Filmszenen I …Menschen wie ich….. Teil 1B. in: Tenderness-Auf der Spur des Killers. Russell Crowe – Det. Cristofuoro. R.: J. Polson 2006-08

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Vor der Szene

Lorelei kommt heim, nimmt eine Dusche. Sie bemerkt: der Freund ihrer Mutter hat sie offenbar heimlich beobachtet. Wir sehen an ihrem Arm die typische Rasierklingen-Narbe selbstverletzenden Verhaltens.

Ihre Mutter schenkt ihr eine CD – für die gute Mathearbeit. Es ist die genau dieselbe CD, die Lorelei gerade gestohlen hat.

Die Mutter, auf der Suche nach einem neuen Partner, wünscht sich mehr Nähe mit ihrem aktuellen Freund, er wird in diese Wohnung ganz einziehen. Wir wissen, der Mann ist nicht o.k.

Die Szene

Ein Fensterbrett. Darauf eine kitschige Glasmenagerie von Schneekugeln in Tierform, Souvenirs, ein gläserner Delphin…

Durch das Fensterglas sehen wir einen S-Bahn in hohem Tempo vorbeifahren. Die Wohnung ist direkt neben dem Bahngleis, wie Loreleis Haus auch.

Schnitt. Halbtotale.

Das Zimmer. Konventionelles Möbelsammelsurium kleinbürgerlicher Sehnsucht nach Privatidylle, zwei Sessel rahmen symmetrisch ein Tischchen am Fenster. Kirschholzfarbenes Sideboard, ein Tiffany-Imitat darauf.

Auf dem Tischchen eine große Glaskugel mit einem lebenden Fisch. Er ist nicht tot, aber in dieser Kugel gefangen, wie all die gläsernen Erinnerungen auf der Fensterbank.

Wir bemerken einen Mann.

Näher bei uns. Er liegt in seinem Fernsehsessel. In der typischen Pose, in der man liegt, wenn man vor dem Fernseher eingeschlafen ist.

Kurzärmeliges Unterhemd, Stoffhose, Mitte vierzig, Bauchansatz_beginnings_of_a_paunch, volles Haar, Seitenscheitel, Schnurrbart.

 

Er wirkt wie jemand, der noch unlängst kraftvoll war. Aus irgendeinem Grund scheint er heute auf dem Weg zu sein, immer mehr zu verlieren.

Seine Augen sind geschlossen. Er schläft.

 

 

Die Stimme aus dem off:

Some people live for their pain. Manche Menschen leben für ihren Schmerz.

It´s all they´ve got. Er ist alles, was sie haben.

Wir sehen, wie der Mann atmet, die tiefen Atemzüge schlafender Menschen.

Schnitt. Close up , Kopf und Schultern.

Wir stehen direkt vor ihm. Halbdunkel. Sein Kopf ist zurückgesunken, das Gesicht verschattet, nur von der einen Seite trifft ihn die Helligkeit des Fensters.

Die Stimme, seine Stimme:

They stay up with it, - Sie hegen ihn,

Schnitt. Very close up auf ein Auge. Wir sehen seine braunen Wimpern, nicht sehr dicht, das Licht läßt die eine oder andere golden aufleuchten. Der Augapfel bewegt sich. Traumphase.

..afraid, it might slip away. ..haben Angst, er könnte verschwinden.

Jetzt bewegt sich auch das Augenlid, wir sehen, wie sich das Auge öffnet. Der Mann erwacht.

People like me. Es sind Menschen wie ich.

…Dunkle Pupille, das Augenweiß leicht rötlich geädert. Keine große Bewegung. Der Mann blickt dorthin, wohin er sah, als er die Augen öffnete. Eine Sekunde später kommt Unruhe in seinen Blick

 

I would love to dream Ich würde gern träumen.

Der Wecker klingelt.

But one way or another…doch egal, was ich tue –

Er wendet sich nach dem Wecker, nimmt ihn in die Hand, blickt auf das Zifferblatt.

I´m always awake…ich bin immer wach.

Schnitt. Insert. Wir sehen, wie seine Hand die Uhr auf das Kirschholztischchen neben sich stellt. Ein altmodisches Gerät mit Messinggehäuse und perlmuttschimmerndem Zifferblatt.

Beiläufig erkennen wir einige Gegenstände auf der Tischplatte.

Handy, Armbanduhr, Notizblock, Geldbörse, ein Telefon, seine Dienstwaffe. Sie liegt bereit, jedoch nicht griffbereit. Hier liegt alles, was er täglich mit sich führt und – ach, ja, und da steht ja auch ein Foto. Wir bemerken es, als seine Hand sich vom Wecker zurückzieht. Halb acht.

Das Foto zeigt ganz unverkennbar ihn, viel jünger, schlank, mit Cap und Rucksack. Neben ihm, ebenfalls mit Rucksack, eine hübsche junge Frau, sie lacht. Die Beiden wohl im Trekkingurlaub, Nepal, oder wo junge Leute so hinfahren, zumindest den steilen grünen Bergen im Hintergrund nach.

Glückliche Zeiten.

2006 – 08 Russell Crowe – Det. Cristofuoro

demnächst: Teil 1C


 

 

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