Filmszenen

Filmszenen I …wo ist mein Kind?….in: Die Braut von Messina. Teil 1. Theaterstück von Friedrich Schiller.

22. November 2009 · Kommentar schreiben

Gemälde: Anselm Feuerbach

Story Line:

Wir sind  im Palast von Messina, wo die kürzlich verwitwete Fürstin Isabella ihre beiden verfeindeten Söhne, Don Manuel und Don Cesar, nach langem Streit wieder miteinander versöhnt. Nach der Beilegung des Streites offenbart Isabella den beiden, dass sie noch eine Schwester, Beatrice, haben, die bis zu jenem Zeitpunkt verborgen in einem Kloster herangewachsen ist, die sie nun aber zurück in den Palast führen wolle.

Fürstin Isabella hatte das Mädchen einem Kloster zur Pflege gegeben, obwohl es laut Befehl des verstorbenen Königs bereits nach seiner Geburt hätte getötet werden sollen. Diesen Befehl hatte der Vater aufgrund eines Traumes gegeben, welchen ein sternkundiger Araber so deutete, dass die zukünftige Tochter den Untergang des gesamten Geschlechts bewirken würde.

Doch hatte Fürstin Isabella selbst einen anderen Traum, den sie von einem christlichen Mönch deuten ließ. Dieser versicherte ihr, dass die Tochter dereinst ihre beiden streitenden Brüder in Liebe vereinen würde. Da Isabella der christlichen Deutung mehr Wert beimaß, rettete sie das Kind und hielt es verborgen.

Unwissentlich sind allerdings sowohl Don Manuel als auch Don Cesar ihrer Schwester Beatrice schon begegnet, und beide haben sich in sie verliebt, ohne dabei ihre Identität zu erfahren oder von der Liebe des jeweils anderen zu wissen.

Text: Wikipedia


Vor der Szene

Die beiden Brüder Don Cesar und Don Manuel, wollen jetzt gerne ihre Schwester Beatrice kennenlernen. Die Mutter, Isabella, lässt den Diener Diego (Heino Ferch) nach ihr schicken. Leider ist Beatrice unauffindbar.

Die Szene. Zweiter Akt, Sechster Auftritt

Sechster Auftritt.

Donna Isabella. Don Manuel. Don Cesar. Diegozeigt sich an der Thüre.

Isabella. Doch, sieh, da kommt mein treuer Knecht zurück!
Nur näher, näher, redlicher Diego!
Wo ist mein Kind? – Sie wissen Alles! Hier
Ist kein Geheimniß mehr – Wo ist sie? Sprich!
Verbirg sie länger nicht! Wir sind gefaßt,
Die höchste Freude zu ertragen. Komm!

( Sie will mit ihm nach der Thüre gehen.)

Was ist das? Wie? Du zögerst? Du verstummst?
Das ist kein Blick, der Gutes mir verkündet!
Was ist dir? Sprich! Ein Schauder faßt mich an.
Wo ist sie? Wo ist Beatrice? ( Will hinaus.)

Don Manuel. ( für sich betroffen). Beatrice!

Diego. ( hält sie zurück). Bleib!

Isabella. Wo ist sie? Mich entseelt die Angst.

Diego. Sie folgt
Mir nicht. Ich bringe dir die Tochter nicht.

Isabella. Was ist geschehn? Bei allen Heil’gen, rede!

Don Cesar. Wo ist die Schwester? Unglücksel’ger, rede!

Diego. Sie ist geraubt! Gestohlen von Corsaren!
O, hätt’ ich nimmer diesen Tag gesehn!

Don Manuel. Faß dich, o Mutter!

Don Cesar. Mutter, sei gefaßt!
Bezwinge dich, bis du ihn ganz vernommen!

Diego. Ich machte schnell mich auf, wie du befohlen,
Die oft betretne Straße nach dem Kloster
Zum letztenmal zu gehn – Die Freude trug mich
Auf leichten Flügeln fort.

