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Filmszenen I FAQs – Frequently asked questions. (Stand: Mai 2007)

Filmszenen  I FAQs – Frequently asked questions. (Stand: Mai 2007)

von: ignazwrobel

FAQ

Was fasziniert Dich an Ferchs Arbeit?

A.: Es geht um eine bestimmte Form geistig-seelisch-körperlicher Energie, die jede seiner Figuren transportiert.


Diese Energie paktiert mit unserem Unbewußten und löst starke Anteilnahme am Wesen und an den Seelenbewegungen der jeweiligen Figur aus.

Darstellungstechnisch überläßt er nichts, nichts, nichts dem Zufall.

Alles ist genau durchdacht, wie die Figur spricht, wie sie atmet, wie ihre Stimme ist, wie sie geht, welchen Bewegungsrhythmus sie hat, wie sie auf welche Impulse reagiert, ist sehr genau konzipiert, erfunden, und kann unglaublich weit von der “Mittellage” abweichen, Beispiele an entgegengesetzten “Enden”:

Franz Wolbert (der sehr langsam “tickt”) und Marco Skilehrer aus Winterschläfer (der ungeheuer schnell “tickt”) .

Besonders interessant finde ich auch, dass manche Figuren körpersprachlich eine gänzlich eigene Storyline erzählen, die den Text entweder ergänzt oder sogar konterkarieren kann. (z.B. der Marquis de Caulaincourt, und Anton Glauberg)

Ferchs Figuren sind als Arbeit m.E. von ähnlicher Qualität wie z. B. die Porträt-Statuen von Coysevox , ein frz. Bildhauer des 17. Jhs, dessen Porträts von einer so ungeheuren psychischen Intensität und Feinheit sind, dass einem der Atem stockt, und Betroffenheit wie eine bittersüß wollüstig schmerzende Schwertklinge ins Herz fährt, wenn man davor steht.

Ferch kann seine Mittel feinst modulieren, meisterhaft. (Hören Sie sich z.B. die Stimme an, mit der General Turner den Brief an die Mutter des gefallenen Soldaten diktiert.


Der Text ist Kitsch hoch drei. Ferch schafft es, durch seine Seelen-/Stimmlage den Text zu entkitschen und ihm Wahrhaftigkeit einzuhauchen.)

Trotz der Aufnahme und Wiedergabe vieler winziger “Zusatz-” Botschaften in einer Gefühlslage zersplittert sich seine Botschaft nicht, nein, die Darstellung erreicht ein stupendes Mass an Dreidimensionalität und Authentizität, der Hauptzug ist immer sehr stringent, extrem klar.


Unmißverständlich. Das wiederum könnte eventuell die Gefahr von Plakativität heraufbeschwören, die er ebenfalls, ganz nebenbei, vollständig zu bannen versteht.

Ferchs Figuren können eine bestimmte Klientel auf einer tief sedimentierten psychischen Ebene archetypischer Gefühlslagen ansprechen, die m.E. tiefer „anpackt“ als bei 99% seiner Kollegen. Manche fasziniert das, manche erschreckt das.


(Ob das wiederholbar ist? Frauenantwort-Sternzeichenantwort:

Ich glaube, dazu braucht man die bohrende charismatische Leidenschaft eines “Skorpion”, der nicht nachgibt, bis die Gefühle bis auf den Urgrund hinabverfolgt und durch und durch geröntgt sind und darüber das großzügige frei atmende optimistische Glänzen eines “Löwen”, die felsenfeste selbstverständliche Sicherheit des “ich bin!”, des “In immer neuen Kreisen ordnet sich um mich die Welt!”, der das, was der Skorpion “dort unten” gefunden hat, leuchtend an die Oberfläche hebt und uns zeigt.

Was hälst Du von dem oft wiederholten Schlagwort der „Vielseitigkeit“:

A: Ferch hat das Wunder zu Stande gebracht, einen unverwechselbaren Ferch-Stil zu kreiren, sogar mit Topoi, Handlungsfiguren und sich selbst paraphrasierenden Szenenstrukturen zu arbeiten und sich gleichzeitig trotzdem nicht zu wiederholen, da er jeder Figur einen anderen, ganz neuen Atem und Herzschlag geben kann.

Es gibt kein “Heino Ferch als”. Es ist immer ganz und gar “der Andere”, den wir im Film sehen, dargestellt von…

Oder mit anderen Worten: dieselbe Geste zweier Figuren ist nicht dieselbe Geste, weil sie von unterschiedlichen emotionalen Plateaus getragen ist.

Es entschlüpft einem nie ein „ach- schon wieder“. Er hat keine „Masche“, er hat einen Stil kreirt.


Er hat eine wunderbare Balance zwischen emotionaler Durchlässigkeit, punktgenauem Zugreifen auf ein sehr exakt erinnertes “inneres Museum der Gefühlszustände und-Nuancen” , diszipliniert entwickelter Körpersprache und stimmlichem Ausdruck
.

Ich wage sogar die Behauptung, dass der Transport von Emotion über die Stimme bei ihm mindestens ein Drittel bis manchmal fast fünfzig Prozent der besonderen Darstellungsleistung ausmacht. Gegenprobe: Ferch synchronisiert z.B. in “Le Lion.”


Ach – und noch was: die meisten sehr sehr guten Leute sind Kinder Enkel und Großenkel von Schaupielern, kommen aus Schauspielerdynastien, Künstlerdynastien – Ferch nicht. Ferch ist -nach meinem Wissensstand – ein absoluter Self Made Man.

