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Filmszenen I Fernsehtipp Grüne Wüste. Heino Ferch als Simon Lechner. 21. Nov. 20:15h 2006 auf 3SAT


  • DVD auf Amazon erhältlich Gruene Wueste mit Heino Ferch Martina Gedeck Tatjana Trieb Robert Gwisdek

  • Bildquelle und Bildrechte bei amazon.de

    20.15-21.45 3SAT

  • Grüne Wüste (Top-Tipp)

    . Fotos auf Filmportal.de->->

    Heino Ferch als Simon Lechner. Simon ist der Vater eines an Krebs erkrankten Jungen, ein Vater, der zwischen Hilflosigkeit und Hoffnung, Verzweiflung und Lebenswillen dem Sterben seines Kindes zusehen muss.

    An seiner Seite die göttliche Gedeck als Doris.

    Eine sensible märchenhaft stille Erzählung, die nichts Pathetischeres tut, als blindes Schicksal mit der Kamera (Gero Steffen) zu begleiten.

    Grossartig in seiner schwäbischen Unbeholfenheit dargestellt auch Simons Gegenspieler Detlef von: Ulrich Noethen.

    Die DVD dazu ist auf Amazon erhältlich ->-> zur Bestellung

    Drama, Deutschland, 1999, 88 min, FSK 12


  • unsere Filmszenen dazu:
  • Grüne Wüste / The Green Desert Teil 1 mit Audio
  • Grüne Wüste / The Green Desert Teil 2
  • Grüne Wüste / The Green Desert Teil 3 mit Audio
  • Inhalt - Story Line: ->->

    9.11.2006

    Filmszenen I “..achzehn fuffzich.” Teil 3 Szene aus: Grüne Wüste. Regie: Anno Saul, Drehbuch: Swenja Karsten, 1999

    Teaser Film Grüne Wüste

    Bildquelle und Bildrechte bei: Lichtmeer Film/ZDF/arte

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    “..achzehn fuffzich.” Teil 3 Szene aus: Grüne Wüste. Regie: Anno Saul, Drehbuch: Swenja Karsten, 1999


    Eine niedrige Gaststube auf dem Land, gemütliche Beleuchtung aus kleinen Tischlampen, alles Holz, Herrgottswinkel, vergilbte Wände, es ist das Gasthaus von Simon Lechner, dem Vater von Johann, der im Krankenhaus liegt. Man weiss nicht, ob Johann leben oder sterben wird, Johann hat Leukämie.

    Gäste mit vollen Biergläsern laufen durchs Bild, hinten im Halbdunkel der Schanktresen mit Katja, Johanns Freundin, die dort aushilft und Gläser spült.

    Das Telefon läutet, Katja geht ran. Wir treten näher, stehen einen Schritt von Katja entfernt.

    Bla bla Katja am Apparat.

    Katja lauscht ins Telefon

    Wieso

    Nein

    Nein ich bin die Freundin vom Johann

    Nein, den hol ich erst, wenn sie mir sagen..

    Wir treten langsam zurück. Katja lässt den Hörer sinken. Sie geht zum Durchblick in die Gaststube.
    Die Stube ist voller Gäste, Simon steht an der hinteren Wand im Gespräch, er kassiert gerade ab.

    Katja ruft ihn

    Herr Lechner

    Er schaut auf.

    Telefon, der Johann..

    Simon bleibt stehen wie eingefroren, dann kommt er, duckt sich unter dem niedrigen Durchgang, geht ans Telefon.

    Katja geht weg. Leises Gemurmel der Gäste, warmes gemütliches Licht in der Gaststube, Kuckucksuhr an der Wand, wir stehen zwei Meter hinter Simon, sehen nur seinen Rücken, seine Gastwirtsweste, das karierte Hemd, die ausgebeulten Lederhosen, und hören seine Antwort.

    Wir stehen da und warten, Simon lauscht in den Hörer, unsere Besorgnis steigt. Wir sind ausgeschlossen, Simon kehrt uns immer noch den Rücken.

    Gäste laufen zwischen uns und ihm durchs Bild.

    Die Sekunden ticken dahin.

    Dann sagt er

    Danke.

    Das Danke klingt wie: Schluss.

    Er legt auf.

    Er schwankt einen Augenblick kaum merklich, geht dann um den Tresen herum, an dem Katja Gläser wäscht, nimmt seine Brille ab und schiebt sie in die Brusttasche seines Hemdes.

