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Filmszenen I „…your art saved you!“ in: Ghetto.Teil 7. Heino Ferch – Jakob Gens. Germany Lithuania 2004-2006

24. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Bildquelle und alle Bildrechte bei Stardust-Filmverleih

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14.9.2006

Kittel bestellt die gesamte Theatertruppe auf die Bühne zum Vorspiel.

Die Truppe führt eine Satire auf das Hitlerregime vor, euphorisch von Kittel beklatscht.

A juicy peace of satire! kommentiert er die Vorführung.

Dann entdeckt er, dass Haya, our nightingale, fehlt.

Seine Stimmung schlägt um.

Satire!

Schreit er in kalter Wut.

I´ll show you satire!!

To the wall!!

Mit dem Gesicht zur Wand, die Arme über den Kopf, müssen die Mitglieder der Theatertruppe sich an der Bühnenseite aufreihen, schnell, im Laufschritt.

Kittel laut, dass es jeder hören kann:

Machine gun!! In position!!

Die Menschen dürfen sich nicht umsehen.

Sie können hören, dass sie augenblicklich exekutiert werden sollen.

Das Knirschen eines schweren, langsam bewegten Wagens mit großen Rädern und das Quietschen von Radnaben müssen sie für eine Lafette halten.

Gens ist nicht dabei an der Wand, er eilt jetzt über den seitlichen Bühnenaufgang auf das Bühnenpodest. Kittel bedeutet ihm mit einer Geste, die seine unverhohlene Vorfreude über seine „Satire“ zeigt, dass er still sein, ihm den „Spaß“ nicht verderben soll.

Nahaufnahme in die Gesichter der Schauspieler. Todesangst.

Kittel, schreit: Fire!

Ein dumpfer Knall.

Keine Kanonensalve, Kittel trat mit dem Stiefel gegen den Wagen, das laute Geräusch reichte aus, um die Todesfurcht in jedem einzelnen der angstgefolterten Menschen explodieren zu lassen.

Sie schreien auf, wimmern, fallen auf die Knie, weinen.

Kittel ist amüsiert, sehr belustigt, lacht laut.

Langsam, zögernd, wagen es die Leute, sich nach Kittel umzudrehen.

Kittel You thought I would shoot you after your marvellous performance?

No my friends, your art saved you. You´ve given me great pleasure and joy.

This is the expression of my gratitude.

Noch immer leiden die Gefolterten an den Auswirkungen ihrer eben durchstandenen Todesangst, weinen leise, halten sich gegenseitig im Arm.

Kittel Come, my friends, come!

Jetzt sehen auch wir zum ersten Mal, was die Lafette geladen hatte. Keine Kanone, sondern einen riesigen Bottich mit Johannisbeermarmelade und zwanzig bis dreissig Laib Weissbrot.

Kittel probiert die Marmelade, taucht die Finger in den Bottich und leckt sie ab.

Genüsslich Mmmh … Delicious!

Black current marmelade. Come my friends. Break bread with me.

Kittel nimmt einen Laib vom Wagen, bricht ihn, verteilt die Stücke. Eines wirft er Gens zu.

Come on Gens!! Come on !

Der gute Onkel Kittel verteilt jovial lächelnd Brot und lädt zum Genuss der süßen Köstlichkeit ein. Der Diktator lädt zu einer ultima cena, einem letzten Abendmahl.

Zögernd zuerst, dann zusehends vertrauensvoller, nehmen die Leute die Stücke an.

Auch Gens  nimmt einen Bissen, beginnt davon zu essen.

Die ausgehungerten Menschen tauchen die Brote in die Marmelade, kauen große Bissen, lächeln, lachen erfreut, glücklich. Die Frauen kichern.

Help yourself, help yourself! ermuntert Kittel immer weiter.

Es ist leise auf dem Bühnenpodest, die Menschen essen schnell, immer gieriger nach den langen Entbehrungen, dem monatelangen Hungern.

Jetzt lässt Kittel die Leute allein um den Bottich stehen, begibt sich lächelnd zur Seite, immer weiter.

Einen Moment lang sehen wir noch seinen Rücken, seine Schulter, das verlorene Profil. Gerade lange genug, dass wir zu ahnen beginnen: das Finale ist noch nicht vorüber.

Schnitt.