Was gefällt Dir sonst noch an der Arbeit – wenn Du sie im Gesamtüberblick nimmst?

A: Mir gefällt besonders, dass über die Filme hinweg Themen wachsen , aufblühen, zur vollen Entfaltung kommen und abklingen.

Themen werden über die Jahre hinweg wiederholt aufgenommen, dabei verdichtet, paraphrasiert, dramatisch immer weiter präzisiert. (das Zauberwort “nochmal” bedeutet bei ihm nicht “Kopie”, sondern Verdichtung, Präzisierung, Paraphrase)

In Ferchs Arbeit über die Filme hinweg sind klare thematische Züge zu sehen, die wie Ariadnefäden verfolgt werden, bis das Thema verarbeitet ist und der Rollenträger das Ariadne-Labyrinth verlassen kann.

Alles entwickelt sich organisch, es gibt keine ruckhaften thematischen Sprünge, alles hat eine sehr klare stringente innere Logik, die sich projektübergreifend entwickelt und wieder langsam in einen neuen Zustand überführt wird.


Das hat etwas, das mich eminent beruhigt und mir ein Gefühl von Sicherheit und Stimmigkeit vermittelt.


Mir gefallen Grundaussagen, die sichtbar werden, wenn man das Gesamtwerk kennt: ethisch verpflichtetes Selbstverständnis, Antikriegshaltung, Plädoyier für die Rechte von Kindern.

Wenn Du so ein Weblog über einen anderen Schauspieler machen würdest, wer käme da in Frage.

A: Ich glaube, niemand. Die hundertprozentige Identifikation mit einem ganz bestimmten Segment der Seelenlage von Ferchs Figuren, die das erlösende das Gefühl tiefsten Berührtseins auslöst, alten Schmerz in der Wiederbegegnung nicht nur aufwirbelt, sondern einen Vorgang persönlicher Katharsis auslösen kann, ist Zu-und Glücksfall und m.E. nicht deckungsgleich wiederholbar.

Aber – mir gefällt auch sehr gut die Arbeitsweise von Ulrich Noethen, Ulrich Mühe, Ed Harris (er war in Apollo 13 der Projektleiter der NASA), Matthias Brandt (“aus welchem Stoff gewebt” heißt es doch bei der Charakterisierung von Persönlichkeit. Manche sind aus Leinen, andere aus Wolle, aus Rupfen, Jute oder Plastik – Matthias Brandt ist aus Seide gewebt. Er kann dastehen und nichts sagen und wir sehen in sein Gesicht und bewegen uns mit der seelischen Bewegung seiner Filmfigur, die ist wie die tausend feinen und feinsten Wellen und Knitter eines Seidentuchs, wenn auch nur ein leiser Windhauch hineinstreicht – und auf einmal-wir wissen nicht wie uns geschieht- weinen wir) und von Ralph Fiennes (er war in Schindlers List der Lagerkommandant) und bei den älteren Filmschauspielern das differenzierte Spiel von Michael Gwisdek (Beispiel in die Luftbrücke: die Reaktion von Herrn Prenzke, als sich die Kundin nach Prenzkes todkranker Frau erkundigt. Oder die Rolle des intellektuellen doppelbödigen Anwalts in Donna Leon). Auch Gwisdek erzählt vor allem körpersprachlich, der Text ist auch bei ihm dann das “Topping” obenauf.)

Das Projekt Filmszenen-ignazwrobel ist ja vorbildlos, written comics für das Internet gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Es ist eine “Novelization” des fertigen Filmszenen-Produkts für das Medium Internet. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

A: Von der Form her ist es nur eine logische Weiterentwicklung von in meiner Arbeitsbiographie schon lange Angelegtem. Als Kind und Jugendliche war ich bekannt als die “Comic-Verrückte”, meine Abschlußarbeit an der Universität ging über Bild-Textbeziehungen im Comic-Bereich und wenn ich mich genau erinnere, dann habe ich das Memorieren von Filmen schon als Kind und Jugendliche exerziert.

Raumschiff Enterprise war damals das Objekt meines Interesses. Ich habe keine einzige Folge nur einmal gesehen. Da unsere Familie nur über ein Tonband als Aufnahmegerät verfügte, nahm ich jede Folge auf Tonband auf und ließ anschließend beim mehrfach wiederholten Anhören die Bilder dazu wieder in meinem Kopf entstehen.

Mein Focus ist Beobachten und interpretierend Nacherzählen, nicht neu erfinden.

Hast Du ein persönliches Motiv, gerade diese von Dir ausgewählten Filmszenen nachzuerzählen?

A: Ja. Siehe oben. Ein ganz archaisches, uraltes. Katharsis. Zitat Wikipedia “Die Katharsis (griechisch κάθαρσις, „die Reinigung“) meint nach der aristotelischen Definition der Tragödie in der Poetik die emotionale, körperliche, geistige und auch religiöse Reinigung. Durch das Durchleben von Mitleid und Furcht (von griechisch eleos und phobos, auch “Jammern” und “Schaudern” übersetzt) erfährt der Zuschauer eine Läuterung seiner Seele von diesen Leidenschaften.”

Was der Schauspieler selbst über diese Publikation hier denkt?

Nix. Er kennt sie nicht und er plant auch nicht, sie kennen zu lernen.

Punkt. …eine -wie wir uns zu glauben erfrechen- strategische Unkenntnis, die uns freundlicherweise völlig freie Hand läßt…