Monatsarchiv: Juli 2009

Filmszenen I ….Hey! Romeo! Du Narr! Ich ruuuuufe Dich! …Teil 1. in: Romeo und Julia von William Shakespeare. Heino Ferch – Mercutio.

Alle Bilder unter Copyright-Schutz.

Heino Ferch – Mercutio.

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Dies ist eine szenische Besprechung der Mercutio-Rolle nach der Verfilmung von Roberto Castellani. Heino Ferch spielte die Rolle an der Freien Volksbühne Berlin unter der Regie von Christof Nel, evtl 1990 im Alter von 27.  Hiervon besitzen wir keine Filmaufzeichnung.

Der Text in Castellani´s Film ist wesentlich gekürzt und modernisiert. Shakespeare´s Text ist ungefähr fünf Mal so lang, voller Geistesblitze und Anspielungen. Das war eben noch in Zeiten vor MTV und dem Schnittgewitter von Stirb langsam 4.

Vor der Szene.

Romeo ist ein sehr junger Adliger aus bestem Hause, dem Hause der veronesischen Familie Montague. Er ist ziemlich verliebt in eine junge edle Dame namens Rosalinde. Richtig liebeskrank ist er. Das gibt natürlich seinen besten Freunden, Benvolio und vor allem dem witzigen Mercutio genügend Anlass, über Romeos Liebeskrankheit freundschaftlich zu spotten. Mercutio läßt´s, was seine Wortwahl unter den Freunden angeht, ziemlich krachen. Mercutio ist zwar grob, aber auch fantasievoll und lustig und deshalb mögen wir ihn.

Benvolio, Mercutio und Romeo schleichen sich auf einem Fest der Fürstenfamilie Capulet ein. Gefährlich, gefährlich. Die Capulet sind traditionell – keiner erklärt wieso – mit den Montagues verfeindet. So verfeindet, dass der kleinste Anlass zu neuen Waffenhändeln führt.

Romeo verliebt sich auf dem Fest augenblicks in ein schönes blutjunges Fräulein und kann auch mit ihr sprechen, ja sie sogar berühren. Sie ist ebenfalls sofort entflammt.

Blöderweise muss Romeo Montague kurz danach erfahren, dass seine Liebeswahl ungünstiger hätte nicht sein können:

die Schöne ist die Tochter des Hauses. – Julia Capulet. Und das Fest hatte zu dem Zwecke stattgefunden, ihren Zukünftigen kennenzulernen.

Ausgesucht hatten ihre Eltern einen Edlen, der vollkommen o.k. ist – wenn jemand Paris heißt, kann er ja wirklich schlechterdings keine Kröte sein. Ein bisschen alt vielleicht – Julia ist vierzehn, damals das Alter, erstmals Mutter zu werden, Paris scheint so Ende dreissig zu sein.

Die Szene

Nacht. Nach dem Fest.

Die Jungs wollen nach Hause gehen. Benvolio, Mercutio und noch ein paar Andere. Man wollte sich vor dem Hause der Capulets treffen und gemeinsam heimgehen. Romeo kann aber nicht. Er ist derartig vom Liebeswahn erfasst, dass er zu Julia zum Fensterln einsteigen will. Als die Freunde in der Straße ankommen, hat Romeo bereits die Mauer erklommen und steht, heimlich versteckt auf der Mauerkrone.

Die Jungs rufen ihn:

Wo zum Teufel steckst Du? Romeo! Romeo!

Einer:

Ich hab ihn eben noch gesehen. Hier ist er hin.

Weg ist er! Er ist fort!

Mercutio:

Er ist gescheit. Hat sich wahrhaftig heimlich nach Haus gestohlen und ins Bett…

Benvolio:

Wir wollen ihn rufen! Ruf´ Du ihn doch , Mercutio.

Mercutio zieht jetzt eine richtige Show ab. Er unterhält die Anderen.

