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Filmszenen I „..sagen Sie jetzt nichts!“ in: Napoléon. Porträt Caulaincourt (Heino Ferch) Teil 5. 2001-2002

13. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Bildquelle und Bildrechte Lichtbildwerke: Universal Pictures und BETA-Film 2003

..sagen Sie jetzt nichts!“ in: Napoléon. Porträt Caulaincourt ( Heino Ferch ) Teil 5, Regie: Yves Simoneau, Buch: Didier Decoin, Max Gallo, 2001-2002

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Sagen Sie jetzt nichts!

Szene Der Ball.

Ein Rokoko-Ballsaal, Hunderte von Kerzen erleuchten festlich das prachtvoll höfische Ambiente.

An den Wänden ringsum goldgerahmte saalhohe Spiegel, die die Schönheit der feinen Ornamente und der erlesenen Empire-Roben der Gäste vervielfachen.
Anwesend ist der polnische Adel. Verhaltene französische Walzermusik, man tanzt.

Napoléon möchte ein Téte a téte mit Gräfin Walewska. Er beauftragt während des Balles den Chef der Geheimpolizei, Joseph Fouché, bei der Gräfin sogleich einen unsignierten Brief hinterlegen zu lassen, der sie zu einem Stelldichein bittet.

Napoléon diktiert Fouché den Text des Briefes an Maria Walewska:

..ich sehe nur noch Sie,

ich bewundere Sie,

ich sehne mich,

ich bitte um schnelle Antwort, um die Glut zu löschen.

und zu Fouché:

Richten Sie es ein, dass sie ihn findet, wenn sie nach Hause kommt und lassen Sie meine Kutsche vorfahren.

Sire gibt Fouché zu bedenken , der Ball!

Ich habe kein Interesse, wenn sie nicht tanzt.

Der Kaiser verläßt den Ball.

Caulaincourt befand sich in Hörweite des Kaisers. Die subjektive Kamera erzählt uns – wir blicken quasi durch die Augen des Marquis -, was Caulaincourt sieht und denkt.

Caulaincourt hat, wenn vielleicht nicht wörtlich, jedoch dem Sinn nach, gehört und erkannt, was der Kaiser wünscht. Er beginnt ohne zu zögern mit der Umsetzung des kaiserlichen Desiderats.

Er sieht Napoéon den Saal verlassen. Sekunden darauf geht er zu Maria Walewska und ihrem Gatten. Er bittet die Gräfin um die Ehre eines Tanzes

Gewähren Sie mir den nächsten Tanz, Madame?

fragt er in völlig korrekter Haltung.

Walewskas Antwort ist eigenartig ängstlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich in unmittelbarer Gegenwart ihres Gatten befindet:

Wenn sie keine weiteren Erwartungen an mich stellen…!

Caulaincourt macht eine kleine ..aber mitnichten! Wo denken Sie hin, Madame!-Geste

- und wendet sich an Graf Walewski.

Sie gestatten, Graf Walewski?

Walewski erlaubt mit einer angedeuteten Verbeugung Caulaincourt den Tanz, mit einer ebensolchen dankt der Marquis und bietet der Gräfin den Arm.

Maria Walewska akzeptiert. Zum zweiten Mal liegt ihre Hand auf Caulaincourts Arm. Wieder unprotokollarisch – inklusive ihres Ellenbogens – oho!

Beide lächeln einander verhalten an.

Die Ausstrahlung des Marquis ist in diesen Augenblicken weit weniger offiziell als seine Worte.

Gräfin Maria Walewska und Marquis de Caulaincourt tanzen (Alexandra Maria Lara und Heino Ferch)
Bildquelle und Bildrechte bei cinema.de Click auf das Bild, um zu cinema.de Film Napoléon zu gelangen
Er wirkt, -um die Wahrheit zu sagen-, er wirkt schlicht und einfach so, als hätte er bereits mit dieser Frau das Bett geteilt.

Und im Lächeln der Gräfin scheint eine Schwingung zu schweben, als wäre sie noch ganz im Bann einer unlängst stattgefundenen körperlichen Vereinigung mit diesem Mann, der sie gerade um einen Tanz gebeten hat.