Don Cesar. Zur Sache!

Don Manuel. Rede!

Diego. Und da ich in die wohlbekannten Höfe
Des Klosters trete, die ich oft betrat,
Nach deiner Tochter ungeduldig frage,
Seh’ ich des Schreckens Bild in jedem Auge,
Entsetzt vernehm’ ich das Entsetzliche.

( Isabella sinkt bleich und zitternd auf einen Sessel, Don Manuel ist um sie beschäftigt.)

Don Cesar. Und Mauren, sagst du, raubten sie hinweg?
Sah man die Mauren? Wer bezeugte dies?

Diego. Ein maurisch Räuberschiff gewahrte man
In einer Bucht, unfern dem Kloster ankernd.

Don Cesar. Manch Segel rettet sich in diese Buchten
Vor des Orkanes Wuth – Wo ist das Schiff?

Diego. Heut frühe sah man es in hoher See
Mit voller Segel Kraft das Weite suchen.

Don Cesar. Hört man von anderm Raub noch, der geschehn?
Dem Mauren gnügt einfache Beute nicht.

Diego. Hinweg getrieben wurde mit Gewalt
Die Rinderheerde, die dort weidete.

Don Cesar. Wie konnten Räuber aus des Klosters Mitte
Die Wohlverschloßne heimlich raubend stehlen?

Diego. Des Klostergartens Mauern waren leicht
Auf hoher Leiter Sprossen überstiegen.

Don Cesar. Wie brachen sie ins Innerste der Zellen?
Denn fromme Nonnen hält der strenge Zwang.

Diego. Die noch durch kein Gelübde sich gebunden,
Sie durfte frei im Freien sich ergehen.

Don Cesar. Und pflegte sie des freien Rechtes oft
Sich zu bedienen? Dieses sage mir.

Diego. Oft sah man sie des Gartens Stille suchen;
Der Wiederkehr vergaß sie heute nur.

Don Cesar( nachdem er sich eine Weile bedacht).
Raub, sagst du? War sie frei genug dem Räuber,
So konnte sie in Freiheit auch entfliehen.

Isabella( steht auf). Es ist Gewalt! Es ist verwegner Raub!
Nicht pflichtvergessen konnte meine Tochter
Aus freier Neigung dem Entführer folgen!
– Don Manuel! Don Cesar! Eine Schwester
Dacht’ ich euch zuzuführen; doch ich selbst
Soll jetzt sie eurem Heldenarm verdanken.

In eurer Kraft erhebt euch, meine Söhne!
Nicht ruhig duldet es, daß eure Schwester
Des frechen Diebes Beute sei – Ergreift
Die Waffen! Rüstet Schiffe aus! Durchforscht
Die ganze Küste! Durch alle Meere setzt
Dem Räuber nach! Erobert euch die Schwester!

Don Cesar. Leb wohl! Zur Rache flieg’ ich, zur Entdeckung!

( Er geht ab. Don Manuel aus einer tiefen Zerstreuung erwachend, wendet sich beunruhigt zu Diego.)

Don Manuel. Wann, sagst du, sei sie unsichtbar geworden?

Diego. Seit diesem Morgen erst ward sie vermißt.

Don Manuel. ( zu Donna Isabella).
Und Beatrice nennt sich deine Tochter?

Isabella. Dies ist ihr Name! Eile! Frage nicht!

Don Manuel. Nur Eines noch, o Mutter, laß mich wissen –

Isabella. Fliege zur That! Des Bruders Beispiel folge!

Don Manuel. In welcher Gegend, ich beschwöre dich –

Isabella( ihn forttreibend).
Sieh meine Thränen, meine Todesangst

Don Manuel. In welcher Gegend hieltst du sie verborgen?

Isabella. Verborgner nicht war sie im Schooß der Erde!

Diego. O, jetzt ergreift mich plötzlich bange Furcht.

Don Manuel. Furcht, und worüber? Sage, was du weißt.

Diego. Daß ich des Raubs unschuldig Ursach sei.