Die Bauchredner-„Puppe“ und Gens in Nahaufnahme.

Die „Puppe“ lacht und isst, gibt sich ganz dem Genuß, essen zu dürfen, hin.

Gens weiß mehr. Er kennt Kittel zu gut.
Er isst längst nicht mehr mit, hat zu Kauen aufgehört.

Sein Gesicht ist todernst, tödlich ernst besorgt.

Spuren bitterster Vorahnung verdunkeln seinen Blick, nisten sich in die Schattenfurchen der Stirn, kriechen die Augenhöhlen entlang, die Wangen herab.

Kittel dreht sich um.

Close up Kittel. Der Diktator lächelt uns an.

Hinter ihm öffnet sich eine Tür. Gleißend blaues Licht strömt ein. Wir hören das Quietschen, das Knarren der Türangeln. Nur unser Unterbewusstsein sagt: so etwas haben wir doch gerade gehört, die Lafette….?

Die Adjutanten Kittels treten ein, ihre Stiefel knallen laut auf den Bodendielen.

Schnitt.

Blick auf die Truppe. Sie ist noch immer um den Bottich geschart, mit dem Rücken zu den Eintretenden.

Nur Gens sieht sie, Kittels Schergen. Er steht uns gegenüber, im Halbdunkel, frontal.
Er tritt näher, wir bemerken besorgt, dass in seinem Gesicht ungläubig abwehrendes Staunen Platz greift.

Nahaufnahme Kittel. Er blickt uns ruhig entgegen.

Schnitt auf Gens.
Jetzt ist er ganz nah bei uns.

Der Tod, die feuerbereiten Maschinengewehre, nahen so rasch, dass zwischen Begreifen und Abwehr nur Sekunden verstreichen…
Gens schüttelt den Kopf, entsetzt, hastig, ein lautloses:

Nein. Nein!

Wir fühlen, er meint dieses Nein! nicht für sich, sondern für Menschen hinter sich, für deren Überleben er die Verantwortung trägt.

Die Adjutanten kommen näher, näher – an die ahnungslosen Schauspieler heran.

Schnitt. Close up Gens.

Er reisst die Hand hoch. Wehrt ab.

No! Nooo!

Sein Schrei aus weit aufgerissenem Mund
ist ohrenbetäubend,
schneidet in unsere Nerven,
zischt nadelnd über unsere Haut,
die geweiteten Augen machen uns Angst,
seine Pupillen stehen frei,
wir sehen die abwehrende Hand direkt vor uns.

Entsetzen…

Schnitt.

Maschinengewehrsalven begleiten unseren Blick auf das völlig ruhige Gesicht von Bruno Kittel.

Seine Leute mähen alle Juden im Raum nieder.

Die MG-s feuern, bis die letzte Patrone durch die Magazine gerauscht ist.

Stille.

Nur ein hoher Ton steht in der Luft, ein Ton, wie er nach ohrenbetäubendem Lärm in unserem Kopf nachhallt.

Heino Ferch als Jacob Gens - der historische Gens


Jakob Gens wurde am 14. September 1943 exekutiert, heute von 63 Jahren.


2004-2006 Heino Ferch – Jakob Gens, Sebastian Hülk – Kittel, Erika Maroszan – Die Sängerin Haya, Jörk Lamprecht – Dessler, Vytautas Sapranauskas – Weisskopf, die ganz exzellente Musik(dramaturige), die sehr viel zur eindrucksvollen Wirkung des Films beiträgt, ist von: Anatolijus Senderovas.

Zum mimischen Ausdruck:

Ich muss es einfach noch einmal sagen, auch wenn ich mich wiederhole. Heino Ferch ist in der Lage, so vielfältige Kombinationen feinster Nuancen verschiedener Seelenlagen -z.B.aus dem Bereich der emotionalen Farben Trauer, Bitternis, Schmerz, Wut, – zu mischen, dass er nicht nur über -zig mimische Ausdrucksvarianten verfügt, nicht über Hunderte, es scheinen Tausende zu sein, Tausende von Kombinationen zartester Varianten, die ungeheuer ansprechen, treffen können.