Die zwei gehen einige Schritte weiter zum Tanzparkett. Wir können in beider Gesichter sehen. Von Walewskas Seite, so fühlen wir, glüht immer noch Bettwärme mit, sie wirkt geradezu noch warm und weich aus dem Pfuhle. Caulaincourts Gesicht ist entspannt wie noch in keiner Szene vorher und nie mehr danach.

Diese Doppelbotschaft zwischen offiziellem Protokoll und inoffizieller Körpersprache gibt dieser kleinen Szene eine sehr interessante Note. Was sollen wir denken?

Gleichzeitig spürt man zum ersten Mal den sehr deutlichen Altersunterschied zwischen den beiden. Hier tanzen eine sehr junge Frau und ein Mann, der an der Grenze von Jugend und Alter, auf der Höhe seiner Lebensbahn steht.

Auf langer Erfahrung fußende, ruhig und selbstsicher dahingleitende männliche Willenskraft, die tausend Wege kennt, sich zu verschaffen, was sie wünscht, begegnet jugendlichem Enthusiasmus und frischer Neugierde.

Während des Tanzens, -beide sehen sich in die Augen-, umschwebt Maria Walewskas Mundwinkel weiter ein Lächeln, das eigenartig zweideutig, sehr persönlich wirkt.

Caulaincourt sieht sie ernst und wohlwollend, aber auch sehr intensiv an. Tatsächlich formuliert er bereits eine Frage im Kopf.

Wir genießen noch einige Sekunden Caulaincourts hervorragende Tanzhaltung, und fragen uns gleichzeitig, was er wohl vorhat. Dann dürfen wir, da wir nur einen Schritt neben den beiden sind, seine Frage belauschen:

Wenn ich´s recht bedenke,

meint der Diplomat diplomatisch

habe ich doch eine Frage, die ich Ihnen stellen möchte…

Walewskas Antwort ist durch ihren ernst warnenden Ton unmißverstandlich:

Sagen Sie jetzt nichts.

Ihr Geschenk an ihn, ihr geheimisvoll-bezauberndes Lächeln, ist unvermittelt verloschen, sie bannt seinen Annäherungsversuch mit einem ernst anhaltenden Blick in seine Augen.

Caulaincourt Gesichtsausdruck verändert sich nicht, wir sehen keine Reaktion, er tanzt ohne die geringste erkennbare Enttäuschung weiter und blickt ihr auch ohne jeden Bruch der Aufmerksamkeit weiter in die Augen.
Dies hält so lange an, bis beide auf einem distanzierteren Niveau zueinander angekommen sind.

Jetzt wird Maria Walewskas Ausdruck wieder freundlicher, entspannter.

Wir wissen nicht, was Caulaincourt fragen wollte. Aber es war wohl nicht das, was uns die Körpersprache der beiden erzählt hat. Caulaincourt wollte wohl nicht in seinem, sondern im Namen seines Kaisers sprechen.

Daß es ihm gelungen war, seine Frage doch noch zu platzieren, zeigt die nächste Szene, in der Maria Walewska sich bereits – von Caulaincourt dorthin expediert- in Napoléons Schlafzimmer befindet und auf den Kaiser wartet.

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2002 Marquis de Caulaincourt – Heino Ferch, Alexandra Maria Lara – Gräfin Maria Walewska Filmografie Alexandra Maria Lara, Joseph Fouché – Gérard Depardieu Filmografie Gérard Depardieu, Napoléon – Christian Clavier Filmografie Christian Clavier

Die Adresse www.filmszenen.info leitet Euch direkt weiter auf unser Filmszenen-Weblog blogigo/ignazwrobel

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Themawechsel:

