Archiv der Kategorie: Der Unhold – The Ogre

Filmszenen I “..verflucht seist Du auf der Erde..” Teil 7. Rauffeisens Tod. Abel und Kain: Teil 7 in: Der Unhold, Rauffeisen: Heino Ferch 1996

Teaser Film Der Unhold. Heino Ferch - Napolakommandant Rauffeisen

Bildquelle und Copyrights : UfA Universum Film GmbH und Co. KG

<-<- zurück zu Teil 6

Kommentar:

Rauffeisens Figur steht exemplarisch für den Verlauf des Hitlerregimes, glänzend zuerst, dann am Schluss eine furchtbare Fratze völliger Zerstörung.

In der Schlußszene wird die Allusion zwischen Rauffeisen und Abel auf die Geschichte aus der Bibel von Kain und Abel manifest.

Abel, der sanfte Bruder (der Schäfer, der auf die Herde aufpasst) , Kain, der Ackermann (der die Früchte des Zorns säht und erntet) der unfromme, grimmige Bruder. Rauffeisen (der versucht, Abel von der Burgzinne herunterzuschießen) hat seinem sanften “Bruder” gegenüber Tötungsabsicht, so wie in der Bibel Kain. (oder abstrakter: Das Prinzip Kain/Krieg vernichtet das Prinzip Abel/Frieden.)

Unstet und flüchtig musste Kain/Rauffeisen auf der Erde werden. (Übersetzt: Rückzug von der Ostfront, die Russen jagen die Deutschen vor sich her.)

Die Erde hat das Blut Abels (Prinzip Frieden) von Deinen (Kains/Rauffeisens/Prinzip Krieg) Händen empfangen
und gibt hinfort keinen Ertrag (übersetzt: die verbrannte Kriegserde) .

Und schlussendlich: so wie in der Bibel beschrieben, musste Rauffeisen sterben: es schlug (schoss) ihn tot, der ihn fand.

—–

Rauffeisens/Kains und Abels Augen sind während der und durch die Katastrophe beschädigt – Symbol für ihre eingeschränkte geistig-seelische Sicht.

1995-96 Heino Ferch – SS Obersturmbannführer Rauffeisen, Abel Tiffauges – John Malkovich Filmografie John Malkovich

Filmszenen I Rauffeisens Tod. Teil 6 Abel und Kain: “..verflucht seist Du… ” in: Der Unhold, 1996 Rauffeisen: Heino Ferch

Volker Schloendorff. Heino Ferch - Napolakommandant Rauffeisen

Rauffeisens Tod. Teil 6 Abel und Kain: “..verflucht seist Du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan..” in: Der Unhold, 1996 Heino Ferch als Obersturmbannführer Rauffeisen

Bildquelle und Copyrights : UfA Universum Film GmbH und Co. KG

zurück zu Teil 5<-<- weiter zu Teil 7 ->->


Kommentar : “Der Unhold” bildet zusammen mit “Straight Shooter” “Hunt for Justice” “Ghetto” und “Der Untergang”, eine Gruppe in Ferchs Lebenswerk: die der Antikriegsfilme. Die Figuren, die Ferch verkörpert, formulieren zwar auf sehr unterschiedliche Weise, aber in einer gemeinsamen klaren Aussage eine Botschaft: es sind Plädoyers gegen Krieg, für das Leben, besonders das von Kindern.
—————————————————–
(Jetzt ist uns klar, wie Rauffeisen, dessen Vornamen wir den ganzen Film über nicht erfahren werden, wohl heissen könnte: KAIN.)

Verdammter Jud!

Er entreisst einem Jungmannen das Gewehr, legt an, zielt und schießt auf Abel. Er trifft nicht. Die Kinder werten den Schuss Rauffeisens als das Signal zum Eröffnen des Feuers.

Leider trifft ein Kindersoldat augenblicklich den Kommandanten der Russen.

