnder Dackelblick, mit dem er Lumis unverwandt ansieht.

Lumis bemerkt das nicht, da sie an der Wunde zu tun hat und gleichzeitig redet.

Jetzt ist sie fertig, sie wirft einen Blick in den Spiegel, sieht Hennings Hundeblick und erschrickt. Jetzt – ogottogott- sehen wir vier schöne schwarze feuchte Dackelaugen mit vier lyrisch-romantisch leuchtenden Glanzlichtern knapp an uns vorbei frontal in diesen Spiegel blicken. Beide mit identischer Kopfhaltung.
Ja, es ist very appealing, ja es ist schockierend schön und lustig gleichzeitig. Blicke.

Dr. Lumis bricht det janze nach ein paar Sekundenbruchteilen ab, schlägt leicht lächelnd die Augen nieder. (Sie mag den Mann inzwischen, vorhin hat sie ihn mit Verve und Energie vor dem Kriminalbeamten geschützt.)

Hennings folgt der Ansage, den Blickkontakt zu unterbrechen und schlägt augenblicklich auch die Augen nieder, allerdings nur, um sofort in ihre Richtung zu lauschen.

Kaum wendet sich Lumis wieder der Wunde zu, um sie mit einem sterilen Tuch abzutupfen, – sie stützt sich dabei mit der Hand auf Hennings´Schulter,- nimmt er sofort seinen schwarzfeuchten Dackelblick wieder auf.

Lumis sieht noch einmal hoch. Das Blickspiel wiederholt sich.

Schnitt. Halbtotale.

Dr. Lumis legt auf die Wunde ein großes weisses Verbandpflaster und streicht es fest. Hennings hält still, wie ein Junge, dem die Mama die Nase putzt.

Kaum ist Lumis fertig, greift er nach der Schnellfeuerwaffe, die er vor sich abgelegt hatte und sagt – gänzlich ohne Bezug zu allem, was die Frau geredet hat – nicht sehr laut, eher leise

…wir müssen…

die Stimme klingt wie ein Streicheln, das ein angenehmes Rieseln über die Haut auslöst.

Seinem fast unhörbar geflüsterten

Danke!

dem ein kleiner aus dem Augenwinkel geschleuderter Blick zu Lumis folgt, werfen wir sofort unser Herz hinterher. ..ist auch nötig, denn die beiden Doctores Hennings und Rosenblum sind Augenblicke später aus dem Behandlungszimmer verschwunden, um ihrer Mördersucherei weiter nachzugehen.

Kommentar 1:

Erzähltechnisch dient die Szene dazu, durch verbalen Report die Spielhandlung voranzutreiben. Frau Dr. Lumis fasst referierend zusammen, was die beiden, Hennings und Rosenblum, bis dato unternommen haben, um den tatsächlichen Frauenmörder zu finden, zieht daraus ihre Schlüsse und kann deshalb einen Ausblick über die weiteren Pläne der beiden geben.

Kommentar 2:

Die Szene zeigt einen Topos aus Ferch´s Arbeit : die Verletzung (über) der Lebensader.
Topoi sind Leitmotive, die in immer neuer Verkleidung, Inszenierung, im Werk eines Künstlers (hier: Schauspielers) wiederkehren
und jenseits der aktuellen Bedeutung im Spielzusammenhang
eine zeitlose übergreifende Symbolbedeutung haben, hier: Lebensbedrohung,
Verletztsein, Schmerz durch ein zerstörendes Bedrohen der lebendig funktionierenden Ganzheit und – (wenn die Wunde versorgt wird) Linderung des Schmerzes, Besänftigung, Heilung, Hoffnung.

Kommentar 3:

Qualität des Films: It´s a film you can afford to miss.

Warum?

ad eins: Ich warne vor Filmen mit diesem Drehbuchautor. Die Dialoge funktionieren nicht. Der Drehbuchautor hat m.E. kein Gefühl dafür, wie Menschen in verschiedenen Erregungsstufen sprechen. Eine Person in Todesangst bildet keine ellenlangen Sätze mit Nebensätzen oder erinnert sich lyrisch in epischer Erzählbreite an sanfte Gefühle vergangener Zeiten.

Personen unterschiedlichen Alters haben unterschiedliche Sprachstile und psychische Reifestufen, die  bei diesem m.E. Autor nicht umgestzt werden. Hier redet ein Mittdreissiger den Text eines Sechzehnjährigen, ein  66jähriger den Text eines 20jährigen.

ad zwei: Uwe Janson hoffte, das schauspielerische Leistungsniveau im Film durch drei stützende Säulen erhalten zu können. Er meinte im Regiekommentar, dass die drei Qualitätsschaupieler Ferch, Degen und Makatsch die Anfänger- Leistungen der anderen ausgleichen könnten. (M.E. sind das keine Debütantenleistungen, sondern zähneziehend quälende Mangelbegabungen.Nachtrag 2006: ok Mangelbegabungen und eine Anfängerleistung)

Gute, exzellente Filmschauspielleistung erreicht nicht die bewußt reflektierende Ebene des Zusehers. Die gute Leistung wird rein auf emotionaler Ebene als “stimmig, schön, mitreissend, tief” empfunden.