Isabella. Unglücklicher, entdecke, was geschehn!

Diego. Ich habe dir’s verhehlt, Gebieterin,
Dein Mutterherz mit Sorgen zu verschonen.
Am Tage, als der Fürst beerdigt ward,
Und alle Welt, begierig nach dem Neuen,
Der ernsten Feier sich entgegendrängte,
Lag deine Tochter – denn die Kunde war
Auch in des Klosters Mauern eingedrungen –
Lag sie mir an mit unabläß’gem Flehn,
Ihr dieses Festes Anblick zu gewähren.

Ich Unglückseliger ließ mich bewegen,
Verhüllte sie in ernste Trauertracht,
Und also war sie Zeugin jenes Festes.
Und dort, befürcht’ ich, in des Volks Gewühl,
Das sich herbeigedrängt von allen Enden,
Ward sie vom Aug des Räubers ausgespäht,
Denn ihrer Schönheit Glanz birgt keine Hülle.

Don Manuel( vor sich, erleichtert).
Glücksel’ges Wort, das mir das Herz befreit!
Das gleicht ihr nicht! Dies Zeichen triff nicht zu.

Isabella. Wahnsinn’ger Alter! So verriethst du mich!

Diego. Gebieterin! Ich dacht’ es gut zu machen.
Die Stimme der Natur, die Macht des Bluts
Glaubt’ ich in diesem Wunsche zu erkennen;
Ich hielt es für des Himmels eignes Werk,
Der mit verborgen ahnungsvollem Zuge
Die Tochter hintrieb zu des Vaters Grab!
Der frommen Pflicht wollt’ ich ihr Recht erzeigen,
Und so, aus guter Meinung, schafft’ ich Böses!

Don Manuel( vor sich).
Was steh’ ich hier in Furcht und Zweifelsqualen?
Schnell will ich Licht mir schaffen und Gewißheit. ( Will gehen.)

Don Cesar( der zurückkommt).
Verzieh, Don Manuel; gleich folg’ ich dir.

Don Manuel. Folge mir nicht! Hinweg! Mir folge Niemand! ( Er geht ab.)

Don Cesar( sieht ihm verwundert nach).
Was ist dem Bruder? Mutter, sage mir’s.

Isabella. Ich kenn’ ihn nicht mehr. Ganz verkenn’ ich ihn.

Don Cesar. Du siehst mich wiederkehren, meine Mutter;
Denn in des Eifers heftiger Begier
Vergaß ich, um ein Zeichen dich zu fragen,
Woran man die verlorne Schwester kennt.
Wie find’ ich ihre Spuren, eh’ ich weiß,
Aus welchem Ort die Räuber sie gerissen?
Das Kloster nenne mir, das sie verbarg.

Isabella. Der heiligen Cecilia ist’s gewidmet,
Und hinterm Waldgebirge, das zum Aetna
Sich langsam steigend hebt, liegt es versteckt;
Wie ein verschwiegner Aufenthalt der Seelen.

Don Cesar. Sei guten Muths! Vertraue deinen Söhnen!
Die Schwester bring’ ich dir zurück, müßt’ ich
Durch alle Länder sie und Meere suchen.
Doch eines, Mutter, ist es, was mich kümmert:
Die Braut verließ ich unter fremdem Schutz.
Nur dir kann ich das theure Pfand vertrauen,
Ich sende sie dir her, du wirst sie schauen;
An ihrer Brust, an ihrem lieben Herzen
Wirst du des Grams vergessen und der Schmerzen. ( Er geht ab.)

Isabella. Wann endlich wird der Fluch sich lösen,
Der über diesem Hause lastend ruht?
Mit meiner Hoffnung spielt ein tückisch Wesen,
Und nimmer stillt sich seines Neides Wuth.
So nahe glaubt ich mich dem sichern Hafen,
So fest vertraut’ ich auf des Glückes Pfand,
Und alle Stürme glaubt’ ich eingeschlafen,
Und freudig winkend sah ich schon das Land
Im Abendglanz der Sonne sich erhellen;

Da kommt ein Sturm, aus heitrer Luft gesandt,
Und reißt mich wieder in den Kampf der Wellen!