Panzerangriff auf die Burg, Kindersoldaten haben sich in Schützengräben verschanzt, wollen, wie geübt, den Panzer mit Panzerfäusten zerstören. Die Panzer überrollen die Kinder und drehen über den Gräben, um die Kinder zu töten.

——-

Kommentar:

Die verletzten Augen der beiden Abel und Rauffeisen symbolisieren hier natürlich die verengte Sichtweise der beiden, jeweils in ihrer inneren Welt, das nicht sehen wollen oder nicht sehen können, was los ist.

Kampf. Die Burg wird sukzessive zerschossen, es brennt überall.

Abel beginnt, wie Christophorus mit dem Knaben auf der Schulter, durch das Kampfinferno zu fliehen. Seine Augen sind verletzt und er trägt einen Verband, der ihn vollständig blendet. Der Junge auf seiner Schulter lotst ihn durch das brennende Gelände, feuert ihn an.

Gespenstische Szenerie, überall tote Kinder. Schießen, schießen, dramatische Trompetenfanfaren im Hintergrund, es schneit, weisse Flocken stäuben auf tote Arme, Beine.

Plötzlich hören wir furchtbare, kehlige Schmerzenslaute, die wie von einem Ertrinkenden zu kommen scheinen, der sich mit letzter Kraft über Wasser hält.

Die Kamera fährt den Boden entlang, zwischen toten Kindern sehen wir zuerst ein paar Beine, die sich über den Boden fortrobben, dann den Körper, – bis wir entsetzt erkennen, dass dieser Mensch, oder das, was von diesem Menschen übrig ist, und

sich mit unverständlicher Härte und letzter Kraft vorwärtsrobbt, niemand anderer ist

als Obersturmbannführer Rauffeisen.

Sein Gesicht ist schwerst verletzt, eine entsetzliche Fratze der Zerstörung, aus beiden Augen läuft dunkelrotes Blut in Bahnen über die bläulich-grauen Wangen – ein Auge ist ausgeschossen, –

-Blut rinnt aus der Nase, aus dem Mund, ——— Rauffeisen schreit, schreit, schreit, ein furchtbarer Anblick von Zerstörtheit, —–

Er richtet sich auf die Knie, reisst am gestreckten Arm die Waffe hoch, will schiessen….

Die Kamera fährt rasch zurück in die Totale, wir sehen, dass Rauffeisen unmittelbar vor einem russischen Soldaten war.

Der hatte knapp die Waffe angehoben und Rauffeisen schnell und kalt abgeknallt. Rauffeisen wird zurückgeschleudert, bleibt tot im Schnee liegen.

Der russische Soldat steigt ungerührt über ihn hinweg.

Aus.

Die Burg geht in Flammen auf.

Abel rettet, wie Christophorus, den Knaben – durch ein Wasser watend.


Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des HERRN.

Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann.

Es begab sich aber nach etlicher Zeit, daß Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett.

Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.

Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.

Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?

Ist’s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben.

Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.

Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Laß uns aufs Feld gehen!

Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.

Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?

Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?

Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.

Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen.

Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.

Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als daß ich sie tragen könnte.

Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muß unstet und flüchtig sein auf Erden.

So wird mir’s gehen, daß mich totschlägt, wer mich findet.

Kommentar:

Rauffeisens Figur steht exemplarisch für den Verlauf des Hitlerregimes, glänzend zuerst, dann am Schluss eine furchtbare Fratze völliger Zerstörung.

In der Schlußszene wird die Allusion zwischen Rauffeisen und Abel auf die Geschichte aus der Bibel von Kain und Abel manifest.

Abel, der sanfte Bruder (der Schäfer, der auf die Herde aufpasst) , Kain, der Ackermann (der die Früchte des Zorns säht und erntet) der unfromme, grimmige Bruder. Rauffeisen (der versucht, Abel von der Burgzinne herunterzuschießen) hat seinem sanften “Bruder” gegenüber Tötungsabsicht, so wie in der Bibel Kain. (oder abstrakter: Das Prinzip Kain/Krieg vernichtet das Prinzip Abel/Frieden.)

