Monatsarchiv: Februar 2010

Filmszenen I …Sie glauben, Regen entfernt alle Spuren?..Teil 1B in: Die Toten vom Schwarzwald. Heino Ferch – Matthias Auerbach. B. und R.: T. Näter

Bildquelle und Bildrechte bei Studio Hamburg für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen 2009-2010


…Sie glauben, Regen entfernt alle Spuren?…Teil 1B. in: Die Toten vom Schwarzwald. Heino Ferch – Matthias Auerbach. Buch und Regie: Thorsten Näter 2009 – 2010

Vor der Szene.

Die Polizei wurde gerufen. Freiwillige Helfer suchen den Wald mit Sonden den Wald ab. Wir sehen, dass die Suche bis in die Nacht hinein fortgesetzt wird. Inzwischen regnet es. In Strömen.

Die Suche wird abgebrochen.

Abends in der Gaststube. Die Stube ist brechend voll. Man unterhält sich über den Fall. Vielleicht hat sich die Lehrerin das Ganze nur eingebildet. Aber da gibt es ja noch das Auto mit dem Stuttgarter Kennzeichen.

Matthias Auerbach (Heino Ferch), der Ehemann der Verschwundenen, kommt im Ort an, findet Polizei und Helfer in der Gaststube vor und erhält die Auskunft, das anderntags weiter gesucht werden wird.

Auch am folgenden Tag finden die Helfer keine Spur der Vermissten. Auerbach geht den mutmaßlichen Weg ab, den seine Frau genommen haben könnte und findet mit Hilfe von Luminol menschliche Blutspuren an einem Zweig. Wir erfahren, dass Auerbach Forensiker ist.

Der örtliche Einsatzleiter bittet Auerbach um die Beschaffung eines Fotos der Vermissten…

Die Szene

Totale von einem Hügel hinunter auf das Häusermeer einer mittelgroßen Stadt, vielleicht Freiburg.

Schnitt.

Blick in eine Straße, deutsche Traditionsgemütlichkeit. Bögen, Giebelchen, rote Dächer. Die Mülltonnen stehen zur Leerung bereit. Ein roter Audi kommt auf uns zu, hält in der freien Parklücke.

Auerbach steigt aus, geht schnell auf eine gründerzeitverzierte Haustür zu.

Schnitt. Auerbach in der Wohnung, er steht an der geöffneten Tür eines altmodischen hellbraunen Schranks, hinter ihm ein vollgestopftes Bücherregal, offenbar ein Arbeits- oder Wohnzimmer.

Wir sehen, er kniet sich nieder, holt eine lackierte Holz-Schachtel aus einem Schrankfach, öffnet sie mit einer schnellen Bewegung. Er kennt die Schachtel.  Drin sind lauter Briefe, Postkarten, Ferienerinnerungspost. Er findet nicht, was er sucht. Er öffnet ein Fotoalbum.

Bunte Fotos von Venedig, Cannes, er selbst fröhlich an sein Auto gelehnt. Er blättert. Ein Porträt von ihm, Fotos aus der Peterskirche in Rom, Urlaub.

Auerbachs Gesicht nah. Er scheint zu denken. Was er suchte, war wohl nicht dabei.

Schnitt.

Ein Treppengeländer in einem modernen kühlen Ambiente. Wir blicken durch die Metallstäbe des Geländers. Hinten an der Wand sehen wir Auerbach vor einer Wohnungstür. Er versucht, die Tür zu öffnen.

Wir stehen jetzt neben ihm. Aha. Er öffnet die Tür mit Profiwerkzeug, nicht mit einem Schlüssel.

Schnitt. Wir stehen wieder weiter weg, am Geländer. Sehen den Moment, in dem die Tür nachgibt. Ganz leicht springt sie leise auf. Auerbach blickt sich um, wie um sich zu vergewissern, dass sein Tun nicht beobachtet wurde

In der Wohnung. Auerbach kommt zu uns hoch auf eine Galerie. Eine halbhohe weisse Mauer trennt Galerie und Treppen. Die Einrichtung oben teils modern, minimalistisch, dazwischen Antiquitäten, Skulpturen, dunkler Hartholzboden.

Auerbach öffnet einen Flügel eines gotischen Türenschrankes. Auch hier ergreift er als erstes ein Fotoalbum. Er schlägt es auf. Ein paar alte Fotos, doch die meisten Steckplätze zeigen nur die leeren Fotoecken. Auf manchen Seiten fehlen alle Fotografien….

Es gibt definitiv kein Foto von Katharina Auerbach, weder in seiner, noch in der Wohnung der geschiedenen Frau.

2009 – 2010 Heino Ferch (im Alter von 45) – Matthias Auerbach, Anna Schudt – Katharina Auerbach

Filmszenen I Fernsehtipp: Das Konto. Heino Ferch – Dr. Michael Mühlhausen. am 22. Feb und 1. März jeweils 21:00h auf hr.

Hervorragender Thriller/Wirtschaftskrimi  mit  einem glänzenden Heino Ferch als Foodmanager Dr. Michael Mühlhausen und der Oscar-Co-Preisträgerin (2009) Julia Jaeger als dessen Frau Charlotte.

Click auf das Bild, um es im Originalzusammenhang auf 3SAT zu betrachten.

Inhalt->

..nach dem Tod seiner Frau…

Podcast-Episode: „Was wollen Sie?“->

Filmszenen I Die Toten vom Schwarzwald. Teil 1. Heino Ferch – Matthias Auerbach. Regie: Thorsten Näter 2009-2010

Bildquelle und Bildrechte bei Studio Hamburg für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen 2009-2010

….leben Sie mal zwei Jahre im Hölltal…! Teil 1 in: Die Toten vom Schwarzwald. Heino Ferch – Matthias Auerbach. Buch und Regie Thorsten Näter, 2009-2010

Vogelperspektive. Wir sehen eine Autobahn, viele Kurven.

