Filmszenen I “…ein bisschen Spass…” Teil 1B in: A Beautiful Mind. Russell Crowe – John F. Nash. Regie: Ron Howard, 2000 – 2001

Bildquelle Paramount Home Entertainment, Bildrechte: Universal, Dreamworks, Imagine Entertainment Brian Grazer

…ein bisschen Spass…Teil 1B in: A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn. Jennifer Connelly – Alicia Nash, Russell Crowe – John . Regie: Ron Howard, 2000 – 2001

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Die Szene

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Wir erwarten Alicia und Saul Bender vor dem Häuschen der Nashs. Das weisse Holzhaus im ländlichen Stil mit grünem Dach, grünen Fensterläden und überdachtem Freisitz hat eine puppenstubenartige klein-aber-mein Anmutung.

Der alte hohe Baumbestand rundum deutet auf eine Wohngegend ausserhalb des Zentrums, die schadhaften Betonplatten des Gehweges auf eine nicht 1A Wohnlage.

Auf einer Rasenfläche hinter dem Haus hängt Wäsche an der Leine, das Gärtchen hat Handtuch-Größe.Vor dem Haus steht ein zahnpasta-grüner 50er Jahre Mittelklassewagen mit den damals üblichen Weisswandreifen.

Alicia schiebt den Kinderwagen, das Baby hält sie bereits auf dem Arm.

Alicia zu Bender:

Hier wohnen wir.

This is us.

Sol

Das ist es also?

This is it?

Ein Auto fährt vorbei.

Alicia

Ich hab´s nicht weit zu meiner Arbeit.

It´s near where I work.

Schnitt. Wir blicken durch die Fliegengitter-Tür mit ihrer abgewetzten minz-grünen Farbe und dem abgenutzten Messingtürgriff auf den winzigen Freisitz vor der Haustür. Dort sitzt John. Wir sehen sofort, er wirkt geradezu eigenartig korrekt hergerichtet.

Ein frisch gebügeltes beige-braunes Karohemd, korrekt gebundene Streifenkrawatte, mehrere Stifte stecken griffbreit in der Brusttasche des Hemdes.

Seitenscheitel, gekämmt. Auf seinen Knien hält er ein Notizbrett, in der Hand einen Bleistift. Wir hören Alicia.

John? Du hast Besuch!

John? You have a visitor.

John blickt nicht nach der Stimme hin, er senkt den Kopf, fasst sich an die Schläfe. Wir fühlen augenblicklich, mit diesem Verhalten stimmt etwas gründlich nicht.

Wir empfinden es sofort als unstimmig eigenartig. Die Art, wie er den Bleistift zwar zwischen die Finger geklemmt hat, aber irgendwie hält, als wäre der Griff nicht wie von einem präsenten Gehirn gesteuert, ist befremdlich.

Schnitt auf Alicia. Wir stehen auf der Veranda und sehen, wie sie die Gittertür öffnet und hereinkommt. Das Kind auf ihrem Arm schläft. Sie wirft einen Blick nach ihrem Mann.

Hallo.

Hi.

Ihr Gesichtsausdruck zeigt uns, sie ist nicht sicher, wie ihr Mann auf das, was gleich kommt, reagieren wird. Ob er den unerwarteten Besuch verkraften wird.

Schnitt.

Wir blicken durch ein Seitenfenster auf den Freisitz. Wir sehen jetzt: John sitzt auf einem Küchenstuhl, er trägt braune korrekte Tuchhosen mit Bügelfalte, raucht.

Seine Hände liegen auf den Oberschenkeln. Ihm gegenüber ist ein leichter weisser Holzstuhl unbesetzt, wahrscheinlich Alicia´s Platz. Wir sehen Alicia von links hereinkommen.

John lächelt ihr zu. Die Bewegung hat diese Gequältheit schüchterner Menschen, die schmerzhaft verkrampft zu lächeln versuchen, weil sie glauben, die Situation verlangt es.

Hallo.

Hi.

Schnitt.
John und Alicia näher, von vorne.

Alicia beim Hereinkommen

Ich hoff´ esist okay.

I hope it´s okay.

Alicia beugt sich zu ihrem Mann herab und gibt ihm einen Begrüßungskuss. John streckt sich ihr in einer Art entgegen, die uns zeigt: er arbeitet ein Begrüßungsritual ab.

Er dreht sich zu ihr hoch, wie Leute es tun, die wissen, dass etwas Bestimmtes von ihnen jetzt erwartet wird und die bemüht sind, diese Erwartung korrekt zu erfüllen. Er wirkt ein wenig, wie ein Jungvogel in einem Nest, der sich der Vogelmutter für Futter entgegenstreckt.

Seine Hände liegen weiter auf seinen Oberschenkeln und wirken irgendwie wie dort vergessen. Alicia geht aus dem Bild. Wir hören klassische Musik, ein Mozart- oder Haydn Violin-Solokonzert und sehen das große Kofferradio, das direkt neben John auf einem Beistelltisch steht.

