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Filmszenen I „..Dein Bettzeug!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno (Heino Ferch) Teil 5. Regie: Tom Toelle 1993 – 1994.

14. Februar 2009 · Kommentar schreiben


Teaser Film Deutschlandlied

Bildquelle Homepage Katja von Garnier, alle Bildrechte bei ZDF und TV 60 München

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..Dein Bettzeug!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno ( Heino Ferch ) Teil 5. Buch: Peter Märthesheimer, Regie: Tom Toelle 1993 – 1994.

Audio.wma (Text exkl. Dialog und Sprecher: ignazwrobel. Format: Windows Media Player)

Die Geschichte mit Hanno Lisa und Robbie ist jetzt nicht einfach so zu Ende, Realitäten haben Spuren gelegt, die sich weiter ziehen:

Szene Nacht. Hannos Baracke.
Die Wachhunde schlagen an. Hanno kommt aus der Tür.

Ist da jemand?

Am Tor steht Lisa mit Robbie auf dem Kindersitz des Fahrrades. Wir warten mit Lisa, bis Hanno am Tor ist.

Lisa!

Er klingt überrascht, sanft, erfreut.

Lisa Er schläft nicht. Er fragt die ganze Zeit nach Dir.

Hanno: So? - atemlos froh.

Hanno sperrt auf, die beiden kommen aufs Gelände, bleiben stehen, bis er wieder abgeschlossen hat.

Er nimmt Robbie sofort vom Sitz und trägt ihn in die Baracke. Als er den Knaben an sich nimmt, sehen die beiden aus, wie wie zwei Teilstücke eines größeren Gegenstandes, die getrennt waren und soeben wieder an ihren richtigen Platz kommen.

Lisa folgt den beiden mit einem Paket Decken im Arm.

Lisa Er wird mir noch krank.

In der Baracke.

Wir stehen nahe bei Hanno. Er trägt das Kind auf dem Arm. Er wendet sich von uns weg zu Lisa, die in der Tür stehen geblieben ist.

Direkt bei uns Hannos Kopf, sein Hals, seine Schultern. Um seinen Nacken die zwei kleinen Kinderhändchen, die sich an ihm festhalten.

Hanno Ja, was machen wir denn da?

Lisa Kann er hier bleiben?

Möchtest Du das?
fragt Hanno Robbie. Robbie nickt. Hanno legt das Kind aufs Bett.

Lisa Letzte Nacht hat er kein Auge zugetan.

Hanno Und was sagt Theo dazu?

Theo merkt es nicht. Er schläft in der Werkstatt. Theo ist erschreckend verändert aus Rußland heimgekehrt. Lisa findet zu ihrem Mann keinen Weg. Theo ist völlig in sich eingekapselt. Er redet nichts mehr außer Danke Bitte Guten Morgen. Näht nur im Akkord aus alten Fallschirmen die Hülle für einen Heißluftballon.

In Lisas Augen stehen Tränen. Die Situation ist belastend und zutiefst verunsichernd.

Hannos Logik ist einfach:

Da hätte ich ja gar nicht auszuziehen brauchen.

Lisa sagt nichts dazu, sie geht statt dessen zu ihm und übergibt ihm das Paket Decken:

Dein Bettzeug.

Hanno greift danach, seine Hand kommt dabei auf Lisas Hand zu liegen. Sie zieht schnell und heftig ihre Hand weg.

Das war ihre Antwort. Hanno bringt Lisa hinaus.
Sie geht.

Beider Wege trennen sich.

Das ist das Ende der Geschichte, soweit wir Hanno und Lisa begleiten durften. Robbie wird zwar wieder zu Lisa gebracht werden. In der letzten Szene sehen wir das Kind, als alle auf der Wiese stehen und Theo beim Jungfernflug seines Ballons zusehen, wie es Hanno erblickt, vom Arm der Mutter herunter und auf Hanno zulaufen will.

