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Filmszenen I „…Du bist hinreissend “ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 6a. Porträt Christian Weller ( Heino Ferch ). 2002 – 2003

16. Februar 2009 · Kommentar schreiben

„…Du bist hinreissend “ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 6a. Porträt Christian Weller ( Heino Ferch ). Regie: Thorsten C. Fischer, Buch: Jörg von Schleebrügge 2002 – 2003

Bildquelle und Bildrechte: ZDF/Hager Moss Film

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„…du bist hinreißend…“

Christian Weller hatte versucht, Juliette Roland, die Hospitantin, die den Eindringling Karmann ebenfalls für einen potenziellen Mehrfachmörder hält, zu Hause telefonisch zu erreichen. Vergeblich – es war immer besetzt.


Christian hat plötzlich siedendheiss die Befürchtung, Karmann könnte Juliette etwas angetan haben – alarmiert fährt er zu Juliettes Wohnung.

Er betritt das Haus, sucht auf dem Postkastenbrett ihren Namen.


Das Kastenbrett ist unüberschaubar groß, -zig Namen: Auch Juliette wohnt in einem Vielparteien – Appartmenthaus, sieben Stockwerke a sechs Parteien.

Er findet nach kurzem Suchen ihren Namen auf einem Kasten der Reihe des ersten Stocks und eilt die Treppen hoch.


Oben. Wohnungstür aus Holz, Antivandalen-Metallzarge. Die Kamera steht in der - leeren – gegenüberliegenden Wohnung, deren Tür offen ist.

Christian klingelt – Er atmet noch hörbar vom schnellen Laufen.


Nichts rührt sich. Er klingelt noch einmal.


Juliette öffnet – endlich.


Sie hat keinen Besuch erwartet.


Sie ist im Schlafanzug, einem blau karierten Männerschlafanzug, der ihr viel zu groß ist. Ihr Haar hat sie bequem hochgesteckt, lässig unfrisiert.

Christian sagt kein Wort, sieht sofort an ihr vorbei forschend in die Wohnung und drängt sich augenblicklich – an Juliette vorbei – ins Wohnungsinnere.

Juliette sieht ihm ärgerlich hinterher. Sein Benehmen ist für sie unverständlich und deshalb unhöflich.


Schnitt.


Wir sehen das Telefon auf dem kleinen Schränkchen in der Halbquadratmeter-Diele. Der Hörer ist daneben abgelegt. Mit einer schnellen Bewegung legt er den Hörer zurück auf die Gabel.


Er wartet. Sie schließt die Wohnungstür, dreht sich zu ihm um, kommt näher.


Er wirft ihr einen intensiv fragenden Blick zu, sie versteht, antwortet:


Ich wollt´ meine Ruhe haben.


Sie geht an ihm vorbei, in die Küche.


Es ist ein beengt kleines längliches Winzküchlein.


Ein großes Doppelfenster mit quadratischen Fensterflügeln verhindert akute Platzangst und ermöglicht den Blick nach draussen, auf einen kahlen Baum und die Straße, auf der ab und zu ein Auto verbeifährt.


Dicht am Fensterbrett angestellt ein klitzekleines Halbtischchen für Winzküchen.


Darauf eine unglasierte Teekanne, Modell Studentenwohnheim, ein Glas und eine fast leergetrunkene Weißweinflasche.


Sie steht davor, dreht sich nach Christian um, als er langsam die drei Schritte aus der Diele näher kommt.


Hinter ihm an der Wand ein Posterchen „Home“ steht darauf. (Na, gut´ Nacht!)


Christians Blick klickt unruhig herum, er lauscht, er ist sich immer noch nicht sicher, ob sie allein ist. Immer noch vermutet er Karmann in der Wohnung.


Schnitt.


Christian braucht einen Gesprächsanfang. Er sieht die Weinflasche, nimmt sie in die Hand, liest das Etikett:

Ein leiser Pfiff seinerseits, ironisch bewundernd, als wäre der Wein ein sensationeller Qualitätsjahrgang. Er stellt die Flasche zurück auf das Winztischlein.


Bei meinem Praktikantinnengehalt – da wird man wählerisch.


sagt sie, während sie ein zweites Glas heranbringt. Wir hören das Einschenken weniger Schlucke und dann das Anstoßen zweier Gläser.