Hatten Sie einen harten Tag meine Damen? Frustriert? Könnten Sie Ihren Chef auf den Mond schießen? Haben sie heimlich aufgestauten Groll gegen ihren Partner? – Die Komödie „Single sucht Nachwuchs“ mit Heino Ferch in der Rolle des egomanischen Yuppie Robert Breuer wird sie sicher entspannen. Frustabbau durch hämisches Kichern. Ausserdem was Leckeres für´s Auge. Und ein bißchen Schicksal für´s Herz. Die Komödie wirkt, als hätte eine Gruppe Schauspieler-Kollegen an einem sonnigen Nachmittag eine leichte luftige kleine Komödie aus vielen Anknüpfungspunkten aus der eigenen Lebensumgebung erdacht. Sogar manche Requisiten wirken, wie von zu Hause mitgebracht. Der Erzählfluss ist durchgehend allegro con brio mit einem kleinen andante im schicksalhaften Teil. Dialogtextschwächen werden von den soliden Leistungen der DarstellerInnen aufgefangen. Heino Ferch, Christian Berkel, Monika Bleibtreu, Aglaia Szyszkowicz, Marie-Lou Sellem, Uwe Janson Regie, Buch: Ulrich Limmer. 1997-1998

Kategorien: Napoléon
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Filmszenen I „..sagten Sie: Gräfin?“ in: Napoléon. Teil 4, Caulaincourt: Heino Ferch 2001-2002

13. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Bildquelle und Bildrechte Lichtbildwerke: Universal Pictures und BETA-Film 2003

„..sagten Sie: Gräfin?“ in: Napoléon. Porträt Caulaincourt Teil 4, Regie: Yves Simoneau, Buch: Didier Decoin, Max Gallo, 2001-2002 Caulaincourt: Heino Ferch

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1809 – Polen – Ankunft Napoleons in einem polnischen Städtchen mit Regierungssitz.

„..sagten Sie: Gräfin?“

Unser Blick schweift über einen kleinen freundlichen farbenfrohen Marktplatz, Sonne, frisches Frühlingslüftchen. Die Fassaden sind durchweg lupenreines 18. Jahrhundert. Mariensäule mit weißen Rokokoheiligen, ähnlich Salzburg Altstadt. Der Schafmarkt findet gerade statt, viel Volk ist auf dem Platz – Leute aus Stadt und Land,

Alles ist für die Ankunft Napoléons vorbereitet.

Vor dem Stadtschloß bilden blauweissrote Soldaten eine beiderseitige Spaliergasse für Napoléons Entourage. Eskortiert von Kavallerie fährt Napoléons Kutsche ein, hält vor der Fassade des zierlichen Stadtschlosses.

Jubelndes Volk begrüßt ihn. Man hofft auf ihn als Befreier von der Fremdherrschaft, Polen existiert momentan als eigener Staat nicht auf der Landkarte Europas, Preußen, Österreich und Russland haben es untereinander aufgeteilt.

Kamerafahrt aus der Vogelperspektive herab auf Augenhöhe in die erste Reihe der Schaulustigen, als die Kutsche Napoléons ganz nah heran ist. Die Kutsche hält genau vor uns.

Auf dem Kutschbock Napoléons ägyptischer Leibwächter, er steigt ab, öffnet den Schlag. Einer zweiten Kutsche ist Caulaincourt entstiegen, in seiner blauen goldbestickten Uniform mit Mantel, weissen Reithosen, Kavalleriestiefeln, Degen.

Napoléon nimmt die Ovationen des Volkes entgegen. Caulaincourt eilt auf seinen Kaiser zu, gleichzeitig beginnt er, sein eigenes Exterieur zu vervollständigen. Er krempelt schon mal die Ärmel hoch, nein, stimmt nicht, er schlüpft in seine weißen Handschuhe – für uns Signal des Beginns eines offziellen Zeremoniells. Jetzt steht er vor Napoléon.

In den lauten Jubel hinein sagt er:

Wenn Sie erlauben, Sire , werde ich schon mal vorgehen.

..und enteilt direkt an uns vorbei aus dem Bild, jetzt mit komplettiertem Decorum.

Napoleon zieht seinen Zweispitz und grüßt das jubelnde Volk. Unsere Blickfeld erweitert sich aus Augenhöhe wieder über den ganzen Platz, über die Köpfe hinweg, wir sehen Hunderte von winkenden Händen und Hüten.

Schnitt.

Hauptportal des örtlichen Domes. Soldaten haben eine Spaliergasse gebildet als Absperrung. Nahe am Portal endet das Spalier. Dort steht beiderseits bis zum Haupteingang schaulustiges Volk, neugierig, aber ohne zu drängeln. Es sind vor allem Frauen.