Wie sieht das Leben für Robbie jetzt aus? Der Vater nimmt keine Beziehung zu ihm auf, ignoriert das Kind und der Mann, der Robbie wie ein Vater liebt, wird woanders leben müssen. Das Kind, das Hanno sich von Lisa so sehr gewünscht hat, ist nicht geboren worden.

Wenn Hanno großes Glück hat, wird er an dem Erlebten nicht zerbrechen. …oder wenn er einen starken Willen hat.

Audio.wma (Text exkl. Dialog und Sprecher: ignazwrobel. Format: Windows Media Player)

1994-95 Hanno Schmidbauer – Heino Ferch, Lisa Schmidbauer – Katja Riemann

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Kommentar: Ferchs Figuren  im Zusammenspiel mit  Kindern

Egal in welcher Figur, welcher Rolle, – es ist immer ein besonderes Vergnügen, den Umgang des Schauspielers mit Kindern zu sehen.

Wenn eine von Ferchs Figuren ein Kind anblickt oder anfasst, schwingt immer etwas Positives mit, das schwer erklärbar ist, eine Zartheit dem Kind gegenüber, vielleicht der Kinderseele gegenüber, die einen bereits beim Zusehen schon butterweich werden läßt.

Es ist kein lassaire faire, in manchen Rollen, wie z. B. in „Mord am Meer“ schimpfen oder tadeln Ferchs Figuren auch, aber immer schwingt dabei etwas mit, das ein gutes Gefühl von Sicherheit, Stimmigkeit, rahmengebender Unterstützung hinterläßt, ein Wohlwollen, das sich jenseits des Pragmatischen -wie es scheint- auf anderer Ebene an die Seele des Kindes richtet und ein Gefühl erzeugt, dass Kinder bei ihm sehr gut aufgehoben sind. Das beginnt bei frühen Figuren wie Hanno, man sieht es bei Rauffeisen, Klausmann, Bretz, Breuer, Leonard, Lechner bis hin zu aktuellen Figuren wie Glauberg und  General Philipp Turner.

Kommentar 2: Deutschlandlied bildet zusammen mit „Straight Shooter, „Der Unhold“, „Lucie Aubrac“,  „Hunt for Justice“ „Ghetto“ „Julius Caesar „, „Der Untergang“ und in Grenzen auch „Die Luftbrücke“ eine Gruppe in Ferchs Lebenswerk: die der Antikriegsfilme. Die Figuren, die Ferch verkörpert, formulieren zwar auf sehr unterschiedliche Weise, aber in einer gemeinsamen klaren Aussage eine Botschaft: es sind Plädoyers gegen Krieg, für das Leben, besonders das von Kindern.

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Filmszenen I „..wer ist der Mann da?“ — Dein Vater!“ in : Deutschlandlied. Porträt Hanno ( Heino Ferch ) , Teil 4, 1995-1996.

14. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Teaser Film Deutschlandlied
Bildquelle Homepage Katja von Garnier, alle Bildrechte bei ZDF und TV 60 München
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„..wer ist der Mann da?“ — Dein Vater!“ in : Deutschlandlied. Porträt Hanno ( Heino Ferch ) , Teil 4, Regie: Tom Toelle, Buch: Peter Märthesheimer, 1995-1996.
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Szene in der Kirche


Lisa erfährt von einem Rußlandheimkehrer, daß nun auch ihr Mann Theo in Kürze wieder zu Hause sein wird.


Drei Jahre lang nicht ein Lebenszeichen – keine Zeilen, Nichts! Und dann aus heit´rem Himmel – plötzlich… sagt sie.


Szene in der Kirche. Die Glückswende.


Es ist Sonntag, die – offensichtlich katholische – Gemeinde hat sich in der Kirche versammelt. Unter den Kirchgängern: unsere kleine Familie. Lisa hat das Kind, das sie von Hanno erwartete, abtreiben lassen, als sie die Nachricht erhielt, daß ihr Gatte Theo in zwei Wochen wieder in Königsbruck sein werde.


