Monatsarchiv: Oktober 2010

Filmszenen I Fernsehtipp Heino Ferch: Todfeinde – die falsche Entscheidung. Sonntag, 31. Okt, ProSieben, 04:05 Uhr


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Die Streifenpolizisten Nico (Tobias Moretti) und Max Klausmann (Heino Ferch) sind nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde.
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Bei einer nächtlichen Routineverkehrskontrolle dann die Katastrophe: Nico erschießt in irrtümlicher Notwehr, – er glaubte, der Mann habe eine Waffe gezückt –  einen Autofahrer.
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Max und Nico vertuschen die Sache: Sie versenken den Wagen samt Leiche in einem See. Der Tote jedoch war ein wichtiger Kronzeuge gegen die Mafia – und auf dem Weg zum Bundeskriminalamt.

Ausgerechnet Max wird zur Aufklärung dieses Falles abkommandiert und Mitglied der Fahndungsgruppe.

In seinem neuen Vorgesetzten (Michael Mendl) findet er einen wohlwollenden Mentor. Max befindet sich im Dilemma zwischen Dienstpflicht und Freundschaft.

Nico, frisch geschieden, kommt mit der Trennung nicht zurecht und rutscht immer mehr ab. Mit dem Verkauf der Unterlagen des Toten an die Mafia will er das große Geld machen. Ein lebensgefährliches Vorhaben.

Max muss sich entscheiden: Solidarität zu Nico oder zum Gesetz.

Gut geschriebener Krimi unter der hervorragenden Regie von Oliver Hirschbiegel mit Tobias Moretti, Michael Mendl und der Oscar-Co-Preisträgerin (Kategorie Kurzfilm: “Spielzeugland” , 2009) Julia Jäger.
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Filmszenen I ….thanks for the warning…Teil B in: Robin Hood. Cate Blanchett – Lady Marian. Regie: Ridley Scott 2009 – 10

 

Bildquelle: youtube.de Bildrechte: Universal Pictures International Das Bildmaterial dieses Postings ist ausschließlich dem zweiten Trailer des Films, der auf youtube.de veröffentlicht wurde, entnommen. Alle Bilder haben auf http://www.filmszenen.info/ im Zusammenhang eines eigenständigen Sprachwerkes mit populärwissenschaftlichem Anspruch den Charakter von Bildzitaten und beachten somit die Schranken des Copyrights Hotlinking der Bilder ist ein Rechtsbruch. Universal droht mit Strafen zwischen 62.000 und 302.000 Euro.

“…thanks for the warning!… Teil B in: Robin Hood 2010. Drehbuch: Brian Helgeland, Regie: Ridley Scott. Produktion: Universal Pitcures, Imagine Entertainment Brian Grazer, Scott Free Productions Ridley Scott, Fear of God Productions Russell Crowe. 2009.

Quelle und Einbettungscode: youtube.de Bilder zur Szene: Min 1:29 -1:36

Die Szene Teil B

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Eine Kemenate. Wir stehen vor einem schweren Vierpfosten- Prunkbett aus Eichenholz. Das Bett, groß genug, um einer ganzen Familie Platz zu bieten, ist frisch bezogen und reich mit Kissen ausgestattet, entsprechend der halb sitzenden Schlafposition, die 1190 üblich war.

Die Bettdecke ist zurückgeschlagen: eine Einladung.

Ein roter Samthimmel spannt sich über der luxuriösen Schlafstätte und hinterfängt deren Kopfende.

An der rückwärtigen Wand ein niedriger Spitzbogen. Seine schwere Eichentür steht nicht weit offen.

Ohne sie weiter aufzudrücken, tritt Robin ein. Er weicht dem Türblatt ein wenig aus. Es wirkt fast so, als wolle er nicht stören. Ein Blick auf das Bett, ein zweiter in den Raum. Er bleibt stehen.

Schnitt auf Lady Marian.

