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“…thanks for the warning!… Teil B in: Robin Hood 2010. Drehbuch: Brian Helgeland, Regie: Ridley Scott. Produktion: Universal Pitcures, Imagine Entertainment Brian Grazer, Scott Free Productions Ridley Scott, Fear of God Productions Russell Crowe. 2009.
Quelle und Einbettungscode: youtube.de Bilder zur Szene: Min 1:29 -1:36
Die Szene Teil B
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Eine Kemenate. Wir stehen vor einem schweren Vierpfosten- Prunkbett aus Eichenholz. Das Bett, groß genug, um einer ganzen Familie Platz zu bieten, ist frisch bezogen und reich mit Kissen ausgestattet, entsprechend der halb sitzenden Schlafposition, die 1190 üblich war.
Die Bettdecke ist zurückgeschlagen: eine Einladung.
Ein roter Samthimmel spannt sich über der luxuriösen Schlafstätte und hinterfängt deren Kopfende.
An der rückwärtigen Wand ein niedriger Spitzbogen. Seine schwere Eichentür steht nicht weit offen.
Ohne sie weiter aufzudrücken, tritt Robin ein. Er weicht dem Türblatt ein wenig aus. Es wirkt fast so, als wolle er nicht stören. Ein Blick auf das Bett, ein zweiter in den Raum. Er bleibt stehen.
Schnitt auf Lady Marian.
Sie steht vor dem offenen Kamin, in dem ein Feuer den Raum wärmt. Sie hat ein Kleidungsstück in der Hand, das sie jetzt mit einer ungeduldigen Bewegung hinwirft. Sie wendet sich Robin zu.
Schnitt. Halbtotale.
Wir stehen einige Schritte neben Lady Marian und sehen jetzt, dass ein feiner Chiffonschal, reich mit Goldstickerei verziert, den Raum in zwei Hälften teilt.
Der rückwärtige Teil enthält das Bett.
Hier steht jetzt auch Robin. Er übertritt die Grenze, die der Vorhang setzt, bleibt stehen.
Here!
Meint die Lady und deutet damit Robins Schlafplatz an.
Schnitt auf die bezeichnete Stelle. Jetzt sehen wir, dass vor dem Kaminfeuer im Stroh zwischen den Hunden der Lady eine Decke und ein Kissen bereitgelegt sind.
Robin blickt auf das armselige Lager. Er bleibt völlig ruhig stehen. Lady Marian rauscht an ihm vorbei, zu ihrem Bett jenseits des Vorhangs. Im Durchgang hält sie an, wendet sich Robin zu.
Robin hatte ergeben die Augen geschlossen, jetzt öffnet er sie und dreht sich nach ihr um.
Marian nah, sie wirkt leider gar nicht freudlich, eher entschlossen kämpferisch. Die Schönheit ihrer braunen Haarflut, ihres Porzellantaints und der Reiz ihres halboffenen Schnürmieders haben keine Chance gegen ihre zu Schlitzen verengten Augen. Sie informiert ihren „Gatten“:
I sleep with a dagger.
If you so much as move to touch me, I will sever your manhood.
You understand?
Oops. Haben wir verstanden? ..trenne ich Sie von Ihrer Männlichkeit… hat sie gesagt.
Schnitt auf Robin.
Er hat verstanden.
Die Drohung schüchtert ihn nicht ein, er sucht auch nicht in Herablassung oder gespielter Entrüstung einen Hierarchiekampf mitzuspielen. Er steht da so entspannt, dass wir seine körperliche Öffnung, eine Art Angreifbarkeit, fühlen.
Einer der großen Hunde leckt an seiner Hand.
Das Feuer knistert.
Mit ruhiger Stimme, fast leise, fast ohne jeden Anklang von Ironie, begleitet er seine Worte mit einem kleinen höflichen Nicken:
Thanks for the warning.
Schnitt auf Robin.
