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Filmszenen I „..ich habe eine Andere…“ Teil 1b Kommentare. Hermes – Heino Ferch. in : Vom Suchen und Finden der Liebe 2004

14. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Bildquelle und alle Bildrechte bei Constantin Film AG, München

„..ich habe eine Andere…“: Teil 1b Kommentare. Porträt Hermes Aphroditus ( Heino Ferch ) in : Vom Suchen und Finden der Liebe. Regie: Helmut Dietl. Buch: Patrick Süßkind und Helmut Dietl. 2004

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Kommentar 1:

Über Vom Suchen und Finden ist ein Film der Emblemata. Das heißt, Bedeutungen begegnen uns – neben der offensichtlich präsentierten Story Line – in symbolisch verschlüsselten Bildern und Symbolgruppen, die ihre eigene Sprache assoziativer Bedeutungskomplexe sprechen…. Hier nur ein punktuelles Blitzlicht:

Hermes Aphroditus

Interessant ist der hohe Stilisierungsgrad der Figur Hermes Aphroditus. Wie er spricht, was er sagt, wie er es sagt, ist retro bühnenhaft und somit emotional abstrahiert.

Das ganz und gar golddurchwirkte Kostüm schafft Anonymisierung, ebenso das ‚hübsche’ aufgemalte Gesicht, durch das sehr irritierend immer wieder Bitternis und Trauer hindurchscheint.

(Die Stärke der Trauer ist ganz besonders extrem zu sehen in den Morphings, in denen das junge ein wenig traurige Gesicht von Venus oder Mimi in die untröstlich atemlos traurigen Züge des Hermes Aphroditus mutiert, der Ausdruck von Trauer sich um ein Vielfaches potenziert. Die höhere Anzahl an Lebensjahren des Hermes Aphroditus scheint eine Maßgabe für die Stärke des Ausdrucks von Trauer, hier hat die Zeit den Brunnen der Tränen weiter angefüllt. )

Immer wieder bricht die Figur Erwartungsklischees, ozilliert zwischen tuntigen Bewegungen, die ja gefallen wollen und einer beinernen Härte, -wie er Mimi aufs Bett wirft, soll leidenschaftlich sein, ist aber auch klare Ansage, dass Mimi keine Wahl haben wird;

wie er Mimi mit ausgestrecktem Arm zurückstößt, als der Hermes drängend nach Venus fragt – hat eine fast grausame Härte, die natürlich Echo darauf ist, dass Mimi sich nicht gewinnen läßt, aber darüber hinaus von einer spröden, lang angestauten Frustration erzählt, die uns irritiert.

Die Stilisierung wirkt umso stärker, da Mimi, wenn er im Dialog mit Hermes ist, bei einem ‚normalen’ Alltags-Gefühlsausdruck bleibt, dessen Stil auf naturalistische Wahrhaftigkeit des emotionalen Ausdrucks hin angelegt ist. So prallt Stilisierung und Normalität aufeinander und hebt Hermes ab, dorthin, wo er hingehört, in eine Traum-Märchen-Götterwelt.

Hermes Aphroditus ist groß, wuchtig, mächtig, beeindruckend, Mimi wirkt gegen ihn zerbrechlich. Trotzdem hält Hermes , sobald er steht, seine Arme in einer Geste vor den Leib, die unsicher, suchend und wie ein Selbstschutz wirkt, er versteckt sich geradezu in der Draperie seiner goldenen Flügel, erstaunlich.

Diese Haltung könnte einfach nur tuntig sein, – oder..von der emotionalen Unsicherheit des Halbgottes erzählen. In sich schon ein Wunder.

Ganz frei präsentiert sehen wir Hermes´ Körper nur einmal, in dem Moment, da er sich mit dem Objekt seiner Begierde, Mimi, vom Brunnenrand springend hinab in sein eigenes Reich begibt, dorthin, wo seine emotional-erotischen Hoffnungen liegen. In diesem Moment bekommen wir in Autopsie einen Blick auf das, was der Halbgott körperlich anbieten wird.

Bild Hermes Aphroditus und Mimi



Warum sind Götter Götter? Kann er sich nicht selbst helfen?

Der Schauspieler Heino Ferch zum Thema:

er [Hermes Aphroditus] kann einem Menschen, dem er sich in Liebe hingibt, alles bieten, kann es [aber] nicht erzwingen. Das ist es, was er erfahren muss.