Er pfeift, wie man einem Hündchen pfeift, damit es herkommt, er schnippt mit den Fingern.

Mercutio:

Nein – her- zaubern – will ich ihn.

Hey!

Er tut als suche er überall, deklamatorisch, dramatisch:

Hey! Romeo! Du Narr! Verliebter! Schwärmer!

Die anderen lachen.

Mercutio beschwört den Freund mit großen Gesten eines Magiers.

Erscheine in der Wolke eines Seufzers! Sprich einen Vers nur und ich bin zufrieden!

Kein Erfolg. Er lässt die Arme sinken. Die anderen lachen.

Noch einmal will er den Freund aus der Luft herbeischnippen.

Hey hey hey!

Er pfeift. Gelächter.

Mercutio springt auf eine Balustrade und beginnt eine neue Zaubernummer. Er rührt in einem imaginären Topf, zieht ein imaginäres Tuch heraus.

Ich ruuuuufe Dich!

Läßt das Tuch im Nichts verpuffen.

Bei Rosalindes Blicken, bei.. ihrer hohen Stirn, und… roten Lippen, bei . ihrem zarten Fuß und langem Schritt und schmalen Hüften und…

Er zeigt an seiner Leibesmitte herunter..

Der Region, die sonst noch da ist.

Allgemeines Gelächter.

Mercutio springt von der Balustrade und genießt den Applaus.

Benvolio:

Wenn er Dich hört, so wird er zornig werden.

Mercutio, er setzt sich

Das kann er nicht. Denn meine Beschwörung ist wahr und ehrlich. Das Bild von seiner Liebsten dient zur Freude.

Und zum Leben.

Eben.

Gelächter.

Ach.

Er hat keine Lust mehr.

Lasst uns gehen.

Benvolio

Ja, los, hier finden wir ihn nicht.

Die Nacht hat ihn verschluckt. Er ist ja blind, da ziemt ihm wohl die Nacht.

Mercutio:

Ein heißer Blick hat ihn so blind gemacht. Ich rufe Dich! Herbei!

Wir sehen Romeo hoch über den Köpfen der Freunde auf der Mauerkrone stehen, versteckt angelehnt an einen Vorsprung.

Schnitt.

1954 – Romeo: Laurence Harvey, Mercutio: Ubaldo Zollo; Benvolio: Bill Travers; Regie und Drehbuch: Renato Castellani

Kommentar:

Heino Ferch spielte den Mercutio, wenn wir den Angaben seiner Künstleragentur folgen, an der Freien Volksbühne. (evtl. 1990). Für uns interessant ist der Charakter der Rolle als frühe Impression, Freunde zu verkörpern. Mercutio ist ein treuer Freund, der seinen Freund Romeo sofort schützt, als Gefahr droht. Leider hat Mercutio wenig Glück, ein Dolchstoß trifft ihn tödlich, aber davon mehr nächsten Samstag.

1991 in Wer hat Angst vor RotGelbBlau? Sehen wir hf zum zweiten Mal in der Rolle des guten Freundes. Müller, der Akademiestudent, steht so lange zu seinem Freund Banuscher, bis dieser die Freundschaft verrät. Andi Fischer in Gefährliche Verbindung 1993 ist sowohl Freund des verstorbenen Uli Fenske, als auch Verteidiger und Vertrauensmann der Kollegen seiner Schicht, 1995 in Küss mich! ist die Rolle des Johannes eine Freundesrolle. Johannes ist vor allem Freund. Und seine sexuelle Abonnement-Beziehung kann nur funktionieren, weil sie von freundschaftlicher Grundstimmung getragen ist.

1997 in Spiel um Dein Leben! Ist das Thema Freundschaft, Plato ist enger Freund von Nick (Ben Becker), Auslöser des dramatischen Konflikts um die Frage freundschaftlicher Loyalität. 1998 in Todfeinde – Troopers ist das Hauptthema die Belastung von Solidarität und Loyalität von Max (hf) zum Freund Nico (Tobias Moretti) durch die Veränderung der Persönlichkeit des Freundes bis zu einem nicht mehr tragbaren Punkt. 2001  Harry Melchior in Der Tunnel ist Kopf und Teil einer verschworenen Freundesgruppe.