Wir folgen eilig und nur zwei Schritt hinter des Marquis´ beachtlichem Rücken, der schnell und entschlossen durch die Spaliergasse auf das Hauptportal des Domes zugeht.

Wir haben alle Eile, Caulaincourts Tempo zu halten. So sehen wir nur aus dem Augenwinkel, daß sich aus der Menge der Frauen eine Gestalt gelöst hat. Jetzt fällt sie Caulaincourt in den Arm.

Wir können gerade noch anhalten, beinahe wären wir über die beiden gestolpert. Wir sind nur noch einen Schritt hinter ihnen, sehen beider Gesicht und Oberkörper aus nächster Nähe, der Marquis im verlorenen Profil, die Dame von der Seite.

Die junge Frau, vielleicht zwanzig Jahre, trägt standesgemäße edle Kleidung, eine zimtfarbenes besticktes Kapuzencape mit Zobelbesatz und zimtfarbene Seidenhandschuhe. Die Farbe ihrer Robe korrespondiert perfekt mit der Haarfarbe Caulaincourts. Die beiden bieten einen wunderschönen Anblick – ein Farbrausch in Royalblau, Gold und Zimtbraun.

Bitte verzeihen Sie Monsieur!

Helfen Sie mir, ich muss den Kaiser sprechen!

Caulaincourt lehnt seinen Oberkörper indigniert etwas zurück. Was soeben geschieht, widerspricht jedem Protokoll. Als Angehöriger eines elitären Standes ist er es absolut nicht gewöhnt, körperlich so respektlos bedrängt zu werden.

 Gräfin Maria Walewska (Alexandra Maria Lara) und Marquis de Caulaincourt (Heino Ferch)

Bildquelle und Bildrechte bei cinema.de Click auf das Bild, um zu cinema.de Film Napoléon zu gelangen

Es dauert nur Sekundenbruchteile, bis ein Soldat der Dame mit dem Gewehr ein weiteres Vordringen verunmöglicht. Wir sehen den Arm und die Waffe des Soldaten. Er hält das Gewehr mit versperrender Geste wie einen Schlagbaum zwischen den Adligen und die Angreiferin.

Das ist.. absolut.. unmöglich!

antwortet Caulaincourt und geht sofort weiter. Das Gewehr des Soldaten hält die Dame zurück.

Close up auf das fein geschnitte Gesicht der jungen Frau.

Sie ruft dem Marquis nach:

Wie können Sie erlauben, daß einer Ihrer Soldaten die Gräfin Maria Walewska so behandelt!

Gräfin. Für den Marquis ist das ein Stichwort, auf das er mit einer ruckartigen Rückwendung zu Maria Walewska reagiert. Der Marquis de Caulaincourt ist tief in seinem Herzen von einer Standesgesellschaft überzeugt.

Eine Gräfin ist standesgemäß und hat das Recht, gehört zu werden.


Er sieht sie noch einmal – jetzt prüfend und aufmerksam an. Nach einer Sekunde, in der sich beide aus der Distanz anblicken, hat er sich zur Umkehr entschlossen. Ein kurzes Nicken bedeutet dem Soldaten, die Waffe fortzunehmen.

Der Marquis kommt die zehn Schritte, die er bereits weitergegangen war, zurück. Gräfin Walewska steht nun frei in der Spaliergasse.

Caulaincourt hat Maria Waleswka erreicht, beide in respektvollem Abstand voreinander. Caulaincourt richtet sich auf.

Sagten Sie: Gräfin?

So ist es.

Close up Caulaincourt. Er sieht ihr noch einmal einen Moment in die Augen, forschend, wach, sogar ein wenig enthusiasmiert, blickt dann kurz nachdenkend weg, schließlich für die Dauer eines halben Atemzuges überlegend zu Boden. Er hat einen Entschluß gefaßt.

Wortlos bietet er ihr, sehr überraschend für uns – und wohl auch für die Gräfin – mit höfisch-ritterlicher Geste seinen Arm. Es ist die Geste des adligen Kavaliers, die erwartet, dass die Dame sie mit einem Auflegen ihrer Hand auf seinen Unteram akzeptiert.