Für die Interpretation des Hermes Aphroditus aus unserem Themenblickwinkel hier auf Filmszenen sind viele viele viele Faktoren von Bedeutung. u.a.:

ad 1: Hermes Aphroditus ist nicht nur er selbst. Er ist auch Venus Morgenstern. (siehe morphing des Hermes Aphroditus, als er Mimi zeigt, dass Mimi nicht mit Sternchen im Bett war, sondern mit Hermes Aphroditus im Leib der Venus Morgenstern. Dieses Morphing hat m.E. nicht nur eine episch-erzählende Bedeutung für die storyline, sondern auch – ganz altmodisch -eine symbolische Bedeutung, die durch Assoziation erzeugt wird. Bilder werden gezeigt, die miteinander in Bedeutungszusammenhang treten. )

ad 2: Hermes Aphroditus ist nicht nur er selbst. Er ist auch Mimi Nachtigal. (siehe morphing aus der Gestalt des Mimi in seine eigene Gestalt zurück, unwillkürlich, sogar unwillentlich, als Venus Morgenstern durch ihre Trauer und Verzweiflung „…ach, ich habe ihn verloren… “ Hermes Aphroditus´ Herz plötzlich anrührt.
Nach dem Morphing geschieht es dem Gott, dass er weinen muss, unwillentlich, er wischt sich, verwundert über die Anrührung seines Herzens, eine Träne von der Wange.)

ad 3 : Konsequenz aus 1 und 2 ist, dass alles, was Venus und Mimi tun und denken, auch Hermes Aphroditus unmittelbar betrifft, projiziert in diese Beiden.

ad 4: Hermes Aphroditus wird aus menschlich dimensionierter Sicht als schwuler Zwitter, als Transe, gesehen.

Das ist unterhaltsame Oberfläche und gehört zur Abteilung Komödie.

Darunter ist – Zitat Heino Ferch: “Hermes ein tieftrauriger Mensch“ [das tönt wie Donnerhall ]-, “ein Gott, (…) für den (..) die größte Sehnsucht ist, die (…) ewige Liebe zu finden.“ – “er kann einem Menschen, dem er sich in Liebe hingibt, alles bieten, kann es [aber] nicht erzwingen.

Das ist es, was er erfahren muss.(….) Deshalb ist er eine zutiefst traurige und auch lächerliche Figur. “

“..er versucht [es] bis zur Lächerlichkeit, (…) er ist lächerlich und rührend. [Uff!]

ad 5: Hermes Aphroditus, der Gott, der über den menschlichen Dimensionen steht, kennt für Mimi das Mittel zur Auflösung seiner Qualen.

Er besitzt ein Heilmittel. Es ist die Lethe. Wasser.
Wasser des Vergessens.

Er schenkt Mimi dieses Wasser, läßt ihn dieses Heilmittel trinken.
Du musst einfach viel Wasser trinken, Mimilein. Viel, viel Lethewasser aus dem Fluß des Vergessens,
und Hermes kennt auch den anderen Weg aus dieser Pein:

…oder… dich einfach wieder neu verlieben….

Was heißt das? Hermes Aphroditus kennt alle Qualen einer Liebe (Mimi und Venus), die sich durch den Alltag auseinandergelebt hat, bei der die beiden Beteiligen jedoch nicht voneinander lassen können (er ist ja auch – siehe ad 1 und 2), aber: ER KENNT AUCH EINE LÖSUNG.

Es ist: Das Vergessen und die Neue Liebe.

Musik des Films: Klasse. Die Musik ist nicht nur zur Emotionalisierung der Szenen verwendet, sondern leitmotivisch, wie in einer Wagneroper. Hermes´ hat eine ihm zugeordnete Musik, ein Schicksalsmotiv aus äh aus (hier verließen sie sie..es geht doch nichts über eine solide Halbbildung) äh Tosca? Es ertönt, als Hermes Aphroditus zum ersten Mal auftritt und es ertönt wieder, als er in Gestalt der Venus körperliche Liebe von Mimi Nachtigal erzwingt und noch einmal, als er in Mimi Nachtigals Gestalt Venus Morgenstern am Ufer des Styx zurückweist (s…ich habe eine andere….).