Und 2005 sehen wir eine Freundesrolle, die die u.E. die engste Beziehung zur Mercutio-Rolle hat. – Auch durch die vorgestellte historische Zeit, dem 17. Jh. – Mercutio und friends lebten im 16. Jh. –  D´Artagnan und die drei Musketiere: Athos. Mercutio und Athos, beide sind Teil eines Freundes-Kleeblattes, beide Rollen sind Mantel – und Degenrollen. Mercutio hier ist ein junger Heißsporn, Athos in Die Musketiere ist der Älteste des Triumvirats, der bereits gesetzte Freund, auf dessen Erfahrung Verlaß ist.

Bildquelle und Bildrechte Beta Film.

2006, in Auf ewig und einen Tag, sehen wir die aktuellste Freundesrolle eines Kleeblattes: Jan Ottmann (hf), Gregor Luckner (Fritz Karl) und Elsa Veltlin (Claudia Michelsen) bilden ein Freundeskleeblatt, deren Schicksal wir über zwanzig Jahre hin verfolgen. In einer Szene sagt Elsa direkt: …warum bist Du eigentlich immer da, wenn ich Dich brauche?.. und …bist ein guter Freund.

Ente gut alles gut.

Filmszenen I .. Anzünden!!!! An allen vier Ecken!!!!!!… in: Schloß Königswald. Teil 3. Heino Ferch – Funker. Regie: Peter Schamoni 1987 – 88

Bildquelle und Bildrechte bei Allianz Filmproduktion, Peter Schamoni Film, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

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Vor der Szene

Die Damen sind doch tatsächlich zur Tat geschritten.

Die Milka Piontek aus Schlesien-Ober und der Hallhuber  (Wolfgang Fierek), der Adjutant von Hauptmann Kolk,  haben sich verliebt.

Deshalb geht alles ganz leicht.

Hallhuber wird ver- und entführt in ein süßes Liebesversteck im Keller. Und Karl (Wolfgang Greese), der Diener, überbringt Hauptmann Kolk die Forderung der Damen. Unverzüglicher Abzug der Haubitze samt Bedienungspersonal gegen Herausgabe der Geisel Hallhuber.

Die Wehrmacht soll das Weite suchen und bitte schnellstens auch finden.

Szene Angst.

Der kleine Jagdsalon, die Damen diskutieren ihren Coup. Alle sieben sitzen auf roten Biedermeiersofas, über ihren Köpfen schweben Gwichtl und das ausgestopfte Haupt eines veritablen Achtenders. Manche der Damen sind dafür, die Geisel zu behalten, andere fürchten sich. Sieben schwarzgewandete Damen sitzen am Kaffeetischerl, das mit blütenweisser Brüssler Spitze überworfen ist. Man hatte gerade die Forderung von Hauptmann Kolk auf Rückgabe des Hauptgefreiten Hallhuber entgegengenommen – wortlos. Die Damen diskutieren nicht. Kolk wird mangels Dialog zum Gehen genötigt.

Die junge Fürstin über den Hauptmann:

Ich habe Angst. Habt ihr seine Augen gesehen? Wie eine Ratte, die in der Falle sitzt.

Er ist zu allem fähig.

Karl, er lehnt – wie immer in korrekter Dienerbekleidung, Weste, Hemd, Fliege, weiße Handschuhe am Chopin-Karaoke-Flügel. Sorgenvoll:

Ich weiß, wie die das machen. Jede halbe Stunde wird einer an die Wand gestellt.

Freifrau von Böhme (Marika Rökk) in perfekter Körperhaltung:

Also in meinem alten Ungarn wäre das undenkbar!

