Monatsarchiv: Oktober 2009

Freundinnen I …wann ist es denn soweit? Heute Nacht!.. Teil 1. in: Freundinnen. Heino Ferch – Peter, Regie: Heiko Schier 1993-94


Bildquelle und Bildrechte bei von Vietinghoff Filmproduktion für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen. click auf das Bild, um es in Originalgröße zu sehen.

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Vor der Szene

Zwei Männer, zwei Frauen – nein wir sind nicht im gleichnamigen Film. Trotzdem: zwei typische junge Großstadt- Paare in den 90ern.

Es treten auf: Marcel (Sebastian Koch) ein junger Besitzer einer Jazzkneipe mit Dienstag und Donnerstag Muschi-Mietze, istgleich S ..x im Wochen-Abonnement, leider so verdammt obers.xy, dass die selbstbewußte Olga (Nina Kronjäger) das Abo buchen musste; eine kleine graue Maus als Call Center Agent der Telefonauskunft Sophia (Meret Becker).

Sophia hatte auf das drei K-Glück gehofft, aber Peter, ihr Auserwählter (Heino Ferch) hat in letzter Sekunde die Biege gemacht. Einfach vom Klo nicht zurückgekommen, abgehauen aus Angst vor der Einkerkerung im Kleinhäusler-Idyll mit Laufstall im Schlafzimmer, Babygeschrei in der Küche und Ende aller Träume in der Enge einer Zweiraum-Wohnung.

Olga hat geerbt und genießt das Leben bis zur Neige (des Geldvorrates). Dass sie Marcel liebt, kann sie nicht zeigen. Sonst läuft er weg.

Sophia, die Maus, kommt aus Großfamilie, Studienabbrecherin, lebt finanziell auf Studentenniveau, ohne Zukunft, ohne Aussicht auf Besserung. Klar, dass sie versucht, sich umzubringen…..

Die Szene

Der Tag ist vorüber. Es ist Abend. Sophia hat sich ein Brautkleid gekauft. Heute Abend hat sie was ganz besonderes damit vor.

Die rassige Olga (Nina Kronjäger), Hobby-Sternzeichen-Verkupplerin, selbst wahrscheinlich Steinbock, (unbedingter Siegeswillen, Langstreckenchampion) oder Stier (baut sich ihr eigenes Königreich) will kein windiges Dienstags-Beischlaf-Abo mehr mit ihrem Beau Marcel (Sebastian Koch). Der Prachtbulle soll ihr König werden, und sie die Chefin. Basta.

Mittwoch.Abend. Olga kreuzt in Marcels Bar auf.

Sie geht auf eine Tür mit Riffelglaseinlagen zu. Darauf ein Schild:

Zutritt verboten.

Olga öffnet die Tür.

Wir erhaschen einen kurzen Blick in Marcels Büro im Hinterzimmer seiner Bar. Das Büro ist offenbar eine umgebaute Garage. Kahle Wände. Cooles Sperrmüll – Mobiliar im zwanziger Jahre Stil.

Am Schreibtisch sitzt Marcel und pfuddelt irgendwas an seinem Laptop.

Olga marschiert auf dies Idyll zu. Wir kommen näher, Kamerafahrt. Stopp vor Marcels Tisch.

Olga:

Du hast keine Zeit?

Wir stehen neben Olga.

Marcel pfuddelt weiter. Noch ein Keybord-Clickern, dann blickt er hoch. Stirnrunzeln.

Ist heute Dienstag?

Hängt seine Nase wieder in die Tastatur. Clickern. Marcel tippt.

…ich hab wirklich – keine Zeit.

Einnahmen- Überschussrechnung. Gewinnerwartung.

Schnitt. Wir stehen hinter Marcel und sehen das Bildschirmbild. Keine Excel-Tabelle. Ein Tischtennis-Game. Der arbeitet gar nix.

Olga beugt sich zu Marcel herunter:

Deine Pupillen!

Marcel

Ja? Was is damit?

Olga

Die eine is größer als die andere.

Bedenkenswerte Botschaft. Marcel unterbricht das Pfuddeln.

Wirklich?

Huscht zum Spiegel. Olga hinterher. Gemeinsame Inspektion der Pupillen im Spiegelbild. Marcel reisst die Augen auf.

Ich seh´ nix.

Olga

Jez isses weg.

Marcel irritiert.

Das bildest Du Dir ein.

Schnitt.

Sophia zieht in ihrer Wohnung ihr Brautkleid an. Blickt in den Spiegel. Hier auch Mann und Frau. Peter (Heino Ferch) , ihren Auserwählten, allerdings hat sie sich nur als Foto hinter den Spiegel geklemmt. Das echte Peterchen ist zum Mond gefahren. Abgehauen. Weg. Verloren gegangen.

Schnitt. Wieder in Marcels Büro.

Marcel guckt immer noch in den Spiegel. Olga steht hinter ihm.

Olga:

Du hast eine Krise, Marcel.

Marcel

Ach. Ich hab ne Krise.

Marcel setzt sich, verschränkt die Finger.

Olgas Br üs te stehen über ihm.