Unstet und flüchtig musste Kain/Rauffeisen auf der Erde werden. (Übersetzt: Rückzug von der Ostfront, die Russen jagen die Deutschen vor sich her.)

Die Erde hat das Blut Abels (Prinzip Frieden) von Deinen (Kains/Rauffeisens/Prinzip Krieg) Händen empfangen
und gibt hinfort keinen Ertrag (übersetzt: die verbrannte Kriegserde) .

Und schlussendlich: so wie in der Bibel beschrieben, musste Rauffeisen sterben: es schlug (schoss) ihn tot, der ihn fand.

<-<-zurück zu Teil 5 weiter zu Teil 7 ->->

Rauffeisens/Kains und Abels Augen sind während der und durch die Katastrophe beschädigt – Symbol für ihre eingeschränkte geistig-seelische Sicht.

1995-96 Heino Ferch – SS Obersturmbannführer Rauffeisen, Abel Tiffauges – John Malkovich Filmografie John Malkovich

Filmszenen I “Eltern? Wir haben keine Eltern!” in: Der Unhold. Porträt Rauffeisen Teil 5. Rauffeisen – Heino Ferch Regie: Volker Schlöndorff, 1996.


Der Unhold. Heino Ferch - Napolakommandant Rauffeisen

Bildquelle und Copyrights : UfA Universum Film GmbH und Co. KG

<-<- zurück zu Teil 4 weiter zu Teil 6 ->->

Der Unhold – Finale – Kain und Abel


Kommentar : “Der Unhold” bildet zusammen mit “Straight Shooter” “Hunt for Justice” “Ghetto” und “Der Untergang”, eine Gruppe in Ferchs Lebenswerk: die der Antikriegsfilme. Die Figuren, die Ferch verkörpert, formulieren zwar auf sehr unterschiedliche Weise, aber in einer gemeinsamen klaren Aussage eine Botschaft: es sind Plädoyers gegen Krieg, für das Leben, besonders das von Kindern.

———————————————-

“Eltern? Wir haben keine Eltern!” in: Der Unhold. Porträt Rauffeisen Teil 5. Rauffeisen – Heino Ferch Regie: Volker Schlöndorff, 1996.

Nahaufnahme seines alten energievollen Charakterkopfes, graues Haar, strahlend blaue Augen, ruhig und gefasst. Sein Blick hoch zu den Burgmauern, seiner Heimat, ist untermalt von der sanften Tenorstimme des Sängers, der in diesem Moment singt:

Weil unsere Augen sie nicht seh’n

Der Text interpretiert von Kaltenborns Blick.

Schnitt. Totale von schräg oben.


Abel: Es wird keinen Endsieg geben, das waren alles nur Lügen. Alle Offiziere sind schon lange weg, sogar Rauffeisen war seit Tagen nicht mehr hier.

Die Kinder:

Er kämpft an der Grenze gegen das Russenpack.

Abel: Die Russen haben die Grenze längst überschritten, sie können jeden Augenblick hier sein.

Abel will mit den Kindersoldaten Wald fliehen. Die Jungen sind alle in Kampfuniform, teils weisser Winteruniformen und beten nun nach, was man ihnen eingeimpft hat.

Wir stehen an vorderster Front unseres Vaterlandes Wenn die Zeit reif ist, wird der Führer seine Geheimwaffe einsetzen.

Wir haben unser Leben dem Führer geweiht wir ergeben uns niemals.

Wir verstecken uns nicht. Nur Ratten verlassen das sinkende Schiff, ganz Deutschland schaut auf uns usw. usw.

Die Knaben funktionieren jetzt wie kleine Roboter, uns allein gehört der Sieg, Siegheil-in Schrei und Gegenschrei, Abel ist auf verlorenem Posten.