Für Hanno war das furchtbar. Es war sein Kind, das er sich von ganzem Herzen gewünscht hatte. Doch geschehn ist geschehen. Lisa hatte die Abtreibung ganz allein entschieden, ohne Hanno von ihrer Schwangerschaft rechtzeitig zu erzählen. Als er es erfährt, ist es schon zu spät.


Man singt gerade ein Kirchenlied. Die kleine Patchwork-Familie, Hanno, Lisa und Robbie, er ist jetzt ungefähr knapp fünf Jahre alt, sitzen zusammen in einer Kirchenbank. Die zwei Erwachsenen singen mit. Eine junge Kirchgängerin eilt an der Bank vorbei , hinaus – Richtung Ausgang.


Lisa blickt der Frau kurz hinterher, weil es ungewöhnlich ist, während der Messe die Kirche zu verlassen. Beim Umwenden fällt ihr Blick auf einen Mann, der ganz allein hinten im Hauptschiff im Mittelgang steht.

Der Mann trägt einen großen Pappkoffer, einen feldgrauen heruntergekommenen Wintermantel, darüber einen Klepper, er ist kahl geschoren, hat eine Tasche in der Hand: ein Heimkehrer.


Lisa dreht sich schon wieder nach vorne, um dem Gottesdienst weiter zu folgen, da beginnt ihr Unterbewußtsein den Mann zu identifizieren.


Jetzt weiss sie, wer er ist.


Sie steht auf, dreht sich ganz um, hält Robbie, der auf ihrem Schoß saß, vor sich, so daß auch der jetzt den Mann sehen kann.

Hanno singt weiter. Lisa drängt sich an ihm vorbei durch die Kirchenbank zum Mittelgang hinaus.


Hanno hatte ihr zuerst ins Gesicht gesehen, war dann ihrer Aufmerksamkeit gefolgt, nach hinten. Jetzt dreht er sich auch um: Ein kurzer suchener Blick. Sein Gesicht versteinert. Die Augen weiten sich. Er hat den Mann auch erkannt.


Schnitt auf den Heimkehrer, der da ganz allein im Mittelgang steht.


Abgehärmt, ausgehungert, das Gesicht hohl: es ist Theo.

Theo geht langsam mit kleinen zögernden Schritten ein wenig auf Lisa zu. Lisa nähert sich ihm genauso unsicher, zögernd. Zwischen beiden liegen noch einige Meter.


Schnitt auf Hanno und das Kind.

zur Fotostrecke „Deutschlandlied“ auf kino.gmx.de->

Hannos Gesichtsausdruck ist traurig, auch zornig, ja fast wütend, verbiestert, feindselig. Hier kommt nicht nur sein älterer Bruder, hier kommt der endültige Endpunkt seiner Zukunft mit Lisa und Robbie. Hier steht im Kirchenschiff sein Rivale, der soeben zum Sieger geworden ist. Lisa hat keinen Zweifel daran gelassen, daß sie sofort zu Theo zurückgeht, wenn er wiederkommt.

Schnitt auf Theo und Lisa.


Sie stehen jetzt zwei Meter voreinander, wir hinter Lisa. Links und rechts in den Bänken die Kirchgänger werden auf das Paar aufmerksam. Theo stellt seinen Pappkoffer auf den Boden, richtet sich wieder auf , macht eine unsichere, sich selbst festhaltende Geste an seinen Hals. Lisa kommt zögernd und auch sehr unsicher mit kleinen Schritten weiter auf Theo zu, nestelt schüchtern an ihrem Mantel.


Nahaufnahme Hanno und das Kind.


Hanno hatte sich links herum zum Mittelgang hin umgewendet, rechts von ihm kniet das Kind auf dem Sitz der Kirchenbank und sieht nach seiner Mama.


Hanno dreht sich ganz langsam wieder nach vorne, zu uns.

Während wir ihn noch im Profil sehen, ahnen wir bereits, was in ihm vorgeht. Er sinkt ein wenig in sich zusammen. Schon jetzt sehen wir den abgefallenen Blick, die traurigen Mundwinkel. Als er sich ganz zu uns herum gedreht hat, blicken wir in ein blutjunges, fast kindliches Gesicht mit ratlosen Augen.