Dieses musikalische Motiv hat auch Text, der (der fleißige Opernbesucher hat ihn natürlich gegenwärtig) mit in die Interpretation der Figur des Hermes einzufließen hat.

Die schöne, nicht veränderte Einspielung der Che faro?.. Arie,

und


Quando men vo, quando men vo soletta per la via, la gente sosta e mira e la bellezza mia, quando ricerca in me.. ed asaporo allor´la bramosia sottil che dagli occhi traspira….così l´efluvio del´desio…die Arie der Mimi als Abspann, direkt nachdem wir gesehen haben, dass Venus ihre Schönheit durch Alter verloren hat, super,

Meet me tonight in dreamland under the silvery moon (mit der großartigen Stimme einer 50er Jahre Diva- Judy Garland, der Somewhere over the rainbow-Interpretin) als Hermes mit Mimi tanzt, geil ,

die dramatischen Tosca-und Butterfly-Motive – suppi.

Kommentar 2 : Schlüsselszene

Es ist – scheinbar – unmöglich, EINE Schlüsselszene in diesem Film festzumachen. Schlüsselszene ist in diesem Fall der komplette Film, alles, was Mimi und Venus betrifft, man müsste den gesamten Dialogtext der Figuren Mimi, Venus und Hermes Aphroditus hier wiedergeben.

(…Hermes, Mimi und Venus sind nicht nur für den Erfinder dieser durch und durch emblematischen Geschichte Dietl Facetten eines alter ego. )

Ausweg aus diesem Schlüsselszenendilemma ist vorerst der im obigen Text gezeigte. Die obige Szene ist sozusagen eine Anti-Schlüsselszene, allerdings nur bis zur hier gezeigten Stelle. Sie ist das, was ablaufen müsste, damit der liebeskranke Mimi gesunden könnte und der liebeskranken Venus die Chance geben könnte, auch zu gesunden.

Die Prognose des FIlms für Venus ist, dass sie sich nicht weiterbewegen wird, sie ist im Alter wieder allein, hat ihr Herzensbiografie nicht mit einem anderen Mann weitergeschrieben, den Anderen wieder aufgegeben.

Die Prognose für Mimi ist, dass er sich mit zärtlich-nostalgischer, aber innerlich erwacht-distanzierter Zuneigung (die Distanzierung ist geboren aus der Wahrnehmung des Alterns, des Gealtertseins seiner großen Liebe) an Venus erinnern wird. Er ist in eine andere, neue Welt gegangen (Zitat Hermes: [an einen] Ort der Ruhe, des Friedens und der Harmonie), er ist – der Sieger.

“Es ist schwer, Veränderungen anzunehmen, aber auch befreiend.’’svb

Kommentar 3: Genre

m.E. ist dieser Film nicht problemlos in das Genrefach Komödie einzuordnen, es ist eine Tragikkomödie, eine Parabel, ein Märchen, eine Aneinanderreihung emblematischer Bilder, fellinesk, keinesfalls eine Slapstick-Komödie.

Wer mit dieser Erwartung an den Film herangeht, kann nur enttäuscht werden. Ich verstehe auch nicht die Hauptkritik, die immer wiederholt wurde, dass der Film scheinbar keine Richtung hat. Er erzählt in Venus und Mimi und in Theo und Helena über zwei Formen der Liebe.

Und er erzählt davon, dass das Altern, das Gealtertsein die glühende Leidenschaft zu einer zart freundschaftlich sentimentalen Erinnerung mutieren läßt. Mimi darf diese Erfahrung machen, als er seinen Dreistundenausgang nach Berlin-Mitte wahrnimmt.

Der Film spricht sehr stringent in Symbolen. Alles ist wichtig.

Ich weiß nicht, ob dem Regisseur das sehr gefallen würde,- aber die Konstruktion des Films, das Ineinanderwirken von Menschlichem und Göttlichem, gewürzt mit witzigen, sehr menschelnden Dialogen, hinterlegt von einer „Großen Wahrheit“, das erinnert mich alles sehr an Wiener Volkstheater, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, sozusagen Wiener Volkstheater des 21. Jh.s. Das soll nicht pejorativ sein, ich liebe Ferdinand Raimund, wie z.B, es ist, glaube ich, in: Der Bauer als Millionär, Jugend und Alter (der in dieser Szene göttliche Otto Schenk, Salzburger Festspiele anno xy) einander gegenüberstehen, großartig. – Wenn der Film nicht gefallen hat, dann hat er ein Publikumsproblem, kein Qualitätsproblem. Ähnlich wie der schlöndorffsche „Unhold“ . Der Film ist großartig, aber das Publikum war zu diesem Zeitpunkt nicht empfänglich für den Inhalt.

