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Filmszenen I “…wir wären sehr glücklich geworden…” in: Die Luftbrücke. Teil 7 Schluss. (General Philipp Turner-Heino Ferch), 2004-2005

Teaser Film Die Luftbruecke Heino Ferch - General Philipp Turner

Bildquelle Composing Teaserleiste und Einzelbildwerke: SAT.1 teamworxx

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“…wir wären sehr glücklich geworden…” in: Die Luftbrücke. Teil 7 Schluss. (General Philipp Turner-Heino Ferch), 2004-2005

„…wir wären sehr glücklich geworden….viele Tage,

…viele Monate, …vielleicht sogar viele Jahre.”

Luise hat sich für ihren Mann und ihre Familie entschieden.

Sie weiss, dass Turners Aufgabe in Berlin beendet ist. Dass das den endgültigen Abschied für immer bedeutet.

Innere Unruhe treibt sie noch einmal an ihre ehemalige Arbeitsstätte. Sie rennt, so wie sie ist, im sonnenblumengelben Kleid, auf´s Gelände. Die Wachen kennen sie und lassen sie ohne weiteres passieren.

Sie betritt Turners Büro. Dort empfängt sie die aufgeräumte Leere der Abreise- und Aufbruchsstimmung.

Karten, Schränke, Stellwände, Material, Akten, alles ist bereits eingepackt. Das Modell der Luftbrücke verschwunden, die Stühle umgedreht auf den Besprechungstisch gestellt. Die Putzfrauen können kommen.

Luise durchquert das Büro. Ganz hinten findet sie einen Offizier aus Turners Mannschaft, Walker. Er wendet sich ihr überrascht zu.

Luise!..ich war mir nicht sicher, ob Sie noch mal zu…

…er ist eben aus Washington zurückgekommen.

Die Tür geht auf.

Turner ist rasch hereingekommen, ohne Uniformjacke, Sonnenbrille, die Ärmel hochgekrempelt, so wie er im Flugzeug saß. Er muss direkt vom Flugfeld zum Büro gelaufen sein. Luise und Walker wenden sich ihm zu.

Walker begrüßt ihn:

… Sir….

Schnitt auf Turner

Er nimmt sofort die Brille ab. Luise kann ihm jetzt in die Augen sehen.

Ein kurzer Blick zu Walker sagt wortlos: entschuldigen Sie uns.

Walker hat seinen vorgesetzten Offizier sofort verstanden. Eine höfliche Wendung zu Luise, dann verlässt er das Büro.

Philipp Turner und Luise Kielberg sind allein im Raum.

Die wenigen Schritte, die Turner tun muss, um zu Luise zu gelangen, begleitet eine wachsende Spannung, die sich in Sekundenbruchteilen bis zur Unerträglichkeit steigert.

Die Umarmung entlädt die Spannung, wie die Pole eines Trafos.

In der Umarmung sehen beide aus zwei Teilstücke eines größeren Gegenstandes, die getrennt waren und soeben wieder an ihren richtigen Platz gekommen sind.

Die zwei halten sich, bis die Spannung abgeklungen ist.

Turner lässt Luise los, tritt einen Schritt zurück. Er versucht, Distanz aufzubauen. Er ist ernst und korrekt, korrekt wie ein Offizier. Er ist hinter die imaginäre Trennungslinie zurückgewichen.

Ich habe einen Einsatzbefehl nach Guam bekommen. Meine Sachen sind schon gepackt.

Auf einmal zieht etwas wie eine frische kühlende Brise auf. Er atmet durch. Er ist freundlich. Er will den Abschied nicht hässlich werden lassen. Er wählt optimistische Worte.

Ich will, dass das Schönste noch vor uns liegt, hat Dein Mann gesagt.

Seine Schläfen ziehen sich zusammen, die Augen werden klein. Er will es sicher nicht, aber sein Gesicht ist wieder traurig. Innerlich blickt er vielleicht gerade zurück to a place somewhere over the rainbow.