Gräfin Walewska akzeptiert die Geste – jedoch in einer Weise, die wieder nicht dem Protokoll entspricht. Sie legt nicht nur ihre Hand auf den Arm des Marquis. Nein. Sie hakt sich unter und legt dabei ihre Hand – mit gespreizten Fingern! – von innen auf seinen Arm. Die Oberarme der beiden berühren sich, ihr Ellbogen berührt seinen Leib.

Für diese Zeit in diesem offiziellen Rahmen ist das eine Geste von unerhörter Intimität, eigentlich inakzeptabel.

Die enge Berührung tut unmittelbar Wirkung. Beide versuchen beim Gehen nach vorne zu blicken, was allerdings nur bedingt gelingt. Seine und ihre Blicke klicken ganz unprotokollarisch immer wieder suchend und sichernd nach dem Anderen hin. Caulaincourt bewahrt Haltung und führt Maria Walewska in Richtung des Kaisers.. Maria Walewska kann sich nicht eines kleinen wohlig-siegreichen Lächelns erwehren, obwohl die zierliche Frau etwas Mühe hat, mit Caulaincouerts siebenmeilen-Stiefelschritten mitzuhalten.

Als der Kaiser nur noch wenig entfernt ist, läßt die Gräfin Caulaincourts Arm fahren und rennt – die dritte Protokollverletzung in Reihe (! eine Dame von Stand rennt niemals !)– – ohne sich zu bedanken auf den Kaiser zu.

Sire!

Sie küßt Napoléon die Hand, wie in Polen höherstehenden Personen gegenüber üblich.

Eigentlich wollte sie um Freiheit für ihr Volk bitten. In der Aufregung und unter Napoléons flammend intensivem willensstarken und sehr männlichen Blick hat sie ihren Text vergessen. Naja. Kann ja mal passieren.


Jedenfalls ist der Grundstein zu einer heißen Affäre zwischen dem Kaiser und ihr gelegt. In diesem Moment allerdings bricht die Walewska schamhaft den Dialog ab und verschwindet, wie Cinderella im Märchen beim Glockenschlag, spurlos in der Menge.

Caulaincourt kann sofort einen neuen Sonderauftrag übernehmen: er muss Cinderella Walewska finden, koste es was es wolle.

Caulaincourt wäre nicht Caulaincourt, wenn er nicht auch diese Aufgabe schnell und intelligent lösen würde. Er veranstaltet einfach einen Ball mit dem gesamten Adel Polens, Walewska wird sich unter den Gästen wiederfinden.

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Filmszenen I „…für Dich!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno Teil 3A. Regie: Tom Toelle, Buch: Peter Märthesheimer, 1994.

13. Februar 2009 · Kommentar schreiben

Teaser Film Deutschlandlied

Bildquelle Homepage Katja von Garnier, alle Bildrechte bei ZDF und TV 60 München

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„…für Dich!“ in: Deutschlandlied. Porträt Hanno Teil 3a. Regie: Tom Toelle, Buch: Peter Märthesheimer, 1994.

Kino für die Ohren – hören statt lesen: Audio.mp3

Szene

Revierausbau – an allen Fronten:

(Info: Hanno scheint jünger zu sein als Lisa, vielleicht fünf Jahre.)

Hanno, der Kindskopf, hatte doch tatsächlich das Ofenrohr bei den Flüchtlingen in der Werkstatt verstopft, um sie zu ärgern, eventuell sogar zu vertreiben. Lisa kommt wütend die Treppe in die Wohnung hochgerannt.

Wer hat das Ofenrohr verstopft?

Hanno läßt sich Zeit, er schmirgelt seelenruhig an seinem Werkstück herum.

Im Sommer macht man keinen Ofen an,

antwortet er patzig.

Lisa muss seinen Expansionsdrang immer wieder bremsen.

Was bildest Du Dir ein – in diesem Hause ist immer noch Dein Bruder der Herr!

Hanno kindisch bockig:

Und ich das Arschloch – wie immer!

