Filmszenen I …better than a life of despair…in: 72 Stunden – The Next Three Days. Teil 1A Russell Crowe – John Brennan, Buch u.Regie: Paul Haggis. 2009-10

Bildquelle und Bildrechte Filmverleih kinowelt und Lionsgate Film Production

…better than a life of despair / besser als ein Leben in Verzweiflung…Teil 1A in: 72 Stunden – The Next Three Days. Russell Crowe – John Brennan, Buch und Regie: Paul Haggis 2009-2010,

nach einem Film von Fred Cavayé aus dem Jahr 2008 mit Vincent Lindon und Diane Kruger: „Pour Elle“/“Anything For Her

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Unsere Szene findet man auf der DVD im Untermenue Extras „geschnittene Szenen/outtakes (Min 18:00 bis 20:00)

Vor der Szene

John Brennan(Russell Crowe) ist am örtlichen College Dozent für Literatur.

Seine Frau Lara (Elizabeth Banks) wurde des Mordes an ihrer Vorgesetzten für schuldig befunden und büßt seit einiger Zeit eine harte, fast lebenslange Strafe im örtlichen County Jail ab.

John wohnt weiter im gemeinsamen Haus der Familie.

Er hat nicht nur im Beruf weiter zu funktionieren, er muss auch lernen, den täglichen Anforderungen der Haushalts (house_keeping) zu begegnen.

Und er muss versuchen, seinen kleinen Sohn, jetzt vielleicht sieben, allein aufzuziehen; die Entfremdung zwischen Sohn und Mutter zu bremsen; sein Heimweh nach seiner Partnerin zu bekämpfen.

Laura fehlt ihm immer mehr. Seine Frau und er hatten vor dem brutalen Auseinanderreissen der Familie eine überaus glückliche und erfüllte Partnerschaft gelebt.

Wir begegnen John und seinem Sohn an einem Abend wie jedem anderen in ihrem Haus.

John hat Luke (Ty Simpkins) gerade ins Bett gebracht und geht in die Küche, um den Geschirrspüler zu leeren.

Die Szene

Wir sind in der Küche des Hauses. Nicht drangvoll eng, geräumig wäre auch zu viel gesagt. Jeder Quadratzentimeter den Wänden entlang ist für Einbauschränke genutzt, weiss kassettiert (coffering) rustikal. Von teuer kann keine Rede sein. War wohl so vor zehn Jahren mal neu.

Küchenblock in der Mitte, ein riesenhafter Kühlschrank dominiert die Rückwand. Man wollte es wohl ursprünglich ein wenig gehobener einrichten. Alle Arbeitsplatten sind aus gemasertem Marmor, echt.

Heute sind die Schrankfronten und der Kühlschrank überkrustet mit dem Erinnerungskram und frühen Kreativergebnissen von Kinderhand, sprich Wachsmalkreide-Zeichnungen. Das Abendessen vulgo der Wattetoast und die Pappcornflakes (papp in German sounds like pop and says cardbord) sind noch nicht aufgeräumt.John wird das jetzt machen.

John, er trägt Blue Jeans, dunkelblaues Poloshirt und einen blauen Kapuzensweater darüber,  schiebt gerade die Tür eines der Apothekenschränke zu. Er wendet sich zum Küchentresen , nicht ohne Anzeichen von Überforderung. Er hebt die Schultern, läßt sie fallen, ergebenes Durchatmen. Der Abwasch. Auch noch.

Nah der Spülstein, darin petrifiziertes Geschirr, Spaghetti mit Tomatensoße.Dieser Vater weiss, was Kinder wünschen. Wir sehen, wie seine Hände den Wasserhahn öffnen. Er nimmt die erste Tasse, sein Kopf kommt ins Bild – er dreht sich der Spülmaschine zu – lieber doch nicht von Hand abwaschen…

Die Maschine nah, Insert auf Johns Hand. Erst einmal muss er ausräumen. Er nimmt die Luke – Tasse heraus. Mit Porzellanfarben selbst bemalt. Wertvoll.

