Bildquelle Paramount Home Entertainment, Bildrechte: Universal, Dreamworks, Imagine Entertainment Brian Grazer
…ein bisschen Spass…;( Teil 1A: …wie geht´s Dir?…) in: A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn. Jennifer Connelly – Alicia Nash, Russell Crowe – John . Regie: Ron Howard, 2000 – 2001
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Vor der Szene
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Als wir John treffen, liegt ein jahrelanger Passionsweg hinter ihm: schon bei Studienbeginn erkrankte er an Schizophrenie, einer schweren psychischen Erkrankung mit massiven halluzinogenen Komponenten.
Mit den Jahren tauchte der Mathematiker am Princeton College, New Jersey, neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit in eine nur ihm sichtbare Parallelweltimmer tiefer ein.
Er und seine Umgebung sind Leid ausgesetzt, das unmerklich immer druckvoller, immer unerträglicher, wird.
Erst Jahre nach Ausbruch der Krankheit ist der Punkt erreicht, an dem sein Umfeld das Vorliegen einer seelischen Erkrankung erkennt.
Bildquelle Paramount Home Entertainment, Bildrechte: Universal, Dreamworks, Imagine Entertainment Brian Grazer
In einer psychiatrischen Klinik versucht man, Johns Halluzinationen mit Insulin-Schockbehandlungen und Medikamenten einzudämmen.
Seinen Lehrstuhl verliert er, die Medikamentation verringert nicht nur die Wahnvorstellungen, sondern auch die Libido und das abstrakte Denkvermögen, das ihn zum genialen Mathematiker und nachmaligen Nobelpreisträger macht.
An diesem Nachmittag treffen wir John zu Hause an, er sitzt gerade auf der Veranda seines winzigen Häuschens und tut das, was er manisch permanent im Wachzustand tut: er beschäftigt sich mit Lösungswegen zu mathematischen Fragestellungen.
Obwohl Johns Verhalten immer schon auffällig war, hat ihn die hochintelligente Mathematikstudentin Alicia geheiratet. Alicia ist nicht nur ätherisch schön wie ein Engel, nein, Johns Krankheit scheint keinen Fluchtreflex in ihr ausgelöst zu haben. Sie läuft nicht fort. (didn´t seem to have triggered a flight reflex. She did not run away.)
Die Szene (Sequenz Teil 1)
Im Moment als die folgende Szene beginnt, steht das Publikum noch paralysiert unter dem Eindruck einer schockierenden Insulinbehandlung Johns in der psychiatrischen Klinik.
Unkontrollierten Schüttelkrämpfen des ganzen Körpers begegnete man mit einer Fixierung von Armen und Beinen am Krankenbett und einer Beisschiene, die verhindert, dass sich der Patient selbst in die Zunge beisst.
Schnitt.
Unser Blick geht in ein grünes Blätterdach.
Eine Schrifteinblendung informiert uns, dass seit Behandlungsbeginn ein ganzes Jahr vergangen ist.
Hinter den grünen Ästen kommt jetzt Princetons Hauptgebäude ins Bild. Die Uhr am Hauptturm zeigt halb drei, es ist ein sonniger Sommernachmittag.
Wir hören eine Frauenstimme
John war immer so stolz darauf, Princeton besucht zu haben.
John always spoke so fondly of being here at Princeton.
Die Kamera senkt ab, zwischen den alten Bäumen des Campus sehen wir Alicia, sie schiebt einen blauen Kinderwagen: Alicia hat nicht nur ihren Mann nicht verlassen, Alicia und John sind Eltern geworden.
…Hansen leitet jetzt den Fachbereich
…And Hansen is running the department now?!
Den kleinen Spaziergang begleitet der Mathematiker Sol Bender (Adam Goldberg) , der seinerzeit gleichzeitig mit John in Princeton als Stipendiat eintrat.
Sol
Daran erinnert er uns immer und immer wieder.
So he keeps reminding us and reminding us.
Alicia lacht ein wenig über Sol´s ironische Bemerkung.
Alicia
Ja.
Yeah.
Das helle Sonnenlicht des Nachmittags zeichnet lebhafte Licht-Schattenflecken auf Wege und Rasen, Alicia schiebt den Kinderwagen vom Weg ab auf eine Rasenfläche im Schatten.
John wird den Campus dennoch nicht betreten. Ich glaube, er schämt sich.
John won´t come near the campus, though. I think he´s ashamed.
Alicias Baby beginnt zu krähen. Die junge Mutter beugt sich über den Wagen, beruhigt das Kind
He, hey….
Hey, hey…
Insert auf das Baby, ein runder rosiger Zwerg mit schwarzen Haaren und schwarzbraunen Augen, Alicias Hände reichen dem Kind ein Spielzeug.
Sol
Und..Alicia…wie…wie kommst Du klar?
So, Alicia, how are you holding up?
Alicia bleibt über den Kinderwagen gebeugt. Sie:
Die Wahnvorstellungen haben aufgehört. Sie sagen mit den Medikamenten und geringem Streßfaktor..
The delusions have passed. They´re saying with the medication and low stress environment…
Sol unterbricht sie, berührt freundschaftlich ihre Schulter, lächelt. Alicia blickt zu ihm hoch.
Sol
Nein, ich…. Ich meine, wie geht´s Dir?
I mean, how are you?
Alicia scheint überrascht. Sie richtet sich auf, sagt nicht sofort etwas, ihr Mund steht offen, sie blickt Sol an, als forsche sie, ob er wirklich etwas hören will.