Wir wären sehr glücklich geworden,

…viele Tage,…

…. viele Monate, …

…vielleicht sogar viele Jahre…

Luise Du weißt., dass ich nicht mit Dir kommen kann.

Ja, sagt Turner, ich weiß.

Seine Augenlider flackern.

Irgendwann hätte ich in Deinen Augen gesehen, dass Du einen zu hohen Preis für dieses Glück gezahlt hast.

Er sagt es ganz einfach, gefasst, beinahe ruhig. Sein Gesicht ist jetzt ganz in sich geschlossen.

Sein Blick fasst Luise fest. Er gibt ihr einen Haltepunkt, eine Wand, von der sie sich abstoßen kann, ohne zusammenzubrechen. Er wird es ihr und sich nicht schwerer machen, als es schon ist.

Er ist der Ältere, seine Lebenserfahrung sieht, was die junge Frau noch nicht ahnen kann.

Es funktioniert. Sie lächelt.

Schnitt. Vor dem Gebäude.

Turner kommt aus der Tür, eilt die Treppen herab auf uns zu . Wir sehen, was er Luise nicht gezeigt hat. Wäre er jünger, würde er weinen. Ein General weint nicht. Als er bei uns ist, dreht er sich nach Luise um. Sie steht an den großen Panoramascheiben des Büros und grüßt ihn. Sie legt ihre Handfläche an die Glasscheibe, als würde sie ihn berühren.

Am Flugzeug. Clay hat gewartet, geraucht.

Ungeduldig: wo bleiben Sie denn?

Turner murmelt Beschwichtigung, besteigt das Flugzeug, dreht sich im Türausschnitt um.

Close Up Turner.

Hier an der Flugzeugtür verabschieden wir uns von ihm,
Genau hier haben wir ihn kennengelernt.

Gekommen ist damals ein kühler Kopf, eine Arbeitsmaschine. Dem Mann, dem Menschen, der jetzt ein Jahr später hier steht, würden wir gerne etwas mitgeben, das seine Erinnerung an seine Zeit in Deutschland ein wenig aufhellt. Einen Tropfen Lethe vielleicht.

Als Turner im Flugzeug sitzt, legt auch er seine Hand an die Scheibe zu einer imaginären Berührung mit Luises Hand. Zeit, Raum und Umstände tragen beider Hände auseinander, immer weiter, bis der Kontakt ganz abreißt.

Ende der Szene.

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—- — – - -Auszeichnungen: Der Film erhielt die Goldene Kamera 2006 in der Kategorie Bester Deutscher Fernsehfilm 2005

Kommentar 1:

Turners Text Wir wären sehr glücklich geworden, …viele Tage,…… viele Monate, …..vielleicht sogar viele Jahre…

ist für die Zeit der Vierzigerjahre ungewöhnlich. Damals hätte man an Hochzeit und Gemeinsamkeit bis ans Lebensende gedacht. Auffälliges hat meist eine zweite Bedeutung. Ich finde, die Worte wirken wie ein kleines freundliches Denkmal, eine Erklärung im Nachhinein.

Ein Blick zurück in die andere Nachkriegs-Geschichte im Deutsch-Amerikanischen Umfeld mit einer Dreierbeziehung und einer Frau, deren Name ganz ähnlich klingt „Lisa – Luise“ : Deutschlandlied.

Dort kommen am Schluß der Beziehung von Hanno und Lisa (die Schlussszene in Deutschlandlied findet übrigens auch am Arbeitsplatz des Mannes statt) die Hände der beiden aufeinander zu liegen, als Hanno sein Bettzeug, das Symbol ihrer Gemeinsamkeit, zurücknehmen muss.
Lisa zieht ihre Hand weg. Sie weint zwar, aber sie wendet sich ab, geht zu ihrem Mann zurück. Es ist ihre Entscheidung. Lisa hatte Hannos Kind nicht zur Welt kommen lassen. Ihre Entscheidung fiel gegen das neue Leben. Ende.