Au wei, der Henkel.Abgebrochen. Er fischt ihn aus dem Bauch der Maschine, stößt Geschirrwagen und Frontklappe zu. Bums. Der Wasserhahn ist immer noch offen, das teure Wasser rauscht davon.

Tasse und Henkel. Zwei Stücke in seinen Händen.

Plötzlich hören wir seine Stimme. Ein sonorer Bassbariton im Voice Over…

So, the life and time of Don Quichotte.

Also, wir sind bei Don Quichotte.

Schnitt. Hörsaal.

John nah. Er hält offenbar eine Vorlesung.Andere Kleidung,schlammfarbener Cordsamtblazer, formarm, kobaltblaues Hemd, rahmenlose Brille.

What is it about?

Worum geht es darin?

Er blickt mit dem typischen „schaun wir mal ob sich jemand meldet“- Blick ins Auditorium.Der sehr rege Besuch seines Seminars – die steil ansteigenden Sitzreihen sind voll – spricht von der Qualität seiner Vorlesung.

Schnitt auf eineWASP Blondine.

That someone´s – believe in virtue is more important than virtue itself?

Dass der Glaube an Werte wichtiger ist als die Werte selbst?

John, nah, very close up. Wir sehen, er ist unrasiert. Zweieinhalb Tage Bart.

Sehr ernst, sehr klar, er nickt ein“ Sie haben ins Schwarze getroffen“ – Nicken.

Yes.

Ja.

That´s in there.

Ja, das steht da drin.

But – what is it about?

Aber worum geht es eigentlich?

Er beugt sich vor, sein Blick wartet…

Er sieht aus wie ein Mann, der ermattet und traurig ist, standardmäßig. Es scheint unmöglich, sich seine Gesichtszüge entspannt und erholt vorzustellen.

Die Trauer wirkt sich nicht negativ auf seine Präsenz im Hörsaal aus. Er ist intensiv bei der Sache, die Studenten auch.

Schnitt.

In der Küche.

Wir sehen, wie John´s Hände eine Küchenschublade aufreissen.

Schnitt auf sein Gesicht. Er blickt nach unten. Wir hören die Geräusche, die Gegenstände in Schubladen machen, wenn jemand die Lade ungeduldig durchsucht.

John beugt sich vor, wir sehen seine Hände nicht, aber wir fühlen, er sucht mit der Anstrengung, mit der wir normalerweise in der dritten Runde durch alle Schubladen unseren verdammten Schlüssel suchen oder die verdammte Spaghettizange, die war doch, die ….

Johns dunkle ruhige Stimme im Gegensatz dazu sagt im Voice over:

Could it be about how….

Könnte es darum gehen,….

John richtet sich auf.

Schneller Schnitt. Zurück im Hörsaal. Johns Gesicht nah. Er ist angeregt. Er stupst die Gehirnräderwerke seiner Studenten mit einer sehr aggressiven Denkfrage:

….rational thought destroys your soul?

wie rationale Gedanken unsere Seele zerstören?

Ruckartiger Schnitt. Küche.

Lautes Scheppern und Rasseln. Wir sehen, John steht vor Schublade zwo, Thema Schneebesen und Suppenkellen, und wühlt jetzt. Einer Handvoll Kellen gibt er eine Schlitterfahrt durch die Lade und entläßt sie dann mit einem ungeduldigen Stoß.

Ein zweiter explodiert gegen die Ladenfront (front_of_the_drawer), er richtet sich auf, nein er schnellt hoch. Seine Bewegungen erzählen, dass er mittlerweile kocht.

Wo ist, wo ist..

Nein. Seine Frage scheint sich geändert zu haben:

Warum finde ich nicht?

Warum- finde ich – nicht…???

Er atmet mit offenem Mund, das heißt, er braucht Luft. Seine Stimmung ist gespannt wie die Sehne eines Compoundbogens kurz vor dem Abschuss.