Sie sieht zu ihrem Baby hinunter, Sols Blick folgt ihrem. Wir bemerken im Hintergrund die Fassade des Gebäudes im spätgotischen Tudorstil, Menschen mit Kladden gehen zu Fuss über den Campus, ein paar Fahrräder fahren vorbei.
Die Stimmung ist überaus friedlich, Vögel zwitschern. Man fühlt deutlich die trockene Wärme des Sommernachmittags.
Jetzt sagt Alicia doch etwas, sie blickt noch nicht hoch.
Ich denke, was ich oft empfinde….
I think often what I feel…
Bender hört ihr aufmerksam zu , sein Gesichtsausdruck scheint Besorgnis zu zeigen. Er läßt Alicia Zeit, sich zu formulieren.
Alicia
..ist…. Verpflichtung.
…is….obligation.
Jetzt hebt Alicia ihren Blick, sieht Bender ins Gesicht. Sie scheint sich zu fragen, wie ein Aussenstehender reagieren wird. Sie fährt fort, als Bender keine Abwehrreaktion zeigt.
Oder Schuld.. weil ich vielleicht weglaufen möchte.
…or guilt over wanting to leave.
Sol hat die Augen gesenkt, ein fast unmerkliches Nicken zeigt, dass er Alicia zuhört. Alicia macht weiter, jetzt blickt auch sie zu Boden.
…Wut gegen John, gegen Gott….
…Rage against John, against God, and….
Schnitt auf Sol
Sols Gesicht hat sich sehr verändert, er hält die Augen gesenkt, wirkt betroffen und traurig.
Alicia
…Aber..
But….
Insert auf das Baby. Seine schwarzglänzenden Augen, die rosigen Wangen, die glatte Babyhaut, dieses Kind wirkt ganz perfekt und gesund, entzückend. Ein Versprechen des Lebens auf sich selbst, noch ganz unberührt vom Leiden seines Vaters.
Schnitt auf Alicia. Wir blicken aus leichter Tiefposition in ihr Gesicht, fast, als wären wir an des Kindes Stelle. Alicia lächelt. Sie scheint sich an etwas zu erinnern.
..dann sehe ich ihn an…
….then I look at him….
..und…
…and….
…ich zwinge mich, den Mann zu sehen, den ich geheiratet habe.
…I force myself to see the man that I married.
Sie blickt in eine Realität, die hinter ihren Augen liegt. Wir sehen, während sie spricht, wie schön, wie ätherisch, fast schwerelos, schön Alicia ist. Keine Spur von Leid oder Trauer ist es gelungen, die vollkommen harmonische Geometrie ihrer Züge (facial features) zu verzerren.
Alicia
Und er wird zu diesem Mann.
And he becomes that man.
Er verwandelt sich in jemanden, den ich liebe.
He´s transformed into someone that I love.
Alicia redet nicht mehr zu Bender, sie spricht die Worte wie ein Mantra, wie eine Erinnerung, wie ein Gebet. Ihr Blick focussiert nicht, sie sieht etwas, das nicht zu diesem Nachmittag auf dem Campus gehört.
Und ich verwandele mich in jemanden, der ihn liebt.
And I´m transformed into someone who loves him.
Sie beginnt zu lächeln. Sie lächelt ihrer Erinnerung zu.
Sie schließt die Augen, hebt die Schultern,
Es ist nicht ständig so, aber….
It ´s not all the time, but….
Sie wacht auf, fasst wieder Blickkontakt zu Sol Bender,
…es reicht aus.
..it´s enough.
Bender blickt noch immer zu Boden, immer noch traurig. Er überlegt etwas. Dann hebt er den Kopf.
Sol
John kann sich glücklich schätzen, weisst Du das….? …..
I think, John is a very lucky man,
….Alicia.
….Alicia.
Schnitt. Wir schneiden hier. Cut.
2000 – 2001 Jennifer Connelly – Alicia Nash, Russell Crowe – John, Adam Goldberg – Saul (Sol) Bender
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“…But he didn´t fall for it.”
RC über die Figur John Brennan im Charlie Rose Interview Nov. 2010.
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Kommentar:
A Beautiful Mind erhielt 2001 acht Oscar-Nominierungen. Russell Crowe war für die Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert.
Die künstlerischen Ansprüche der Rolle verlangten neben der Verkörperung des Filmcharakters als Person mit ihren Besonderheiten und Tics die Darstellung einer zunehmenden Angstpsychose, die Darstellung zweier unterschiedlicher mentaler Verfassungen, deren Entwicklungsstrukturen im Filmverlauf voneinander wegdrifteten und parallel die Darstellung des Alterns der Filmfigur vom jungen Mann zum Greis.
Eine Herkulesaufgabe. – Deren glänzende Erfüllung einen Doppeloscar verdient hätte. Die künstlerischen Ansprüche an die Rollen der anderen Mitbewerber um den Preis der Kategorie bester Hauptdarsteller waren geringer.
Dennoch entschieden tagespolitische Querelen gegen die Vergabe der Anerkennung an den Schauspieler – Cinematografisch-filmhistorisch bereits aus heutiger Sicht gesehen (2011) eine mit den Jahren immer peinlicher werdende Fehlentscheidung.
Die Platzierung des Walk of Fame Sternes für den Schauspieler 2010 direkt im Eingangsbereich des Kodak Theatre, dem Austragungsort der alljährlichen Oscarverleihung, der ihm dort bleibende Präsenz verschafft, wirkt beinahe wie ein Versuch, dieses fatale Zeugnis künstlerischer Fehleinschätzung nachzubessern.

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