Varianten wie die Ziffern- Kombinationenen eines vierstelligen Zahlenschlosses. Es sind nur Augen, Mund, Wangen, Stirn und es sind tausend Gesichter , tausend Nuancen, tausend Botschaften. Allein z.B. die Augenpartie. Gegen ihn wirken andere Schauspieler wie gebotoxt.

Und jetzt das Groteske an der Sache:
Die Tagespresse hat den Darsteller lange als den „Mann mit dem steinernen Gesicht“ gehandelt, den „Mann ohne Varianten im mimischen Ausdruck“.
Vermeidungsverhalten, Abwehr der Journalisten mit dem Ratio-Ideal, um die Eindrücklichkeit nicht fühlen zu müssen? Moderne Blindheit? Es könnte ja immerhin anstrengend werden, sich emotional einzulassen.

Link zum Film  “NIcht alle waren Mörder von Jo Baier mit Nadja Uhl, Axel Prahl, Merab Ninidze->->

Link zum Film “Der Stellvertreter mit Ulrich Tukur->->

Link zum Film „Der neunte Tag“ mit Ulrich Matthes->->

Kategorien: Ghetto
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Filmszenen I „..my life is finished…“ in: Ghetto. Teil 6. Heino Ferch als Jakob Gens. Germany Lithuania 2004-2006

23. Februar 2009 · Kommentar schreiben

„..my life is finished…“ in: Ghetto. Teil 6. Heino Ferch als Jakob Gens. Regie: Audrius Juzenas. Buch: Josuah Sobol. Germany Lithuania 2004-2006

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Nacht. Vollmondlicht. Vogelperspektive von schräg oben.

Ein Platzl am Rande des Ghettos, die Erde gestampft, welke Blätter bedecken den Boden. Rechts im Bild ist bereits die Mauer zu sehen, die das Ghetto zum Gefängnis macht.

Ein großer Baum steht auf dem Platzl, wir sehen seinen Stamm. Die Äste zeichnen schwarzblau wirre Schattenmuster auf den Boden, im Hintergrund die Büsche sind kahl, ein Mauerstück ragt ins Bild.

Der Stoffbär des kleinen Mädchens, das deportiert wurde, liegt da, verloren, vergessen, dem Kind entrissen. Es wird ihn nicht mehr brauchen in Majdanek.

Vor dem Baum eine Bodenerhebung, ein Hügel, ein kleiner Berg. Über dem Hügel, direkt am Stamm des Baumes, ist, kaum sichtbar, im Schatten, ein Mensch in die Knie gebrochen.

Die Kamera senkt sich, tiefer, fast auf Augenhöhe.

Der Wind treibt die Blätter über den Boden, sie rascheln, ein Geräusch wie rinnendes Wasser. Glockenschläge der Turmuhr – die erste Stunde nach Mitternacht.

Wir erkennen den Mann.

Es ist Gens.

Er zieht seine Dienstmütze ab, lässt sie zu Boden fallen, greift zum Pistolenhalfter, öffnet es. Er nimmt die Pistole und entsichert sie.

Schnitt Close up.

Jakob Gens hält sich die Waffe an die Schläfe.

Wir glauben, bereits den Knall zu hören, als er innehält.

Eine Frauenstimme.

Laut, alarmiert:

Jakob!!

Schnitt. Halbtotale.

Wir nehmen wieder unseren Standpunkt ein, so als blickten wir wie Nachbarn von erhöhtem Punkt auf das Platzl jenseits der Ghettomauer.

Eine Frau mittleren Alters, in Straßenkleidung, im Wintermantel, ist herbeigeeilt. Sie breitet die Arme aus.

Die Beiden nah

Die Frau kniet sich vor Gens. Gens blickt die Frau nicht an, er kann es gar nicht, er ist wie schwer betäubt. Er wirkt, wie von großer Schwäche ergriffen, von einem Druck, einem stummen übergroßen Schmerz, der ihm jede Fähigkeit zu denken raubt.

Jakob!! Haven´t enough jews been killed?

So yes! Kill another one by all means!

Gens hält immer noch die Pistole gegen seinen Kopf. Die Mündung des Laufes zielt auf seine Schläfe.
Er bewegt sich nicht, kaum, er schwankt leicht.
Vielleicht sieht er zu Boden.

Seine Augenhöhlen sind dunkel, das Mondlicht ist nicht stark genug, wir sehen nur die Spuren von dumpfem Schmerz auf der Licht-Schattengrenze der Augenbrauen.