Schlechte, laienhafte, steife Schauspielleistung dringt augenblicklich bis in die bewußt reflektierende Wahrnehmungsebene des Zusehers vor und wird aktiv als Mangel wahrgenommen, ähnlich einem Fleck auf einem monochromen Stück Stoff. Wir müssen immer auf den Fleck starren, nicht auf den Rest des Stoffes, auch wenn dieser sehr schön ist.

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Filmszenen I “Ich habe ihren makellosen Körper bewundert…. “; In: Nachts im Park. Dr. Steffen Hennings – Heino Ferch Teil 1 2001-02

DVD Cover Kinofilm Nachts im Park. Heino Ferch - Dr. Steffen Hennings

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“Ich habe ihren makellosen Körper bewundert…. Ein kleiner Leberfleck, der einzige…” In: Nachts im Park. Porträt Dr. Steffen Hennings (Heino Ferch) Teil 1, Regie: Uwe Janson, Drehbuch: Jens Urban, Deutschland, Schweiz, 2001-02

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Dr. Steffen Hennings sitzt in Untersuchungshaft. Er ist in Tatverdacht, eine Frau im nächtlichen Park ermordet zu haben.
Einen Kurz-CV von Dr. Hennings bekommen wir von den beiden Kriminalbeamten. Der projektverantwortliche Beamte informiert den Polizeipsychologen:

Steffen Hennings so eine Art Genie-Herzchirurg. 36 Jahre alt, schon Privatdozent, wartet auf seine Professur. Kommentar Psychologe; das ist ein Beruf, der Tatkraft und Engagement verlangt.

Hennings hat kein Alibi. Zur Tatzeit war er tatsächlich in einem Park oder Garten. Er hat eine seltsame Angewohnheit. Immer beobachtet er nachts - zwischen den Bäumen des Gartens stehend, - scheu und von Details der beobachteten Person zärtlich und erotisch fasziniert, seine ihm beruflich unterstellte Kollegin und Teammitarbeiterin Dr. Lumis in ihrem Haus.

Das ist aufgrund der Frank Lloyd Wright – Architektur von Dr. Lumis´ Haus mit mannshohen Glaswänden möglich.

Ein derartiges Borderline-Verhalten von einem hochintelligenten und vielbeschäftigten Mann scheint völlig unrealistisch.
Erklärt wird es durch die grenzwertige persönliche Situation von Steffen Hennings.

Der Mann ist Witwer.

Er hat vor kurzem seine Frau verloren.

Er hat den Verlust seiner Frau selbst verschuldet.

Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit seinerseits hat ihm die geliebte Frau entrissen.

Wir erfahren nicht, ob er Schuldgefühle hat.

Offensichtlich ist seine Trauer.

Er wirkt fast die ganze Zeit wie ferngesteuert.

Szene 1 Verhörzelle.

Alles grauer Beton. Wände, Boden, Decke, grauer Beton.
Metallgitter werfen ein Schattenmuster auf die Wand.
Hennings sitzt mit verschränkten Armen, so wie er aus dem OP geholt wurde, also in grüner OP-Kleidung in einem Freischwinger-Stuhl am Tisch.

Der Polizeipsychologe versucht – völlig ergebnislos – ihn einzuschüchtern. Hennings zeigt ausser einer leicht besorgten Spannung, die uns transportiert, daß er den Psychologen für nicht ganz zurechnungsfähig hält, keine Regung.

Der Psychologe tritt dicht an Hennings heran, dringt körperlich in seine Intimsphäre ein. Übergriffig zwingt er ihm frecherweise seinen Willen auf: er setzt mit der Hand den Freischwinger in eine leichte, aber lästige Schaukelbewegung, redet so nah auf ihn ein, dass Hennings seinen Atem spüren muss.

Der Psychologe wartet, bis Hennings auf die Schaukelei genervt reagiert. Hennings macht nicht viel, er blickt dem Psychologen ins Gesicht, öffnet einen Moment den Mund, sagt aber nichts. Der Psychologe bläst ihm einen Atemstoß ins Gesicht. Unverschämt.

…wie wär´s , wenn er (der Park-Mörder) ihre Frau erwischt, Herr Doktor?

Very Close Up auf Hennings´ Gesicht. Das entgleist. Die Verschlossenheit bricht einen Moment auf, er blickt vor sich nieder, öffnet den Mund, wie unter einem plötzlichen Schreck. Eine kleine Vorwärtsbewegung mit dem Kopf und ein nervöser Lidschlag sind wie der Schatten einer Bewegung, die wirkt, als müsse er sich plötzlich übergeben.

——

Rückblende. In einem Auto.

Im Very Close Up die grünen Augen von Hennings junger Frau. Wir hören ihre sanfte Stimme, einige wenige liebevolle Worte aus ihrem Mund.