Sein Blick erzählt uns, daß er soeben verstanden hat: seine Hoffnungen sind zerstoben.

Er starrt verloren vor sich hin, die Orgel spielt, die Gemeinde singt.
Er ist so resigniert, daß er sogar einen Moment lang vergißt, neuen Atem zu holen. Alles scheint stillzustehen.

Durch die Gesichtszüge des erwachsenen Mannes hindurch scheint ein kindliches Gesicht, ein unbehüteter Zug von Abgetrenntsein.

Er hat sein Ziel, sein Lebensziel gerade eben verloren.

Er starrt noch träumend vor sich hin, da weckt Robbies Stimme ihn auf. Er muß reagieren. Er dreht den Kopf auflauschend nach der Kinderstimme.


Wer ist der Mann da? hat ihn Robbie gefragt.


Wir sehen Knabe und Mann einander zugewandt, vier schwarze Augen, zwei Männer- und zwei Kinderaugen. Robbies Frage schwirrt einen Moment in Hannos Kopf, dann wacht sein Gesicht auf.


Er beginnt, ganz zart zu lächeln, er lächelt für Robbie. Seine Antwort, so fühlen, wir, ist für ihn wie Schwerterklingen ins Herz, dennoch antwortet er ohne zu zögern, klar und betont.


Dein Vater!


Robbie ist mit der Auskunft zufrieden und sieht wieder nach hinten.


Hanno dreht ganz langsam den Kopf, nach vorne, zu uns. Das Lächeln für Robbie überhaucht noch einige Augenblicke sein Gesicht, verglimmt, verlischt.


Als er wieder ganz für sich ist, greift tiefe Traurigkeit Platz. Er preßt die Lippen aufeinander, wie um sich dazuzubringen, Haltung zu bewahren. Der Effekt ist, daß er nur noch trauriger wirkt. Er kann dem inneren Druck nicht Stand halten und öffnet ein wenig den Mund, atmet heftiger. Wir können sehen, daß dieser junge Mann innerlich weint.

Ende der Szene.
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1994-95 Hanno Schmidbauer – Heino Ferch, Lisa Schmidbauer – Katja Riemann, Theo Schmidbauer – Thomas Schendel Filmografie Thomas Schendel

Kategorien: Deutschlandlied
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Filmszenen I „…für Dich!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno Teil 3A. Regie: Tom Toelle, Buch: Peter Märthesheimer, 1994.

13. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Teaser Film Deutschlandlied

Bildquelle Homepage Katja von Garnier, alle Bildrechte bei ZDF und TV 60 München

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„…für Dich!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno Teil 3a. Regie: Tom Toelle, Buch: Peter Märthesheimer, 1994.

Kino für die Ohren – hören statt lesen: Audio.mp3

Szene

Revierausbau – an allen Fronten:

(Info: Hanno scheint jünger zu sein als Lisa, vielleicht fünf Jahre.)

Hanno, der Kindskopf, hatte doch tatsächlich das Ofenrohr bei den Flüchtlingen in der Werkstatt verstopft, um sie zu ärgern, eventuell sogar zu vertreiben. Lisa kommt wütend die Treppe in die Wohnung hochgerannt.

Wer hat das Ofenrohr verstopft?

Hanno läßt sich Zeit, er schmirgelt seelenruhig an seinem Werkstück herum.

Im Sommer macht man keinen Ofen an,

antwortet er patzig.

Lisa muss seinen Expansionsdrang immer wieder bremsen.

Was bildest Du Dir ein – in diesem Hause ist immer noch Dein Bruder der Herr!

Hanno kindisch bockig:

Und ich das Arschloch – wie immer!

Lisa: Kannst Du nicht warten! Mußt Du dir immer alles nehmen?

Die Stadt will im Ex-Arbeitslager von Königsbruck ein Mahnmal bauen für die Opfer des Regimes.