Die ruhige unagressive Haltung, die entspannten Schultern, ja, wir sehen auch die offene Schnürung des Brokathemdes am Hals, ja, erkennen auch den ruhigen Glanz in seinen Augen, den die Spiegelung des goldenen Kerzenlichts hervorhebt, ja wir fühlen das Anziehende einer Haltung, die nicht abwehrt, sich nicht klein macht, aber auch nicht dumpf fordert oder um Dominanz ringt, …
…also wir, äh, wir..
..aber was wissen wir schon. Wir sind nicht die Lady.
Diese packt jetzt mit entschlossener Geste die Kanten des Vorhangs…
…und ist – verschwunden.
Mit zornig reissender Geste hat sie den Vorhang vor Robins Gesicht zugezogen. Wir hören die kleinen Eisenringe auf der Führungsschiene metallisch knallen.
Schnitt.
Wir sind auf der inneren Vorhangsseite bei Lady Marian. Hier ist herrscht Halbdunkel. Der Vorhang, obwohl nur Chiffon, verschließt den Raum mit dem Prunkbett gegen das Licht des Kaminfeuers.
Schnitt auf Robin.
Er geht zu seinem Platz im Stroh, begleitet von den Hunden.
Wir hören, wie er sich mit seinen Bettgesellen bekannt macht.
Hello, dogs!.
sagt er und will sich niederlassen.
Ein Blick zum Vorhang lässt ihn innehalten. Er richtet sich wieder auf.
Lady Marian hat mit einem Zündspan ein paar Kerzen angezündet. Wohl ohne sich dessen bewusst zu sein, hat sie damit eine Laterna Magica für ein Schattenspiel geschaffen, das Robin zumindest für´s Auge ein nicht unerhebliches Vergnügen bereiten wird.
Wir sehen die Silhouette von Lady Marian. Sie streift ihr Überkleid ab.
Robin lässt sich vor dem Kamin nieder, stützt den Kopf auf die Hand. Er bleibt angekleidet. Der große Jagdhund, der ihm vorher die Hand leckte, legt sich sofort zu ihm und lässt sich kraulen.
Robin sieht seine spröde Conjunx jetzt zum ersten Mal, wie Gott sie schuf. Sie streift das transparente Unterkleid über ihren Kopf. Ihre taillenlange Haarflut ist nun beinahe ihre letzte Bekleidung.
Robin lässt seinen Blick noch einen Moment auf dem Schauspiel ruhen, dann sieht er weg, dreht sich auf den Rücken und schließt die Augen. Der Hund drückt sich an ihn und lässt sich gerne Robins Hand auf seinem Fell gefallen.
Die Taube auf dem Dach…was soll´s.
Schnitt.
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Kommentar Dramaturgie (Theorieteil) – das repräsentierende Objekt:
Die Szene begleitet ein Subtext-Layer, der in repräsentierenden Objekten den Verlauf der erotischen Beziehung in der Szene kommentiert.
Teil A:
Das Schwert. Das Schwert, die Schwertscheide, das Gehänge – sind in klassischer Freudianischer Interpretation natürlich Repräsentationen von Maskulinität. Robin betrachtet die gezückte Klinge, während er auf Lady Marian wartet. Als er sie kommen hört, schiebt er das blanke Schwert in die schützende Scheide zurück.
Er stellt die Waffe beiseite, als er sich mit der Lady über beider vorzuspiegelndes Beilager, – ein Trick, um die Dienerschaft zu überzeugen – , unterhält.
Noch einmal ergreift Robin das Schwert, als er aufgefordert wird, der Lady in ihre Kemenate zum Beilager zu folgen. Die Inschrift Lambs and Lions kommentiert dabei humorvoll die Rollensuche der Beiden als Gatte und Eheweib.
Teil B:
Die Hunde wurden uns am Ende von Teil A als Besitztum der Lady vorgestellt, sie gehören ihr, mehr noch, sie gehören zu ihr, ja, sie repräsentieren einen Teil von ihr.
So läuft der Subtext-Layer des repräsentierenden Objektes Hund in exakter Konterkarierung zur Textebene, die Ablehnung, Verweigerung kommuniziert.