    Er steht im Halbdunkel, man sieht nichts Genaues.

    Das Abnehmen der Brille wirkt wie ein ich will nichts mehr sehen. Aus. Ende.

    Dann schaltet er das Radio aus.
    Er geht weg, direkt vor uns vorbei. Schnitt.

    Gaststube. Angeschnittene Köpfe, Leute, die am Tisch sitzen. Rechts steht Simon im Profil nach rechts. Wir sehen seine Hände nicht, ahnen aber. dass er den Geldbeutel in Händen hält. Der Türholm begrenzt unseren Blick auf den Tisch mit den Gästen dahinter.

    Er sagt leise, klar und schnell :

    Wenn Sie bitte bezahlen und gehen, mein Sohn ist gerade gestorben.

    …Achzehn fuffzich ….sagt er und nimmt einen Geldschein entgegen.

    Seine Stimme ist leise, er spricht knapp, es wirkt extrem dramatisch, der Tonfall schneidet etwas ab, einen Vorgang.

    Das Aufeinanderprallen von Banalem und Unerträglichem ist grotesk.

    Simon schaut sehr ernst, die Augen wirken ungeschützt, seine Brauenspannung ist bei Null, über den Mundwinkeln auf den Wangen liegt Schmerz.

    Beim Blick nach unten auf die Geldscheine ein winziges ruckhaftes Nachgeben seines Kopfes, das er sofort wieder auffängt und den Kopf anhebt, wirkt wie ein drohendes Einbrechen von völliger Auflösung.

    Er steht die Situation mit letzter Kraft durch, eine hohe innere Disziplin kämpft mit dem nahenden Zusammenbruch.

    Die Menschen zeigen Mitgefühl, einer erhebt sich und wendet sich an ihn, will ihn halten oder stützen. Simon übersieht die empathische Geste.

    Alle stehen auf. Katja arbeitet weiter, weinend.

    Leiser Streicherklang, einzelne Klaviertöne. Ziehend angehaltene Klänge.

    Schnitt.

    Simon steht allein in Mitte der leeren Gaststube, er schließt den Geldbeutel und lässt die Arme sinken.

    Dann dreht er sich um sich selbst, sein Kopf macht ruckhaft suchende Bewegungen, er schaut herum, als wisse er nicht, wohin.

    Dann geht er in den rückwärtigen Teil der Stube, setzt sich.

    Wir stehen da, unserem Blick bietet sich die ganze Stube dar, gemütlich, Heimat, nur hinten an einem Tisch die schwarze Silhouette des Mannes, scherenschnittartig, klein.

    Er ist irgendein Element des Ganzen, der Normalität. Gleichzeitig ist das der Mann, der  herausgerissen ist, aus allem Normalen.

    Doris, die Frau, an die er sich klammert, wird in dieser Nacht ihren eigenen Mann verlassen um zu ihm zu ziehen.

    1999 Heino Ferch – Simon Lechner, Detlev, Doris´ Ehemann – Ulrich Noethen Filmografie Ulrich Noethen Doris – Martina Gédeck, Katja – Tatjana Trieb.

    Kommentar:

    Meistens sind Darsteller, die solche Dinge thematisieren können, nicht blutvoll oder haben per se etwas Schwächliches, Gebrochenes.

    Ferch nicht. Er kombiniert vitale Strahlkraft
    und schonungslos sich einlassende Darstellung
    in anstrengende unattraktive Gefühle
    wie Schmerz, Trauer, Angst, Verzweiflung
    zu einem mitreissenden, genialen
    Appell an den Zuschauer.

    Filmszenen I “Du hast ein Herz wie ein gefrornes Suppenhuhn!” Teil 2 Heino Ferch als Simon Lechner in: Grüne Wüste 1999

    Teaser Film Grüne Wüste
    Bildquelle und Bildrechte bei: Lichtmeer Film/ZDF/arte

    “Du hast ein Herz wie ein gefrornes Suppenhuhn!” Teil 2 in: Grüne Wüste, Regie Anno Saul, Drehbuch: Swenja Karsten, 1999

    Hören statt Lesen: Audio.mp3-> zum Soforthören


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    vor der Szene:

    Doris, die Ehefrau von Detlef und Mutter von Katja, konnte dem Witwer und Dorfwirt Simon Lechner nicht widerstehen.

    Sie hat ein (hastig Zwischen-Tür-und-Angel-) Verhältnis mit ihm.