Sie steht vor dem offenen Kamin, in dem ein Feuer den Raum wärmt. Sie hat ein Kleidungsstück in der Hand, das sie jetzt mit einer ungeduldigen Bewegung hinwirft. Sie wendet sich Robin zu.

Schnitt. Halbtotale.

Wir stehen einige Schritte neben Lady Marian und sehen jetzt, dass ein feiner Chiffonschal, reich mit Goldstickerei verziert, den Raum in zwei Hälften teilt.

Der rückwärtige Teil enthält das Bett.

Hier steht jetzt auch Robin. Er übertritt die Grenze, die der Vorhang setzt, bleibt stehen.

Here!

Meint die Lady und deutet damit Robins Schlafplatz an.

Schnitt auf die bezeichnete Stelle. Jetzt sehen wir, dass vor dem Kaminfeuer im Stroh zwischen den Hunden der Lady eine Decke und ein Kissen bereitgelegt sind.

Robin blickt auf das armselige Lager. Er bleibt völlig ruhig stehen. Lady Marian rauscht an ihm vorbei, zu ihrem Bett jenseits des Vorhangs. Im Durchgang hält sie an, wendet sich Robin zu.

Robin hatte ergeben die Augen geschlossen, jetzt öffnet er sie und dreht sich nach ihr um.

Marian nah, sie wirkt leider gar nicht freudlich, eher entschlossen kämpferisch. Die Schönheit ihrer braunen Haarflut, ihres Porzellantaints und der Reiz ihres halboffenen Schnürmieders haben keine Chance gegen ihre zu Schlitzen verengten Augen. Sie informiert ihren „Gatten“:

I sleep with a dagger.

If you so much as move to touch me, I will sever your manhood.

You understand?

Oops. Haben wir verstanden? ..trenne ich Sie von Ihrer Männlichkeit… hat sie gesagt.

Schnitt auf Robin.

Er hat verstanden.

Die Drohung schüchtert ihn nicht ein, er sucht auch nicht in Herablassung oder gespielter Entrüstung einen Hierarchiekampf mitzuspielen. Er steht da so entspannt, dass wir seine körperliche Öffnung, eine Art Angreifbarkeit, fühlen.

Einer der großen Hunde leckt an seiner Hand.

Das Feuer knistert.

Mit ruhiger Stimme, fast leise, fast ohne jeden Anklang von Ironie, begleitet er seine Worte mit einem kleinen höflichen Nicken:

Thanks for the warning.

Schnitt auf Robin.

Die ruhige unagressive Haltung, die entspannten Schultern, ja, wir sehen auch die offene Schnürung des Brokathemdes am Hals, ja, erkennen auch den ruhigen Glanz in seinen Augen, den die Spiegelung des goldenen Kerzenlichts hervorhebt, ja wir fühlen das Anziehende einer Haltung, die nicht abwehrt, sich nicht klein macht, aber auch nicht dumpf fordert oder um Dominanz ringt, …

…also wir, äh, wir..

..aber was wissen wir schon. Wir sind nicht die Lady.

Diese packt jetzt mit entschlossener Geste die Kanten des Vorhangs…

…und ist – verschwunden.

Mit zornig reissender Geste hat sie den Vorhang vor Robins Gesicht zugezogen. Wir hören die kleinen Eisenringe auf der Führungsschiene metallisch knallen.

Schnitt.

Wir sind auf der inneren Vorhangsseite bei Lady Marian. Hier ist herrscht Halbdunkel. Der Vorhang, obwohl nur Chiffon, verschließt den Raum mit dem Prunkbett gegen das Licht des Kaminfeuers.

Schnitt auf Robin.

Er geht zu seinem Platz im Stroh, begleitet von den Hunden.

Wir hören, wie er sich mit seinen Bettgesellen bekannt macht.

Hello, dogs!.

sagt er und will sich niederlassen.

Ein Blick zum Vorhang lässt ihn innehalten. Er richtet sich wieder auf.