( Sie geht nach dem innern Hause, wohin ihr Diego folgt.)

Zit. n. Das Gutenberg- Projekt auf spiegel.de

Aufführung Freies Volkstheater Berlin 1989 – 1990 – Heino Ferch (im Alter von 26) – Diener Diego, Elisabeth Trissenaar – Donna Isabella, Lilian Naef – Beatrice, Regie – Ruth Berghaus, Henry Arnold – N.N. , Christian Ebert – Chorsprecher

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Filmszenen I ..Andauernd muss man sich entscheiden. …Teil 3 in: Freundinnen. Heino Ferch – Peter. Regie: Heiko Schier 1993-94

15. November 2009 · Kommentar schreiben


Bildquelle und Bildrechte bei von Vietinghoff Filmproduktion für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen. click auf das Bild, um es in Originalgröße zu sehen.

Neue Episode leider erst heute Abend. Theater Die Braut von Messina.

Was los ist? Zum ersten Mal seit Projektbeginn sind wir mit dem Kopf ganz woanders. Nee, gelogen, mit Kopf und Herz ganz woanders. Wir sitzen seit einer Woche staunend mit offenem Mund vor den Hauptarbeiten von Russell Crowe. Sein Jim Braddock, sein Cal McAffrey, sein Captain Jack Aubry, sein Robin Hood völlig verschiedene Menschen mit völlig unterschiedlichem Aussehen und Körpersprache. Von der barocken Körperlichkeit von CalMcAffrey bis zum ausgemergelten, vor Entmutigung fast ausgebrannten Gesicht von Jim Braddock oder dem Gesicht von Robin Hood aus dem man sofort eine lange anstrengende Zeit von Verantwortungsübernahme und Selbstverpflichtugn  liest, bevor er noch ein Wort in der Rolle geredet hat… Die Emotionen  – bei den meisten Leuten sehen wir die textentsprechende Hauptemotion wie eine Solostimme, bei Russell Crowe sehen wir, – ähnlich wie bei hf – immer einen ganzen Akkord, die Hauptemotion wie eine Solostimme und andere Emotionen, die aus der Erinnerung und dem Charakter der dargestellten Person kommen, orchestrieren dieses Solo wie Generalbass-Stimmen. Wir sitzen und staunen.


Hören statt Lesen: Audio.mp3  -> zum Soforthören

Vor der Szene

Sophialein wird von Olga aufgepäppelt.

Mensch, es schwimmen doch noch mehr Fischlein im Teich, als nur ihr Peterchen!

O.k. Sophia probiert einen anderes Peterchen, eines mit ´nem schwarzen Wuschelkopf. Bringt aber nix.

Tja, und dann… stellt Olga ihre neue Freundin Sophia dem Supertypen Marcel vor. Ein Mann, ein Maaann, so´n echter Mann.

Nee, na?! Doch, – was denn sonst.

Aber umgekehrt. Marcel verliebt sich in Sophia, die graue Maus. Na, ja, was heißt verliebt. Er weiß es auch nicht, aber er kennt die Anzeichen. Er will ihr unbedingt im Bett was flüstern.

Das kann nur furchtbar werden. Wo auch noch Sophia´s Peter wieder auftaucht. Kurzfristig.

Die Szene

Die Wohnungs-Tür geht auf. Sophia im Bademantel. Draussen vor der Tür: Moritz, der Kater.

In den Händen von Peter. Das passt. Moritz war weg, Peter war weg. Jetzt sind se wieder da, beide.

Peter, da steht er, Jacket, grau, ordentlich, Polohemd weinrot, ordentlich, Cordhose braun. Alles brav, alles passt irgendwie nicht und passt auch nicht zusammen. So ähnlich eben wie Peter und Sophia. Vorwurfsvolle Gesichter.