Hanno sieht messerscharf seine Chance, er bietet an, das Mahnmal direkt im Lager zu errichten, aus Holz natürlich.

Sein Plan ist, aus dem Abfallholz des Mahnmals seine ersten Möbel zu bauen und so den Grundstein für eine geschäftliche Zukunft zu legen.

Hanno wird seine Werkstatt in einer Lagerbaracke einrichten dürfen und sogar gegen Holzdiebstahl Wachhunde gestellt bekommen.

Die Szene

Bedrückende Unsicherheit – Zukunft mit Hanno – oder mit Theo? Wer wird der Verlierer sein?

In Schmidbauers Wohnküche, Lisa trägt ihren roten Morgenmantel, es ist später Abend.
Hanno ist noch angekleidet, kurzärmliges enges Hemd aus dünnem Stoff, seine alte Hosenträger-Hose.

Hanno und Schreinermeister Opa Peisener, der nach einer klärenden Aussprache jetzt unter Hannos persönlichem Schutz steht, haben Entwürfe für das Mahnmal gezeichnet und an die Wand gepinnt.

Dafür haben sie die Bilder von Theo, Lisas vermisstem Mann, abgenommen, die vorher dort über dem Herd hingen.

Die Bilder zeigten Montgolfieren und symbolisieren Theos großen Traum: einen Heissluftballon zu bauen und damit zu fliegen. Die Bilder sind für Lisa Erinnnerung und Hoffnungsanker für eine Rückkehr ihres Gatten.

Lisa nimmt Hannos Zeichnungen ärgerlich und schnell ab.

Hanno:

Vorsicht, das sind Entwürfe!

Blätter flattern zu Boden, Lisa, läßt die von der Wand genommenen Zeichnungen einfach fallen.

Lisa:

Deswegen müssen sie nicht ausgerechnet da hängen.

Hanno bückt sich aufgeregt nach den Blättern und hebt sie auf.

Die anderen Zeichnungen nimmt er mit Lisa gemeinsam ab, um ihr dabei zuvorzukommen, noch mehr davon zu Boden zu werfen.

Wir stehen in Hannos Rücken, so dicht hinter ihm, dass wir ihm die Hand auf die Schulter legen könnten.

Die Kamera folgt Hanno, der noch einmal begeistert seine Entwürfe durchschaut.

Kombimöbel, Lisa, Kombimöbel!

Mit dem Rest von dem Denkmal also verstehst Du mit dem Rest von dem Holz von dem Denkmal…

Lisa hat einen Stuhl herangeholt und ist darauf gestiegen, um die Montgolfieren-Bilder wieder aufzuhängen, sie putzt die Verglasungen sorgfältig und liebevoll ab. Hanno steht nahe bei ihr, begeistert.

Er blickt zu ihr auf, sein Kopf ist auf ihrer Taillenhöhe. Er sagt:

Damit bauen wir unsere Zukunft. Ja!

Lisa hängt schweigend weiter die Bilder auf. Sie will ja gar keine Zukunft mit Hanno, sondern mit Theo, dessen Andenken sie gerade wieder an ihren Platz zurückhängt. Trotzdem ist sie von Hanno schwanger. Sie verschweigt Hanno diese Tatsache.

Als Lisa gar nicht reagiert, dreht sich Hanno enttäuscht weg, ein bißchen, wie ein kleiner Junge.

Ja , wenn Dich das nicht interessiert….!

Lisa fasst Hanno an der Schulter.

Hanno hat auf ein solches Zeichen gewartet, er reagiert sofort, dreht sich fast blitzartig wieder zu ihr hin und blickt ihr ins Gesicht.

Lisa von oben von ihrer Stuhlhöhe herab:

Ich will nur nicht, dass Du ohne mich zu fragen, Bilder von der Wand nimmst.

Hanno und Lisa starren sich erregt an, Hanno bockig, Lisa wie eine tadelnde Mama.

Lisa nimmt der Situation die Härte durch eine versöhnliche Geste.