Ein rotes Auto schlängelt sich die Serpentinen hoch.

Schnitt.

Nah eine Hand, sie bedient die Programmsuchknöpfe eines Autoradios. Offenbar befinden wir uns im Auto, das wir gerade gesehen haben. Schnitt auf eine junge Frau, blond, Pferdeschwanz: die Beifahrerin. Sie sagt:

Hören Sie Musik? Ich würd´ohne Musik glatt verrückt werden. Soll ich Ihn´was sa´n? Ich höre manchmal Musik, wo gar keine läuft.

Schnitt auf die Fahrerin des Wagens. Sie ist etwa im gleichen Alter wie die Beifahrerin, Mitte dreissig, intelligentes Gesicht, hübsch, Stupsnase, offenes langes blondes Haar.

Die Beifahrerin:

Manchmal erwisch´ ich mich dabei, wie ich im Klassenzimmer leise vor mich hinsumme. Ich will nich´ wissen, was die Schüler hinter meinem Rücke alles über mich reden…

Prüfender Blick zur Fahrerin. Dann:

Ich weiß, ich red´zuviel aber bleiben Sie mal zwei Jahre im Hölltal – da sind sie froh, wenn sie überhaupt mit jemand sprechen können.

Wir erfahren, die Fahrerin will im Hölltal Urlaub machen, dort, wo sich Füchse und Hasen Gute Nacht sagen. Sie will Ruhe vom Stress. Nein, sie war noch nie dort.

Schnitt.

Dicht vor uns ein Felsblock, im Hintergrund sehen wir den roten Golf vorbeifahren. Der Felsblock ist bemalt. Mit roter Farbe ist ein riesiger Drudenfuss aufgezeichnet. Daneben steckt ein Pflock im Boden. Er trägt einen aufgepflanzten Reh-Schädel.

Eigenartig.

Schnitt.

Im Wald.

Der Wagen hat die Autobahn verlassen und fährt über einen Waldweg. Wir stehen scheinbar hinter einem Baum und beobachten den Wagen. Direkt vor uns ein Baumstamm. Wieder ein Totenschädel, ein gehörntes Tier. Er ist mit Stricken an den Stamm gebunden.

Die Stimmung ist umgeschlagen. Wir frösteln.

Irgend etwas wirkt bedrohlich.

Der Wagen hält. Die Frauen steigen aus. Eine der beiden, die Fahrerin, verschwindet in den Büschen, die andere, wir werden bald erfahren, sie heißt Inka, wartet auf ihre Rückkehr.

Schnitt.

Wir nähern uns Inka von hinten, aus hoher Position. Sie scheint uns nicht zu bemerken.

Jetzt dreht sich erschreckt um, als hätte sie uns doch gehört, wahrgenommen.

Frau Auerbach?

Sie ruft. Wir stehen im Wald und sehen Inka weit hinten auf dem Weg am Wagen.

Der Wald ist dunstig, fast neblig.

Inka geht ein paar Schritte vom Wagen weg, dorthin, wo sie ihre Fahrerin vermutet. Zwei Krähen flattern auf, ihr dicht gegen den Körper. Sie erschrickt so sehr, dass sie heftig atmet, beinahe keucht.

Trotzdem geht sie weiter.

Wir sehen sie jetzt von oben, so als säßen wir in einer Baumkrone.

Inka nah.

Frau Auerbach?

Stimmengewirr aus dem off. Wir hören Polizeifunk.

Frau Auerbach bleibt vermisst.

2009 – 2010 Heino Ferch (im Alter von 46) – Matthias Auerbach, Nadja Uhl – Die Lehrerin Inka, Anna Schudt – Frau Auerbach

- – -

Tenderness – Auf der Spur des Killers ist jetzt auf DVD zu haben. Hervorragende differenzierte Filmkritik siehe Filmstarts.de-> (nur ein kleiner Fehler: Cristofuoro ist eben nicht abgebrüht, die Unterscheidung „only two kinds of people: those chasing pleasure – those running from pain“ stammt von Cristofuoros Ehefrau, deren Worte er zitiert. Cristofuoro ist ein Fänger im Roggen.

Der Film zeigt uns wieder einmal eine neue Farbe in Russell Crowe´s OEvre: zart-rauchgrau, – wie übrigens auch Cristofuoros Wohnung. Crowe zieht uns nur durch seine schiere körperliche Präsenz, wenige scheinbar alltägliche Verrichtungen und Bewegungen, Crowe´s unglaubliche Stimme und seine Mimik, die nur scheinbar unbewegt ist, an sich heran und in sich, in seine Traurigkeit, hinein. Im Moment, als wir das begreifen, ist es schon zu spät und wir müssen den Schmerz auch gegen unseren Willen mitfühlen.)

Cristofuoros Name ist sprechend. Wir erinnern uns an den Christusträger, den Heiligen Christophorus, dessen Hauptcharakterisierung heißt: „Jesus Christus war deine Bürde. Du hast mehr als die Welt getragen.“ oder: Wer auch nur einen Menschen rettet, rettet die Welt.

John Polsons Film ist weicher, ruhiger, amerikanischer natürlich, aber doch irgendwie vergleichbar mit Filmen von Christian Petzold.

s.a. 12 Jahre früher der Film „Koma – zwischen Leben und Tod“ mit Heino Ferch als Franky Esche hat einen anderen Erzählschwerpunkt, dennoch ist die identische sehr besondere Situation ein auffälliger Zufall.