Jetzt spricht, reagiert er.

My life…

..hören wir..

leise, kaum gesprochen, streichen die Worte mit dem Hauch des Ausatmens über die Lippen…

…is finished…

Die Frau nimmt Jakobs Gesicht in ihre Hände. Sie kniet noch immer vor ihm, blickt zu ihm hoch, in sein Gesicht.

Your life doesn´t belong to you any more!

Extrem eindringlich:

It´s connected to thousands of other lifes!

Gens reagiert nicht. Seine Stimme hat keinen Klang mehr, sie ist bestürzend entkräftet, ohne Willen, ohne Lebenswillen. Wir hören:

There is no future in the Ghetto…

Die Frau, am Rand der Tränen, aber immer noch mit extremer Eindringlichkeit – ihre Hände am Gesicht des Mannes versuchen, ihre Worte zu unterstützen, ihn aus seiner Agonie zu wecken.

You are condemned to live as long as you can to save more lifes!

Gens setzt an, zu schießen. Er holt Luft, presst Augen und Lippen zusammen, um sich gefühlstot zu machen.

Die Frau gibt nicht auf. Sie gibt einfach nicht auf. Sie wirft sich nach vorne und hält ihren Kopf fest an Gens Kopf gedrückt, mitten in den zu erwartenden Schusskanal.

Put away the gun! ruft sie, weinend.

Gens zittert.

Die Frau, wütend ergeben:

Then blow out our brains!!!

Close up Gens.

Seine Augen sind noch immer geschlossen. Die Frau hat seinen Kopf ganz in ihre Hände genommen, an sich gedrückt, hält ihn, wartet.

Der Sterbenswille im Gesicht des Mannes lässt nach. Hätte Tröstlichkeit einen Namen, wäre es der Name dieser mutigen Frau. Gens läßt die Pistole von seiner Schläfe sinken.

Die Frau gibt nach, sieht ihn an, hält weiter sein Gesicht fest.

Gens, noch immer mit geschlossenen Augen, flüstert. .

…the selection….

Die Frau.

…there is..

….there is no other choice….

Schnitt. Totale. Vogelperspektive.

Der Mann kniet nicht mehr allein dort im Hof. Eine wache Seele hat ihn rechtzeitig entdeckt und ist bei ihm.

Schnitt. Ende der Szene.

2004-2006 Heino Ferch – Jakob Gens, Sebastian Hülk – Kittel, Erika Maroszan – Die Sängerin Haya, Jörk Lamprecht – Dessler, Vytautas Sapranauskas – Weisskopf, die ganz exzellente Musik(dramaturige), die sehr viel zur eindrucksvollen Wirkung des Films beiträgt, ist von: Anatolijus Senderovas.

( s.a. 1989 „Wedding“. Szene Am Hallentor. Dort ist niemand, keine wirksame Hilfe ist bei dem Lebensmüden. Klaus stirbt. versus: Szene Ghetto 2004: Hier ist wirksame Hilfe bei dem Lebensmüden. Fatum, Caritas, eine Frau in gesetztem Alter, einer Mutter ähnlich verändert den Handlungsverlauf, biegt die fallende Gerade, die in den Tod führt, ab, hinauf zurück ins Leben.

siehe auch: Heino Ferch liest Texte aus dem AT und NT.
Psalter Vers 12 ff. :


12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt.
14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe.
15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.
17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab.)


Quelle: bibel-online.de

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Kommentar 1

Die Passion (Mk 14,1 – 15,47)

Am Ölberg Audio.mp3

32 Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemaneh heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete.
33 Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst,

34 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!

35 Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe.

36 Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).

38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

41 Es ist genug. Die Stunde ist gekommen;

42 Steht auf, wir wollen gehen!

Audio.mp3 : Nel mezzo del cammin´di sua vita si ritrovó in una selva oscura che la diritta via era smarrita.

Dante, Diviana commedia: L´inferno.


Kommentar 1:

Bildikonographie der Szene :

Der einzelne Baum, der kleine Hügel und der Blickwinkel der Aufnahme, der Gens über dem Hügel knieend zeigt, als würde er „auf“ dem Hügel sein, der offene Erdboden und die (in Wirklichkeit im Ghetto verbotene) Flora deuten in nuce einen Garten und einen Hügel an: den Ölberg des Passionsgeschehens.