Lady Marian hat mit einem Zündspan ein paar Kerzen angezündet. Wohl ohne sich dessen bewusst zu sein, hat sie damit eine Laterna Magica für ein Schattenspiel geschaffen, das Robin zumindest für´s Auge ein nicht unerhebliches Vergnügen bereiten wird.

Wir sehen die Silhouette von Lady Marian. Sie streift ihr Überkleid ab.

Robin lässt sich vor dem Kamin nieder, stützt den Kopf auf die Hand. Er bleibt angekleidet. Der große Jagdhund, der ihm vorher die Hand leckte, legt sich sofort zu ihm und lässt sich kraulen.

Robin sieht seine spröde Conjunx jetzt zum ersten Mal, wie Gott sie schuf. Sie streift das transparente Unterkleid über ihren Kopf. Ihre taillenlange Haarflut ist nun beinahe ihre letzte Bekleidung.

Robin lässt seinen Blick noch einen Moment auf dem Schauspiel ruhen, dann sieht er weg, dreht sich auf den Rücken und schließt die Augen. Der Hund drückt sich an ihn und lässt sich gerne Robins Hand auf seinem Fell gefallen.

Die Taube auf dem Dach…was soll´s.

Schnitt.

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Kommentar Dramaturgie (Theorieteil) – das repräsentierende Objekt:

Die Szene begleitet ein Subtext-Layer, der in repräsentierenden Objekten den Verlauf der erotischen Beziehung in der Szene kommentiert.

Teil A:

Das Schwert. Das Schwert, die Schwertscheide, das Gehänge – sind in klassischer Freudianischer Interpretation natürlich Repräsentationen von Maskulinität. Robin betrachtet die gezückte Klinge, während er auf Lady Marian wartet. Als er sie kommen hört, schiebt er das blanke Schwert in die schützende Scheide zurück.

Er stellt die Waffe beiseite, als er sich mit der Lady über beider vorzuspiegelndes Beilager, – ein Trick, um die Dienerschaft zu überzeugen – , unterhält.

Noch einmal ergreift Robin das Schwert, als er aufgefordert wird, der Lady in ihre Kemenate zum Beilager zu folgen. Die Inschrift Lambs and Lions kommentiert dabei humorvoll die Rollensuche der Beiden als Gatte und Eheweib.

Teil B:

Die Hunde wurden uns am Ende von Teil A als Besitztum der Lady vorgestellt, sie gehören ihr, mehr noch, sie gehören zu ihr, ja, sie repräsentieren einen Teil von ihr.

So läuft der Subtext-Layer des repräsentierenden Objektes Hund in exakter Konterkarierung zur Textebene, die Ablehnung, Verweigerung kommuniziert.

Der Hund der Lady hingegen führt durch, was in dieser Situation das Naheliegende wäre.

Er nähert sich Robin vertrauensvoll, er leckt ihm die Hand (istgleich ein Schritt näher) er legt sich sofort zu ihm, er teilt sein Lager und er lässt sich mit großem Genuss von Robins Hand kraulen. Das repräsentierende Objekt Hund macht symbolisch auf den weiteren Verlauf der Geschichte einen Vorgriff, den wir nicht intellektuell, sehr wohl aber emotional begreifen sollen.

Anklänge an das Nibelungenlied:

1. Sowohl die Geschichte von Robin Hood, als auch das Nibelungenlied sind der Gattung der Heldenepik zuzuordnen, die die nicht die literarische Eigenleistung eines Dichters akzentuiert, sondern die Verwurzelung des Erzählstoffes in der mündlichen Überlieferung hervorhebt.

2. Die Verortung im cisalpinen Wald und der Zeitpunkt, hohes Mittelalter, geben einen hinweisenden Rahmen auf Anleihen am Nibelungenlied. Beide Geschichten spielen um 1190.