Peter darf eintreten. Kein Wort zwischen beiden. Sophia trägt ihren Kater. Moritz. Peter entdeckt das Brautkleid. Amüsiert:

Was ist das denn?

Sophia und Peter machen einen dieser Wir-sprechen-uns aus Spaziergänge in Sophia´s Wohngegend, also entlang eines Schutzzaunes der S-Bahn, an einer dieser übriggebliebenen Stellen der Städteplanung, die  für gar nichts vorgesehen waren. Keine Straße, kein Gebäude, kein Platz, der abgeschnippelte Restbereich zwischen den Bauprojekten, Niemandsland.

Peter, die Hände in den Hosentaschen. Sein Jacket weht auf. Sapperlot. Strammer Body. So war das also. Toller Body und im Stockwerk drüber nur Probleme, Probleme, Probleme wälzen:

Trinkst Du?

Sophia, Sommerkleidchen, Jeansjacke:

Das geht Dich gar nichts an.

Peter

Du könntest wenigstens Danke sagen

Sophia

Oh Danke, lieber Peter, danke, danke.

Der Kater issn Verräter, ich hasse ihn.

Wie hat er Dich überhaupt gefunden?

Peter

Mir völlig rätselhaft.

Sophia

Ja, er konnte Dich nie leiden.

Peter, schicksalsschwer:

Ich habe auch zurückgefunden.

Sophia, bleibt stehen, dreht sich zu ihm hin:

Ha ha!! Ich komm´aber nich´ zurück.

Sophia dreht sich wieder weg, eilt weiter. Peter sieht ihr hinterher, holt auf.

Peter

Dieses Kleid. .. ich meine – keiner hatte die Absicht, in weiss zu heiraten.

Sophia

Nein?

Peter

Nein.

Sophia umrundet ihn, schreit ihn an:

Bildquelle und Bildrechte von Vietinghoff Filmproduktion

Wir ham uns überhaupt nich geliebt, wir ham immer nur so getan, wie in der Werbung.

Peter, jetzt auf sicherem Terrain, nämlich der formalen Ebene:

Schrei hier bitte nich´ rum, ja?

Sophia

Ahhhh!

Bist´n verdammter Feigling.

Hättest nur EINmal in Deinem Leben zu was Ja sagen müssen.

Peter reisst endlich die Hände aus den Hosentaschen.

Ach isses meine Schuld.

Sophia

Ja.

Du hättst mir helfen müssen. Du hättst mich irgendwie…

Sie startet zum Weitergehen

…haben wollen müssen können – ach, was weiss ich.

Sie ist weggegangen. Peter sieht ihr hinterher. Man merkt, er leidet. Aber trotzig wird er nicht von seinem Recht abrücken. Er läuft Sophia nach, bleibt weit entfernt von ihr stehen.

Schnitt.

Am S-Bahn-Zaun. Betonpodest, mit Graffitti beschmiert, Baumaterial liegt rum, Unkraut, nicht mal das wächst hier richtig, kahler Boden, steinig. Der passende Platz für den Text:

Peter

Weißt Du, woran alles zerbrochen is?

Sophia dreht sich nach ihm um:

Das weißt Du?

Peter

An diesen Plänen, die man immer so macht.

Mit Kindern. Wann. Und wie viele. Wo man leben soll, wie man sich einrichtet. Wie man das alles bezahlen soll.

Jetzt laufen beiden wieder nebeneinander. Beide starren geradeaus.

Sophia

Ja

Peter

Ja. Man verliert völlig den Überblick. Was richtich is und was nich.

Sophia

Was is wichtich?

Peter

Dass man glücklich iss.

Sophia, patzig:

Und wie wird man das?

Peter

Vielleicht ham wir es einfach nur vergessn.

Sophia wendet sich ab, setzt sich auf das Betonpodest des Absperrzaunes.

Das is traurich.

Peter

Warum bist Du weggelaufen?