Gens´agony

The Agony in the Garden (Giovanni Bellini 1465) (-> der einzelne Baum,-> der Hügel)

Agony in the Garden II (->der Baum)

Gleichzeitig erinnert die Szenerie, das Setting, entfernt an einen dunklen Wald, eine Selva oscura, wie sie in Dante´s Divina Commedia, Kapitel: L´inferno vorkommt.

Kommentar 2:

Wer ist die Frau?

Unsere Interpretation der Identität dieser Frau weicht von den Meinungen der Tagesjournalisten ab. Einfachheitshalber wurde die Frau als „Frau Gens“ identifiziert oder als „Haya“. Weder die eine noch die andere kommen in Frage. Eine „Frau Gens“ wird im Spielverlauf an keiner Stelle angedeutet. Gens ist immer allein, ohne Familie. Haya ist es nicht, das ist leicht zu sehen.

Da um ein Uhr nachts im Ghetto Ausgehverbot besteht, kann es auch keine zufällig vorbeikommende Passantin sein. Es ist m.E. eine personifizierte abstrakte Entität.

Es ist „Fatum“- das Schicksal“ und es ist „Caritas“ – die Nächstenliebe.
Sie kommt aus dem Nichts, erinnert Gens an seine Pflicht und spendet ihm Trost.
Und sie verschwindet wieder im Nirgendwo. Sie kann es, da sie keine Person aus Fleisch und Blut sein soll, sondern eine Personifikation.

Kommentare Intellectual property of ignazwrobel


Kommentar 3

….und da war dann noch der Mann, che, nel mezzo del cammin di sua vita si trovó in una selva oscura (der, in der Mitte seines Lebenslaufes, sich wiederfand in einem dunklen Wald).

aus dem, so schien es ihm, ihn kein Weg führen wollte. Als er sich dort wiederfand, wo wir gerade Gens gefunden haben, hatte er sich nicht die Pistole an die Schläfe gehalten.

Vielleicht wollte er seine Frau und seine Tochter schonen. Die Walter war mit Mannstoppern geladen. Das wusste das Mädchen, seit sie klein war, sie wusste auch, was Mannstopper anrichten. Sie hatte ihren Vater, so lange sie denken konnte, immer mit dem Pistolenhalfter unter dem Jacket zur Arbeit gehen sehen. Ihr Vater war Kassierer.

Nein, er hatte schon das Seil über die Heizungsrohre gelegt und die Schlinge geknüpft. (s.a. straight shooter, Rückblende auf dem Dachboden)


Seine Frau fand ihn auf dem Stuhl stehend. Sie hat ihn gerettet. Schläge und Schreie haben ihn damals zurückgeholt.

Kategorien: Ghetto
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Filmszenen I “…Father – Mother – Child – Child!“ Teil 5, Heino Ferch als Jakob Gens in: „Ghetto“ Buch: Josuah Sobol, 2004-2006

23. Februar 2009 · Kommentar schreiben

„…Father – Mother – Child - Child!“ Heino Ferch als Jakob Gens in: Ghetto, Teil 5. Regie: Audrius Juzenas, Buch: Josuah Sobol. Germany, Lithuania 2004-2006

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Der vollbesetzte Theatersaal ist dunkel, die Leute stehen, noch schreckensstarr.

Plötzlich gehen die Ausgangstüren an der Längsseite des Zuschauersaales auf, die Ghettopolizei drängt herein.

Schreie, Kreischen, man riecht die Panik im Saal, es stinkt nach Angstschweiss.

Die Leute werden gepackt, hinaus getrieben.

Schnitt.

Zeitliche Überblendung

Draussen vor dem Theater im Dunkel der Winternacht.

Die Deportation ist bereits in vollem Gange. Planenüberspannte Lastwagen stehen bereit, brechend voller Kinder.

Die Menschen aus dem Theater haben sich in einer mehrere Personen breiten Schlange direkt von den Theatertüren über den Hof bis zu den Lastwagen hin anstellen müssen.

Wir stehen drei Schritte vor Gens, Dessler und den Ghettopolizisten, wir sind aus nächster Nähe Zeugen der Selektion. Gens Selektionsbefehle hallen über den Hof, er taxiert jede einzelne Familie.