Heute und hier in Luftbrücke legt das Liebespaar seine Hände aneinander, imaginär, über die Glasscheiben. Heute sind es Zeit, Raum und die Umstände, die die Hände voneinander weiter und weiter entfernen. Und: „Irgendwann, sagt der Mann, hätte ich in Deinen Augen gesehen, dass Du einen zu hohen Preis für dieses Glück gezahlt hast.“

Der Preis wäre gewesen, die eigene Familie zu verlassen, um an der Seite eines Mannes, der unstet von Projekt zu Projekt eilt, vielleicht nicht glücklich zu werden. Auch Luise hat sich für die Familie entschieden. Luise wird Turners noch ungeborenes Kind in dieser Welt begrüßen. Ihre Entscheidung fiel für das neue Leben.


Die Luftbrücke. Abschiedsszene. Bildquelle und Bildrechte SAT.1

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 Click auf das Bild,um es im Originalzusammenhang auf www.sat1.de zu betrachten

Die Luftbrücke Heino Ferch - General Philipp Turner. Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 Click auf das Bild,um es im Originalzusammenhang auf www.sat1.de zu betrachten


Nachtrag vom 7.4.2008:

Die Abschiedsszene General Philipp Turner – Luise ist natürlich eine Paraphrase mit verkreuzter Rollenverteilung auf diese berühmte Abschiedsszene auf dem Flughafen zwischen Rick und Elsa in Casablanca…-> (maybe not today, maybe not tomorrow…where I´m going you can´t follow..)

my apologies, Leute, für meine Blindheit…dabei spürte ich damals, als ich die Deutschlandlied-Interpretation vorlegte, dass das irgendwie falsch war, ich spürte nur nicht, warum….

Elsa zwischen Viktor Laszlo und Rick
Casablanca: Elsa zwischen Victor László und Rick

Auch die Frau, Luise, zwischen zwei Männern, die Wichtiges für ihre humanitäre Sache leisten, hier Turner der Menschenleben rettet und Kielberg, der in seinem Beruf ebenfalls Menschenleben rettet

und in Casablanca, Rick, der Menschen aus Nazideutschland auszuschleusen hilft, also ihre Leben rettet und dem Widerstandskämpfer Victor László, ist identisch, genauso wie der konziliante Ausgang zwischen den beiden Männern im Werben um Elsa bzw. Luise…

Und: In beiden Fällen stehen zwei Staatssysteme zur Diskussion Diktatur gegen Demokratie:

Die Luftbrücke: die Demokratische Koalition Amerika-Frankreich gegen die Diktatorische Macht: UdSSR.
Casablanca
: die Demokratie, die Freiheit: Frankreich/Marocco gegen die Diktatur: Nazi-Deutschland.

Dazu ebenfalls ähnlich die Charakterisierung von Turner und Rick. Beide zeigen eine bedrückte, nach aussen leise wirkende Besorgnis, durch Disziplin zurückgehaltene Emotionalität, sehr sehr ähnlich.

Beide, Rick und Turner sind so geworden durch den Verlust nahestehender Menschen..

… und kein Zuschauer hat´s gesehen. Spät kam die Erkenntnis, aber sie kam, meglio tardi che mai.




“..Ich habe keinen von denen verloren, die Du mir gegeben hast……”
(Joh., 18, 9)

Filmszenen I “…man hat mich schon ganz anders genannt…” in: Die Luftbrücke. Teil 6a. Heino Ferch als General Philipp Turner 2004-2005

Teaser Film Die Luftbruecke Heino Ferch - General Philipp Turner

Bildquelle Composing Teaserleiste und Einzelbildwerke: SAT.1 teamworxx

“…ach, wissen Sie, man hat mich schon ganz anders genannt, in den letzten Jahren…” in: Die Luftbrücke. Teil 6a. Heino Ferch als General Philipp Turner, Regie: Dror Zahavi, Buch: Martin Rauhhaus. hf, Teamworxx 2004-2005 für SAT.1

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„..ach, wissen Sie, man hat mich schon ganz anders genannt in den letzten Jahren.“

Die Versorgungssituation:

In der Rekordzeit von fünfundachtzig Tagen bauen Tausende von Freiwilligen den dritten Flughafen: Tegel. Turner bekommt seine zehn C-74, die Globemasters, die fünfundzwanzig Tonnen Nutzlast tragen können.

