
Bildquelle und Bildrechte bei von Vietinghoff Filmproduktion für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen. click auf das Bild, um es in Originalgröße zu sehen.
Vor der Szene
Zwei Männer, zwei Frauen – nein wir sind nicht im gleichnamigen Film. Trotzdem: zwei typische junge Großstadt- Paare in den 90ern.
Es treten auf: Marcel (Sebastian Koch) ein junger Besitzer einer Jazzkneipe mit Dienstag und Donnerstag Muschi-Mietze, istgleich S ..x im Wochen-Abonnement, leider so verdammt obers.xy, dass die selbstbewußte Olga (Nina Kronjäger) das Abo buchen musste; eine kleine graue Maus als Call Center Agent der Telefonauskunft Sophia (Meret Becker).
Sophia hatte auf das drei K-Glück gehofft, aber Peter, ihr Auserwählter (Heino Ferch) hat in letzter Sekunde die Biege gemacht. Einfach vom Klo nicht zurückgekommen, abgehauen aus Angst vor der Einkerkerung im Kleinhäusler-Idyll mit Laufstall im Schlafzimmer, Babygeschrei in der Küche und Ende aller Träume in der Enge einer Zweiraum-Wohnung.
Olga hat geerbt und genießt das Leben bis zur Neige (des Geldvorrates). Dass sie Marcel liebt, kann sie nicht zeigen. Sonst läuft er weg.
Sophia, die Maus, kommt aus Großfamilie, Studienabbrecherin, lebt finanziell auf Studentenniveau, ohne Zukunft, ohne Aussicht auf Besserung. Klar, dass sie versucht, sich umzubringen…..
Die Szene
Der Tag ist vorüber. Es ist Abend. Sophia hat sich ein Brautkleid gekauft. Heute Abend hat sie was ganz besonderes damit vor.
Die rassige Olga (Nina Kronjäger), Hobby-Sternzeichen-Verkupplerin, selbst wahrscheinlich Steinbock, (unbedingter Siegeswillen, Langstreckenchampion) oder Stier (baut sich ihr eigenes Königreich) will kein windiges Dienstags-Beischlaf-Abo mehr mit ihrem Beau Marcel (Sebastian Koch). Der Prachtbulle soll ihr König werden, und sie die Chefin. Basta.
Mittwoch.Abend. Olga kreuzt in Marcels Bar auf.
Sie geht auf eine Tür mit Riffelglaseinlagen zu. Darauf ein Schild:
Zutritt verboten.
Olga öffnet die Tür.
Wir erhaschen einen kurzen Blick in Marcels Büro im Hinterzimmer seiner Bar. Das Büro ist offenbar eine umgebaute Garage. Kahle Wände. Cooles Sperrmüll – Mobiliar im zwanziger Jahre Stil.
Am Schreibtisch sitzt Marcel und pfuddelt irgendwas an seinem Laptop.
Olga marschiert auf dies Idyll zu. Wir kommen näher, Kamerafahrt. Stopp vor Marcels Tisch.
Olga:
Du hast keine Zeit?
Wir stehen neben Olga.
Marcel pfuddelt weiter. Noch ein Keybord-Clickern, dann blickt er hoch. Stirnrunzeln.
Ist heute Dienstag?
Hängt seine Nase wieder in die Tastatur. Clickern. Marcel tippt.
…ich hab wirklich – keine Zeit.
Einnahmen- Überschussrechnung. Gewinnerwartung.
Schnitt. Wir stehen hinter Marcel und sehen das Bildschirmbild. Keine Excel-Tabelle. Ein Tischtennis-Game. Der arbeitet gar nix.
Olga beugt sich zu Marcel herunter:
Deine Pupillen!
Marcel
Ja? Was is damit?
Olga
Die eine is größer als die andere.
Bedenkenswerte Botschaft. Marcel unterbricht das Pfuddeln.
Wirklich?
Huscht zum Spiegel. Olga hinterher. Gemeinsame Inspektion der Pupillen im Spiegelbild. Marcel reisst die Augen auf.