Kommentar 4: Vorbild der Morphings

Hingewiesen sei auf ein berühmtes Vorbild der Morphings: Ein Gott nimmt die Gestalt des Partners eines Paares an, um sich mit ihm zu vereinigen:

Heinrich von Kleist: Amphitryon.Jupiter hat die Abwesenheit des Feldherrn Amphitryon genutzt, um in dessen Gestalt mit Amphitryons jungvermählter Ehefrau Alkmene zu schlafen. Die Heimkehr des wirklichen Ehemanns und die gegenseitige Verwirrung darüber ,was eigentlich vorgefallen ist, stürzen beide Eheleut ein einen Identitätskonflikt. Aber auch  der Gott muss erkennen, dass Alkmene ihm nur solange den Vorzug gegeüber ihrem Mann einräumt, als er ihr in dessen Gestalt und insofern  als vollkommene Version des wirklichen Amphitryon erscheint. “ in: Schede, Hans Georg: Der Zerbrochne Krug. Interpretationshilfe Deutsch. Stark, Freising, 2007,  S. 11.

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Filmszenen I „..ich habe eine Andere…“ Teil 1a. Hermes – Heino Ferch in : Vom Suchen und Finden der Liebe. 2004

14. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Teaser Film Vom Suchen und Finden der Liebe


„..ich habe eine Andere…“ Teil 1a. ( Hermes Aphroditus – Heino Ferch ) in : Vom Suchen und Finden der Liebe. Director of Photography: Jürgen Jürges . Regie: Helmut Dietl. Buch: Patrick Süßkind und Helmut Dietl. 2004

Bildquelle und alle Bildrechte bei Constantin Film AG,, München

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Fotostrecke : Vom Suchen und Finden der Liebe

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„…..ich habe eine Andere..“

Venus ist durch den Brunnen im Garten der Villa Helena in die Unterwelt gekommen.

Wir sehen sie als kleine weisse Gestalt über die unendliche graue Wüstenei wandeln, ganz in Unschuldsweiss gekleidet – eine schwarzgraue Bergkette dräut dunkel am fernen Horizont – .

Blick auf ein nebelumwogtes graues Flussufer: Der Styx, über den die Seelen der Verstorbenen durch Charon, den Flößer, hinüber in die Unterwelt, den Hades, gebracht werden.

Venus ruft zögerlich ihren Geliebten :

Mimi…

dann immer lauter. Ihre zerbrechliche weisse Gestalt steht vor dem bleigrauen Wasser des Flusses, sie ruft in den dichten weissen Nebel hinein: Mimi! Mimi!

Schnitt .

Im Palast des Hermes Aphroditus.

Hermes hört Venus´ Rufe. Er versichert sich, dass Mimi weiterschlafen wird. Wir sehen, dass er sich zu handeln entschließt.

Schnitt.

Jenseitiges Ufer des Styx.

Venus steht auf dem Fährfloß, Charon, ein uralter weisshaariger Mönch mit schwarzer Kutte und Kapuze, hat Venus herübergerudert. Das Floß legt an.

Von links tritt Mimi ins Bild, mit seinem schwarzgrauen griechischen wallenden Gewand bekleidet. Mimi in schwarz, Venus in weiss, Yin und Yang.

Wir sehen, dass Mimi nicht seine eigenen Sandalen trägt. Seine Füße stecken in den hochhackigen goldbeflügelten Sandalen von Hermes Aphroditus. Wir begreifen, dass nicht Mimi es ist, der Venus begrüßt, sondern Hermes Aphroditus in Gestalt des Mimi.

Venus erfreut und erleichtert: Mimi!

MimiHermes blickt ihr unbewegt mit verdüsterter Mine entgegen. Venus springt vom Floß, breitet die Arme aus und eilt auf ihren Geliebten zu. Der kühle Ton des Mimi bremst sie.