Die Transporter steuern nun drei Flughäfen über die zwei Luftkorridore an.

Die Kollisionsgefahr im engen Luftraum muss ausgeschlossen werden. Deshalb lässt Turner die verschieden schnellen Maschinentypen ihr Ziel, Berlin, in unterschiedlichen Flughöhen ansteuern.

Auf die Idee brachte ihn ein Blick zu den Drähten der Strommasten, die sich auch nicht berühren dürfen und deshalb in Sicherheitsabständen übereinander montiert sind.

Die politische Situation:

Nach einem halben Jahr Schwebezustand greift der Westen endlich zu einem Druckmittel der UdSSR gegenüber, das Erfolg haben wird: ein Wirtschaftsembargo. Frankreich und das Ruhrgebiet stoppen die Lieferungen von Kohle- und Stahl an Russland.

Es dauert noch ein weiteres Halbjahr, bis diese Maßnahme Erfolg zeigt. Dann aber gibt Stalin Berlin ohne irgendwelche Auflagen oder Forderungen frei. Die Luftbrücke kann aufgehoben werden. Für Turner ist das Projekt abgeschlossen, erfolgreich abgeschlossen. Sein Einsatz in Europa ist somit beendet.

Turner, Luise und Dr. Kielberg:

Turners und Luises persönliche Situation schlägt um, von Genuß zu Leid.

Dr. Kielberg hat das Paar zufällig auf der Straße im Auto gesehen und verlangt nun eine Entscheidung von Luise. Dr. Kielberg lässt Luise vollkommen freie Wahl. In jedem Fall ist ihr Glück sein Wunsch. Liegt es nicht bei ihm, ist er bereit, Luise gehen zu lassen. Er liebt sie so sehr, dass er zurückzustehen bereit ist.

Noch immer kennt Alexander Kielberg offiziell die Identität des anderen Mannes nicht, Luise wollte sie ihm nicht preisgeben. Die Generalslimousine, in der er die Silhouetten seiner Frau und des Mannes gesehen hatte, lässt allerdings keinen Zweifel, dass der Andere Turner ist.

Luise trägt ein Kind des Anderen unter ihrem Herzen, das Dr. Kielberg im Leben zu begrüßen wünscht, als wäre es sein eigenes. Turner weiss von Luises Schwangerschaft nichts. Er wird abreisen, ohne davon Kenntnis zu bekommen.

Man soll immer alles richtig machen im Leben.“ sagt Luise „aber wenn es darauf ankommt, weiß man nicht mehr, was richtig ist…“

Die Szene:

„…ja, ich bin es.“

Noch einmal besucht Dr. Alexander Kielberg Turner, um ihm den Dank der Kinder zu überbringen, deren Leben Dr. Kielberg durch Turners Hilfe retten konnte.

Wir blicken von oben auf den Schreibtisch Turners. Davor steht Dr. Kielberg und entrollt ein Plakat. Es ist eine große Kinderzeichnung, die ein Flugzeug zeigt, das über ein Haus fliegt. An kleinen Fallschirmen entlässt der Flieger Schokolade. Unten stehen Kinder, die den fliegenden Geschenken ihre Arme entgegenstrecken. Der Titel des Bildes:

Thank you General Tunnel

Bildquelle und Bildrechte teamworxx. für SAT.1 2005

Dr. Kielberg: Das iss natürlich kein sehr großes Geschenk.

Schnitt. Wir stehen direkt vor Turner und Dr. Kielberg. Turner hat die Hände hinter seinem Rücken verschränkt und betrachtet die Zeichnung mit leiser Freude und Interesse. Er lächelt geradezu schüchtern und verhalten gerührt. Er freut sich mehr, als er nach aussen zu zeigen bereit ist. Während Dr. Kielberg spricht, sehen wir an Turners kleinen Kopfbewegungen, dass sein Blick von Detail zu Detail auf der Zeichnung springt. Er sieht sich das Bild wirklich genau an.