Die junge Fürstin steht an der Tür. Sie trägt als Einzige Reitkleidung:

Also ich bin dafür, die Geisel sofort freizulassen.

Milka, hinter ihr, mit Waschfrauenkopftuch, Karohemd und warmem Wollgilet:

Wir können den Franz… sie korrigiert sich..den Hallhuber nich ausliefern..

Nich an diesen … Schweinehauptmann.

Die alte Fürstin (Camilla Horn), ganz Grande Dame mit französischer Erziehung:

Mesdames das wäre auch nicht comme il faut. Denn wir alle haben von der Entführung dieses Hallhuber oder wie er heißt, gewusst und wir alle haben es gebillicht. .. und uns alle werden sie doch nicht auf einmal erschießen….

Milka

Nein, bestimmt nich….die können doch nicht eine Fürstin Wetterstein erschießen. Nich eine Gräfin Posadowski,… eine Hohenlohe,…. nich einmal Milka Piontek aus Schlesien-Ober.

Freifrau von Böhme toppt die Aufzählung:

Und auch nicht die international berühmte Diva Annadore Dannilla.

Gräfin Dohna (Carola Höhn):

Ich wusste gleich, dass das nicht gut geht. Die sollen doch samt und sonders abziehen und uns mit dem Hallhuber in Ruhe lassen….

Die junge Fürstin trifft eine Entscheidung:

Wir werden Hallhuber ausliefern.

Die Damen sind entsetzt.

Schnitt. Hallhuber wird nicht ausgeliefert. Er wird nicht einmal aufgefunden. Milka gibt ihn nicht her.

Szene Beschießung.

Der kurze Hauptmann mit dem Rattenblick schreitet wild entschlossen die Treppen vom Eingangs-Torturm herunter. Offener Mantel über den Schultern, Uniform, Schirmmütze, Lederhandschuhe, alle Insignien seiner Macht am Leibe. Posaunen tröten.

Hinter ihm her hasten die Funker mit ihrem Geraffel. Funker Zwo (Heino Ferch) musste seinem Hauptmann „Herr Hauptmann, eine sehr wichtige Nachricht..“ (hähähähä, gipsjanich – doch gieps.) die Nachricht vom Tode des F üh r er s in Form eines Zettels übergeben. Von diesem Momente gabs kein Halten mehr. Der Hauptmann ist wild entschlossen. Zu allem.

Nicht genug Benzin. Die Pferde sollen die PAK ziehen bis Bayreuth.

Die Fürstin blickt aus dem Fenster. Ihre Reitpferde Sylvester  und  Senta werden abgeführt zur Maloche vor der PAK.

Der Hauptmann, schreit sich in Harnisch, Stil H tl errede Volksempfänger, glühende Augen, Zähne knirschen, Kiefer beisswütig, Lefzen gesenkt, knurrt:

Der Hallhuber is abgehauen, von wegen, die Weiber ham den entführt.–

Der is abgehauen, desertiert, das Schwein. Ich Idiot fall auf die alten Adelsschabracken rein!!

Er fährt herum, Blick hinauf zum reizenden Schlösschen, das da liegt in aller Unschuld.

Kolk brüllt:

Anzünden! !!!An allen vier Ecken. Wegradieren!!!!! Dem Erdboden gleich machen!!

Schnitt.

Blick aus einem Fenster des Schlosses in den Hof.

Unten hastiger Aufbruch, die Wehrmacht packt ein, um Abzuziehen. – Glauben die Damen.

Leider ist Hauptmann Kolk systemtechnisch linientreu. Ist ein kurzgewachsener kleiner grauer Niemand erstmal ein Jemand, dann fehlt die Bremse. Seine Mannen müssen die Haubitze auf die Burg richten und die Restmunition verballern. Ein Kronleuchter wird zerstört und der Flügel beschmutzt. Aber wenigstens zieht der letzte Ausläufer des Gro  ß deut sche  n Reiches dann endlich weiter.