Ich seh´ nix.
Olga
Jez isses weg.
Marcel irritiert.
Das bildest Du Dir ein.
Schnitt.
Sophia zieht in ihrer Wohnung ihr Brautkleid an. Blickt in den Spiegel. Hier auch Mann und Frau. Peter (Heino Ferch) , ihren Auserwählten, allerdings hat sie sich nur als Foto hinter den Spiegel geklemmt. Das echte Peterchen ist zum Mond gefahren. Abgehauen. Weg. Verloren gegangen.
Schnitt. Wieder in Marcels Büro.
Marcel guckt immer noch in den Spiegel. Olga steht hinter ihm.
Olga:
Du hast eine Krise, Marcel.
Marcel
Ach. Ich hab ne Krise.
Marcel setzt sich, verschränkt die Finger.
Olgas Br üs te stehen über ihm.
Olga
Ja. So geht es nicht mehr weiter.
Marcel brütet mit offenem Mund. Dreht sich ruckartig unter Olgas Balkon.
Nein?
Olga:
Nein, nein, nein, nein.
Olga beginnt hin- und herzutigern.
Ich bin nur noch ein Nervenbündel. Ich schlafe schlecht. Deine Augen flippen aus, ich habe mir heute sechs Paar Schuhe gekauft. Es reicht.
Marcel scheint zuzuhören. Der Rauch seiner Zigarette steigt in weichen Wellen ungerührt zur Decke.
Marcel, mit dem Rücken zu Olga, starrt in den PC:
Wenn Du Dich so aufregst, bist Du süß.
Ah, der Laptop. Marcel pfuddelt weiter.
Olga sinkt auf die Armlehne von Marcels Stuhl und tentakelt ihre Schlangenarme um ihre Pracht-Beute.
Marcel
Olga – wir haben eine Verabredung.
Bestimmte Dinge gehen und bestimmte Dingen gehen nicht.
Olgas Tentakelarm erschlafft, hängt traurig über Marcels Schulter.
Der Klassiker – Olga:
Ich hab´ über uns nachgedacht.
Marcel:
Und – war s gut?
Olga:
Ich hab es satt, Deine – Muschimietze zu sein.
(..)
Marcel, ich werde Dich verlassen.
Marcel, er hat den Kopf in die Hand gestützt. Hört noch einen Augenblick dem Schall dieser hehren Worte hinterher, dann, schon wieder in Tipp-Position vor dem PC. Der Bildschirm bestrahlt bläulich sein Gesicht:
War doch ne gute Zeit, oder?
Olga:
Ist das alles?
Springt auf.
Wir hatten ne gute Zeit. Warum sagst Du nicht: Bleib bei mir, verlass mich nicht?
Marcel hat sich einen Bleistift gegriffen und notiert offenbar Zahlenkolonnen.
Olga, laut:
Dann sag wenigstens: Schließ die Tür ab, ich will mit Dir schlafen!!!
Ach, apropos Tür. Durch diese kommt zu allem Überdruß jetzt auch noch eine große schlanke Blondine. Marcels Mittwochs-Abo. Das ist nicht sehr erfreut über Olgas Anwesenheit. …
1993-94 Heino Ferch (im Alter von 30) – Peter, Sophias verschwundener Verlobter; Meret Becker – Sophia; Sebastian Koch – Marcel, Olgas Beau; Nina Kronjäger – Olga, reiche Erbin und verliebt in Marcel.
Merke:
Möchtest Du ein long lasting S x –Abo: always carefully respect the arranged time slots and
don´t you ever show up off schedule…Du wirst den anderen Abonentinnen begegnen…denn, aufgemerkt: Prachtbullen sind eine seltene Tierart.
Aber Olga ist ja zum Glück Steinbock. Die Blondine muss die Segel streichen. Olga hat Terrain gewonnen.
Jetzt heißt´s: Jeder Tag ist Olga-Tag