Dann Hennings Augen im Rückspiegel, er sieht uns direkt in die Augen.
Uns trifft der wache Blick wie ein angenehm kitzelnder Blitz, sehr männlich, sehr attraktiv, erotisch, ein Blick, von dem man plötzlich Schmetterlinge im Bauch bekommt.

———-

Ein lautes Geräusch schneidet die Rückblende ab, jemand ist in die Verhörzelle gekommen.

Hennings Gesicht ist wieder verschlossen, besorgt angespannt, wie vorher. Jede Spur des hinreissend erotischen Appeals, in dessen Genuß wir soeben kommen durften, ist verwischt, als hätte es ihn nie gegeben.

Der Hauptkommissar bricht mit Hektik in die Zelle ein, man hat bei Hennings eine Waffe und ein Brecheisen mit Blutspuren gefunden.

Mit in die Zelle kam Dr. Katharina Lumis, sie ist wütend, schreit Hennings an.

Was soll das? Wieso sagen Sie, dass Sie zu mir wollten? Was haben Sie denn denen erzählt?

Dr. Lumis verstrickt sich in eine erregte Schreierei mit den anwesenden Kommissaren. Dr. Hennings sitzt weiter unbeweglich mit verschränkten Armen am Tisch, man hat ihn fast vergessen. Da meldet er sich zu Wort:

Ich habe…
Sein Mund ist leicht geöffnet, die Arme immer noch vor seinem Körper verschränkt, er blickt vor sich hin ins Nichts…

Ruckartiger Abbruch jeder Bewegung im Raum. Alle starren ihn an.

…..Frau Lumis beobachtet.
Er atmet deutlich aufgeregt. Was er da sagt, erfordert Mut. Gleichzeitig erregt ihn die Erinnerung an das, was er nachts gesehen hat derartig, dass er – was ihn dummerweise weiterem Tatverdacht aussetzt – selbst hier vor den Kommissaren nicht ruhig bleiben kann.

Ich wollte ihr zusehen, wie sie sich auszieht.

Schnitt auf das entgeisterte Gesicht von Dr. Lumis. Sie kann offensichtlich kaum glauben, was ihr Vorgesetzter da redet.

Ich habe ihren makellosen Körper bewundert… Hennings spricht leise, ohne Druck, so vor sich hin.

Dr. Lumis sucht entsetzt Blickkontakt zu den anderen Personen im Raum.

Jetzt wendet er ihrem Körper sein Gesicht zu

…. Ein kleiner Leberfleck, der einzige…

Dr. Lumis stürzt auf Hennings zu, schreit ihn an:

Schweigen Sie..!!!

Sie schlägt mit ihrer Handtasche nach ihm, erbost, sehr wütend, strafend. Sie bestraft seine Erzählung und sein inakzeptables Handeln mit einer Tracht Handtaschen-Prügel.

Hennings schützt mit beiden Armen seinen Kopf vor Lumis´ Schlägen, die Beamten reissen sie zurück. Sie ist gar nicht zu beruhigen, tobt. Die Beamten drängen sie in die Raumecke.

Diesen Moment nutzt Hennings, um die auf dem Tisch liegende Tatwaffe an sich zu bringen.

Er nimmt den Polizeipsychologen als Geisel und flieht zusammen mit ihm.

Die beiden werden die nächsten 90 Minuten des Films ein unfreiwilliges Gespann bilden. Der Psychologe soll ihn solange begleiten, bis der wahre Mörder seine nächste Tat begangen hat. Der Psychologe wird Hennings Alibi werden, wenn Hennings Plan gelingt.

Bilder zum Film

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2001-2002 Heino Ferch - Dr. Steffen Hennings, Heike Makatsch – Frau Dr. Katharina Lumis Filmographie Makatsch
Pasquale Aleardi – Polizeipsychologe Bernhard Rosenblum.

Kommentar:

24.4.2008 Nachtrag:

Das faszinierte Beobachten einer schönen Frau, das Erotik und Liebe entzündet, ist ein sehr alter erzählerischer Topos.

Ein Beispiel aus der Musik: Mozart (1756-1791) , Das Lied “Die Verschweigung”, KV. 518 :

Strophe 1:
Sobald Damötas Chloën sieht,
So sucht er mit beredten Blicken
Ihr seine Klagen auszudrücken
und ihre Wange glüht.

Strophe 7 :
Wenn sie ein kühler, heitrer Bach,
Beschützt von Büschen, eingeladen,
In seinen Wellen sich zu baden,
So schleicht er listig nach.


Strophe 8:

In diesen schwülen Sommertagen
Hat er ihr oftmals zu geseh’n,

Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

Oder ein früher Deutscher Film von Henrik Galeen (1928) Alraune mit Brigitte Helm, deren suggestiver Blick übrigens auch für das Logo von www.filmszenen.info seine Wirkung tut. (Remake 1952 mit Hildegard Knef.)