MimiHermes: Was willst du hier?

Sie bleibt erschrocken stehen.

Was..was ich will? Ich bin gekommen, Dich zu holen…

Close up Mimi. Sein Gesicht ist völlig unbewegt, seelisch starr, todernst.

Freust Du Dich nicht?

Er sagt leise, ganz leise und mit einem Hauch von Dramatik:

Du kommst zu spät.

Nein…

Doch.

…nein…

Jetzt muss Venus hören, was sie nicht fassen kann. Mimi:


Ich habe eine Andere.

Eine …Andere?

Venus ist verzweifelt entsetzt, scheint nicht begreifen zu können, was sie hört.

Auf Mimis Gesicht erscheint ein kleines triumphierendes Lächeln:

…mit der ich sehr glücklich bin. Sehr, sehr glücklich.

…Nein, …nein!

Venus will zu Mimi hineilen, wird von einer herrischen Geste am ausgestreckten Arm zurückgestoßen, derselben Geste, mit der Hermes Aphroditus vorher schon einmal Mimi zurückgestoßen hat.

Bitte schrei hier nicht herum! Dies ist ein Ort des Friedens, der Ruhe und der Harmonie.

Venus weicht zurück, HermesMimi verschränkt die Hände, steht ganz in sich ruhend da.

Venus:

Du… Du kannst mich doch nicht so schnell vergessen…haben…



Mimis Gesicht ist verschlossen, aber ruhig, emotionslos. Als er spricht, bewegt sich nichts in seiner Mimik, nur der Mund spricht Worte:

Doch. Um die Wahrheit zu sagen; ich kenne Dich gar nicht mehr.

Und ich will Dich auch nicht mehr sehen und nichts mehr von Dir wissen.

Er hebt mit der für Hermes typischen Geste die Hand zum Abschied, zu einem kleinen Winken:

Adieu.

Venus ist völlig entsetzt über Mimis Verhalten. Mit gebrochener Stimme fragt sie:

Warum bist zu plötzlich so anders, Mimi?

Ich bin nicht anders, Sternchen. Ich bin nur… verliebt.

Er hebt eine Augenbraue, wartet, dann strahlt ein (Moritz Bleibtreu-(!goof!!)) Lächeln auf, das Venus gegenüber nichts weniger als grausam ist, seine Augen werden klein, berechnend.

Venus fragt drängend, ärgerlich, mit Tränen in den Augen:

In wen?

Mimi, lyrisch, mit dem kleinen Kopfrucken, das für Hermes typisch ist:

In die Frau meiner Träume… in den Traum von einer Frau.

Mimis Augen werden groß und schwarz, tief, begeistert betroffen

Sie ist… wunderbar! Unbeschreiblich. (…):

Venus Züge sind zu einer Maske von fast unerträglicher halt- und grenzenloser Trauer mutiert. Wir sehen sie da stehen, stehen rechts hinter HermesMimis Rücken.

Ihr Kopf sinkt kraftlos herab, sie zögert. Als sie sich wieder aufrichtet, ihr Blick nach Mimi tastet, sagt sie:

Dann wünsch´ich Dir viel Glück, Mimi.

Die Szene ist hier nicht zu Ende. Venus Morgenstern wird jetzt die Arie beginnen,.. ach ich habe ihn verloren..all mein Glück ist nun dahin…wär o wär ich nie geboren… Hier ist ein Höhepunkt des Films. Trotzdem brechen wir unsere Erzählung vorher ab.

2004-2005 HermesMimi – Moritz Bleibtreu, Venus Morgenstern – Alexandra Maria Lara

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Notiz: Der Erkennungs-/Aufmerksamkeitspfiff von Hermes für Mimi (c sechst nach oben zum a Terz nach unten zum f  s.a. -> Erkennungspfiff-Leitmotiv in „The Court Jester“ mit Danny Kaye in der Titelrolle

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Filmszenen I Madame…seine Majestät….. liebt Sie.“ Caulaincourt – Heino Ferch. in: Napoléon. Teil 7 2001-2002

14. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Bildquelle und Bildrechte Lichtbildwerke: Universal Pictures und BETA-Film 2003

„Madame…seine Majestät….. liebt Sie.“ in: Napoléon. Teil 7: Abschied. Porträt Caulaincourt ( Heino Ferch ) Regie: Yves Simoneau, Buch: Didier Decoin, Max Gallo, 2001-200

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Caulaincourt – Walewska: Der Abschied.

