
<-<-zurück zu Teil 2A weiter zu Kommentare Teil 1->-> weiter zu Teil 3A->->
.
Louise und Keller feiern noch nach. Eine Flasche Wein ist geöffnet, vor beiden steht je ein Glas Rotwein.
.
Keller: Hören Sie das?
.
Wir treten wohl herzu, nachdem sich Louise und Keller schon länger unterhalten haben. Die Weingläser sind fast geleert.
.
Louise dreht den Kopf und lauscht. Ihr Gesichtsausdruck fragt „….?“
.
Keller:
.
.
Stille.
.
Louise sieht Keller klar, ruhig und willensstark an.
.
Keller Der Tag ist fast zu Ende, keine Vergeltungsschläge von Milochevich und wir haben zwei starke Prozesse vor uns.
.
Die Welt schaut auf uns, Louise. Nicht einmal die Generäle halten uns jetzt noch auf.
.
Louise Für Siegesfeiern ist es zu früh, wir müssen erst vor Gericht gewinnen.
.
Keller in scherzendem Unterton, während er sein Glas nimmt:
.
Kleinigkeit!
.
Louise lacht.
.
Sie wollte auch noch einen Schluck aus ihrem Glas nehmen, hatte das Glas schon fast zum Mund geführt, überlegt es sich aber anders. Sie ist müde und will ins Bett. Sie lächelt noch, lässt die Emotion ausklingen.
.
Dann stellt sie das Glas weg.
.
Na gut!
..
Sie macht sich zum Aufstehen fertig.
Ich sollte nach Hause gehen, solang mich meine Familie noch wieder erkennt.
.
Sie schlüpft in ihre Schuhe.
.
Keller hat noch etwas auf dem Herzen.
.
…übrigens….
.
.
…Es tut mir leid.
.
Louise sieht sehr aufmerksam und interessiert zu Keller hin. Sie weiß nicht, was ihm leid tut. Ihr Blick enthält ein leises Fragen.
.
Keller
..
Daß ich an Ihnen gezweifelt habe.
.
Louise forscht kurz in Kellers Gesicht, dann dreht sie den Kopf weg, wie um nachzudenken. Als sie dann zu ihm hinsieht, überhuscht ein Sekundenbruchteil lang ein sehr erfreutes Lächeln ihr Gesicht, bevor ihr Blick fest und ruhig wird.
.
Wirklich?
.
fragt sie.
.
Sie glaubt ihm noch nicht ganz.
.
Ihr „wirklich“ zeigt ihm, dass sein Verhalten in der Vergangenheit nicht so leicht mit einem Sätzchen der Entschuldigung auszulöschen ist.
.
Man sieht ihm an, dass er gerne noch mehr erklären würde, er setzt auch dazu an. Dann entscheidet er sich anders.
.
Sein Blick zu ihr sagt:
.
Ja wirklich, ich war ein Dummkopf, ich habe mich geirrt, ich war wohl zu ängstlich. Mein Glaube an Sie und unsere Sache war nicht stark genug…. ich würde gerne erklären.
Es wäre zu viel zu sagen. Missverständnisse könnten aufkommen.….
.
Seine Stimme ist aufgerauht und leise, als er sich selbst zensiert.
.
Ich sollte jetzt besser gehen.
.
Während dieser Worte steht er schon auf, stellt sein Glas auf den Beistelltisch.
Ich hab´ vielleicht nur zu viel Wein getrunken.
Er geht die wenigen Schritte zum Durchgang ins Nebenzimmer, sein Schritt ist unsicher, die Wirkung des Weines ist deutlich sichtbar. Aber: In vino veritas. – im Wein liegt Wahrheit. Er meint wirklich, was er sagt.
.
Jetzt hören wir zum ersten Mal Kellers Vornamen.
.
Louise Arbour spricht ihn aus und Richterin Arbour wird die ganze Zeit die einzige Person bleiben, aus deren Mund wir Kellers Vornamen hören werden.
.
Louise sagt.
.
Gute Nacht, Thomas.
.
Ihre Stimme hat einen versöhnlichen Beiklang.
Daß sie beim Gute-Nacht-Gruß Keller bei seinem Vornamen nennt, wirkt begütigend, einlenkend, persönlich, freundlich, so als würde sie ihm verzeihen.
.
Thomas, Thomas - der ungläubige Thomas!
.

.
Hunt for Justice – Jagd nach Gerechtigkeit: Das Kernteam des Tribunals vlnr.: Odon (Neville Edwards) Thomas Keller (Heino Ferch) Louise Arbour (Wendy Crewson), Pasko Odzak (Stipe Erceg) (Foto in High Res)
.
2003-2005 Heino Ferch – Thomas Keller, stellvertretender Ankläger des UN-Tribunals gegen Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Wendy Crewson – Louise Arbour, Chefanklägerin des UN-Tribunals gegen Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
.
.
Kommentar 1:
.
Thomas Kellers Stimme ist nicht als die Stimme des Darstellers wiederzuerkennen, sie ist hoch, gepreßt, flach wie Papier, ganz extrem der Gefühlswarme entschlagen. Die Stimme moduliert kaum, nur in Vierteltönen, ist kalt und dünn und hat den Bass abgeschaltet. Keller näselt leicht. Erst ab dem Moment, da Keller sich entschuldigt und tatsächlich die Sache des Menschenrechtstribunals zu vertreten beginnt, nimmt seine Stimme, Raum, Modulation, Bass, Wärme, menschliche Emotion auf. So bleibt sie dann auch bis zum Ende des Films.
.