Du steckst in Schwierigkeiten, hab ich Recht?

Sophia

Auch nich mehr, als vorher.

Peter

Vielleicht kriegen wir noch einmal eine Chance.

Sophia

Von wem, Peter, vom lieben Gott? (…)

Schnitt.

Tja, sieht schlecht aus. Ob das noch mal was wird. Man bemüht sich, man bemüht sich, aber das Glück will sich einfach nicht einstellen, das „Nur die Liebe zählt“-Glück. Und – ganz ehrlich: die drei K haben die Altvorderen doch auch nicht glücklich gemacht. Aber – wie dann?

Gleichzeitig quält sich unser Marcel mit seinen Gefühlen für Sophia. Er soll doch Olga lieben und nicht Sophia begehren. Schwein. Nennt er sich selbst.

In seinem Jazzclub singt eine große voluminöse Frau mit Zwanzigerjahre-Wasserwellenfrisur, sie steht immer an derselben Stelle, wird von den immer gleichen Scheinwerfern beleuchtet, sie ist eine Instanz. Eine Sphinx. Sie kennt das Leben. Die Männer liegen ihr zu Füßen. Manchmal schickt sie sie weg. Zu viele. Marcel befragt sie, das Orakel Berlin-Delphi. Sie referiert weise:

Marcel

Biste glücklich?

Sängerin

Ich antworte auf diese Frage nicht.

Marcel

Glaubst Du, dass da draussen irgendjemand auf Dich wartet?

Sängerin

Ach. Du bist das?

Auf Dich hab ich gewartet, mich verzehrt, von Dir hab ich geträumt und mich nach Dir gesehnt?

Marcel

Ja, so ungefähr.

Sängerin

Wir beide sind füreinander bestimmt?

Komm bitte sei so gut, bestell mir noch n Whisky und lass mich in Ruhe.

Weißt Du , Marcel, wenn, wenn ich verliebt bin, dann , dann hab´ich Ansprüche und Erwartungen. Es entstehen daraus Träume und Bedürfnisse.

Wenn ich jemanden liebe, dann ist das eine feste Tatsache in mir selbst.

Und dann ist es völlig egal, wenn der Andere anders, wenig oder gar nichts empfindet. Ich benutze einen anderen Menschen und bin selbst dabei völlig unfrei.

(Deshalb will sie nicht verliebt sein.)

Marcel

Und das findet alles in Deinem Kopf statt?

Sängerin

M-m. In meinem Herzen.

Marcel

Und was rätst Du mir?

Sängerin

Hm?

Schnitt.

Was? Auch hier kein Rat? Keine Lösung? Mist.

1993-94 Heino Ferch (im Alter von 30) – Peter, Sophias verschwundener Verlobter; Meret Becker – Sophia; Sebastian Koch – Marcel, Olgas Beau; Nina Kronjäger – Olga, reiche Erbin und verliebt in Marcel.

Kommentare:

1. Unsere Sphinx spricht hier salomonisch an:

Michel de Montaigne s (1533–1592) Einlassungen über Freundschaft.

Die ideale Freundschaft hat keine Ansprüche und Erwartungen, keine Begehrlichkeiten und Bedürfnisse. Sie ist eine Instanz in der jeweiligen Person selbst und wünscht das Beste des Anderen, ohne Rechnungen mit ihm aufzumachen, dies ist möglich durch Vertrauen.

3. Peters Double-Binding zwischen Leid und trotzigem Frust und der Bleiben-oder Gehen-Diskussion finden wir wieder in: Winterschläfer. Becki und Marco in der Nacht nach dem Verlassen der Disco.

4. Die beiden Mädels, Olga und Sophia quatschen, überlegen sich, was besonders schön ist, was ihr Herz zum Klopfen bringt und zählen es auf. Das Negativ davon finden wir in Winterschläfer. Die beiden Mädels, Becki und Laura quatschen, zählen auf, was sie auf gar keinen Fall wollen, was schrecklich ist.