Hören statt Lesen, Radio Comic statt Written Comic: Audio .wma, Audio.mp3 Text (exklusive Dialogtext) und Sprecher: ignazwrobel

„Madame…seine Majestät….. liebt Sie.“

Bläuliches Halblicht, rechts die dreiläufige schlichte Treppe eines Schloßtraktes in Fontainebleau, der nicht für offizielle Repräsentation gedacht ist – Wände Trompe L´oil Rustikaquader, der Boden große Steinplatten.

Nur auf dem Treppenabsatz, an dem sich die beiden Flankenläufe zur mittigen Haupttreppe vereinigen, eine Wandnische mit der Marmorkopie einer griechisch-römischen Apollstatue.
Nach rückwärts öffnet sich der Blick in den Wandelgang der Entréehalle.
Die Akustik wirft Echos.

Wir stehen im Erdgeschoß knapp neben dem Treppenanlauf. Walewska und Caulaincourt steigen die Treppe herab. Die Gräfin trägt ein helles Empire-Tageskleid, Haube, Schultertuch in der Hand ein Pompontäschchen.

Die Gräfin, angespannt: Was haben sie für ihn vorgesehen?

Caulaincourt antwortet: Exil.

Walewska: Für immer?

Caulaincourt:

Das liegt nicht in seiner Hand, Madame. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass seine Majestät bereit ist, für immer Phantomkönig zu sein. Man erlaubt ihm, …..einen königlichen Hofstaat …..um sich zu sammeln.

Die beiden sind am Treppenfuß angekommen, bleiben stehen.

Caulaincourt macht eine schnelle Körperdrehung zu Walewska hin, steht ihr jetzt frontal gegenüber. Sein abschätziger Tonfall erzählt uns, dass er die vorgesehene Lösung für eine lächerliche Farce hält, als er hinzufügt:

Etwas in der Art.

Die Gräfin war seit ihrer Bekanntschaft mit dem Kaiser für den Rest ihres Lebens in Napoléon verliebt. Sie sieht in dieser politischen Lösung eine Chance, den Ex-Kaiser sehen zu dürfen. Sie sagt schnell und aufgeregt.

Wollen Sie damit sagen, dass ich ihn vielleicht besuchen könnte. ..

Close up Caulaincourt. Er sieht dezent zu Boden, während er spricht. In gespielt freundlich locker optimistischem Ton antwortet er:

Oh ja, vielleicht.

Ein Blick schießt in ihre Augen, faßt nach.

Vielleicht nicht sofort,…. natürlich.

Wieder senkt er die Augen. Er zögert.

Sieht dann die Gräfin doch aus nächster Nähe forschend an. Jetzt endlich hält sein Blick den ihren nachdenklich fest.

Gegenschuss auf die Gräfin, sie nimmt die Spannung auf, spürt, dass Caulaincourt noch etwas zu sagen versucht, damit ringt, dem Inhalt die passende Form zu geben.

Atemlosigkeit auf beiden Seiten erzeugt eine kleine Pause, beide stehen voreinander. Walewska ist ganz darauf konzentriert zu erfahren, was Caulaincourt ihr über den Kaiser sagen wird.

Aber…

Madame..

Caulaincourt zögert, zieht Luft ein, sein Blick flackert weg, geht zurück zur Gräfin, sucht.

Seine Majestät….

Caulaincourt hat jetzt die Grenze des Offiziellen in einen Tabubereich hinein zu überspringen.
Es fällt ihm schwer, sehr schwer. Er überwindet diese Hürde mit einem kaum merklichen Atemstoß.

Der Hauch eines Lächelns gleitet in seine Augen, fast hilflos wirkt sein leises Kopfschütteln, mit dem er alle Möglichkeiten, etwas extrem Intimes, Persönliches in offizieller Form sagen zu wollen, für sich selbst beiseite wischt, wischen muss.

Walewskas Spannung steigt. Sie hebt die Brauen, ihr Blick versucht drängend in seinen Augen zu lesen.

Noch einmal macht er einen Ansatz, sieht Walewska an.