    Sie entschuldigt sich, ich liebe Euch alle, warum kann da nicht einfach noch einer sein.

    Sie fühlt sich ihrer Familie verpflichtet, aber auch Simon, dessen Frau an Krebs verstorben und dessen Sohn schwerkrank ist.

    Jede ihrer Bewegungen ist falsch, bei Simon betrügt sie ihren Detlef und bei Detlef vernachlässigt sie den verzweifelten Simon, der in dieser schweren Situation jemanden an seiner Seite braucht.

    Sie hat sich momentan von Simon abgewandt.


    Szene:

    Du hast ein Herz wie ein gefrornes Suppenhuhn!

    Nacht.
    Das Haus von Detlef und Doris.
    Vor dem Haus Lärmen.
    Simon steht vor dem Haus, angetrunken.

    Er schreit:

    Doris!
    Doris komm raus oder ich schlag die Tür ein!

    Doris!
    Pause. Wir stehen einen Schritt vor Simon.

    Doris,…

    ich liebe Dich,…

    …ich brauch´Dich..

    Simon ist zuerst zu allem entschlossen, brüllt aus vollem Hals.
    Bei den Worten ich brauch´ Dich läßt seine Kraft nach, er wird leiser, wirkt hilflos, mitleiderregend klein, plötzlich weint er beinahe.

    Im Schlafzimmer.
    Detlef und Doris wachen auf, Katja steht hinter der Gardine und schaut Lechner zu.

    im off, Simon brüllt wieder:

    Du…, du bist mich gleich los.
    da kannst Du sicher sein!!!

    Du.. du hast ein Herz wie ein gefrornes Suppenhuhn!

    Doris und Detlef kommen aus der Haustür. Wir sehen den beiden zu, wie sie Simon zusehen.

    Simons Stimme ist wieder wütender.

    So wie Du mit mir umspringst.
    ..das wirst du bereuen.


    Dein Leben lang wirst Du das bereuen.
    ..das wirst Du nicht vergessen.-


    Ich bin kein Mann, den man einfach fallen läßt.

    Schnitt.

    Die Szene von oben aus dem ersten Stock.

    Doris ist zu Simon hingegangen, die beiden stehen zwei Meter voreinander.

    Es ist dunkel, der Asphalt glänzt bläulich. Mondlicht. Wir sehen, dass Simon etwas in der Hand hat, einen Kanister.

    Doris versucht abzuwiegeln.

    Du hast Dein Ziel erreicht, die Nachbarn werden drei Monate über micht tratschen und jetzt geh heim.

    Sie geht auf Simon zu, der weicht zurück und schüttelt hastig den Kopf.

    …so leicht mach ichs dir nicht so leicht machichsdirnicht
    Ich werdmich brennen unddann springich in DeinHausrein..

    schreit er wollüstig wütend und ich zündEuch die Budeüberdem Kopfan.

    Ruckartig reisst er den Kanister hoch und übergiesst sich mit Benzin.

    Doris versucht, ihm in den Arm zu fallen. Die beiden kämpfen, Doris wird zurückgedrängt.

    Simon hat ein Feuerzeug und betätigt den Zündmechanismus. Der ist Gott sei Dank bei der Übergiesserei nass geworden und zündet nicht.

    Gib mir das Feuerzeug, du sollst mir das Feuerzeug geben, sagt sie.

    Simon atmet schwer, hocherregt, denkt gar nicht daran mit seinen Zündversuchen aufzuhören.

    Detlef kommt näher, schubst seine Frau weg.

    Nahaufnahme Detlef, dann

    Ein Feuerzeugflamme springt auf, bildfüllend.

    Close up in Detlefs ruhiges Gesicht. Der sagt ganz höflich, fast ganz ohne Ironie, sein brennendes Feuerzeug Simon entgegenstreckend:

    Darf ich aushelfen?

    Wir stehen hinter Detlef und blicken dem verblüfften Simon ins Gesicht.

    Noch zwei drei heftige Atemzüge,
    jetzt kehrt der Verstand in Simons Gehirn zurück.

    Sein alarmierter Gesichtsausdruck beruhigt sich.
    Er blickt ein wenig verächtlich und geht weg.

    Close up auf Detlef. Der schaut Simon unbewegt hinterher.

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    1998- 1999 Heino Ferch – Simon, Ulrich Noethen – Detlef, Martina Gédeck – Doris, Tatjana Trieb – Katja.