In dem Moment, als Alicia sich von dem Begrüßungskuss abwendet, passiert in John etwas nicht Konventionelles.

Für ihn ist der Kontakt nicht abgeschlossen. Er bewegt sich dem Kuss hinterher, als wolle er diese Nahrungsquelle nicht aufgeben, sein Blick nach Alicia zeigt eine zerrende kindliche Sehnsucht. Sie durchscheint eine Traurigkeit, von der wir nicht sicher wissen, ob der Mann weint.

Für einen Moment verdeckt Sauls Körper den Blick auf John….

Schnitt auf Saul.

Wir sehen, wie er gerade noch leise dieFliegengittertür der Veranda schließt. Er wirft Alicia kurz einen Blick hinterher, nein, sie wird ihm nicht helfen.

Dann nähert er sich vorsichtig John. Saul scheint alles Denkbare zu erwarten, bis hin zu völliger Unansprechbarkeit seines ehemaligen Kollegen. Er hat ihn seit dessen Anstaltsaufenthalt nicht mehr gesehen.Saul versucht es mit einem Lächeln.

Kameradschaftlicher Gruss mit erhobener Hand, der an alte Zeiten erinnert:

Hallo, Chef.

Hey, chief.

Schnitt auf John. Uns ist sofort klar, dass er keinen Blickkontakt zu Saul geknüpft hat. Er hält den Kopf gerade, anstatt ihn zu Saul anzuheben. Wir sehen noch einen Augenblick, dass seine Mimik keinerlei Erkennen spiegelt.Er dreht sich weg.

Als er sich gleich darauf wieder aufrichtet, hören wir:

Zigarette?

Cigarette?

Wir sehen zweierlei. Sein Blick ist groß und glänzend, die hellen Augen scheinen jedoch leer, als fokussiere er gar nichts, oder ihr Besitzer stünde unter einem innerlichen Dauerstupor.

Sein Lippen machen eine Geste, als halte er etwas Bitteres im Mund. Er hat Saul die Schachtel schon am fast ausgestreckten Arm hingehalten, bis er endlich auch seinen Blick zu Sauls Gesicht hebt.

Schnitt auf Saul

Nein, Danke

no, thanks.

…ich hab es,… ich hab es … aufgegeben.

I quit, actually.

Saulbedankt sich freundlich aber formell.

Schnitt. Halbtotale, wieder Blick durch das Fenster in die Veranda. Wir sehen Saul vor dem freien Stuhl stehen,John da sitzen und die Zigarettenschachtel wieder auf ihren Platz scharf links von sich befördern. Als er den Oberkörper zurückdreht, -

schießt seine Hand am ausgestreckten Arm nach vorne, wie ein abgeschossener Pfeil.

John hält den Arm steif ausgestreckt auf Brusthöhe in Richtung Saul, hat die Hand geöffnet, er wartet auf einen Handschlag. Wir denken einen Moment, vielleicht sieht er nach Sauls rechter Hand, aber nein.

Er presst die Lippen zusammen, hält den Kopf leicht gesenkt und blickt einfach nirgendwo hin. Er scheint seinen Blick ins Aussen abgeschaltet zu haben, wie ein Autist.

Saul nimmt freundlich die angebotene Hand und schüttelt sie. Spätestens jetzt erscheint uns John´s Verhalten geradezu bestürzend irr.

Obwohl er Sauls Handschlag erwidert und auchverbal antwortet, blickt er immer noch ins Nichts, als würde er die Hand durch eine nur ihm wahrnehmbare Wand in einen Nachbarraum stecken, in dem Saul steht.

John

Hallo.

Hello.

Saul

Hey, John.

Hey, John.

Jetzt zeigt John endlich ein quittierendes Lächeln. Schüchtern, sehr schüchtern, wie ein kleiner Junge, dem man gesagt hat, er soll dem fremden Onkel Saul aus Europa die Hand geben.

John legt seine Hände an den Rand seiner Notizkladde – die Rechte hält immer noch den Bleistift, zwischen Zeige- und Mittelfinger der Linken klemmt noch immer die angerauchte Zigarette, – seine Hände scheinen etwas mehr zu wissen, wohin sie gehören, als sein Blick.

Langsam gefriert uns das Blut in den Adern. Johns Zustand ist schlecht. Viel schlechter, als wir es uns noch vor drei Minuten vorstellen konnten.

Johns Welt scheint mit unserer sogenannten Realität kaum noch Berührungspunkte zu haben.

A rare bird. Am besten, er bleibt hier in seiner Vogel-Vogliere sitzen. Draussen ist er ist auf keinen Fall irgendwo vorzeigbar.

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Foto Szenenbesprechung (v.l.n.r. Crowe, Goldsman, Grazer, Howard)

Vergleich Szene – Szenenbesprechung Bildquelle und Bildrechte Universal Pictures, Dreamworks und Imagine Entertainment Brian Grazer. Zweck des Vergleiches: Unterschied zwischen -rechts – nur Kostüm und Maske,  und- links, in der Szene – , mit emotionaler Aufladung.