5. Olga glaubt an die Heilkraft von Halbedelsteinen. Rosenquarz – hilft gegen gebrochene Herzen. s.a. Vision. Hildegard glaubt ebenfalls an die Heilkraft der Steine. Chrysopas- gegen Wut.

2. Der Topos des Mannes, der in die Wohnung, das Haus, das Leben der Frau zurückzukehren versucht, findet sich direkt in:

Freundinnen (Peter zu Sophia),
Winterschläfer (Marco zu Becki),
Möwengelächter (Björn zu Freyja),
Der Anwalt und sein Gast (Christian zu Katja),
Mord am Meer (Anton zu Sylvia),

Indirekt in :

Wedding (Klaus zu Susanne),
Deutschlandlied (Hanno zu Lisa),
Küß mich! (Johannes zu Katharina),
Widows (Vince zu Elisabeth),

Koma (Franky zu Lisa)
Marlene (Carl zu Marlene),
Auf ewig und einen Tag (Jan zu Paula),
Meine schöne Bescherung (Jan zu Sara)

Vision (Volmar zu Hildegard – ist übrigens am Ende des Filmes die erste Rolle als alter Mann, weisshaarig).

All die vielen Figuren vermitteln über die Jahre ein bestimmtes Bild des Rollenträgers: Er scheint sich um die Beziehung zu bemühen. Der Eindruck von Engagement und Beziehungsfähigkeit jenseits des Straight-Shooter-Images entsteht (Zitat „Unsere Besten“, 2006: „Er bleibt eben ein Straight-Shooter“), ein Facette des Images, das wahrscheinlich ebenfalls nur von Frauen wahrgenommen wurde und wird.

Gegenprobe: Wie viele Figuren streben von der Partnerin weg, weil sie keine Lust mehr haben, wollen sie verlassen? Das Ergebnis erstaunt nicht: Zwei im Frühwerk: Peter (von Sophia, überfordert), Uwe Rockstroh (von Jutta, Sturm und Drang-Zeit), Einer später: Thomas (von Kristin, Altersunterschied trennt, gleichzeitig, auf sublimierter Ebene: will Liane unterstützen, strebt also zu ihr hin). Fertig.


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Filmszenen I …Ahhhrgh!…Teil 2. in : Freundinnen. Heino Ferch – Peter. Regie: Heiko Schier 1993-94

10. November 2009 · Kommentar schreiben


Bildquelle und Bildrechte bei von Vietinghoff Filmproduktion für ZDF Zweites Deutsches Fernsehen. click auf das Bild, um es in Originalgröße zu sehen.

Die Szene

Nacht. Brücke. Stadt. Blaues Strassenlaternen-Licht.

Wir stehen auf dem Brückendamm an einem schönen alten Schmiedeeisen-Brückengeländer,  barock verschnörkelt.

Auf den Handlauf des Geländers stützt sich eine junge Frau. Sie trägt ein Brautkleid, ein ziemlich wuchtiges Brautkleid, sozusagen mit allem, Ausschnitt, Spitze, riesenhafte Poschleife, barock verschnörkelt, ein Riesen-Osterei. Passt gar nicht zu ihrer Knaben-Kurzhaarfrisur. Passt auch gar nicht zu ihrer Stimmung. Langes Gesicht, zappenduster.

Es ist Sophia (Meret Becker), der ihr Peter (Heino Ferch) weggelaufen ist. Sophia hat trotzdem geheiratet. Ganz allein in ihrem Zimmer vor dem Spiegel. Den Glückwunsch-Reisregen hat sie sich selber über den Kopf gekippt.

Die Katze hat sie weggejagt. Und jetzt hebt sie die rechte Hand und lässt den Wohnungsschlüssel ins Wasser fallen.

Schnitt.

Wir blicken auf die andere Seite der Brücke, über den Fahrdamm hinweg. Sophia schwebt in ihrer weissen Spitzenkleidwolke quer über die Bahn, lässt den Kopf hängen. Ein Auto verfehlt sie nur knapp, hupt grässlich laut.