Christian ist immer noch ein wenig unruhig. Er führt das Aldi-Senf-Pressglas mit einer unbewußt stilvoll eleganten Geste zum Mund, nimmt einen Höflichkeitsschluck.


Leise Musik im Hintergrund, ruhige Melodie, Soloinstrument.


Hast Du Angst gehabt um mich?

fragt sie.

Schnitt.


Very Close Up auf Christian. Er steht direkt vor Juliette, so nah, dass, wäre es kalt im Zimmer, sie die Wärme seines Körpers spüren könnte.

Ihre Worte erreichen ihn.


Er blickt sie aus tiefdunklen, quellklaren Augen ruhig an. Als er über ihre Frage nachdenkt, zeigt eine winziges Abirren des Blicks und das Öffnen seines Mundes eine zweite Emotion, eine Art Besorgnis.

Er atmet ein, öffnet den Mund. Es vergeht noch der Bruchteil einer Sekunde, bevor er antwortet.

Seine Augen flackern ein wenig in dem Moment, in dem er sich erlaubt, die Wahrheit zu sagen.

Sein Blick ist wach, auch sanft traurig, als er ihr leise, kaum hörbar, antwortet


…auch…..


Er dürfte diese Frage gar nicht beantworten, aber er tut es doch.

Zuerst ist da nur Christian Weller, und dann ist da auch einfach ein Mensch, der einen anderen Menschen in sich einlässt,

der einem anderen gestattet, in sein Innerstes hinabzusteigen, aus der Quelle zu schöpfen, die sein Ich, sein Fühlen und Wollen nährt.

Wir sehen durch seine Augen auf ihren zarten Nacken.


Jetzt dreht sie sich zu ihm hin, leuchtet ihn an.


In diesem Moment ist auf einmal alles anders.

Es sieht aus, als wäre zwischen ihnen so etwas wie Starkstrom angeschaltet, ein breiter Energiestrom vom Scheitel bis zum Herzen, der eine Bahn, eine stark energetische Bahn zwischen beiden belebt.

Christian bewegt sich wie in Zeitlupe ein wenig näher zu ihr hin, – und so, wie wir bei starker seelischer Bewegung plötzlich den Mund ein wenig öffnen müssen, geschieht es auch ihm.


Schnitt auf Juliette. Sie spiegelt seine Bewegung, öffnet ebenfalls den Mund ein wenig. ….

Sie bricht den Blickkontakt für einen Augenblick und sagt.


…und jetzt wär´ ich froh, wenn Du gehst…

….Ich hab´nämlich mal gehört, dass…


Die Energiebahn hat Christian näher an sie herangetragen, herangezogen, sie können gegenseitig ihren Atem spüren.

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2002- 2003 Heino Ferch – Christian Weller, Marie Zielcke – Juliette Roland

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Filmszenen I „…Du bist hinreissend “ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 6b. Porträt Christian Weller (Heino Ferch). 2002 – 2003

16. Februar 2009 · Kommentar schreiben

„…Du bist hinreissend “ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 6b. Porträt Christian Weller ( Heino Ferch ). Regie: Thorsten C. Fischer. Buch: Jörg von Schleebrügge 2002 – 2003

Bildquelle und Bildrechte: ZDF/Hager Moss Film

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…es überhaupt keinen Sinn hat, sich….

…..in einen Mann zu verlieben……


Die Distanz ist Null. Ihre Lippen liegen aufeinander, es sieht aus wie ein Horchen, ein Lauschen und Geben, das über ihre Lippen stattfindet.

Beide bewegen sich kaum, sehen sich in die Augen. Zwei Körper, ein Energiefeld.


Es geschieht fast nichts. Zeit vergeht. Wir sehen jetzt auch Juliettes Schultern, der Stoff des Schlafanzuges gibt sie langsam frei.


Der Schritt aus der Normalwelt heraus in dieses Sich Nur Noch Fühlen ist getan. Der Tenor des Kusses springt um, wird heftig, stark bewegt, energievoll, wollend.


Auf einmal, mittendrin, weicht Juliette zurück, sieht ihn an und schüttelt kaum wahrnehmbar den Kopf. Sie schließt den Mund.


Wir sehen, wie eine Art Sehnsucht, ein Erstaunen, ihn erfasst, wir spüren mit ihm den tief ziehenden Wunsch, es solle weiter gehen - er versucht, sich zu fassen.


Sie bedeckt ihre Schultern, sieht ihm dabei ununterbrochen intensiv in die Augen. Noch immer ist da ein sehnsuchtsvoll-trauriger und atemlos wartender Zug in ihm.