Olga

Ja. So geht es nicht mehr weiter.

Marcel brütet mit offenem Mund. Dreht sich ruckartig unter Olgas Balkon.

Nein?

Olga:

Nein, nein, nein, nein.

Olga beginnt hin- und herzutigern.

Ich bin nur noch ein Nervenbündel. Ich schlafe schlecht. Deine Augen flippen aus, ich habe mir heute sechs Paar Schuhe gekauft. Es reicht.

Marcel scheint zuzuhören. Der Rauch seiner Zigarette steigt in weichen Wellen ungerührt zur Decke.

Marcel, mit dem Rücken zu Olga, starrt in den PC:

Wenn Du Dich so aufregst, bist Du süß.

Ah, der Laptop. Marcel pfuddelt weiter.

Olga sinkt auf die Armlehne von Marcels Stuhl und tentakelt ihre Schlangenarme um ihre Pracht-Beute.

Marcel

Olga – wir haben eine Verabredung.

Bestimmte Dinge gehen und bestimmte Dingen gehen nicht.

Olgas Tentakelarm erschlafft, hängt traurig über Marcels Schulter.

Der Klassiker – Olga:

Ich hab´ über uns nachgedacht.

Marcel:

Und – war s gut?

Olga:

Ich hab es satt, Deine – Muschimietze zu sein.

(..)

Marcel, ich werde Dich verlassen.

Marcel, er hat den Kopf in die Hand gestützt. Hört noch einen Augenblick dem Schall dieser hehren Worte hinterher, dann, schon wieder in Tipp-Position vor dem PC. Der Bildschirm bestrahlt bläulich sein Gesicht:

War doch ne gute Zeit, oder?

Olga:

Ist das alles?

Springt auf.

Wir hatten ne gute Zeit. Warum sagst Du nicht: Bleib bei mir, verlass mich nicht?

Marcel hat sich einen Bleistift gegriffen und notiert offenbar Zahlenkolonnen.

Olga, laut:

Dann sag wenigstens: Schließ die Tür ab, ich will mit Dir schlafen!!!

Ach, apropos Tür. Durch diese kommt zu allem Überdruß jetzt auch noch eine große schlanke Blondine. Marcels Mittwochs-Abo. Das ist nicht sehr erfreut über Olgas Anwesenheit. …

1993-94 Heino Ferch (im Alter von 30) – Peter, Sophias verschwundener Verlobter; Meret Becker – Sophia; Sebastian Koch – Marcel, Olgas Beau; Nina Kronjäger – Olga, reiche Erbin und verliebt in Marcel.

Merke:

Möchtest Du ein long lasting S x –Abo: always carefully respect the arranged time slots and

don´t you ever show up off schedule…Du wirst den anderen Abonentinnen begegnen…denn, aufgemerkt: Prachtbullen sind eine seltene Tierart.

Aber Olga ist ja zum Glück Steinbock. Die Blondine muss die Segel streichen. Olga hat Terrain gewonnen.

Jetzt heißt´s: Jeder Tag ist Olga-Tag

Filmszenen I Podcast-Tipp: Heino Ferch im Gespräch mit Gabi Fischer auf Bayern 1 Radio „Die blaue Couch“

Bild Gabi Fischer und Heino Ferch->

Sendung vom 18.10.2009 Reihe „Die Blaue Couch auf Bayern 1″

…friedliches Gespräch in entspannter Atmosphäre…->

Zitat Anleser:

Ferch wurde 1963 in Bremerhaven geboren und hat seine Schauspiel-Ausbildung am Mozarteum in Salzburg gemacht.

Lange Zeit hat er nur Theater gespielt. Ende der 80er wechselte er dann zum Film. Seinen Durchbruch hatte er in Sepp Vilsmeiers Kinofilm „Comedian Harmonists“. Dem ganz großen Publikum wurde er durch Rollen in den Fernseh-Mehrteilern „Der Tunnel“, „Das Wunder von Lengede“ und „Die Luftbrücke“ bekannt. In Bernd Eichingers „Der Untergang“ über die letzte Tage Hitlers spielte er Hitlers Stellvertreter Albert Speer. Seit Septemer ist er als Mönch in „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ in den Kinos zu sehen.

Für “Das Wunder von Lengede “ hat er den Grimme-Preis bekommen.

Ferchs Lebenspartnerin war lange Jahre die Schauspielerin Suzanne von Borsody. 2000 [1999] hat er sich von ihr getrennt. Aus einer Beziehung mit der Ärztin Julia von Pufendorf stammt eine Tochter. Seit 2005 ist der Schauspieler mit der ehemaligen Military-Reiterin Marie-Jeanette Steinle verheiratet. Beide haben seit 2008 eine gemeinsame Tochter und wohnen am Ammersee.

Textquelle: Die Blaue Couch auf Bayern 1 Radio

Das Gespräch zum zeitsouveränen Anhören->

Filmszenen I …verdammt, jetzt wird´s ernst…Teil 2.in: Die Geisel. Autor: Brendan Behan. Heino Ferch – Leslie, Aufführung Wiener Burgtheater, 1995

Bildquelle und Bildrechte bei waldorfschule-evinghausen.de

Vor der Szene


Im Aufenthaltsraum des Bor d ell s geht es hoch her. Die eigenartigsten Gestalten sind dort untergekommen – ein Mann in Kilt mit Dudelsack, der Musjö genannt wird und sich für einen General hält, kommandiert die Bewacher der Geisel Leslie herum.