Das zweite Auto, eine offenes Sportcoupé, kann nicht an ihr vorbei, Sophia läuft mitten in dessen  Fahrspur. Vollbremsung, Reifen quietschen. Am Steuer: Unsere taffe Olga. Olga hupt. Wir sehen, wie sie Sophia hinterherschaut, erstaunt.

Schnitt auf Sophia. Sophia ist wie eine Schlafwandlerin weiter geschlurft. Sie schürzt ihre Brautkleidwolke und besteigt seelenruhig das Brückengeländer.

Olga haut die Handbremse rein, steigt aus, geht zur weissen Frau hin. Die schwebt jetzt auf dem Geländer. Rechts im Bild der Rettungsring. Wenigstens kann man den gleich hinterherschmeissen, wenn Sophia fliegen übt.

Sophia, sie blickt geradeaus, hält sich mit der Linken an einer Brückenstrebe fest:

Verschwinden Sie, ich springe.

Olga, dreht sich um die eigene Achse, blickt sich um:

Was ist das hier? Verstehen Sie Spass? Wo ist die versteckte Kamera?

Autos fahren vorbei.

Sophia, die Lady in Weiss, beginnt, vorneüber zu kippen. Ihre Arme sind flugbereit nach links und rechts ausgebreitet.

Olga:

Kreisch!

Olga  greift in Sophias bauschige Rockwolke und hält sie davon ab, weiter in Schräglage zu geraten.

Sophia rudert mit den Armen. Schweigt dabei beharrlich. Wir sehen sie von schräg oben. Ihre Arme kreiseln in der Luft wie die Rotorblätter einer Cessna, ziemlich tief unter ihr das Wasser des Flusses.

Sophia kreischt:

Loslassäähhn!

Loslassäähn!

Wir dürfen die interessante Szene jetzt vom Flussufer aus betrachten. Verschnörkeltes Brückengeländer, Malerische Laternen, eine hübsche weisse Brückenheilige auf dem Geländer, dahinter Olga als Festhalteassistenz. Sophia steht direkt über der Fahrspur der Lastkähne. Die Lichtspiegelungen der Wellen beleben pittoresk die Stirnseite des Brückenbogens.

Olga kreischt.

Bist Du irre?

Jetzt hat sie so hart an Sophia gezerrt, dass diese stürzt.

Rückwärts.

Klatscht der Länge nach auf den Fahrdamm. Setzt sich sofort auf und kreischt:

Ahhhhrgh!

Sie beugt sich nach vorne, vor ihr sieht sie die Beine von Olga. Sophia klammert sich sofort daran fest. Teils aus Schreck, teils aus Angst.

Schnitt auf Olgas Gesicht. Sie sieht auf die lebende Fu ss fe sse l hinunter.

Sophia drückt ihr Gesicht gegen Olgas Knie und atmet heftig. Sophia

Lass mich nich alleine!

Olga unternimmt gar nichts. Blickt immer noch auf das Häufchen Elend hinunter. Erwacht endlich aus der Starre, blickt um sich, ist denn gar niemand da?  Olga:

Was soll das heissen?

Schnitt.

Das soll heißen, dieser melodramatische Auftakt ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

…deren Zeugen wir in der nächsten Epi werden…

Und –  Abspann bitte:

1993-94 Heino Ferch (im Alter von 30) – Peter, Sophias verschwundener Verlobter; Meret Becker – Sophia; Sebastian Koch – Marcel, Olgas Beau; Nina Kronjäger – Olga, reiche Erbin und verliebt in Marcel.

Genau.

 

Kommentar:

Die Szene ähnelt in der Haltung Hilfesuchen von Sophia (Meret Becker) und der Mitleidlosigkeit der angesprochenen Person hier Olga (dort Jan)  sehr stark der Szene „Wie halte ich was aus…“ Meret Becker – Heino Ferch in Meine schöne Bescherung.

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