Der Hund der Lady hingegen führt durch, was in dieser Situation das Naheliegende wäre.
Er nähert sich Robin vertrauensvoll, er leckt ihm die Hand (istgleich ein Schritt näher) er legt sich sofort zu ihm, er teilt sein Lager und er lässt sich mit großem Genuss von Robins Hand kraulen. Das repräsentierende Objekt Hund macht symbolisch auf den weiteren Verlauf der Geschichte einen Vorgriff, den wir nicht intellektuell, sehr wohl aber emotional begreifen sollen.
Anklänge an das Nibelungenlied:
1. Sowohl die Geschichte von Robin Hood, als auch das Nibelungenlied sind der Gattung der Heldenepik zuzuordnen, die die nicht die literarische Eigenleistung eines Dichters akzentuiert, sondern die Verwurzelung des Erzählstoffes in der mündlichen Überlieferung hervorhebt.
2. Die Verortung im cisalpinen Wald und der Zeitpunkt, hohes Mittelalter, geben einen hinweisenden Rahmen auf Anleihen am Nibelungenlied. Beide Geschichten spielen um 1190.
3. Punktuell finden wir inhaltliche Parallelen, bzw. Ähnlichkeiten: im Nibelungenlied hegen die Zwerge im Wald einen verborgenen Schatz.
Als Allusion auf Zwerge lassen sich die Kinder im Wald erkennen, die als Halbwüchsige auch noch eine Art Zwerge sind.
Der Schatz, den diese „Zwerge“ hüten, ist die Freiheit, die Gleichheit, die Brüderlichkeit, wie Lady Marian am Ende des Filmes dann erklären wird, wenn sie, Robin und die Gefolgsleute bei den Kindern,- den Zwergen im Wald,- Wohnstatt gefunden haben.
4. in beiden Geschichten spielt ein besonderes Schwert eine zentrale Rolle. In der Nibelungensage ist es Balmung, in Robin Hood enthält das Schwert den Auftrag an den Helden:
RISE AND RISE AGAIN UNTIL LAMBS BECOME LIONS.
5. Speziell auf das Verhältnis Brunhild – Gunther verweist die obige Szene mit Lady Marian -Robin. Auch Brunhild, ausgestattet mit ungewöhnlichen Kräften , verweigerte Gunther das Beilager der ersten Nacht in ähnlicher Weise, auch sie zwang ihren Gatten, unverrichteter Dinge abzuwarten.
Beide Frauengestalten brechen mit dem zeitgenössischen Rollenbild in puncto Selbständigkeit.
In beiden Fällen erlangt der Mann erst Zugang zu ihr, nachdem er seine Kraft und Befähigung bewiesen hat. Im Nibelungenlied sind es Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf, hier wird von Robin eine Verbesserung der Gesamtverhältnisse erwartet.
Robin rettet das Anwesen und alle Leute, die davon leben, durch die Rückführung des Saatgutes. Die Saat wächst das zu Getreide heran und sichert das Überleben aller.
Die von uns beschriebene Szene „Thanks for the warning..“ ist keine drei Minuten lang – der ganze Film dauert zweieinhalb Stunden – und doch ist ihr storytelling auf mehreren Layern Text-Acting -Symbolik äußerst reich und dicht gepackt.
2009-10 Russell Crowe (im Alter von 45) – Robin Longstride / Sir Robert Loxley, Cate Blanchett – Lady Marian Loxley, Max von Sydow – der greise Sir Walter Loxley, Marians Vater
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offtopic
Filmtipp.
Pianomania. Einige höchstbegabte Leute suchen 90 Min etwas, was sie hören und sehen können, wir Durchschnittsmenschen jedoch nicht. Wir sehen “das Unsichtbare” durch ihre Augen, bzw. hören das für uns Unhörbare durch ihre Ohren: den perfekten Ton. …und gehen am Ende begeistert aus dem Kino.
Beautiful Minds.- Liebe, Perfektion und ein kleines bisschen Wahnsinn.
Mit Stefan Knüpfer, Lang-Lang, Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard, Till Fellner.