Es ist vorüber. Sie will nicht.


Close up auf Juliette. Christian ist um so vieles größer als sie, dass wir, auf ihrer Augenhöhe, nur seine Schulter sehen können.


Sie legt ihm seinen Schal um, sieht in dabei an.


Dann bricht sie ab, blickt weg. Zupft ein bisschen traurig verloren an seiner Kleidung, schaut auf den Stoff, weil sie wegsehen muss, – bevor sie ihm deutlich entschlossen wieder in die Augen blickt.


Er macht langsam einen Schritt rückwärts. Er weicht zurück.

Sagt gar nichts. Sein Gesicht, sein Ausdruck, spricht für ihn, seine fassungslosen Augen sagen alles:


Warum tust Du das, warum stößt Du mich zurück?

Warum stößt Du mich weg?

Warum? es tut weh, es tut mir so weh.

Du tust mir weh.


sagt dieser Blick.


Sie sieht das, ist stark involviert, ihr Blick antwortet etwas, wie


Bitte versteh doch….


Plötzlich schließt er die Tore zu seinem Herzen. Wir hören geradezu einen dumpfen Knall, als die schweren Eisentüren ins Schloss fallen. Er dreht sich weg.


Seinen Gesichtsausdruck verschluckt der Halbschatten. Jetzt steht er mit dem Rücken zu ihr, zu uns, wir sehen ihn im verlorenen Profil.


Auch wir dürfen ihm nicht mehr ins Herz sehen.


Schnitt auf Juliette.


Da steht die tapfere junge Frau. Sie hat richtig entschieden. Es tut weh. Es tut besonders weh, wenn man feinfühlig ist, so wie sie.


Es tut so weh, dass sie weinen muss. Der Schmerz verzerrt ihr Gesicht, bis sie, in die wachsende Spannung hinein, endlich sagt.


Sag´ Du doch auch mal was….


Christians dreht sich ein wenig, sein Gesicht bleibt verschattet, anonym, es bleibt Seins, was seine Gefühle jetzt in sein Gesicht zeichnen.


Schnitt auf Juliette.


Sie sieht fragend aus, wir fühlen mit ihr den Kloß in ihrem Hals, die Tränen, die hochdrängen wollen. Dann hören wir aus dem Off seine Stimme.

Er kann kaum sprechen.


Die Stimme ist rau, behaucht, flüstert fast.


Sie flüstert die Zauberformel.


Die schönsten Worte.


Die Wahrheit:


Du bist hinreissend.


Schnitt auf den Mann im grauen Mantel, der da fast gänzlich abgewendet im Halbdunkel steht. Er wartet noch eine Sekunde, in der nächsten sehen wir ihn nicht mehr, er ist hinaus gegangen.


Unser letzter Blick trifft Juliette. Sie hält sich, bis wir das Geräusch der sich schließenden Wohnungstür hören.


Als er draussen ist, bricht ihre Fassung zusammen.


Ende der Szene

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.. und der Schluss dieses Intermezzos?


Die Geschichte hat das übliche Ende. Die beiden sehen sich noch einmal in dem Restaurant am See. Dieses Mal ist es ganz leer, sie sind allein. Christians Ehesituation ist inzwischen eskaliert. Katja hat ihren Gatten aus dem gemeinsamen Haus geworfen.


Im Restaurant ist Christian Weller seelisch nicht mehr anwesend, er ist nur körperlich hier, aus Höflichkeit, innerlich ist er schon weit weg.

Juliette ist klar, dass das ihr letztes Treffen ist und sie sagt:


„Ich wollt´ Dir noch was sagen zu der Nacht, die wir…

..… nicht – miteinander verbracht haben.


…mir ist, als hätten wir…… So sehr hab´ ich Dich gespürt.


Ich hab´ das erste Mal das Gefühl, wirklich zu verstehen, was es heißt, an einer Weggabelung zu stehen.


Dass jede Richtung, für die wir uns entscheiden, bedeutet, daß wir eine andere nicht gehen werden. Daß es ein Ist und ein Wäre gibt.


…und ich hoff´, daß ich mich nicht zu oft dahin zurückträumen muss.

Leb wohl sagt sie.


Schon während sie aufsteht, kann sie ihre Tränen nicht mehr beherrschen.