Wie Lothar werdet ihr alle verbrennen, ihr wollt doch Eure Eltern wiedersehen!

Eltern?

Wir haben keine Eltern!

Wir gehören dem Führer.

Abel versucht es mit Befehlston. Stillgestanden, Kehrt Marsch, Abrücken. Der Ton funktioniert zuerst, wie bei eingerittenen Pferden.

Ein Älterer schlägt Abel nieder. Er gehört nicht zu uns , er ist Franzose. Der Kindersoldat tritt Abel ins Gesicht. Sie verschanzen sich. Abel bleibt bewußtlos liegen.

Vorletzte Szene Rauffeisen.

Rauffeisen ist in Winteruniform, schwer behängt mit Waffen, Fernglas, er bereitet eine Verschanzung auf der Burg vor.

Laut, im Befehlston:

Jungmannen, schließt die Tore. Blockiert alle Ausgänge, besetzt die Geschütze, alles feuerbereit machen. Auf die Türme,

Er springt auf einen Kasten und hält eine einpeitschende Rede.

Er sieht völlig verändert aus. Seine Haut ist fahlbleich, er wirkt total übernächtigt, fanatisiert,

die Augen sind tiefdunkel unterlaufen, er ist unrasiert, trägt eine einfache Soldatenschirmmütze, hat Verletzungen über den Augen.

Sein Blick ist nicht wiederzuerkennen, wir sehen einen Menschen, der irr ist, verwildert, fanatisiert, sein Denken ist tunnelartig verengt.

Seine fanatische Wut ist Angst.

Die Zeit ist gekommen, der Feind steht dicht vor den Toren. Soll er nur kommen. Die Burg ist gerüstet und der Sieg wird unser sein. Wir zeigens ihnen wir schlagen sie wir vernichten sie, diese Burg wird sich niemals ergeben, niemals, Sieg

..heil..

…sieg…

…heil..

Sein Blick ist irr, geht unsteht wild hin und her. Die Augen sind weit aufgerissen, so weit, dass immer wieder die ganze Pupille sichtbar ist.

Er brüllt aus vollem Hals:

Auf Eure Gefechtsstationen Jungs los los…!!!

Die Kindersoldaten begeben sich zu den Waffen.

Abel hat inzwischen ein Konzentrationslagerkind gefunden, das auf einem Todesmarsch als totgeglaubt zurückgelassen worden war. Abel päppelt das Kind auf und wird mit ihm fliehen.

Abel hat durch den Fusstritt ins Gesicht auf die Brille Verletzungen an den Augen.

Das KZ-Kind versorgt die Wunde. Man hört bereits die russischen Panzer direkt vor der Burg. Der finale Showdown steht unmittelbar bevor.

Finale Szene: Rauffeisen stirbt.

Die Russen stehen vor dem Tor und fordern die Übergabe. Es ist Nacht.

Auf oberster Zinne steht Abel, weht mit einer weissen Fahne und schreit, dies ist nur eine Schule, hier sind nur Kinder, nicht schießen, nicht schießen. Ein Suchscheinwerfer setzt ihn ins Licht.

Rauffeisen dagegen läuft innen an den Schießscharten entlang und bereitet die Kindersoldaten auf das Gegenteil vor, sie sollen schießen.

Abel: Wir ergeben uns, nicht schießen.

Rauffeisen hört die Rufe, er ist im Burghof und sieht Abel auf der Zinne.

Er schreit:

Neein,…. ABEL… NEEIIIN!


<-<- zurück zu Teil 4 weiter zu Teil 6 ->->

——–

1995-96 Heino Ferch – SS Obersturmbannführer Rauffeisen, Abel Tiffauges – John Malkovich Filmografie John Malkovich Graf von Kaltenborn – Armin Mueller-Stahl Filmografie Armin Müller-Stahl, Frau Netta – Marianne Sägebrecht Filmographie