….obwohl: die Kinder haben sich Mühe gegeben.

Kielberg steckt die Hände in seine Hosentaschen und wirft noch einen Blick auf das Bild. Dann wendet er sich an Turner und sagt:

..ohne Ihre Hilfe hätten die Kinder das nicht malen können….

Turner betrachtet immer noch das Bild, er hört gleichzeitig zu.

Auch Dr. Kielberg wirft noch einen Blick auf die Zeichnung. Er wird sehr ernst. Ohne die Streptomycinlieferungen, die durch Turners Logistik Berlin erreicht hatten, wären viel mehr Todesopfer durch Tuberkulose zu beklagen gewesen. Dr. Kielberg ist sich dessen sehr bewusst.

..wahrscheinlich hätten sie gar nicht mehr malen können…

Dr. Kielberg fällt der kleine Fehler wieder ein, den die Zeichnung enthält: Der Name des Generals ist falsch geschrieben, statt General Turner steht da General Tunnel (nein ich sage jetzt nicht: SAT.1 Blockbuster von 2001 „Der Tunnel“ Harry Melchior – Heino Ferch)

..ah ja: tut mir leid, das mit dem Namen…

Turner wischt den kleinen Fehler beiseite. Der gute Wille zählt als Tat.

…ach, wissen Sie, man hat mich schon ganz anders genannt, in den letzten Jahren…

Der Nachklang des Satzes lässt uns erstaunt Dissonanzen von Echos hören, die aus der Vergangenheit des Mannes unser Ohr erreichen. Echos, die für einen kurzen Augenblick ein bestürzend volles Maß an Bitternis und Frustration aufklingen lassen. Und Bitternis, die sich einen Moment lang in die Züge des Mannes einschleicht und schon wieder verweht ist, bevor wir sie konkret lokalisieren können.

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Filmszenen I “…Ja, ich bin es!” Heino Ferch als General Philipp Turner, in: Die Luftbrücke. Teil 6b, 2004-2005

Teaser Film Die Luftbruecke Heino Ferch - General Philipp Turner

Bildquelle Composing Teaserleiste und Einzelbildwerke: SAT.1 teamworxx

“…Ja, ich bin es!” Heino Ferch als General Philipp Turner,  in : Die Luftbrücke. Teil 6b, Regie: Dror Zahavi, Buch: Martin Rauhhaus. hf, Teamworxx 2004-2005 für SAT.1

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“…Ja, ich bin es!”

Turner:

Richten Sie den Kindern meinen Dank aus und sagen Sie ihnen , es wird einen Ehrenplatz in meinem Haus bekommen…

Dann, scherzhaft:

vorausgesetzt, Clay versucht nicht, es mir wegzunehmen..

Turner streckt Dr. Kielberg die Hand hin, um sich per Handschlag zu bedanken. Dr. Kielberg lächelt zwar, ergreift die Hand auch, aber wir spüren gleichzeitig einen deutlichen Widerwillen, die eigene Hand zu geben.

Dr. Kielberg weicht Turners Blick aus, winkelt den Arm eng an, so als ob er ihn eigentlich nicht zum Handschlag reichen, sondern dem Anderen wegziehen möchte. Der Handschlag fällt dementsprechend verhalten aus.

Dr. Kielberg lächelt höflich, aber gleichzeitig irgendwie verlegen, verhalten.


Bildquelle und Bildrechte teamworxx. für SAT.1 2005

Beide Männer drehen sich in entgegengesetzter Richtung von einander weg und gehen auseinander.

Dr. Kielberg geht zum Garderobenständer. Dort hängen Hut und Mantel. Wir sehen seinen Kopf und Rücken, er steht im Halbdunkel.

Auf einmal bleibt er stehen, dreht sich um. Er sieht zu Turner hin. Jede formelle Freundlichkeit ist von ihm abgefallen. Er wartet noch einen Augenblick, forscht, dann:

Sie sind es.