Er merkt nichts. Er kann ihr nicht einmal mehr hinterher sehen.


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2002- 2003 Heino Ferch – Christian Weller, Marie Zielcke – Juliette Roland, Götz George – Frank Karmann, Claudia Michelsen- Katja Weller.

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Zur Darstellung: meisterhaft millimetergenau choreogaphiert, traumhaftes Timing der Beiden, toll.

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Filmszenen I „…Ich bin in so einer Gegend aufgewachsenl“ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 5b. 2003

16. Februar 2009 · Kommentar schreiben

„…Ich bin in so einer Gegend aufgewachsenl“ in: Der Anwalt und sein Gast. Teil 5b. Porträt Christian Weller ( Heino Ferch ). Regie: Thorsten C. Fischer. Buch: Jörg von Schleebrügge 2002 – 2003


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Herkunft – Zukunft.


„…Ich bin in so einer Gegend aufgewachsenl“


Juliette und Christian wollten die Zeugin Karmann, die Mutter des Verdächtigen, besuchen. Auch Frau Karmanns Wohnverhältinsse beleuchten punktuell Karmanns Psychogramm.


Karmanns Mutter wohnt in einem Menschennutzhaltungsbau, einem gigantischen Plattenhochhaus mit käfigartigen Einzel(par)zell-Appartements.

Christian und Juliette stehen vor der Wohnungstür der Frau, in irgendeinem Stockwerk, es ist dunkel, laut, man riecht förmlich abgestandenen Essensgeruch, Linoleumboden; aus anderen Appartements dringt Lärm, Musik, ständige Unruhe, Geräuschkulisse. Die Umgebung wirkt in etwa, wie die Gänge des Monster-Krankenhauses Großhadern.


Als Christian und Juliette ihrem Besuch beendet haben, gehen sie vor dem Hochhaus über die Betonterrasse, die mit Maschendraht-Gittergeländer eingezäunt ist, hinunter, zur halboffenen Tiefgarage.


Davor parkt Wellers silbergraues Familien-Passagierschiffauto.


Im Hintergrund Kindergeschrei, Übelkeit erregende, Beton und Gitterdraht gewordene architektonische Hässlichkeit, gleich bekommen wir einen Hautausschlag von soviel Lieblosigkeit, die die Augen beleidigt.


Die beiden erfuhren von einem Nachbarn ein wenig über die Frau. Jetzt steht jedenfalls fest, dass Karmann  mit der Behauptung, er sei ein Adoptivkind wie Katja auch, sich vor ihr nur wichtig und interessant machen wollte.


Christian und Juliette kommen die Betontreppen herunter, auf uns zu, wir stehen beim Auto unten, dahinter höhlenartig halboffene Parkhaus- Betonstrukturen, man fühlt die eisige Zugluft herausziehen.


Die beiden passieren einen Betonpfeiler. Ein mit Abfall vollgestopfer Drahtpapierkorb ist daran angeschraubt.


Christian:


Bloß weg hier!


Juliette und er sind jetzt unten an der Treppe, betonklinkerbedeckter Boden.


Christian mit seinem eleganten steingrauen Kurzmantel aus feinstem Wollstoff, seinem dunklem Anzug, dem weißen Hemd, der modischen Krawatte, die Hände geschützt gegen die Kälte durch glatte schwarze elegante Lederhandschuhe, wirkt hier wie ein Wesen der dritten Art, – versehentlich hier gelandet aus einem ganz anderen Universum.


Man hört die Autoschlüssel klirren, er hat sie in die Hand genommen.


Ich bin in so einer Gegend aufgewachsen!


sagt er und gibt mit per Funkkey das Öffnungssignal an den Wagen. Dessen Schlösser klacken auf ihres Herrn und Meisters Befehl brav in Offenstellung.

Beide am Wagen.


Juliette ungläubig:


Das ist nicht Ihr Ernst.


Christian:


Doch. Das dachten sie nicht, was?

Sie denken auch, ich bin so´n neureicher Erbbengel!


Er öffnet den Wagenschlag.


Juliette wird gleich auf ihrer Wagenseite dasselbe tun.

Sie:

Na ja, so ´ne gewisse verwöhnt-verzogene Attitüde is´ Ihnen ja nicht ganz fremd!


sagt sie frischfröhlich mit humorvoll ironischem Beiklang.


Sie steigen ein und brausen davon, zurück in die Zukunft.


Ende der Szene.

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