Lisa: Kannst Du nicht warten! Mußt Du dir immer alles nehmen?

Die Stadt will im Ex-Arbeitslager von Königsbruck ein Mahnmal bauen für die Opfer des Regimes.

Hanno sieht messerscharf seine Chance, er bietet an, das Mahnmal direkt im Lager zu errichten, aus Holz natürlich.

Sein Plan ist, aus dem Abfallholz des Mahnmals seine ersten Möbel zu bauen und so den Grundstein für eine geschäftliche Zukunft zu legen.

Hanno wird seine Werkstatt in einer Lagerbaracke einrichten dürfen und sogar gegen Holzdiebstahl Wachhunde gestellt bekommen.

Die Szene

Bedrückende Unsicherheit – Zukunft mit Hanno – oder mit Theo? Wer wird der Verlierer sein?

In Schmidbauers Wohnküche, Lisa trägt ihren roten Morgenmantel, es ist später Abend.
Hanno ist noch angekleidet, kurzärmliges enges Hemd aus dünnem Stoff, seine alte Hosenträger-Hose.

Hanno und Schreinermeister Opa Peisener, der nach einer klärenden Aussprache jetzt unter Hannos persönlichem Schutz steht, haben Entwürfe für das Mahnmal gezeichnet und an die Wand gepinnt.

Dafür haben sie die Bilder von Theo, Lisas vermisstem Mann, abgenommen, die vorher dort über dem Herd hingen.

Die Bilder zeigten Montgolfieren und symbolisieren Theos großen Traum: einen Heissluftballon zu bauen und damit zu fliegen. Die Bilder sind für Lisa Erinnnerung und Hoffnungsanker für eine Rückkehr ihres Gatten.

Lisa nimmt Hannos Zeichnungen ärgerlich und schnell ab.

Hanno:

Vorsicht, das sind Entwürfe!

Blätter flattern zu Boden, Lisa, läßt die von der Wand genommenen Zeichnungen einfach fallen.

Lisa:

Deswegen müssen sie nicht ausgerechnet da hängen.

Hanno bückt sich aufgeregt nach den Blättern und hebt sie auf.

Die anderen Zeichnungen nimmt er mit Lisa gemeinsam ab, um ihr dabei zuvorzukommen, noch mehr davon zu Boden zu werfen.

Wir stehen in Hannos Rücken, so dicht hinter ihm, dass wir ihm die Hand auf die Schulter legen könnten.

Die Kamera folgt Hanno, der noch einmal begeistert seine Entwürfe durchschaut.

Kombimöbel, Lisa, Kombimöbel!

Mit dem Rest von dem Denkmal also verstehst Du mit dem Rest von dem Holz von dem Denkmal…

Lisa hat einen Stuhl herangeholt und ist darauf gestiegen, um die Montgolfieren-Bilder wieder aufzuhängen, sie putzt die Verglasungen sorgfältig und liebevoll ab. Hanno steht nahe bei ihr, begeistert.

Er blickt zu ihr auf, sein Kopf ist auf ihrer Taillenhöhe. Er sagt:

Damit bauen wir unsere Zukunft. Ja!

Lisa hängt schweigend weiter die Bilder auf. Sie will ja gar keine Zukunft mit Hanno, sondern mit Theo, dessen Andenken sie gerade wieder an ihren Platz zurückhängt. Trotzdem ist sie von Hanno schwanger. Sie verschweigt Hanno diese Tatsache.

Als Lisa gar nicht reagiert, dreht sich Hanno enttäuscht weg, ein bißchen, wie ein kleiner Junge.

Ja , wenn Dich das nicht interessiert….!

Lisa fasst Hanno an der Schulter.

Hanno hat auf ein solches Zeichen gewartet, er reagiert sofort, dreht sich fast blitzartig wieder zu ihr hin und blickt ihr ins Gesicht.

Lisa von oben von ihrer Stuhlhöhe herab:

Ich will nur nicht, dass Du ohne mich zu fragen, Bilder von der Wand nimmst.

Hanno und Lisa starren sich erregt an, Hanno bockig, Lisa wie eine tadelnde Mama.