3. Punktuell finden wir inhaltliche Parallelen, bzw. Ähnlichkeiten: im Nibelungenlied hegen die Zwerge im Wald einen verborgenen Schatz.
Als Allusion auf Zwerge lassen sich die Kinder im Wald erkennen, die als Halbwüchsige auch noch eine Art Zwerge sind.
Der Schatz, den diese „Zwerge“ hüten, ist die Freiheit, die Gleichheit, die Brüderlichkeit, wie Lady Marian am Ende des Filmes dann erklären wird, wenn sie, Robin und die Gefolgsleute bei den Kindern,- den Zwergen im Wald,- Wohnstatt gefunden haben.

4. in beiden Geschichten spielt ein besonderes Schwert eine zentrale Rolle. In der Nibelungensage ist es Balmung, in Robin Hood enthält das Schwert den Auftrag an den Helden:

RISE AND RISE AGAIN UNTIL LAMBS BECOME LIONS.

5. Speziell auf das Verhältnis Brunhild – Gunther verweist die obige Szene mit Lady Marian -Robin. Auch Brunhild, ausgestattet mit ungewöhnlichen Kräften , verweigerte Gunther das Beilager der ersten Nacht in ähnlicher Weise, auch sie zwang ihren Gatten, unverrichteter Dinge abzuwarten.

Beide Frauengestalten brechen mit dem zeitgenössischen Rollenbild in puncto Selbständigkeit.

In beiden Fällen erlangt der Mann erst Zugang zu ihr, nachdem er seine Kraft und Befähigung bewiesen hat. Im Nibelungenlied sind es Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf, hier wird von Robin eine Verbesserung der Gesamtverhältnisse erwartet.
Robin rettet das Anwesen und alle Leute, die davon leben, durch die Rückführung des Saatgutes. Die Saat wächst das zu Getreide heran und sichert das Überleben aller.

Die von uns beschriebene Szene „Thanks for the warning..“ ist keine drei Minuten lang – der ganze Film dauert zweieinhalb Stunden – und doch ist ihr storytelling auf mehreren Layern Text-Acting -Symbolik äußerst reich und dicht gepackt.

2009-10 Russell Crowe (im Alter von 45) – Robin Longstride / Sir Robert Loxley, Cate Blanchett – Lady Marian Loxley, Max von Sydow – der greise Sir Walter Loxley, Marians Vater

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offtopic

Filmtipp.

Pianomania. Einige höchstbegabte Leute suchen 90 Min etwas, was sie hören und sehen können, wir Durchschnittsmenschen jedoch nicht. Wir sehen “das Unsichtbare” durch ihre Augen, bzw. hören das für uns Unhörbare durch ihre Ohren: den perfekten Ton. …und gehen am Ende begeistert aus dem Kino.
Beautiful Minds.- Liebe, Perfektion und ein kleines bisschen Wahnsinn.

Mit Stefan Knüpfer, Lang-Lang, Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard, Till Fellner.

 

Filmszenen I ….thanks for the warning…Teil A in: Robin Hood. Cate Blanchett – Lady Marian. Regie: Ridley Scott 2009 – 10

Bildquelle: youtube.de Bildrechte: Universal Pictures International Das Bildmaterial dieses Postings ist ausschließlich dem zweiten Trailer des Films, der auf youtube.de veröffentlicht wurde, entnommen. Alle Bilder haben auf http://www.filmszenen.info/ im Zusammenhang eines eigenständigen Sprachwerkes mit populärwissenschaftlichem Anspruch den Charakter von Bildzitaten und beachten somit die Schranken des Copyrights Hotlinking der Bilder ist ein Rechtsbruch. Universal droht mit Strafen zwischen 62.000 und 302.000 Euro.

“…thanks for the warning!… in: Robin Hood 2010. Drehbuch: Brian Helgeland, Regie: Ridley Scott. Produktion: Universal Pitcures, Imagine Entertainment Brian Grazer, Scott Free Productions Ridley Scott, Fear of God Productions Russell Crowe. 2009.

