Bildquelle und Bildrechte: Universal Pictures /Miramax / Imagine Entertainment Brian Grazer
…No! … Teil 1C in: Cinderella Man – Das Comeback. René Zellweger – Mae Braddock. R.: R. Howard 2004-05
Hören statt Lesen: Audio.mp3-> zum soforthören
Mae ist ausser sich, sie scheint fast zu weinen. Noch einmal:
Du kannst nicht arbeiten!
Deine Hand ist gebrochen!
Jim steht auf und geht zur Wand. Dort steht ein Regal.
Jim:
Wenn sie mich mit dem Gips sehen, dann nimmt mich keiner, da hast Du Recht. Am Hafen nicht und auch sonst nirgends.
Er greift den Schuhputzkasten mit der Linken von seinem Regalbrett und hält ihn hoch.
Wir machen ihn schwarz.
Mit Schuhcreme.
OK?
Er trägt den Kasten am Henkel zu Mae und setzt sich wieder auf den alten Polsterstuhl seiner Frau gegenüber.
Insert. Seine Hand greift nach dem Polierlappen und der flachen Dose mit der Schuhcreme.
Die kleine Rosy ist aufgewacht, geht leise zum Durchlass. Sie beobachtet die Szene zwischen Jim und Mae. Wir sehen, das Kind, allein und still hinter einem Pfosten verborgen, hat Angst. Es erlebt seine Eltern in Verzweiflung und in größter Sorge, finanziell nicht zu überleben.
Rosy wird diesen Moment für den Rest ihres Lebens nicht vergessen.
Jim öffnet die Dose und gibt sie Mae. Wir hören seinen Atem, wir fühlen, er ist unter Druck. Er ist aufgeregt. Auf einmal hält er inne.
Mae sieht ihn an. Ihr Blick hat seine beflissene Geschäftigkeit ganz plötzlich zum Stillstand gebracht.
Mae stehen Tränen in den Augen. Wir sehen, sie will ihrem Mann etwas sagen. Noch mehr Worte über die Situation, dass er das mit der Farbe nicht machen soll, dass es keinen Sinn hat, dass er…
Sie sagt nichts.
Insert auf die Hände, auf Maes Hände und Jims eingegipste Rechte.
Mae greift nach Jims Zeigefinger, der nicht vom Gips bedeckt ist. Wir sehen an ihrer Bewegung: sie macht einen letzten Versuch, Jims Wunsch nicht zu entsprechen. Gleichzeitig scheint sie ihren Mann trösten zu wollen.
Schnitt auf Jims Gesicht.
Das war zu viel.
Jetzt weint er. Nein, er bricht nicht zusammen, er hat nicht einmal Tränen, wir sehen nur die Hilflosigkeit, den Schmerz, dass er seiner Frau das antun muss.
Es wirkt, als wäre er sich nicht nur völlig im Klaren über die extreme Aussichtslosigkeit der Situation. Darüber, dass dieser letzte Versuch, Arbeitsfähigkeit zu simulieren, nur eine geringe Chance hat, – er wirkt auch, als fühle er sich schuldig.
Schnitt auf Mae.
Mae weint nicht mehr. Sie senkt den Kopf, blickt ihn an. Sie wirkt plötzlich willensstark, entschlossen.
Noch einmal blicken wir Jim ins Gesicht. Er scheint etwas sagen zu wollen. Es geht nicht. Sein Mund steht offen, er bewegt die Lippen, aber wir hören kein Wort.
Wir warten.
Endlich.
Er schüttelt den Kopf. Jim:
Es tut mir so leid.
Mae, sie fühlt für ihren Mann, aber sie sagt.
Nein.
Nicht.
Nicht, er soll nicht. Er soll nicht denken, er ist Schuld.
Er ist immer noch ganz ohne Halt. Er weint.
Mae – Wir sehen, wie ihr Gesicht sich schließt. Sie drängt das Mitleiden weg, ihre Entschlossenheit springt nach vorne, ihrem Mann entgegen.
Aus dem leisen, zarten Nein des mit-Leidens
wird ein klares Wort, fast ein Befehl:
Nein!
Jims Blick bemerkt, dass sich etwas ändert. Er fühlt einen Moment nach ihrem Widerstand hin,
senkt dann den Kopf.
Er atmet tiefe angstvolle Atemzüge.
Mae beobachtet ihn, sie fühlt mit ihm, aber sie bleibt bei ihrem:
Nein!
Sie schüttelt entschlossen den Kopf,
Nein.
Sie legt ihre Stirn an seine und küßt ihn.
Schnitt auf Rosy, die kleine Tochter. Immer noch sieht sie mit großen Augen auf ihre Eltern. Gerade hat sie die Stärke ihrer Mutter kennengelernt.
Mae setzt sich auf Jims Schoß, wie sie es immer getan hat. Sie legt ihre Hand an seinen Hinterkopf, wie sie es immer getan hat. Sie lächelt ihn an, wie früher.
Ein zweiter Kuss.
Jim versteht, dass es hier keine Schuld gibt.
Dass es nichts zu Verzeihen gibt.
Dass es einfach passiert ist.
Schicksal.
Things happen.
Jim wacht auf. Ganz schnell geht das, da lächelt er wieder.
Irgendwie wird es weiter gehen. Morgen, nächste Woche und nächstes Jahr. Mit ihm, mit Mae und mit den Kindern.
2004 – 2005 Russell Crowe (im Alter von 40) – James J. Braddock, René Zellweger – Mae Braddock, Ariel Waller – Rosy „rosy cheek“ Braddock.
RC über seine Frau in der Jonathan Ross Show Mai 2010:
„that´s why I married the girl“.

Pingback: Filmszenen I … no!… Teil 1B. in: Cinderella Man – Das Comeback. René Zellweger – Mae Braddock. Regie: Ron Howard, 2004-05 | Filmszenen