Er……

Jetzt öffnet er sich, sein Blick geht gerade und klar zu Walewska, er spannt sich ein wenig.

Madame, …seine Majestät liebt Sie.

Ein tief freundlicher, ja eigentlich – tief zugetaner Blick, in dem eine eigenartige Melancholie mitschwingt, begleitet seine Worte.

In diesem kurzen Moment hebt sich lautlos ein Vorhang.

Da steht nicht nur ein Vermittler des Kaisers, da steht ein Mann, der auch zart und versteckt hinter der überbrachten Botschaft für sich selbst spricht.

Wir haben den Eindruck, dass die Worte „Madame..seine Majestät liebt Sie einen zweiten Satz übertönt, der in all den vergangenen Jahren seiner Bekanntschaft mit ihr niemals ausgesprochen wurde und auch in Zukunft niemals ausgesprochen werden wird.

Er würde heissen:

Madame … Ich liebe Sie.“

Walewska ist ganz auf Napoléon konzentriert.

Sie erkennt den besonderen Moment nicht, sie sieht nicht durch diesen schmalen Spalt persönlicher Öffnung in das Herz des Mannes, der vor ihr steht. Sie fällt ihm sofort aufgeregt ins Wort:

Er liebt mich?

Caulaincourts Augenlider senken sich, die Tür zu seinem Herzen, der Spalt in seiner Brust schließt sich sofort, der Augenblick persönlicher Öffnung ist vorüber, für alle Zeit.

Mit einem leisen M…hm bestätigt er ihre Frage nach dem Kaiser.

Walewska sieht ihn noch einem Moment an, etwas wie ein Echo berührt sie kurz.
Dann greift sie nach einem Tuch in ihrer Kleidung. Darin ist etwas eingeschlagen. Es klirrt leise.

Bitte geben Sie das dem Kaiser. Richten Sie ihm aus, dass ich es nicht tue, weil ich böse auf ihn bin, sondern weil er es irgendwann brauchen könnte. Ich kenne seine Feinde, es sind auch die meinigen, sie werden ihn erniedrigen, bis ihm nichts mehr bleibt und bis er schließlich nichts mehr ist.

Caulaincourt nimmt das Tüchlein an sich.

Wir haben noch einmal Gelegenheit, in sein Gesicht zu sehen.

Während sie spricht, ist seine Ausstrahlung, sein Zug zu ihr immer noch weit offener als die Situation erfordert, er ist sanft und persönlich, wir spüren, dass sein Herz noch ein letztes Mal mit zarter Bindung und Melancholie nach Walewska hinfühlt.

Als sie fertig ist, wacht er auf, findet zum Offiziellen zurück, deutet eine Verbeugung an:

Madame….

Walewska erwidert die angedeutete Verbeugung, dreht sich weg und geht.

Die Nahaufnahme zeigt uns, was das Tüchlein beinhaltet: es ist das wertvolle Aquamarincollier, das der Kaiser der Gräfin zur Geburt ihres Sohnes Alexander geschenkt hatte.

Ende der Szene.

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Kommentar:

Mit dem Wort „zart“ möchte ich ungern inflationär umgehen, aber in diesem Fall werde ich es verwenden:

Ich finde diese kurze Szene sehr zart und ungeheuer dicht gespielt. Jenseits des Textes erzählt Heino Ferch in der Mimik des Caulaincourt eine ganz eigene Geschichte, ungeheuer leise und für die Figur am Ende ihrer Entwicklung von zentraler Wichtigkeit. Wirklich, unwirklich schön, poetisch.

Kommentar 2:

Wir müssen zugeben, dass wir die Auflösung der Beziehung Caulaincourt-Walewska nicht gekannt, bzw erkannt hatten, obwohl wir den Film häufig angesehen hatten. Erst die Analyse der Szene – quasi in Zeitlupe – mit Nachverfolgen jeder einzelnen Seelenregung hat uns mit diesem Ende der Geschichte überrascht.
Was bedeutet das? IWir glauben, es bedeutet, dass es Heino Ferch gelungen ist, jenseits des Drehbuchtextes- und vielleicht auch jenseits der Regieanweisungen – neben der durch Text erzählten Geschichte eine komplette zweite Storyline, -ausschließlich über seine Körpersprache – zu erzählen.

Genial.

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