Quelle und Einbettungscode: youtube.de Bilder zur Szene: Min 1:29 -1:36

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Vor der Szene

Wir schreiben das Jahr 1199, es ist früh im Jahr, April.

Der altgediente Bogenschütze Robin Longstride (Russell Crowe), Soldat und Gefolgsmann von Richard Löwenherz (Pic), gab Sir Robert Loxley in der Minute seines Todes auf einem Schlachtfeld in Frankreich das Versprechen, Sir Loxleys Schwert in den Besitz der Familie nach Nottingham in England zurückzubringen.

Angekommen auf dem Rittergut der Loxleys sieht Robin sich einem frappanten Angebot gegenübergestellt.

Das Gut ist von Steuerforderungen und einem unglücklichen Saatgut-Diebstahl ausgeblutet und nicht mehr wirtschaftsfähig. Alle wehrfähigen Männer sind für die Kreuzzüge abgezogen, übrig sind die Alten und die Frauen.

Die Nachricht vom Tod Sir Roberts begräbt letzte die Hoffnung auf Besserung.

Robin ist gesund, kräftig und im richtigen Alter: Er soll Sir Roberts Identität annehmen.

Das Geschenk: eine schöne Frau, Lady Marian Loxley und ein Rittergut.

Die Pflicht: die Situation zu verbessern, ein Gegengewicht gegen Steuerforderungen und Armut aufzubauen.

Robin Longstride nimmt das kluge Angebot des greisen blinden Sir Walter Loxley an: ab sofort ist er nicht mehr der Bogenschütze Robin Longstride, sondern der heimgekehrte Schwiegersohn Sir Robert Loxley. Er erwirbt alle Rechte des Adligen, auch die ehelichen….

Die Szene

Ein Gang auf Burg Loxley. Schweres unregelmäßig gesetztes Quadermauerwerk, die Stirnseite des Ganges ist von einem Spitzbogenfenster durchbrochen, bläuliches Tageslicht streift die Wände, Kerzen in eisernen Wand- und Bodenständern erhellen den Gang spärlich.

Lady Marian eilt auf uns zu, die Treppen herab. Sie trägt jetzt nicht mehr Schürze und Stallröcke, sondern ein zeitgemäß modisches bodenlanges Kleid in dunklem taubenblau mit geschnürtem Bustier und darunter einer feinsten Fältelbluse aus weissen Chiffon.

Ein langer goldpunzierter Gürtel, dessen Ende bis zum Kleidersaum herabreicht, hebt die Schmalheit ihrer grazilen Silhoutte hervor. Das hüftlange braune Haar trägt sie, den offiziellen Kleidungscodex für verheiratete Frauen sehr ungewöhnlich konterkarierend, offen. (zum Vergleich: Figur der Synagoge am Straßburger Dom , ca 1290 )

Zwei Mägde queren direkt vor uns das Bild. Sie tragen Schüsseln mit Essen, flüstern und kichern miteinander.

Lady Marian geht ihnen hinterher. Wir werfen einen kurzen Blick in den Raum. Ein großer Holztisch wird eingedeckt. Wir erhaschen noch einen Satz der Mägde untereinander.

What did I tell you?

Lady Marian schließt mit dominanter Geste die Tür des Raumes, wendet sich auf dem Gang in die Gegenrichtung.

Schnitt.

Nah ein großer Jagdhund. Wir hören das Prasseln eines offenbar großen Kaminfeuers.

Halbnah Robin. Er trägt ein wertvoll damasziert blaßviolettes Brokathemd aus dem Besitz von Sir Robert Loxley. Gerade noch stand er mit dem Rücken zu uns, dem schulterhohen offenen Kamin zugewandt. Wohl auf ein Geräusch hin wendet er sich kurz um, er holt aus.

Wir hören den scharfen Klang einer Schwertklinge, Robin schiebt mit weit greifender Geste das Schwert zurück in die Scheide. Für dessen Rückgabe war er hierher gekommen.