Plötzlich läßt er den Kopf sinken. Die Spannung sinkt mit. Er wirkt, als gäbe er auf. Zwecklos. Er findet nicht, weil er nicht weiss. Weil er das Zielgebiet seiner Suche nicht im entferntesten kennt.

Voice over, zuerst seine ruhige konzentrierte Stimme, dann,Hörsaal, ein kurzer Blick in sein Gesicht:

Could it be about the triumph of irrationality

Könnte es um den Triumph der Irrationalität gehen?

Er ist wach, ruhig, beherrscht die Situation.

… and the power that´s in there?

…und die Kraft, die darin liegt? 

Schnitt. Die Küche. Wir sind noch immer in derselben Sekunde. Wir sehen, wie erschöpft vom Misserfolg er ist. Er wirkt wie jemand, der in einem verschlossenen Raum alle Türen probiert hat und feststellt: er ist eingeschlossen.

Er hat sich jetzt schwer mit gestreckten Armen auf dem Küchentresen abgestützt.

Insert von oben auf seinen rechten Arm. Wir sehen, sein Gewicht lastet auf seiner Hand, die sich auf den Fingerknöcheln hart verkrampft am Tresen abstützt.

Sein Daumen, weit abgespreizt, drückt so hart auf die Unterlage, dass er sich biegt.

Wir fühlen im harten Druck seiner Hand, in den durchgedrückten Ellenbogen, seine extreme Erregung.

Er macht sich steif, um nicht einem Zorn- oder Verzweiflungsausbruch den Weg zu ebnen.

Da wir von oben auf den Tresen hinunter sehen, können wir die erste halb offene Schublade unterhalb der Tresenkante sehen.

Lautlos und schwebend schiebt sich unter John´s Arm eine zarte Frauenhand (delicate_hand_of_a_woman) ins Bild. Am Ringfinger ein schmaler goldener Ehering, daneben ein Einkaräter. Die Hand scheint keine Erdanziehung wahrzunehmen. Sie legt sich auf den Rand der offenen Schublade, die volle Lade gleitet scheinbar schwerelos unter zarten Fingerspitzen auf.

Die dazu gehörende Rechte kommt ins Bild, greift nach dem ersten Gegenstand, schiebt ihn ein wenig zur Seite.

Auch dieser Gegenstand folgt dem Griff der Hand scheinbar gewichtslos.

Darunter eine Tube. Wieder, leicht wie Flaum, bewegt sich die Tube zwischen den Fingerspitzen aus der Lade, die Hand legt sie direkt neben Johns angespannte Rechte. Beide Frauenhände gleiten aus dem Bild.

Wir sehen den leeren Platz in der Lade, die Tube auf dem Tresen:

Der Porzellankleber für Luke´s Tasse.

Weiter demnächst mit Teil 1B

2009 – 2010 Russell Crowe (im Alter von 45) – John Brennan, Ty Simpkins – Luke Brennan, der Sohn, Elizabeth Banks – Lara Brennan, John´s Ehefrau

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semi offtopic. Wer auf RCs Sprechstimme neugierig ist- Film sehn!- wer auf RC´s Gesangsstimme neugierig ist, hier brandneu aus dem Crowe-Doyle Songbook Nr. III (ab 9. Aug zum download bereit auf amazon.de) zusammen mit Danielle Spencer

“Sadness of a woman”.   (zum Songtext hier entlang->   Die Songtexte haben, wie wir finden, eine beachtliche poetische Kraft. Schön, dass sie nicht in einem schmalen Lyrikbändchen einen stillen Schlaf des Vergessens schlummern (don´t_slumber), sondern  an ein großes Publikum gelangen durch die Musik.)

RC ist – unglaublich wer seine tiefe Sprechstimme kennt – die hellere der beiden Männerstimmen.

Hier Solo mit der Springsteen Ballade Highway Patrolman. Schwächere Naturen halten Kleenex bereit, stärkere einen Vodka.

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