Father – Mother – Child – Child... schreit er

Go!

Go!!!

Und schiebt die vierköpfigen Familien weiter.

Die Leute, die bei ihm angekommen sind, brüllen im Moment der Auswahl durcheinander, Frauen, Männer, Kinder, eine Kakophonie entsetzter Rufe, Schreie der Verzweiflung.

Gens – Er packt Leute, schiebt sie weiter oder reißt fünfköpfigen Familien ein Kind weg. Die Menschen werden an ihm vorbei getrieben wie Vieh.

Jetzt ist eine Familie mit drei Kindern an der Reihe.

Gens, laut

Mother – Father – Three Children.

zu Dessler:

Take him!

Der Junge wird dem Vater entrissen.

Wir blicken das Gesicht der Mutter, sie ist direkt vor uns, will ihr Kind festhalten.

Sie schreit, Mund und Augen weit aufgerissen, die Pupillen stehen frei, sie weint, fleht. Ihr irre entsetzter Blick auf Gens wäre nicht anders, würde sie den Teufel sehen.

Gens reisst sie weiter : Go!!

Polizisten packen die Mutter, schieben und zerren sie. Sie wehrt sich, ruft und ruft ihr Kind. Die Männer halten sie fest.

Die nächste Familie, dreiköpfig.

Gens zum Vater Where is your second child?

We haven´t got another child ..

Shut up! ..Gens dreht sich weg. The second child!

Das dritte Kind der letzttaxierten Familie vorher ist bereits auf den Wagen verladen.

Es ist still, ohne sich zu wehren, aufgestiegen. Die anderen Kinder auf dem Wagen sitzen ebenfalls stumm.

Unsere Nerven müssen immer noch die Schreie der Mutter ertragen, ihre Schreie wiederholen den Namen ihres Sohnes

Julian!! Julian!! Julian!!!….

Wir werden kurz abgelenkt von einem Zwischenfall: Ein Ghettopolizist schlägt mit dem Gewehrkolben Kruk, den Bibliothekar, nieder, der notiert hatte, was er sah.

Als wir Gens wieder im Blick haben, ist er schon beim Lastwagen und holt gerade den Jungen, Julian, vom Wagen. Er zerrt ihn zu den beiden Eheleuten mit nur einem Kind.

Er brüllt den Mann an:

This is your second child. Keep an eye on him!

Er tritt direkt vor den Mann. Leise:

If you loose him, I´ll kill you.

Go!

Wir blicken Julian nach. Julian dreht sich zu uns, zu den Lastwagen um.

Auf den Wägen haben die Kinder nach dem Anlassen der Motoren zu schreien begonnen. Sie begreifen, dass man sie auf Dauer von den Eltern trennt. Die Kleinen strecken die Arme nach ihren Eltern aus.

Die vielstimmigen Schreie der Kinder sind beinahe unerträglich. Der Lärm schneidet schmerzhaft wie Messer in unsere Ohren.

Schnitt. Die Schreie verhallen.

Wir sehen im blauen Licht der Nacht die Lastwagenkolonne durch ein Gässl zum Ghettotor fahren, direkt an uns vorbei. Motorräder begleiten sie. Die Lichtkegel der Scheinwerfer blenden uns, als die Wagen auf uns zufahren.

Wagen für Wagen passiert das enge Ghettotor nach draussen.

Die Kinder fahren in den Tod.

Die Gaskammern von Majdanek sind das Ziel der Reise.

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2004-2006 Heino Ferch – Jakob Gens, Sebastian Hülk – Kittel, Erika Maroszan – Die Sängerin Haya, Jörk Lamprecht – Dessler, Vytautas Sapranauskas – Weisskopf, die ganz exzellente Musik(dramaturige), die sehr viel zur eindrucksvollen Wirkung des Films beiträgt, ist von: Anatolijus Senderovas.

Link : Zukunft braucht Erinnerung

Link: Menschen-Vernichtungslager Majdanek im heutigen Polen, genannt KZ (Konzentrationslager)

Link: Gedenkstätten in Europa

(s.a. Deutschlandlied. Szene Hanno auf dem Wagen: „ich will nicht ins Lager…!“)

Ende des Schweigens

Kategorien: Ghetto
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