Lisa nimmt der Situation die Härte durch eine versöhnliche Geste.

Sie streicht ihm wie eine fürsorgliche Mutter das Haar aus der Stim. Dann steigt sie vom Stuhl und drängt sich an ihm vorbei ohne ihn noch einmal zu berühren.

Hanno steht wieder allein.

Sie blickt sich nach ihm um.

Er steht starr und betreten da, den Rücken zu ihr.

Die Kamera fährt näher an ihn heran. Er senkt den Blick, wirkt resigniert, immer trauriger, jetzt sehen seine Züge fast aus wie die eines Menschen, der innerlich weint.

Er schaut mit einem kleinen Seitenblick – der ein wenig ratlos und hilflos wirkt, ins Nichts.

Er wirkt einen winzigen Moment lang so hilflos der Situation gegenüber.

Dann atmet er tief ein, er geht zur Kommode. Die Kamera folgt ihm nahe, dass wir nur seinen Oberkörper sehen können. Wenn Hanno sehr langsam geht, verebbt sein Hinken soweit, dass wir es fast vergessen.

Hanno nimmt – nach Lisa lauernd, ob sie auch nicht herüberschaut – heimlich etwas aus der Schublade und versteckt es hinter seinem Rücken.


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1994-95 Hanno Schmidbauer – Heino Ferch, Lisa Schmidbauer – Katja Riemann

Theorie: Topos: Der Mann, der zu seiner Partnerin aufblickt.

Eine „idee fixe, ein Topos in Ferch-Projekten ist der Mann als Partner, der zu seiner Partnerin aufblickt, da er sich im Raum in tieferer Position als die Frau befindet. Dieser Topos taucht über ein Jahrzehnt hinweg in immer neuer Färbung auf.

1996 Deutschlandlied: Hier blickt ein junger vertrauensvoller Mann zu seiner etwas älteren Partnerin auf, die ihm mütterlich das Haar aus der Stirn streicht.

2002 Nachts im Park: Die Frau (Frau Dr. Lumis) beschützt den Erschöpften (der auf der Couch schläft), versorgt ihn, er liegt, sie steht über ihm und beugt sich zu ihm herab, ihm kameradschaftlich und zärtlich, aber ohne Besitzanspruch, zugetan.

2003 Der Anwalt und sein Gast: Hier ragt die Frau – ihre Silhouette umschließt seine Silhouette in der Spiegelung beängstigend – übermächtig über dem Mann auf. Der Mann wirkt klein, erschrocken. Die Partnerin ist eine Machthaberin, der Mann machtlos und winzig, gefangen in der Silhouette der Frau.

2005 Mord am Meer: Der Mann kauert an der Tür seines ehemaligen Hauses, die Frau steht hoch über ihm, hat die Regie über sein Hier- oder Nichthiersein. Sie ist ganz abgenabelt, distanziert und hat die Entscheidungsmacht über die Situation. Sie nutzt die Macht nicht für Machtspielchen, sie ist fair.

2005 Hölle im Kopf: Im Bett, in Szenen, die Erinnerung an vertraute gemeinsame Vergangenheit spiegeln, ist die Frau über ihm, dem Schwachen, Schlafenden in Halbsitzposition aufgerichtet. Sie ist wach und stark, schützt ihn, holt ihn rücksichtsvoll aus dem Schlaf in die Gegenwart.

Schluß: Sie steht einige Stufen über ihm auf einer Treppe, aber beide kämpfen bis zum bitteren Final Show Down. Die beiden sind Feinde geworden. Die Frau verliert.

2006 Auf ewig und einen Tag: Er sitzt im Bett aufgerichtet, ist gerade erwacht und muss erkennen, dass seine Frau sich für einige Zeit von ihm zurückziehen muss. Die Frau steht über ihm, beugt sich herab und küßt und streichelt seinen Kopf – liebevoll, wie man ein schutzbedürftiges Kind beruhigt. Die Frau, zwar unabhängige Regentin ihrer Handlungen, ist nun wieder eine freundliche zugetane Figur, -viel jünger jetzt-, die zwar für sich sorgt, aber unverbrüchlich zugetan ist.

Kategorien: Deutschlandlied
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