Teresa, die blutjunge Bedienerin, eine entflohene Waise, verliebt sich immer mehr in Leslie, bietet ihm sogar ein Beilager an. Beide imaginieren, als sie einen Moment allein sind, wie schön es wäre, wenn sie Hochzeit feiern würden.

Die Situation für Leslie verschlechtert sich.


Leslie:


Das ist die Abendzeitung. „Die Regierung von Nordirland hat eine Verlautbarung veröffentlich, daß sie keine Veranlassung sieht, den zum Tode verurteilten Jugendlichen zu begnadigen.“ Und hier, ich steh auch drin. Der „Soldat Leslie Allen Williams“ – das bin ich – seht euch das an.


(..)


Verdammt, jetzt wird´s ernst… (liest) „In einer Verlautbarung, die heute allen Redaktionen und Presseagenturen zuging … er ist als Geisel gefangen genommen worden..“ Die Geisel, das bin ich. „Wenn er hingerichtet wird, so erklärt die Irische Republikanische Armee, dass der Soldat Leslie Allen Williams als Vergeltungsmaßnahme erschossen wird… erschossen wird.“ (zu allen )


Heißt das die wollen mich wirklich erschießen.


Muleady:


Ich fürchte, ja


Leslie:


Aber warum?


Musjö:


Sie sind unsere Geisel.


Leslie:


Ich hab doch nichts getan.


Hauptmann:


Es ist Krieg.


Leslie:


Und keiner von euch würde mich laufen lassen (alle verdrücken sich ) Sauhaufen


(…)


Leslie:


Ich bin also Kriegsgefangener.


Pat:


Ja.


Leslie:


Schön, aber einen Kriegsgefangenen darf man nicht erschießen.


Pat:


Wer redet denn von Erschießen?


Leslie:


Aber warum schreiben sie´s denn in der Zeitung?


Pat


Alles Bluff. Mensch hast du hier nicht alles, was dein Herz begehrt? Ne Flasche Bier und ´ne Freundin, die dir jeden Trost schenkt, den du dir wünschen kannst.


Leslie:


Ja, aber nur solange, bis sie den Kerl in Belfast gehängt haben. Dann geht für den armen Williams der Vorhang runter und sein Wochenendurlaub ist fällig.


Pat


Das ist doch alles nur Bluff und Propaganda. Sie werden die höchstens für ein paar Tage hier festhalten.


Meg


Vielleicht wird er noch in letzter Minute begnadigt.


Leslie:


Wer? Ich ?


Meg


Nein, der Kerl oben in Belfast.


Leslie:


Hoffentlich.


Pat


Die britische Regierung wir sich noch mal überlegen, jetzt wo sie wissen, daß wir dich haben.

Freiwilliger (Leslie´s Bewacher).


Wenn unser Märtiyrer in Belfast stirbt, wird der Engländer umgelegt.


Später Leslie und Teresa sind allein.


Teresa


Leslie!


Leslie


Ja


Teresa


Der Hauptmann wird gleich zurück kommen.


Leslie


Schön… und was willst Du?


Teresa


Sei doch nicht so eklig – ich wollte dich nur sehen.


Leslie


Ja, dann guck noch mal richtig hin.


Teresa


Was hast du denn? Ich wollte doch nur mit Dir reden.


Leslie


Viel Zeit dazu hast du ja nicht mehr, wenn ich erst mal ein Loch im Kopf hab, dürfte mir das Reden schwer fallen.


(…)


Komm mal ans Fenster und guck raus. Siehst du den Mann hinten an der Ecke? Und den da drüben an der Tür?


Und da sind noch mehr Idioten, die mich bewachen.


Teresa:


Die Jungens werden dir nichts tun. Pat hat mir gesagt, dass sie dich nur ausfragen wollen, um den Engländern Angst einzujagen wegen dem Jungen in Belfast.


Leslie


Ach, Pat, der wird dir die Wahrheit sagen oder mir. Wenn du wirklich Mitleid mit mir hast, dann könntest du die Polizei rufen.


(…)


Leslie bemerkt, dass seine Überlebenschancen sinken. Wird der irische Junge von der Englischen Regierung in Belfast gehängt, dann werden diese irischen Patrioten hier in diesem Bor d ell ihn, die englische Geisel, einfach töten. Die Polizei zu alarmieren, ist Leslie´s letzte reelle Chance, die Situation zu überleben.


Aber Teresa weigert sich. Sie ist irische Patriotin.


1995 Heino Ferch (im Alter von 32) – Der Soldat Leslie A. Williams, die Geisel; Robert Mayer – Pat Dillon, der Vermieter und Irische Veteran, Sabine Orleáns – Meg Dillon, seine Frau, Tamara Metelka – Teresa, das Hausmädchen, eine entsprungene Klosterschülerin.