Er hatte dieses Schwert schon vorher eingehend betrachtet und dabei die Inschrift im Griff gefunden:

RISE AND RISE AGAIN – UNTIL LAMBS BECOME LIONS.

Totale.

Ein gotischer Remter von gigantischen Ausmassen, zwei achtflammige Radleuchter und Kerzen auf eisernen Standleuchtern erhellen den Saal gerade soweit, dass er nicht in völliges Dunkel gehüllt ist.

Bläuliches Zwielicht tröpfelt durch mehrere deckenhohe Spitzbogenfenster an einer Raumseite. Spartanisch ist der Saal eingerichtet, zwei schwere Holztische, einige Truhen entlang der Wände. Ein Hochlehner in der Nähe des weit übermannshohen Kamins. Der gesamte Steinboden ist mit Stroh bedeckt. Nirgendwo eine Tapisserie, nirgendwo ein Wandteppich.

Lady Marian durchquert den Saal, nähert sich Robin mit entschlossenen Schritten und bleibt in angemessener Distanz vor ihm stehen. Sie legt ihre Hände ineinander. Kerzengerade aufgerichtet sagt sie:

It seems we have to share my chamber.

Man sieht ihrem Blick ein deutliches Unwohlsein an. Sie ruckt leicht mit dem Kopf.
Pause. Erklärung, gemessen, ruhig, dennoch fährt eine Augenbraue empor:

A ruse to convince the servants.

Robin, der das Schwert mit Scheide und Gehänge am Boden aufgestützt hatte, blickt Lady Marian nicht an. Er wendet sich dem Hochlehner zu, legt die Waffe sorgfältig an der Armlehne ab und setzt sich.

Well, if the aim is deception…

Wir stehen hinter dem Stuhl und sehen die Bewegung, mit der er sich setzt.

Schnitt. Robin von vorne. Er hat das Möbel äußerst leger in Besitz genommen. Er streckt die Beine in lederner Hose, deren glänzender Glätte man den jahrelangen Gebrauch als Serviette für Hand und Messer ansieht, weit von sich und schaukelt mit einem Knie verspielt hin und her. Die Arme auf den Seitenlehnen aufgestützt, hat er die Finger locker ineinander gelegt. Er scheint gut gelaunt und gänzlich unangespannt

…should you not be addressing me as „ My husband“, or

Er sucht an der Decke nach einer zweiten passenden Bezeichnung

„My dear“?

Lady Marian halbnah.

Ihr bleibt der Mund offen stehen – vor Entrüstung offenbar. Sie schnauft verächtlich aus.

Don´t be ridiculous!!

- Und eilt unverzüglich der offenen Holztreppe zum ersten Stock zu. Im Gehen dreht sie sich ihrem frischgebackenen Gemahl zu.

Well, you´re coming? – or not…?

Schnitt. Totale. Wir sehen Robin hinten im Hochlehner immer noch sehr bequem in Ruheposition. Er sieht nicht einmal nach Lady Marian. Hinter ihm lodert das große Kaminfeuer, wirft goldene Lichtränder auf Haar, Gesicht und Kleidung. Von der Bettkante muss man ihn eigentlich nicht stoßen.

Schnitt. Robin close up.

Jetzt dreht er den Kopf nach Lady Marian. Nicht besonders eilig, nicht unruhig, keine Anspannung, eher wie ein erfahrener Spieler, der ruhig seine Spielstrategie durchzieht.
Einen Moment warten wir. Robin sieht Lady Marian an.

Dann, ohne Druck, völlig entspannt, ohne jeden inneren Vorwurf oder Gefühl von Beleidigtsein, so unwirsch behandelt zu werden, leise mit dunkler und fast zarter Stimme:

Ask me nicely.

Schnitt auf Lady Marian. Der Blick ihrer ersten Reaktion verdeckt kurz Überraschung, dann gleiten ihre Augen nach links, auf den leeren Platz neben sich.