Sie streicht ihm wie eine fürsorgliche Mutter das Haar aus der Stim. Dann steigt sie vom Stuhl und drängt sich an ihm vorbei ohne ihn noch einmal zu berühren.

Hanno steht wieder allein.

Sie blickt sich nach ihm um.

Er steht starr und betreten da, den Rücken zu ihr.

Die Kamera fährt näher an ihn heran. Er senkt den Blick, wirkt resigniert, immer trauriger, jetzt sehen seine Züge fast aus wie die eines Menschen, der innerlich weint.

Er schaut mit einem kleinen Seitenblick – der ein wenig ratlos und hilflos wirkt, ins Nichts.

Er wirkt einen winzigen Moment lang so hilflos der Situation gegenüber.

Dann atmet er tief ein, er geht zur Kommode. Die Kamera folgt ihm nahe, dass wir nur seinen Oberkörper sehen können. Wenn Hanno sehr langsam geht, verebbt sein Hinken soweit, dass wir es fast vergessen.

Hanno nimmt – nach Lisa lauernd, ob sie auch nicht herüberschaut – heimlich etwas aus der Schublade und versteckt es hinter seinem Rücken.


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1994-95 Hanno Schmidbauer – Heino Ferch, Lisa Schmidbauer – Katja Riemann

Theorie: Topos: Der Mann, der zu seiner Partnerin aufblickt.

Eine „idee fixe, ein Topos in Ferch-Projekten ist der Mann als Partner, der zu seiner Partnerin aufblickt, da er sich im Raum in tieferer Position als die Frau befindet. Dieser Topos taucht über ein Jahrzehnt hinweg in immer neuer Färbung auf.

1996 Deutschlandlied: Hier blickt ein junger vertrauensvoller Mann zu seiner etwas älteren Partnerin auf, die ihm mütterlich das Haar aus der Stirn streicht.

2002 Nachts im Park: Die Frau (Frau Dr. Lumis) beschützt den Erschöpften (der auf der Couch schläft), versorgt ihn, er liegt, sie steht über ihm und beugt sich zu ihm herab, ihm kameradschaftlich und zärtlich, aber ohne Besitzanspruch, zugetan.

2003 Der Anwalt und sein Gast: Hier ragt die Frau – ihre Silhouette umschließt seine Silhouette in der Spiegelung beängstigend – übermächtig über dem Mann auf. Der Mann wirkt klein, erschrocken. Die Partnerin ist eine Machthaberin, der Mann machtlos und winzig, gefangen in der Silhouette der Frau.

2005 Mord am Meer: Der Mann kauert an der Tür seines ehemaligen Hauses, die Frau steht hoch über ihm, hat die Regie über sein Hier- oder Nichthiersein. Sie ist ganz abgenabelt, distanziert und hat die Entscheidungsmacht über die Situation. Sie nutzt die Macht nicht für Machtspielchen, sie ist fair.

2005 Hölle im Kopf: Im Bett, in Szenen, die Erinnerung an vertraute gemeinsame Vergangenheit spiegeln, ist die Frau über ihm, dem Schwachen, Schlafenden in Halbsitzposition aufgerichtet. Sie ist wach und stark, schützt ihn, holt ihn rücksichtsvoll aus dem Schlaf in die Gegenwart.

Schluß: Sie steht einige Stufen über ihm auf einer Treppe, aber beide kämpfen bis zum bitteren Final Show Down. Die beiden sind Feinde geworden. Die Frau verliert.

2006 Auf ewig und einen Tag: Er sitzt im Bett aufgerichtet, ist gerade erwacht und muss erkennen, dass seine Frau sich für einige Zeit von ihm zurückziehen muss. Die Frau steht über ihm, beugt sich herab und küßt und streichelt seinen Kopf – liebevoll, wie man ein schutzbedürftiges Kind beruhigt. Die Frau, zwar unabhängige Regentin ihrer Handlungen, ist nun wieder eine freundliche zugetane Figur, -viel jünger jetzt-, die zwar für sich sorgt, aber unverbrüchlich zugetan ist.

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