Nicht lange, und die neuen Herren rücken an: Die Amerikaner. Mit denen wird´s wesentlich lustiger. Aber das ist nicht mehr unser Thema. Leider. Die DVD allerdings ist im Handel zu haben.

Kommentar 1:

Figur Kolk s.a. Figur Raufeisen in: Der Unhold: Die Figur Raufeisen ist im Habitus ähnlich, übersetzt ins Genre Drama: die stufenweise Veränderung von freundlich –  zu despotisch – zu völlig durchgeknallt inklusive der finalen Schreierei.  Vergleichspunkt z.B.  obige Szene hier  – dort die Aufpeitschszene in Winteruniform als Raufeisen die Schüler zur Verteidigung der Burg aufruft. Auch die Kostümierung Raufeisens ähnelt an entsprechender Stelle der dramatischen Entwicklung der Figur Kolk. Dort der Auftritt im großen Mantel mit Uniform und Lederhandschuhen zum Abführen von Graf Kaltenborn zur Exekution.

Kommentar 2:

Die Künstleragentur unseres Hauptdarstellers ist seit mindestens vier Jahren in der Online-Vita von hf der Ansicht, dass letztgenannter in diesem Film eine Hauptrolle spielt. Auch wenn der erwartungsfrohe Käufer der DVD diesbezüglich doppelt  enttäuscht wird  „Jawoll Herr Hauptmann!“ ist der Kauf doch nicht ganz vergebens, die Handlung ist charmant.

Filmszenen I ..auf Knall und Fall!… in: Schloss Koenigswald. Teil 2. Heino Ferch – Obergefreiter, Funker. Regie: Peter Schamoni 1987-88

Bildquelle und Bildrechte bei Allianz Filmproduktion, Peter Schamoni Film, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

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..auf Knall und Fall!… in: Die letzte Geschichte von Schloss Königswald. Teil 2. Heino Ferch – Obergefreiter, Funker. Regie: Peter Schamoni 1987-88

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Die Szene

Der Obstgarten des Schlosses. Es ist April, wahrscheinlich der 29. April 1945.

Uns entgegen kommen unter den Apfelbäumen entlang quer über den Rasen Gräfin Hohenlohe (Marianne Hoppe) und Milka (Anja Kruse), ihre Krankenschwester und Betreuerin. Milka schiebt den altmodischen hohen Roll-Lehnstuhl der Gräfin. Man schnappt etwas Luft, gesunde Vor-Frühlingsluft.

Milka:

Schön atmen ! Tief durchatmen!

Die Gräfin entdeckt etwas:

Ja sehn Sie, was ist denn das?

Schnitt. Wir blicken zusammen mit Gräfin Hohenlohe zur Straße, die durch das Obstgartengezweig hindurch sichtbar wird. Dort steht etwas Graues.

Hohenlohe im off:

Versuch doch mal, etwas näher an dieses .. Ding da ranzukommen!

Die Kamera fährt mit dem neugierigen Blick unserer Damen zusammen näher an das Vorkommnis auf der Straße heran. Wir erkennen eine Haubitze, die, von zwei Soldaten bewacht, nach Osten zielt.

Milka

…das ist eine PAK!

Wir sehen Milka und die Gräfin jetzt nah. Die hochwohlgeborene Dame trägt Turban, Persianer, Shawl, Handschuhe, eine englische Woll-Decke über den Beinen, Milka hinter ihr ist im braunen Wintermantel. Beide blicken aufmerksam zur Straße. Hohenlohe, sarkastisch:

Am Ende sind wir hier der letzte Posten, der…. Noch den Traum vom Gr o d eu tsch en Re ich verteidigt…

Milka

Hallhuber sagt, sie wollen das Schloß gar nicht verteidigen. Sie wollen nur den Rückzug decken.

Die Hohenlohe

Na, das isses ja. Wenn die eine einzige Granate auf den Feind abfeuern…wird das ganze Schloß in Schutt und Trümmer gelegt…

Milka

Ja. Wenn diese Kanone hier bleibt, sind wir verloren

Die Hohenlohe, entschlossen:

Wir müssen was unternehmen.