Die Lady ist auch nicht auf den Kopf gefallen. Auch sie kann spielen. Ein letzter Blick auf Robin, dann geht sie langsam zu der leeren Stelle, die ihr Blick gefunden hatte. Sie achtet auf gemessene Bewegungen, die Falten ihres langen Rockes schwingen langsam und lassen die Eleganz ihres spannkräftigen Körpers ahnen.

Ihre Stimme wird höher, sie imitiert ein braves Frauchen.

Please, dear husband,
- will you… share… my chamber…?

Sie ergreift den Rock beidseitig auf Hüfthöhe und macht einen kleinen Knicks, der gewollt ungelenk und steif ist.

Ihre Brust hebt sich, sie schnauft durch. Das soll wohl ein Stier sein. Sieht eher aus wie ein wütender Schumpen.

Rauscht davon.

Schnitt auf Robin.

Wir hören einen scharfer Pfiff:
Die Lady pfeifft. Ihren Hunden.

Eine Lady pfeifft nicht.
Diese hier schon.
Aber diese hier ist eben auch nicht ganz wie die anderen Damen ihres Standes.

Schnitt auf die Hunde, sie bellen, springen auf, eilen zu ihrer Herrin.
Drei Hunde und eine Lady mit gerafften Röcken rennen die Treppe hoch.

Schnitt auf Robin.

Er blickt ihr nach. Immer noch. Was er sich wohl denkt?
Jetzt wirft er ihr eine kleine Kopfbewegung nach. Sieht wieder weg, ins Feuer.

Lächelt.

Schon denkt er was anderes. Er hat jede Geduld der Welt. …Oder…vielleicht…doch ?

Blickt wieder hoch zu der Stelle, an der sie verschwunden ist.

Schnitt.

Seine Hand nimmt noch einmal das Schwert auf. Wir sehen die Inscription auf dem Schwertgriff:

UNTIL LAMBS BECOME LIONS.

Wer ist hier gleich noch mal der Löwe, wer das Lamm?

Schnitt

2009-10 Russell Crowe (im Alter von 45) – Robin Longstride / Sir Robert Loxley, Cate Blanchett – Lady Marian Loxley, Max von Sydow – der greise Sir Walter Loxley, Marians Vater


Kommentar:

Wie wir demnächst noch ausführen werden, sind im Verhältnis Robin – Marian sowohl in dieser Szene, als auch in der Szene, in der Robin den Waldkindern in die Falle geht und wie ein erlegtes Wildschwein an der Tragestange ins Lager geschleppt wird, nicht nur Anklänge an den Film Gladiator zu erkennen. (Der Szenenaufbau an der Tragestange entspricht in Gladiator der Szenenfolge: ab Begräbnis Maximus Decimus´ Frau und Kind, die Ohnmacht, das Erwachen, der Weg nach Zucchabar in Algerien.)

Deutlich,- auch durch die Lokalisation im Nordeuropäischen Wald- , sind auch Anklänge an das Nibelungenlied, und zwar an das Verhältnis Gunther (entspricht Robin) – Brunhild (entspricht Marian) erkennbar.

 

Theorieteil:

Montage und Demontage von Historizität im Kostümfilm am Beispiel der Geschlechterrollen Robin – Lady Marian in: Robin Hood 2010

Summary:

Einführung des Verhältnisses Mann – Frau / Robin – Marian über einen Irrtum löst unkonventionellen Missgriff im Ton aus.
In Schritt zwei: Korrektur zu konventionell respektvoll distanziertem Ton, mehrfache Brechungen der Geschlechterrollen aufgrund der besonderen Situation, die Frau muss das Haus führen, da der Gatte im Krieg ist.
Es beginnt eine Veränderung der Sprachebene, sie bewirkt unmerklich eine Modernisierung auf heutiges Niveau. Höhepunkt Robin zu Marian: „Thanks for the warning!“ spiegelt sprachlich und interpersonell ein gänzliche Aufgabe_dropping der historischen Figurenzeichnung.