Schnitt auf Turner. Er steht abgewandt. Die Frage trifft ihn wie ein zerrender Schlag im Rücken.

Dr. Kielberg legt nach:

….oder?

Turner zögert noch einen Moment, jetzt steht die Entscheidung an: Leugnen oder die Wahrheit. Die Entscheidung fällt für die Wahrheit. Er wendet sich zu Dr. Kielberg hin, dreht den ganzen Körper, offen, zeigt sich dem Anderen ganz.

Ja, sagt er ich bin es.

Very Close Up in die ernsten Gesichter beider Männer. Dr. Kielberg nickt kaum merklich. Turners Bekenntnis ist für ihn nur Bestätigung. Er hatte ihn ja bereits gesehen.

Dr. Kielberg Ich hab´ immer versucht, mir vorzustellen, wer es wohl ist.

Turner nimmt den Moment sehr ernst. Er wirkt so, als wäre er bereit, die Konfrontation ganz und gar engagiert, ohne Spielchen und Manöver durchzustehen. Er steht ruhig da, die Hände immer noch in den Hosentaschen, er duckt sich nicht und bläst sich auch nicht auf. Seine hohe innere Anspannung spiegelt sich nur in der gestressten Brauenspannung, die jedes seiner Worte begleitet.

Turner denkt einen Moment, dann versucht er eine Erklärung der Situation:

Wir dachten, Sie wären tot.

Verstehen Sie?

Natürlich……..sagt Dr. Kielberg. Sein Blick ist ernst und trauernd. Als er hinzufügt:

..aber dann war ich ja wieder ganz lebendig….

verstärkt kein mimischer Ausdruck die Ironie dieser Worte.

Dr. Kielberg sieht nur weiter ernst und aufmerksam zu Turner hin.

Turner erwidert den Blick, dann bricht er den Kontakt. Er weiss nichts dazu zu sagen. Was kann man auch sagen?

Es ist Dr. Alexander Kielberg, der jetzt die Hand zur Versöhnung reicht. Es tut es mit einem kleinen, sensationellen Satz, der uns sagt, dass er den Konkurrenten keineswegs vom Erdboden weggewischt sehen möchte.

Kielbergs Worte enthüllen, er erkennt: Der andere ist eben auch nur ein Mensch, der wie ein Mensch gehandelt hat mit aller Begrenzheit und Schwäche, die dieser Spezies eben zu eigen ist. Dr. Kielberg erkennt im anderen eine Person an, die das Beste wollte und will, aber eben als Mensch auch emotional bedürftig ist.

Ecce.

Er sagt…..passen Sie auf sich auf..

Turner nickt.

Sie auch.

Kielberg geht zu seinem Mantel, nimmt ihn an sich.

Turner, aus dem off:

Was hätten Sie getan?

Wenn Sie an meiner Stelle gewesen wären, was hätten Sie getan?

Kielberg dreht sich um. Er lächelt.

Wenn es Luise gewesen wäre?

Schnitt auf Turner. Der sagt nichts, sein Blick fragt, er wartet.

Kielberg setzt seinen Hut auf, überprüft dessen Sitz mit einer eleganten Geste an die Hutkrempe und erwidert mit einem charmanten und leise jovial verschmitzten Lächeln:

…das gleiche vermutlich….

er dreht sich weg und geht.

Turner hat Dr. Kielbergs Lächeln aufgenommen, blickt ihm nach. Wir hören zwar kein Aufatmen, aber eines ist offensichtlich.

Turner ist erleichtert, erfreut und sogar ein wenig amüsiert über Dr. Kielbergs überraschende Reaktion, die implizit nichts anderes sagt als: Luise ist etwas Besonderes. Sie haben das eben auch erkannt, Kompliment an Ihren -unseren- guten Geschmack.

Dass in den Adern des neuen Familienzuwachses der Kielbergs sein, Turners, Blut fließt, wird er nicht erfahren.

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2004-2005 Heino Ferch – General Philipp Turner, Ulrich Noethen – Dr. Alexander Kielberg