Milka, beugt sich näher an die Gräfin:

Auf unsere Bitten werden sie das Ding kaum wegschaffen.

Wir müssen sie…. Irgendwie… dazu zwingen. – Auf Knall und Fall.


Schnitt


Im Jagdsaal. Die Truppe hat sich dort eingerichtet. Ein leicht Verwundeter liegt bequem auf einer Matratze am Boden, liest, ein Pinup-Foto hat er neben sich auf die Fensterbank gestellt. Ein Anderer putzt sein Gewehr.


Wir hören die Funker.


Funker 1:


Hier Taube, hier Taube Sperber für Taube.


Wir bleiben auf Bodenhöhe und sehen einen dritten Soldaten in unseren Bildausschnitt laufen, allerdings nur von den Fussknöcheln bis zur Schulter. Er geht durchs Bild, ein Handtuch auf der Schulter.


Die Kamera fährt hoch und löst das Rätsel. Das Handtuch gehört zur Rasierprozedur. Hauptmann Kolks Gesicht ist weiss von Rasierschaum, den Rasierpinsel und Seife hält er in der Hand und schlägt noch mehr Schaum, den er sich dann auf den Wangen verteilt. Er tritt vor einen Spiegel. Der Spiegel ist behelfsmäßig am Stativ eines TP-Messers aufgehängt.


Aus dem off:


Ich zähle zu Ihrer Abstimmung.


Schnitt auf die beiden Funker. Einer versucht, auf einer Skala die passende Wellenlänge einzustellen. Der zweite sitzt vor einem Morsegerät.


Eins, zwo, drei, vier, fünf, sechs. Sperber, bitte kommen. Sperber bleiben Sie auf Empfang.


Bildquelle und Bildrechte bei Allianz Filmproduktion, Peter Schamoni Film, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

Der zweite Funker (Heino Ferch): Herr Hauptmann?


Kolk, aus seinem Seifenschaum heraus: Ja?


Funker 2:


Wir haben das Batallion.


Hauptmann Kolk begibt sich zum Funkgerät, drückt Funker 2 Rasierpinsel und Rasierseife in die Hand, setzt sich, stülpt den Kopfhörer über. Funker 1 reicht ihm das Mikro.


Hier Hauptmann Kolk, mit wem sprech ich, bitte kommen!


Ah, ja, Major Nemitz, verstehe, verstehe, bitte kommen.


Hinter Hauptmann Kolk sehen wir die dienstlich bereitstehenden Seifenhände von Funker 2.


Kolk:


Wie soll ich denn mit drei Schuß Munition irgend jemand den Rücken frei halten?


Die andere Seite brabbelt irgendwas. Schnitt auf einen anderen Soldaten. Der verleibt sich von blauweiss kariertem Sacktuche langsam kiefermahlend eine Brotzeit ein.


Kolk:


..a ja, verstehe, verstehe. Ach übrigens… hat Ihnen Oberstleutnant Dörr irgendwas über meine Meldung zum Ritterkreuz gesagt?


Antwort erhält er zunächst nicht. Die Verbindung ist gestört. Könnte knapp werden mit dem Eichenlaub am Ritterkreuz mit Schwertern und Brillanten für den halskranken Hauptmann…das Dritte Reich atmet gerade seinen letzten Atemzug….


Aha. Drei Schuss Munition. Wenn die verschossen ist, ist die Gefahr seitens der PAK gebannt. Da muss sich doch irgend etwas machen lassen…


1987-88 Heino Ferch (im Alter von 24) – Funker 2, Jockel Tschiersch – Hauptmann Kolk, Marianne Hoppe – Gräfin Hohenlohe, Anja Kruse – Milka.

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semi offtopic

FAZ-Artikel: Deutschlands neue Kinofrauen – lesenswert.->